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Frisch serviert

Von Michael Ladstätter

Wer viel im Netz unterwegs ist, ist schon auf sie gestoßen: kleine orange Minibanner auf denen die Abkürzung RSS zu erkennen ist. Bis jetzt wussten viele Internetuser nichts mit diesem neuen Service anzufangen - dabei könnte diese inzwischen stark verbreitete Technologie schon bald den klassischen Newsletter ersetzen. RSS (\"Really Simple Syndication“) ermöglicht dem Nutzer, Inhalte von Webseiten oder Teile davon zu abonnieren. Die abonnierten Daten können dann automatisiert mittels Readersoftware (Aggregator) entweder auf dem Desktop des Users oder auf anderen Webseiten (z.B. Google, Netvibes.com) abgefragt und angezeigt werden. Wurde das RSS-Format schon 1999 erstmals von der Webplattform My Netscape Network verwendet, so durchlief das Format bis heute einige Versionsänderungen und wurde von verschiedenen Entwicklergruppen erweitert.

In Zeiten eines exponentiell steigenden Informationswachstums schützt RSS vor dem drohenden Informationsoverload. RSS-Reader verhelfen zentral und effizient den überblick über verschiedene Contentanbieter zu wahren. Webseiten müssen dafür nun nicht mehr extra angesurft werden. Der Reader holt neue Nachrichten von den abonnierten Webseiten automatisch auf den Desktop. Dies ist nicht nur bequem - es spart vor allem eine Menge Zeit. Der Informationsfluss des herkömmlichen Newsletters wird damit umgekehrt, denn dieser steht zunehmend vor einemImageproblem: Newsletter werden immer seltener abonniert, da die Angst sich damit unbeliebten Spam ins Postfach zu holen einfach zu groß ist. Bei RSS hingegen hat der Benutzer selbst die Kontrolle, wann und von wem er seine Nachrichten erhält und kann diese jederzeit sehr einfach abbestellen ohne auf die Zustimmung des Anbieters angewiesen zu sein.

Business-Faktor. Besonders im Businessbereich profitieren Entscheidungsträger von der Möglichkeit, ihre Informationsflut mittels RSS zu filtern. Firmen wiederum können damit Interessierte über neue Produkte, Marktgeschehnisse und Trends einfach und überschaubar auf dem Laufenden halten. Damit entsteht ein zusätzlicher Marketingkanal, welcher sich nur positiv auf die Kundenbindung auswirken kann. Neben den kleinen aber zahlreichen Personal Publishing Platformen wie etwa Weblogs, die sehr stark zur Verbreitung von RSS beigetragen haben integrieren zunehmend auch mittelständische Unternehmen diese Art des Kundenkontakts. Auch Global Player wie eBay und die personalisierte Suchmaschine Google sind seit kurzem bereit, ihren Kunden via RSS Services anzubieten.

Hemmschuh. Warum bei all den Benefits die breite Masse diese Technologie noch nicht für sich entdeckt hat? Schuld ist wieder einmal Microsoft: Können Browser wie Firefox und Opera schon seit einigen Jahren mit RSS umgehen wird der marktführende Internet Explorer erst mit der für die zweite Jahreshälfte erwarteten Version 7 RSS Feeds lesen können. Doch auch bei der Art wie die Feeds angezeigt werden, werden sich die Entwickler noch etwas einfallen lassen müssen. Firefox hat angekündigt in der Version 2.0 auch eine direkte Vorschau zu integrieren, um die Usability zu verbessern. Auch wenn RSS erst in den Startlöchern steht und noch nicht alles so \"simple“ ist, wie es sein Name verspricht, durchsetzen wird sich diese Technologie allemal. Denn Nachrichten schmecken auf eine Art am besten: frisch serviert!

 

RSS - So funktioniert`s
Viele Internet-Browser wie Netscape, Opera oder Firefox unterstützen bereits die XML-basierende RSS. Dabei werden mit Klick auf das orangefarbene RSS-Symbol die Feeds abonniert. Das Programm legt diesen Verweis als dynamisches Lesezeichen ab und zeigt darin automatisch Links zu den aktuellen Meldungen. Mail- und News-Leseprogramme wie Outlook und Mozilla Thunderbird verwenden den RSS-Feed wie eine Newsgruppe. Dabei muss mit der rechten Maustaste auf das Feed-Symbol (meist \"RSS“ oder \"XML“) geklickt, \"Verknüpfung kopieren“ gewählt und die Verknüpfung in das dafür vorgesehene Feld im Reader kopiert werden. Anbieter wie Netvibes.com oder Google erlauben dagegen auf einer personalisierten Startseite Feeds zu sammeln und zu verwalten. Der Vorteil: Es kann von jedem Rechner online darauf zugegriffen werden. Freie RSS-Readersoftware für Windows und Mac: RSSOwl
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„Warme Semmeln, rechtzeitig vom Bäcker“

Der globale Hardwarehändler Dell konnte zwei Jahrzehnte lang mit seinem Geschäftsmodell des Direktvertriebs stärker wachsen als seine Mitbewerber. Neue Profitabilität soll nun durch die Konzentration auf das eigentliche Kerngeschäft, den Business-Sektor, realisiert werden.

