Aus der Rubrik: Pro & Contra

Die Zukunft der mehrschoßigen Wohnbaus: Leicht oder massiv? Die Zukunft der mehrschoßigen Wohnbaus: Leicht oder massiv?

Thema des Monats: "Soll der mehrgeschoßige Wohnbau leicht werden?"

 

Der mehrgeschoßige Wohnbau ist in Österreich traditionell »massiv«. Ziegel und Beton beherrschen die Szene. Aber auch der Leichtbau will in dem lukrativen Segment stärker Fuß fassen. Argumentiert wird mit einer besseren Kosten-Nutzen-Rechnung, mehr Ökologie und Flexibilität. Dem stellt der Massivbau Argumente wie Wertbeständigkeit und Langlebigkeit entgegen. Die Diskussion in der Fachöffentlichkeit gleicht einer Glaubensfrage.

PRO: Monika Döll, Präsidentin BAU.GENIAL

»Der Leichtbau ist längst im mehrgeschoßigen Wohnbau angekommen. Allerdings sehen wir große Unterschiede in der Akzeptanz. Nehmen wir als Beispiel Skandinavien – dort finden wir den Leichtbau als Standard im mehrgeschoßigen Wohnbau. In der Schweiz haben wir Wohnbauten mit 20 Geschoßen in Holz. Auch in Österreich haben wir Leuchtturmprojekte, die zeigen, dass Holz im mehrgeschoßigen Wohnbau sehr wohl seine Berechtigung hat. Die Vorteile liegen auf der Hand: der hohe Vorfertigungsgrad, die kurzen Bau- und damit Finanzierungszeiten, die Energieeffizienz, die trockene Bauweise und das damit einhergehende gute Raumklima von Anfang an. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades verlangt Leichtbau aber mehr Planung vor Baubeginn. Mittlerweile werden Hotels und Seniorenresidenzen gebaut, wo ganze Wohneinheiten en bloc geliefert und auf der Baustelle nur noch versetzt werden.
Wir dürfen aber auch nicht nur an den Neubau denken. Schließlich ist der Anteil der jetzt und in Zukunft zu sanierenden Wohngebäude sehr viel größer. Und in diesem Bereich würden wir ohne Leichtbau gar nicht auskommen. Das geringe Gewicht, die schnelle und trockene Bauzeit – all das spricht eindeutig für Holz.
Natürlich verlangt diese Bauweise viel Fachkenntnis in Bezug auf Einsatz und die besonderen Qualitäten des Materials. Aber ist das nicht bei allen Baustoffen so? Muss nicht jeder Baustoff entsprechend seiner Eigenschaften und besonderen Qualitäten verwendet werden? Wird Holz falsch eingesetzt, können die Folgen fatal sein. Aber gilt das nicht ebenso für Ziegel oder Beton? Ob Leichtbau oder Massivbau ist also keine Glaubensfrage, sondern vor allem eine von Bautechnik und Bauphysik.«


CONTRA: Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie VÖZ

»Diese Frage ist nicht seriös zu diskutieren, ohne den strukturellen Umbruch unserer Gesellschaft mit zu bedenken. Zunehmende Verstädterung, zunehmende Alterung, zunehmende Flexibilisierung der Arbeitsumwelt bei sinkendem Anteil der disponierbaren Geldmittel sind nur ein paar Schlagworte, welche auf den Wohnungsmarkt einwirken. Nicht nur in den Ballungszentren wird es aus vielerlei Gründen nicht zu umgehen sein, die Verbauungsdichte zu erhöhen. Zumindest in den Städten werden die Objektgrößen bereits in absehbarer Zeit zulegen. Konsequenterweise wird Wohnungseigentum zugunsten der Mietwohnformen Schritt für Schritt zurückgedrängt. Was folgere ich daraus?
Gewerbliche Investoren setzen naturgemäß auf Wirtschaftlichkeit und hohe Qualität. Sie setzen auf Langlebigkeit, auf Werterhalt sowie geringen Betriebs- und Erhaltungsaufwand. Aus massiven Baustoffen errichtete Objekte bringen schon von Natur aus die besten Voraussetzungen mit, diesen Erwartungen zu entsprechen. Darüber hinaus bieten sie den unschätzbaren Vorteil, auch in Hitzeperioden ein angenehmes und gesundes Raumklima zu bieten. Der technologische Fortschritt in der haustechnischen Ausstattung unterstützt den Massivbau zusätzlich. Mit Bauteilaktivierung ausgerüstete Objekte sind ausgewiesene Energiesparmeister. Darüber hinaus bieten sie ein gesundes, sich selbst regulierendes Wohnklima, das seinesgleichen sucht.
Die Entscheidung darüber, welche Bauweise die beste ist, sollte man dem mündigen Nutzer überlassen. Die Investoren orientieren sich ohnehin recht schnell daran – und die Politik hätte endlich Zeit für die wirklich wichtigen Entscheidungen und Reformen.«

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