Report: Herr Hillebrand, noch nicht jede Firma interessiert sich für IT. Welche Branchen haben hier Aufholbedarf?
Thomas Hillebrand: Ich sehen eine Schwachstelle bei den kleineren Unternehmen. Diese Firmen haben zwar irgendwo schon einen PC stehen, haben aber in der Vorgehensweise, wie effizient die Geräte eingesetzt werden, noch Aufholbedarf. Auch ist es bei diesen Unternehmen essenziell, mobil erreichbar zu sein. Ein möglicher Kunde ruft vielleicht zwei mal bei einem Unternehmen an - erreicht er dann noch immer niemanden, weil es etwa kein Sekretariat im Back-Office gibt, oder der Unternehmer für eine Mailantwort länger als einen Tag benötigt, geht dieser Kunde an den Mitbewerb verloren. Heute wird von den Mitarbeitern erwartet, dass sie sofort auf Anrufe und E-Mails reagieren. Eine Lösung aus diesem Dilemma bieten nun mobile Datenkarten oder Smartphones.
Doch auch bei den größeren Unternehmen gibt es noch Aufholbedarf. Auch dort kann die Effizienz des Außendienstes verbessert werden. Es gibt etwa noch viele Außendienstmitarbeiter, die ohne Notebook arbeiten. Prozesse dort benötigen dann zeitintensive und fehleranfällige Zwischenschritte, um Geschäftsdaten verwalten zu können: Beim Kunden wird die gleiche Information auf einen Zettel geschrieben, die das Back-Office dann noch einmal abtippt. Dagegen ermöglicht ein durchgängiges, auf einer mobilen Datenkarte basierendes System, die Bestellung direkt beim Kunden aufzuzeichnen und dort direkt ins System einzugeben. Mit einer Datenkarte wäre der Mitarbeiter jederzeit online und kann von unterwegs ebenso arbeiten, wie wenn er im Büro sitzen würde.

Aktuellen Einschätzungen von Arthur D. Little und Ericsson zufolge können derzeit rund zehn Prozent der Mitarbeiter in Unternehmen in österreich auf eine Mobilitätslösung zurückgreifen. Nur ein Prozent der Mitarbeiter haben aber eine Lösung, die mehr als nur aus einem Firmenhandy besteht. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?
Oft haben die Mitarbeiter ein Notebook und ein businessfähiges Handy - ob alle Funktionen dann aber auch genutzt und im Unternehmen unterstützt werden, ist eine andere Geschichte. Das ist schade, denn mit klugen Office- und Mobillösungen könnten sich diese Firmen sehr viel Zeit und sehr viel Geld ersparen. Die skandinavischen Länder sind hier ein gutes Beispiel. Dort ist man uns mit mobilen Officelösungen drei Schritte voraus. Dennoch gibt es auch in österreich bereits Projekte, die in diese Richtung gehen. Im Vorjahr hat Wüstenrot seine Versicherungsberater im Außendienst mit dem Dell-Organizer Axim ausgestattet. Die Versicherungsbranche ist in diesem Bereich schon relativ weit. Dort ist man sich um die gute Chance eines Vertragsabschlusses bewusst, wenn der Kunden gleich vor Ort alle Berechnungen einsehen und auch unterschreiben kann.

Man muss den Kunden mittlerweile dort abholen, wo man auf ihn trifft.
Als Unternehmen gebe ich sonst dem Mitbewerb Zeit, den Kunden zu umwerben. Wenn ich anfangs jemanden überzeugt habe, dass mein Produkt oder Service das richtige ist, würde ich ihm andernfalls die Chance geben, bei der Konkurrenz Angebote einzuholen und generell wieder Verunsicherung aufkommen lassen.

Standardisierte Arbeitsplätze, sie werden zunehmend wichtig?
Standards sollten für jedes Unternehmen ein großes Thema sein. Aus folgendem Grund: Wenn bei einer Ausschreibung eine IT-Kostensenkung von 20 Prozent gefordert wird, gehen Firmen zu fünf verschiedenen Herstellern um einen besseren Hardwarepreis zu verhandeln. Wenn man aber weiß, dass nur 30 Prozent der IT-Kosten vom Hardwarepreis abhängig sind, 70 Prozent dagegen von Dingen wie Service, Support und nachgelagerten Bestellvorgängen herrühren, wird man diese Kosteneinsparung nicht schaffen - wenn etwa der Hardwarepreis nur um zehn Prozent gedrückt werden kann. Einsparungen funktionieren auf einer anderen Ebene: im Personalbereich. Ich gebe Ihnen ein einfaches Rechenbeispiel: ein Mitarbeiter aus dem IT-Bereich mit allen Lohnneben- und Arbeitsplatzkosten kostet etwa 70.000 Euro im Jahr. Hochgerechnet auf fünf Jahre ergibt das eine Summe von 350.000 Euro. Bei reinen Hardwarekosten von 500 Euro, für die man aktuell einen guten PC mit Monitor bekommt, wären das in diesem Abschreibungszeitraum 700 PCs. Diese 700 PCs könnte ich meiner Firma schenken, wenn sich die IT-Abteilung nur ein wenig effizienter aufstellt. Nötig dazu ist nun die Standardisierung der Arbeitsplätze. Oft benötigen Firmen allein zusätzliche IT-Kräfte, da sie PCs von fünf verschiedenen Herstellern im Einsatz haben. Sie wissen nicht genau, welche Garantien auf diesen Teilen aktiv sind oder welche Hotline für den Support angerufen werden muss. Sie benötigen für ihre Notebooklandschaft fünf verschiedene Images, deren Erstellen alleine einige Tage in Anspruch nimmt. Wenn das zweimal im Jahr mit fünf Gerätekonfigurationen gemacht wird, kommt man fast schon auf den einen Mitarbeiter, der extra dafür abgestellt ist. Bei einem Unternehmen mit einer Größe von dreihundert bis fünfhundert Mitarbeitern ist dies sicherlich ein Problem. Dieser Firma stehen nicht 20 sondern vielleicht nur fünf, sechs IT-Mitarbeiter zur Verfügung. Und diese sind dann auch nicht Spezialisten für jeden Bereich, benötigen also bei außertourlichen Aufgabenstellungen dreimal so lange wie ein Experte. Hier mit den richtigen Leuten und Partnern ranzugehen, ist für Dell eine große Herausforderung.

Welche Entwicklungen kann es noch bei Ihrem Direktvertriebsmodell geben?
Wir verstehen uns mittlerweile nicht mehr nur als Box-Mover sondern auch als Lösungsanbieter. Das sagen zwar unsere Mitbewerber ebenfalls von sich - wir aber wollen den Kunden universell bedienen. Heißt: bei Themen, die nicht unseren Kernfokus betreffen, holen wir uns Partner hinzu. Wenn etwa Außendienstmitarbeiter komplett mobil integriert werden müssen, suchen wir uns den richtigen Partner, dessen Know-how genau auf diesem Gebiet liegt. Trotzdem steht Dell dem Kunden als Single-Point-of-Contact gegenüber: wir sind der einzige Ansprechpartner für ihn. Dells Partner in österreich sind Unisys und Getronics, deren 1200 Servicetechniker für uns jederzeit auf Abruf stehen. Dies ist auch Alleinstellungsmerkmal: Kein anderer Anbieter kann sich auf so viele Techniker berufen. Solche Partnerschaften ermöglichen uns die Konzentration auf Dinge, bei denen wir wirklich gut sind: die Logistik und das Bauen und Zusammenstellen von PCs. Nebenher hat Dell als weltgrößter Hersteller auch einen Vorteil bei Preisverhandlungen mit den Zulieferern. Es könnte also sein, dass wir einen etwas besseren Preis bekommen, als ein Mitbewerber wie etwa Maxdata. Mit unserem direkten Vertriebsmodell ersparen wir uns Preisaufschläge aus dem Zwischenhandel und wir kennen dadurch alle unsere Kunden und ihre Bedürfnisse. Jeder meiner Mitarbeiter hat 20 bis 30 Kundenkontakte pro Tag. Wenn ich dies bei unseren 25 Innendienstmitarbeitern hochrechne, sind dies 500 Kundenkontakte. Ich weiß was draußen los ist, ich weiß was draußen passiert und muss mich nicht auf das Hören und Sagen eines Händlers oder Systemhauses verlassen.

Rentiert sich der Standort in Irland? Immerhin muss Dell von dort aus alle europäischen Länder abdecken.
Ja, er rechnet sich. Wir können dort innerhalb von nur acht Minuten einen Desktop zusammenstellen. Noch beträgt die Lieferzeit zum Kunden acht bis zehn Werktage. Doch wird in Kürze eine zweite Fabrik am Kontinent gebaut - zu diesem Projekt werden gerade die letzten Verhandlungen geführt. Diese Fabrik wird näher an österreich liegen und die Lieferzeit auf gut fünf Tage reduzieren. Dann wird Dell auch die Lücke zu den lokalen Systemhäusern schließen können, die heute bei Bestellungen nur zwei bis drei Tage zum Kunden benötigen. Dann haben unsere Kunden die warmen Semmeln rechzeitig direkt vom Bäcker.

Die in der Branche dominierende Marketingstrategie richtet sich nicht immer an die Bedürfnisse der Kunden, die Geräte scheinen in ihren Spezifikationen oft nur einem Selbstzweck nachzukommen. Wie sehen Sie diese Branche?
Bei uns bekommt der Kunde haargenau das, was er braucht. Er kommt nicht in die Verlegenheit etwas kaufen zu müssen, das zufällig von einem Hersteller gerade abverkauft wird. Unsere Aufgabenstellung ist auch nicht, etwas erfinden zu müssen, was dann unbedingt beim Kunden angebracht werden muss. Bei Sony funktionierte dies bislang, man schaffte sich damit neue Märkte. Diese Vorgehensweise ist aber zunehmend schwierig geworden. Ein Hersteller hat heute nicht mehr die Zeit, seinen Vorsprung bei neuen Produkten genügend auszubauen zu können. Früher hatten Hersteller noch ein bis zwei Jahre Zeit, bis ein Mitbewerber mit dem gleichen Produkt nachgekommen war. Mittlerweile hat sich dieser Vorsprung auf ein halbes Jahr reduziert. Für die Branche hat das weit reichende Folgen: Wenn ein Produkt nicht innerhalb eines halben Jahres am Markt positioniert ist, hat sein Hersteller ein Problem. Auch aus diesem Grund machen wir es umgekehrt: wir gehen zum Kunden und fragen ihn, was er mit seiner IT machen möchte. Der Computer ist schließlich nur ein Hilfsmittel, damit ein Unternehmen irgendwo schneller, besser, effizienter und kostengünstiger wird.

Gerade aber im Consumerbereich wird es dementsprechend schwieriger sein, mit Produkten die nicht im Geschäft stehen, den Kunden zu erreichen.
Wir haben in österreich ein Umsatzverhältnis von etwa 90 Prozent Business- und zehn Prozent Consumergeschäft. Mit der Alienware-Akquise, die wir vor kurzem gemacht haben, ist wieder ein Consumeranteil hinzugekommen. Wir konzentrieren uns hierzulande aber nicht auf das Consumergeschäft. Es wächst zwar zunehmend, da die Menschen immer mehr über Internet und Telefon bestellen. Sicher ist es aber so, dass man hier noch ein Produkt, das 1000 bis 2000 Euro kostet, vorher mindestens einmal in der Hand gehabt haben will. In diesem Bereich tun wir uns momentan etwas schwer. Gesamteuropäisch ist dies anders: in England ist Dell die Nummer eins auch im Consumerbereich, auch in den skandinavischen Ländern sind wir überall vorne mit dabei. In weniger internetaffinen Ländern wie österreich oder Italien ist dieser Markt noch wesentlich kleiner. Die österreicher stehen dem Einkauf aus dem Internet noch misstrauisch gegenüber. Bücher und CDs werden schon mal bei Amazon bestellt, aber ein PC? In den USA werden bereits Autos übers Internet gekauft, dort ist dies ein normaler Geschäftsvorgang. Durch die Generation, die heute mit der IT aufwächst, wird sich diese Angst aber von selbst erledigen. Meine Kinder sind sechs, fünf und drei Jahre alt - die haben keine Scheu vor dem PC, wissen wie sie mit der Maus arbeiten, Geräte einschalten und die CD wechseln.
Im Consumerbereich sind wir bei Leuten gut, die sich auskennen und die genau wissen, was sie haben wollen. Diese können sich bei Dell die Geräte selbst konfigurieren - etwa, was bei einem MediaMarkt oder anderen nicht so einfach möglich ist. Wenn Sie sich in einen Elektronikmarkt zu einem Notebook-Kauf informieren wollen, werden Sie ja zuerst einmal gefragt, was es kosten soll. Die Frage dort ist nicht, zu welchem Nutzen das Gerät angeschafft werden soll. Es gibt viertausend verschiedene Varianten, einen Desktop-PC zu bauen. Wenn ich genau weiß, welche ich brauche, bin ich bei Dell richtig.

Zur Person
Thomas Hillebrand, 38, wurde Ende 2003 zum Managing Director der österreichischen Niederlassung Dells ernannt. Davor war er als Maxdata-Geschäftsführer für den Aufbau in österreich verantwortlich. Vor dem Wechsel zu Dell war fungierte er als General Manager der Information Technology Group bei Sony Austria. Hillebrand ist verheiratet und hat drei, mit eigenen Notebooks ausgestattete Töchter im Alter von sechs, fünf und drei Jahren.
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Aufgetischt, aufgegessen und verstopft

\"Für uns ist nicht die Größe, sondern die Art der Information wichtig“, bekennt Christoph Weiss, Country Manager des Netzwerkspezialisten Packeteer. Das US-Unternehmen aus dem Silicon Valley hat die ersten zehn Jahre seines Bestehens locker überstanden und gilt heute mit einem Jahresumsatz von 120 Millionen Dollar als dominanter Anbieter von WAN-Optimierungslösungen. WAN-Optimization-Management gewinnt in den IT-Abteilungen weiterhin an Bedeutung, Analysten rechnen mit jährlichen Wachstumszahlen von gut 19 Prozent für die einschlägige Branche. Der Grund: Viele Unternehmen unterhalten heute verschiedenste Niederlassungen und Außenstellen die über ein Weitverkehrsnetzwerk miteinander verbunden sind. \"Meist laufen über 50 unterschiedliche Applikationen über ein WAN“, rät Weiss Unternehmen, diesen Netzverkehr genauer unter die Lupe zu nehmen.

Alternative Optimierung. Packeteer zufolge ist eine Vergrößerung der Bandbreiten nicht immer die optimale Lösung für eine Performanceverbesserung des Netzwerkes. Weiss umschreibt dies mit dem unbändigen Hunger der Applikationen nach Bandbreite: \"Kleine Teller stillen den kleinen Hunger, große Teller dann den großen Hunger“. Simpel zugekaufte Bandbreite werde oft von den Anwendungen gleich wieder aufgefressen. Besonders markant sei dies bei Software, die allgemein als nicht geschäftskritisch gilt - etwa Peer-to-Peer-Downloadprogramme, Internetradio oder von Usern in Eigenregie installierte Clients wie Skype. \"Wenn ein Nutzer zuhause Skype nutzt und die Software auf dem Notebook nicht im Firmennetz abdreht, wird sich dies kaum auf die Netzperformance auswirken. Trifft dies aber bei 20, 30 Nutzern zu, hat das Unternehmen ein Bandbreitproblem“, warnt Weiss.

Packeteers \"PacketShaper“-Appliances setzen an dieser Stelle an und geben einen Einblick in Netzwerk- und Applikationsparameter - etwas, was bei den meisten Unternehmen bis dato oft unbekannt war: Bandbreitenmanagement war bislang kapazitätsgetrieben, eine applikationsspezifische Kontrolle somit nicht möglich. Besonders in Zeiten von MPLS und VoIP würde nun aber ein intelligenteres WAN-Management gefragt sein, meint Weiss. Bei einem geschätzten Bandbreitenwachstum in Unternehmen von jährlich 50 bis 60 Prozent sei es nun essenziell, eine Systemoptimierung nicht ausschließlich über die Vergrößerung der Leitungen erfolgen zu lassen. Packeteer managt auf oberster Applikationsebene (Layer 7) im Netzwerk und kontrolliert und priorisiert die Datenpakete für den jeweiligen Bedarf - bis auf Einzelplatzebene herunter. Damit wird nun auch einem großen Trends Rechnung getragen: der Migration des Sprachverkehrs in die Datennetze. Die neue Version 8.0 des Systems fokussiert daher auf IP-Telefonie- und IP-Videokonferenzanwendungen. Mit dem entsprechenden Management werden neben einer möglichen Komprimierung echtzeitkritische Internettelefonie-Daten gezielt durch die Wolke geleitet, Brandbreitenfresser wie etwa Downloadservices bekommen zeitlich und strukturell festgelegte Leitungskapazitäten zugewiesen. \"30 bis 60 Prozent des WAN-Verkehrs sind in der Regel unnötig\", verspricht Packeteer-Manager Weiss, der für die Länder Deutschland, österreich und Schweiz verantwortlich zeichnet, ebenso hohe Kapazitätseinsparungen.

Leadership bald vorbei. Packeteer mag derzeit großer Player am WAN-Optimizing-Markt sein - allzu lange wird der Vorsprung nicht mehr halten. Neben Bestrebungen der Nummer eins, Cisco, auch diesen Bereich künftig wesentlich mitzubestimmen, hat nun Ciscos großer Konkurrent Juniper den WAN-Acceleration-Spezialisten Peribit Networks für 337 Millionen Dollar übernommen. Der Schritt Junipers gilt als kräftiges Zeichen, das eigene Netzwerkportfolio wesentlich zu erweitern und Cisco außerhalb des Core-Routing-Marktes ernsthaft Paroli zu bieten. \"Mit der Marketingmacht von Juniper und Cisco wird dieser Nischenmarkt zweifelsohne eine neue Breite erfahren\", setzt nun Weiss auf Schützenhilfe der Big-Player. Auch wenn damit die Leadership-Phase Packeteers ein Ende finden wird. \"Der Markt insgesamt wird enorm wachsen\", rechnet Weiss, dass bei den neuen Aktivitäten der beiden Silicon-Valley-Nachbarn auch einiges für Packeteer abfallen wird.

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Express, Media und Mobility

Der IKT-Anbieter Avaya will durch die Einführung von drei neuen Softwarelösungen die Einsatzmöglichkeiten und Anwenderfreundlichkeit sein Portfolio für mittelständische Unternehmen erweitern. Zielgruppe für diesen Bereich der intelligentne Kommunikationslösungen sind in erster Linie Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern. Die Lösungen wollen neue Funktionen bei einfacher Anwendung, Implementierung, Administration und Wartung bieten.

Zu den neuen Softwareneuerungen zählen:

  • Avaya MultiVantage Express - eine breite Palette an Kommunikations-Anwendungen vorintegriert auf einem Server, einschließlich IP-Telefonie, Messaging, Contact Center und Avaya one-X Mobile- und Desktop-Editionen.
  • Avaya S8400 Media Server - erweiterte Kapazitäten und neue Funktionalitäten der Avaya Communication Manager IP-Telefonie für Kunden, die bereits Definity ProLogix, IP600- oder S8100-Server nutzen.
  • Integral 55 Mobility Solution Pack - verbesserter Kommunikations-Support für Außendienstmitarbeiter bzw. mobile Arbeitskräfte, die Integral 55 nutzen; Teleworking, Kollaboration, Mobilität am Arbeitsplatz und mehr werden auf diese Art vereinfacht.Diese neuen Softwarelösungen bedeuten Avaya zufolge für den Anwender Kostenersparnisse, da durch die zahlreichen Verbesserungen eine Produktivitätszunahme erreicht werden könnte. \"Mittelständische Unternehmen erreichen Vorteile im Bereich Risikomanagement und Sicherung der Geschäftskontinuität und können durch neu gewonnene Mobilität, Verlässlichkeit und Flexibilität mit den neuen und sich ständig weiter entwickelnden Anforderungen im Geschäftsleben Schritt halten\", so der Kommunikationsspezialist.

    Geschichte. Avaya wurde Ende 2000 mit der Ausgliederung aus Lucent eine selbstständige Gesellschaft. Zuvor gehörte Avaya länger als ein Jahrhundert zu Western Electric und AT&T. Im November 2004 hat Avaya den Kommunikationsdienstleister Tenovis übernommen.

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    Kollektionen begleitet

    Infor, ein Softwarehaus mit Spezialierung für die Fertigungsindustrie und den Großhandel, präsentiert im Rahmen der Bekleidungstechnikmesse IMB zwei neue Lösungsbausteine für \"Infor PLM Runtime QT\". Die Product-Lifecycle-Management-Lösung für die Bekleidungs- und Schuhindustrie wird damit mit neuen Funktionalität ergänzt.

    Runtime QT- eCollaboration V2.0 ist die jüngste Version des webbasierten Produktdatenportals von Infor, das ein integraler Bestandteil der Runtime QT- PDM Engine ist. Produktentwickler erhalten dadurch die Möglichkeit, Durchlaufzeiten durch eine bessere Zusammenarbeit zwischen internationalen Zulieferern, Herstellern und Produktionsstätten drastisch zu reduzieren. Die Software steigert die Effizienz des Angebotsprozesses derLieferanten, erhöht die Kontrolle über die Test- und Vorproduktions-Phase und optimiert die Qualitätskontrolle im Produktionsprozess.

    Infor PLM Runtime QT - ACP wiederum wurde als Antwort auf die zunehmende Komplexität der Kollektionsplanung entwickelt, die durch immer mehr Kollektionen proJahr und steigende Zahlen an Teilen pro Kollektion geprägt ist. Fürgewöhnlich werden Kollektionen oft buchstäblich in den Köpfen einer Handvoll Verantwortlicher verwaltet, die mehr schlecht als recht von einfachen händisch erstellten Tabellen-Systemen unterstützt wurden. Runtime QT - ACP ist ein vollständig integriertes Planungstool, mit demUnternehmen sicherstellen können, dass ihre neue Kollektion genau mit ihrer Strategie, den Budgets und den Modetrends übereinstimmt.

    Das Softwarehaus hat früh mit Produkten zu einer PLM-Vision begonnen: \"Unsere Runtime-Lösung hatte bereits auf der IMB 2003 einschlagenden Erfolg\", erinnert sich Hermann Stehlik, Vice President Infor.

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    Software für Fußballer

    Innovative Software kann auch dort kreativ eingesetzt werden, wo man sie als letztes erwartet - das beweist IDS Scheer im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Fußballenthusiasten des Unternehmens haben die Software \"ARIS Process Performance Manager\" (ARIS PPM), die normalerweise real ablaufende Geschäftprozesse von Unternehmen aufzeichnet und verständlich visualisiert, einer \"Fitness-Kur\" unterzogen: ARIS PPM wurde so angepasst, dass es selbst den Analysebesonderheiten von Fußballspielen Rechnung trägt.

    Mehr als 40 Spiele wird das \"Soccer Performance Team\" von IDS Scheer aufzeichnen. Diese werden während der Fußball-WM auf der Website www.improveyourteamplay.com mithilfe des ARIS-Moduls \"OrgAnalyzer\" genau analysiert und anschließend von einem Fußballprofi bewertet. Dank dieses Moduls werden verschiedene Spielprozesse grafisch visualisiert, wie etwa Spielpässe, die Aufstellung der Hauptanspielpartner oder der so genannten \"Key Player\", die während des gesamten Turniers im Einsatz waren. Ein Vergleich der taktischen Soll-Aufstellung der Teams mit dem tatsächlichen Spielverlauf wird so mit der Controlling - Komponente der ARIS Platform möglich gemacht. Außerhalb des Fußballfeldes wird die automatische Organisationsanalyse mit ARIS PPM eigentlich im Service- und Support-Bereich von Unternehmen eingesetzt. Hier dient sie etwa zur Bewertung von Kommunikationsflüssen in Call-Centern.

    \"Das Soccer Performance Team von IDS Scheer hat sich ganz spontan gegründet und das Software-Modul der Fußballwelt angepasst. Hier zeigt sich nicht nur die Kreativität unserer Mitarbeiter - wir habe auch einen sehr plastischen und spielerischen Weg gefunden, unseren Geschäftskunden den Mehrwert von ARIS PPM vorzuführen\", so Georg Komornyik, Geschäftsführer der IDS Scheer österreich.

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    Trend zu Bündelungen

    Auf dem Festnetzmarkt wird es weiter enger. Die alternativen Festnetzanbieter attackieren kräftig den Incumbent Telekom Austria. Im Wochentakt werden neue, attraktive Preismodelle vorgestellt, um den Kunden den Providerwechsel zu erleichtern. Besonders im Businessbereich sind \"Bundles\" gefragt. Der Fokus liegt klar auf einer, einzigen Rechnung um den Unternehmenskunden übersichtlich und einfach die Verwaltung seiner Kommunikationskosten zu ermöglichen. Trotzdem verhält sich die TA, obgleich potenter Eigentümer eines Fest- und Breitband- sowie Mobilfunknetzes, auch mehr als zehn Jahre nach der Marktliberalisierung auffallend ruhig. Konzerneigene Animositäten beherrschen die Strategien der Kundengewinnung. Heißt: Die Mobilfunktochter mobilkom austria setzt weiterhin auf den eigenen Rechnungsweg. Den Kunden - sollten sie Fest- und Mobilnetzdienste vom Incumbent beziehen - flattern unterschiedliche Rechnungen ins Haus.

    Dem Markt erweist die TA damit einen Bärendienst. Solange man nicht fähig ist, Unternehmenskunden (sowie Privaten) eine, einheitliche Abrechnung für ALLE Dienste des Konzerns zu ermöglichen, werden sich Unternehmen wie eTel und Tele2UTA weiterhin brüsten können, ebendies besser zu schaffen. Ein jüngst von der TA vorgestelltes Kombiangebot verdeutlicht das Unvermögen, dieses Kernbedürfnis der Branche zu erfüllen: In einer gemeinsamen \"Fix-Mobil-Kommunikations-Aktion\" (die Nomenklatur soll einladen, verwirrt aber nur) empfiehlt man Neukunden, sich für einen TikTak-Privat-Tarif und eine A1-Erstanmeldung zu entscheiden. Der Benefit: Wegfall des Herstellungsentgeltes, eine Rechnungsgutschrift und rabattierte Grundgebühren.

    Statt ein strategisch nachhaltiges Zeichen zu setzen - so rechnen Branchenexperten weltweit mit einer verstärkten Fusion der Festnetzanbieter mit Mobilfunkunternehmen, um sich auf durchgehend konvergente Dienste (ein Netz, viele flexible Services) - zückt man in der Lassallestraße den Taschenrechner um die Kunden mit Kleingedrucktem einzufangen. Festnetzvorstand Rudolf Fischer und Mobilkom-Chef Boris Nemsic meinen \"mit diesem ersten Kombiangebot von Festnetz- und Mobiltelefonie die Synergien innerhalb der Telekom Austria Gruppe optimal genutzt\" zu haben. Was bleibt, ist zu hoffen, dass möglichst bald visionärere Synergien in die Produktpalette des Marktführers fließen werden. Aus zweierlei Kerninteressen heraus: der Eigentümer wird sich bei einer logischen Verstrickung von Fest- und Mobilfunknetzen mit der Filettierung durch den Abverkauf einzelner Sparten (wie etwa der lukrativen mobilkom) wohl schwerer tun. Der TA bleibt damit die Gesamtheit der Technologien erhalten - ein unschätzbarer Vorteil gegenüber aggressiven Nischenplayern. Und weiters tendiert derzeit alles Richtung Breitband und Flatrate. Das Sprachgeschäft wird zusehends von pauschalierten Datenprodukten ersetzt. Damit wird eine neue, mit verschiedensten Services angereicherte Erlebniswelt geschaffen. Dies ist aber nur dann dann möglich, wenn dies dem Kunden am wichtigsten ständigen Berühungspunkt mitgeteilt wird - der monatlichen Rechnung.

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    Music is in the air

    Mit dem neuen ZP80 Bundle von Sonos kann digitale Musik überall im Haus mit vorhandenen Audiosystemen wie Heimkino, Stereoanlagen, Aktivlautsprechern, Kompaktradios und ähnlichem abgespielt werden. Der Anschluss an den ZP80 genügt, und schon wird jedes Audiogerät in einem beliebigen Raum sofort und nahtlos Bestandteil eines drahtlosen digitalen Multi-Room-Musiksystems. Das neue Bundle-Angebot besteht aus zwei kompakten Sonos ZonePlayer 80 (ZP80) und einem Sonos Controller. Die kabellose Fernbedienung verfügt nicht nur über eine stylishes LCD-Farbdisplay. Mit ihm hat der Musikliebhaber die Kontrolle über seine gesamte Musiksammlung in jedem Raum des Hauses buchstäblich in der Hand, auch wenn er unten im Garten steht.

    Da alle Produkte des Sonos Digital Music Systems laut Hersteller uneingeschränkt miteinander kompatibel sind, können das ZP80 Bundle oder einzelne ZP80 mit dem Sonos Zoneplayer 100, der einen eingebauten Verstärker besitzt, kombiniert werden, um in bis zu 32 Räumen ein echtes Multi-Room-Musikerlebnis entstehen zu lassen.

    Der kompakte ZP80 verfügt über digitale sowie analoge Ausgänge, um in jedem Raum einen überragenden Klang zu erzeugen. Er hat außerdem Line-in-Verbindungen mit Auto-Erkennungsfunktion, die laut Hersteller jede beliebige Line-in-Quelle digital kodieren können. Dadurch können Sonos-Nutzer eine externe Audioquelle, wie beispielsweise einen Apple iPod oder CD-Player an einen beliebigen ZonePlayer anschließen und die Daten der externen Quelle auf allen anderen im Haus vorhandenen ZonePlayern wiedergeben.

    Das Sonos ZP80 Bundle ist im Einzelhandel ab sofort für 1.149 Euro erhältlich. Einzelne ZP80 ZonePlayer sind für 399 Euro erhältlich.

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    Mehr als ein Scooter

    Der Scooter mit dem sperrigen Namen \"JuMOVe2“ ist aber mehr als eine amüsante Zurschaustellung der Leistungsfähigkeit von Brennstoffzellen. Es ist der Prototyp einer zielgerichteten Entwicklung für den Einsatz in Horizontalkommissionierer. Mit dem auf der Hannover Messe präsentierten Scooter will das Forschungszentrum Jülich zeigen, dass das entwickelte Antriebssystem auch unter realen Bedingungen den Anforderungen standhält. Mit einer Kommerzialisierung rechnet man in Jülich allerdings erst in rund fünf Jahren. Das liegt aber nicht an der Technologie, sondern vielmehr an einer fehlenden Infrastruktur und den fehlenden Rahmenbedingungen , um die Technologie in ein kommerzielles Produkt umzuwandeln.
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    \"Eine Nische in der Nische“

    Als der schwäbische Reichsritter Götz von Berlichingen 1504 im Landshuter Erbfolgekrieg seine rechte Hand verlor, wurde er zu einem der bekanntesten Handprothesenträger der Geschichte. Ein für seine Zeit erstaunliches High-Tech-Gerät, die so genannte eiserne Hand war eine Prothese, die sich durch ein Zahnradgetriebe bewegen ließ. Trotz dieses Meilensteins gestalteten sich die technologischen Fortschritte in der Prothetik aber weiterhin eher schleppend, der berüchtigte und keinesfalls rein fiktive Piratenhaken hatte längst noch nicht ausgedient.
    Dies änderte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhundert. Der erste Weltkrieg mit knapp 20 Millionen Verwundeten schaffte einen enormen Bedarf an Prothesen. Im Jahr 1916 gelang dem deutschen Chirurgen Ferdinand Sauerbrauch mit einer nach ihm benannten Prothese ein großer Wurf: Beim Sauerbruch-Arm wurde im verbliebenen Armstumpf ein Kanal gelegt, durch den ein Elfenbeinstift geschoben wurde. Dieser Stift konnte Muskelkontraktionen an die Prothese weitergeleitet und die Hand schloss sich zu einem Griff.
    Qualitativ war das ein Fortschritt, das Problem war die Quantität. Der Sauerbruch-Arm war teuer und nur einer äußerst betuchten Klientel zugänglich. Das Problem waren aber die unzähligen gemeinen Frontsoldaten, die im Krieg Arme oder Beine verloren hatten. Das Angebot konnte mit der Nachfrage nicht mithalten. Die moderne Prothetik steckte immer noch in den Kinderschuhen, mit den traditionell handwerklichen Methoden war der Bedarf nicht zu decken. Eingebettet in dieses historische Umfeld hatte der deutsche Orthopädiemeister Otto Bock die Idee, Prothesenpassteile in Serienproduktion zu fertigen und direkt an die Orthopädiemechaniker vor Ort zu liefern.
    Bald nach der Gründung zog das junge Unternehmen nach Königsee in Thüringen, der Heimat von Otto Bock. Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurden Privatvermögen und Fabrik enteignet. Das Unternehmen konnte aber im niedersächsischen Duderstadt überleben, wo Bocks Schwiegersohn Max Näder seit 1946 eine neue Fertigungsstätte aufgebaut hatte.

    Im Laufe der Zeit
    Seit den Anfangsjahren von Otto Bock hat sich einiges verändert. Das lange Zeit vorherrschende Pappelholz wurde durch Kunststoff und neuerdings auch Carbon ersetzt. Die ästhetik spielt eine immer wichtigere Rolle und die Funktionalität und Alltagstauglichkeit wurden in den Vordergrund gestellt. In großen Maßen unverändert ist die Produktionsweise. Auch heute noch werden in erster Linie Prothesenbauteile gefertigt. Individuell auf den Patienten zugeschnitten wird die Prothese vom Orthopädietechniker.

    Standort Wien
    Mit seinen zahlreichen internationalen Niederlassungen, darunter etwa die Otto Bock USA in Minneapolis, ist Otto Bock heute einer der wenigen echten Global Player in der Orthopädietechnik. Seit 1969 gibt es auch eine Niederlassung in österreich. Was als reine Vertriebsgesellschaft begonnen hat, wurde 1972 um einen Produktionsstandort zur industriellen Herstellung orthopädischer Artikel erweitert. Heute arbeiten am Wiener Standort 290 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 53,5 Millionen Euro erwirtschaften. Der Schwerpunkt in Wien: Forschung und Entwicklung. \"Ein Viertel der Mitarbeiter und 20 Prozent des Umsatzes werden in Wien in Forschung und Entwicklung gesteckt“, erklärt Gerald Haslinger, Unternehmenssprecher Otto Bock Healthcare Products GmbH. Konzernintern genießt die Wiener Niederlassung hohes Ansehen, liegt doch hier die Marktführerschaft für mechatronische Elemente. Etwa das myelektrische Handsystem \"SensorHand Speed“, das ein schnelles und sicheres Zugreifen ermöglicht und dank Griffstabilisierungssystem verhindert, dass Gegenstände aus der Hand rutschen oder fallen gelassen werden. Oder der DynamicArm, ein elektronisch gesteuertes und elektromotorisch angetriebenes Ellbogen-Gelenk. Auch der C-Leg, ein mikroprozessorgesteuertes Kniegelenk, hat seinen Ursprung in Wien. Eine Leistung, die 1999 mit dem österreichischen Innovationspreis honoriert wurde. \"Es ist kein Zufall, dass Otto Bock den Forschungsschwerpunkt nach Wien verlagert hat“, sagt Haslinger. \"Hier findet das Unternehmen ein sehr gut ausgebildetes Personal vor und eine gute Vernetzung mit universitären Instituten.“ Der hohe Stellenwert Wiens innerhalb des Konzerns zeigt sich auch daran, dass Wien das Headquarter für Westeuropa ist - und nicht wie man vielleicht meinen möchte für Osteuropa.

    Nischenproblematik
    \"Die Anzahl der produzierten Prothesen geht bei Otto Bock in die tausende, nicht aber zigtausende“, sagt Haslinger, der die Medizintechnik als kleine Nische im Gesundheitswesen betrachtet. Dass die Prothetik lediglich eine weitere Nische in dieser Nische ist, lässt sich mit Zahlenmaterial belegen. In österreich gibt es jährlich rund 1000 große Amputationen. \"Für die adäquate Versorgung dieses relativ kleinen Personenkreises braucht es ein Commitment aus Politik, Kostenträger und Mediziner“, ist Haslinger überzeugt. Es sei wichtig für diese kleine Gruppe von Personen, die nicht gut versorgt ist und die über keine nennenswerte Lobby verfügt, einzutreten. Noch in diesem Jahr soll ein Vorschlag an die Politik herangetragen werden, wie man die Versorgung dieser Menschen garantieren könnte. Die Hoffnung, dass der Vorschlag angenommen werden könnte, lebt zwar bei Otto Bock, allzu groß ist sie aber nicht. Schließlich werde überall im Gesundheitswesen eingespart, und damit auch im Bereich der Prothetik. \"Man kann aber das eine mit dem anderen nicht vergleichen“, so Haslinger. \"In der Prothetik geht es nur um eine ´Handvoll Personen´. Wenn hier bei der Versorgung eingespart wird, bleibt nichts mehr übrig.“ In der Pharmazie könne man auf Generika setzen, das sei aber in der Prothetik nicht möglich.
    Dass in der Prothetik wie auch in der Medizintechnik allgemein der Rechenstift nicht immer oberstes Gebot ist, bestätigt auch Haslinger. \"In der Forschung gibt es einige Themen, die isoliert betrachtet unwirtschaftlich sind, weil sie nur einer ganz kleinen Zielgruppe dienen.“ Dennoch wolle Otto Bock auch diesen Bereich nicht vernachlässigen. Zum einen gebe es da eine gewisse moralische Verpflichtung und zum anderen könnten die Erkenntnisse aus diesen Bereichen auch anderweitig eingesetzt werden. Diese Vorgehensweise entspricht einer der zentralen überlegung in der Prothetik, bereits bestehende Technologien für die Prothetik nutzbar zu machen.

    In- und Outsourcing
    Während bei vielen anderen Unternehmen Outsourcing im Zentrum des Interesses steht, geht man bei Otto Bock den umgekehrten Weg - zumindest was kritische Bauteile und technologische Verfahren anbelangt. Schon jetzt werden die meisten Komponenten im Haus produziert, schließlich ist es schwierig, für so geringe Mengen Lieferanten zu finden. Aber auch weniger problematische Bereiche wie das Design sollen schon demnächst wieder \"ingesourct“ werden. Einzig die Grundlagenforschung wird auch in Zukunft nicht ausschließlich intern erledigt. Hier gibt es und wird es weiterhin sehr enge Kooperationen mit Universitäten geben.
    Auch wenn der Forschungsaufwand in einem hoch spezialisierten Bereich wie der Prothetik enorm ist, kennt man bei Otto Bock keine Angst vor Plagiaten. Nicht einmal Plagiats-Primus China kann Haslinger beunruhigen \"Unser Vorteil ist es, dass wir etwa auf dem Gebiet der Handprothetik weltweit absolut führend sind“, sagt Haslinger stolz. \"Ein potenzieller Konkurrent wird es sich daher genau überlegen, ob es für ihn Sinn macht, in diesen Bereich einzusteigen und viel Geld zu investieren.“

    Ausblick
    Die Zukunft der Handprothetik liegt laut Gerald Haslinger eindeutig in der intuitiven Steuerung. Mit der heutigen Technologie sind für die Bewegung zwei Elektroden verantwortlich. Durch die Kontraktion der an den Sensoren angeschlossenen Muskeln werden Bewegungen durchgeführt. Derzeit wird bei Otto Bock an einer Steuerung geforscht, die neben der intuitiven Steuerung auch mehrere Befehlen ausführen und mehr Freiheitsgrade beherrschen soll. Mit einer praktischen Umsetzung vor 2015 ist allerdings nicht zu rechnen.
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