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Die Naht macht den Schuh

Jedes lebende System sucht sich eine Nische«, lernen wir im Fach Naturwissenschaft. Das ist schon wieder mal nicht ganz korrekt. Denn eigentlich kann ein lebendes System nur in herrschende Umstände hineingeboren werden. Wer also leben will, muss zu den herrschenden Umständen passen. So ist es auch bei der Schuhmanufaktur Reiter: Der Markt für rahmengenähte Schuhe ist eine eher kleine Nische in der Schuhindustrie, in welcher das lebende System »Schuhmanufaktur Reiter« trotzdem gut lebt - weil das Produkt zu den herrschenden Umständen passt.
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Nach dem Monopol

Ein internationaler Vergleich zeigt, dass ein Mehr an Markt und Wettbewerb dem Umfang, der Qualität und dem Preis für Postdienste im Bereich der Grundversorgung in keiner Weise geschadet hat. Im Gegenteil, jene Universaldienstleister, die sich auf einem völlig oder großteils freien Markt bewegen (z.B. Finnland, Schweden, NL) zählen zu den effizientesten und wirtschaftlich erfolgreichsten Postunternehmen. Gleichzeitig ist der Universaldienst in diesen Ländern keinesfalls gefährdet und das Qualitätsniveau ist tendenziell gestiegen. Die Preise für Geschäftskunden sind gefallen, jene für Endverbraucher bei besserer Qualität und mehr Leistungsangebot zumindest gleichgeblieben.
Die Entwicklung eines echten Marktes für Postdienste ist nämlich nur dann möglich, wenn private Dienstleister die »kritische Menge« erreichen können, sprich, wenn für sie Sendungsvolumina zugänglich sind, damit sie überhaupt am Markt existieren können.Mangels dieser zugänglichen Sendungsvolumina ist es für einen privaten Postdienstleis­ter unmöglich, in bestimmten, dünner besiedelten Gebieten kos­tendeckend zuzustellen. Dürfte etwa >redmail, der alternative Anbieter, mehr Sendungen zustellen, so wäre >redmail sehr wohl auch kurzfristig in der Lage, an jede Adresse in österreich zuzustellen.Beweise dafür sind die lückenlos flächendeckende Zustellung des Herold Telefonbuchs sowie die Zustellung der Kleinen Zeitung an über 95 % der Abonnenten in Steiermark und Kärnten.

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Wetten auf Wettbewerb

Reinhard Haas, Professor am Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der TU Wien, ist ein umsichtiger Redner. Niemals würde er Anwesende an den Pranger stellen. Wohl deshalb wählte er für seinen Kurzvortrag zum Thema »Energiewirtschaft privat oder Staat« Beispiele aus Deutschland. Dort fuhren die Stromriesen RWE und E.ON 2005 insgesamt elf Milliarden Euro Gewinn ein, was Wirtschaft und Haushalte gleichsam erbost - sie zahlen schließlich die Zeche. österreich ist viel kleiner und die Strompreise hierzulande sind im Vergleich zu Deutschland moderat. Dennoch weisen auch die Bilanzen der E-Versorger stets steigende Gewinne aus - Unschuld sieht also anders aus. Jeder Eingeweihte weiß um die vielen Millionen, welche die Stromwirtschaft eingesackt hat, etwa für CO2-Zertifikate, die sie gratis zugeteilt bekommen hat. In Deutschland betrugen die sogenannten Windfall-Profits 2005 satte vier Milliarden Euro. Auch kann jeder halbwegs vernünftige Bürger die Potenz der Wasserkraft ermessen, die sich so richtig dann offenbart, wenn Gas und öl teuer sind. Der Rohenergiepreis treibt den Strompreis, die Wasserkraft bleibt davon weitgehend unberührt und profitiert von den gestiegenen Großhandelspreisen. »Von hohen Gewinnen in der E-Wirtschaft müssen alle Menschen etwas haben, nicht nur wenige Aktionäre«, forderte Agnes Streissler, Leiterin der AK-Abteilung Wirtschaftspolitik. Sie ist gegen weitere Privatisierung der Energiesparte. »Wenn die Energieunternehmen schon Monopolisten sind, dann lassen wir doch die öffentliche Hand daran beteiligt sein: So können die hohen Gewinne über Staatsausgaben an die Allgemeinheit umverteilt werden«, fordert Streissler. OMV-Chef und Mitdiskutant Wolfgang Ruttensdorfer sieht in dieser Forderung eine »Kapitulation und ein Modell aus früherer Zeit«. Eine effiziente Marktregulierung sollte auch dann möglich sein wenn Private Mehrheiten halten. Dem stimmt Reinhold Mitterlehner, Generalsekretär der Wirtschaftskammer österreich, zu. Er lässt keinen Zweifel daran, dass die Bilanz nach fünf Jahren Liberalisierung für die Industrie wenig erfreulich ist. »Wir haben eine kartellähnliche Situation, die Problematik ist national nicht lösbar«, meint er und wünscht sich eine »Nachschärfung der Richtlinien auf EU-Ebene«. Sein Rezept: »Deregulierung für mehr Wettbewerb«. Die Liberalisierung sei in österreich missglückt, weil die Gesetzgeber zugleich auch Eigentümer von Energieversorgern sind.

Weil für ihn Gewinne nicht per se böse sind, bringt Mitterlehner eine neue Idee in den Diskurs: »Ein Kodex für Gewinnverwendung wäre eine Idee«, glaubt er. Werden Gewinne in neue Kraftwerke gesteckt, sei das okay, weil damit ja mehr Energie verfügbar werde, was den Preis niedrig halte. Eher wenig Verständnis hat Mitterlehner dafür, dass EVU ihr Geld in Wasser- und Abwasserprojekte pumpen. Insgesamt glaubt er jedoch daran, dass weitere Privatisierungen eine Belebung des Marktes und sinkende Preise bringen könnten.

Dass Wettbewerb auch funktionieren kann, wenn die am Markt tätigen Unternehmen mehrheitlich im Eigentum der öffentlichen Hand stehen, belegt für Haas das Beispiel Norwegen. »Das zeigt, dass öffentliche Unternehmen effizient wirtschaften und kein Unterschied zu Privaten besteht«, glaubt er.

Als »Unsinn« bezeichnet der im Publikum anwesende Johannes Sereinig die gänzliche Ablehnung von Privatisierung. »Wir sind ein sehr kleines Land mit sehr kleinen Unternehmen«, gibt er zu bedenken. Sereinig glaubt, dass die Art der Regulierung letztlich entscheidet, ob ein Markt funktioniert oder nicht. Bekanntlich wird derzeit in Brüssel das totale Unbundling, also die eigentumsrechtliche Trennung zwischen Netzbetreiber und Energieerzeuger, überlegt. Das würde die heimischen EVU hart treffen, wo sie laut E-Control doch schon die gesellschaftsrechtliche Trennung nur partiell umgesetzt haben. Der Verbund hat diese Chance längst gewittert und bittet schon ziemlich offen zum Verhandlungstisch. Das sei gescheiter als die österreichische Stromlösung, schickte Verbund-Chef Hans Haider kürzlich einen Gruß aus Italien, wo er gerade ein Kraftwerk eröffnete. Was die Gewinne der OMV selbst betrifft, hat Ruttensdorfer ein reines Gewissen. Von den 700 Millionen, die 2005 nach Steuern blieben, wurden zwanzig Prozent an die Aktionäre ausgeschüttet, der Rest investiert. In Raffinerien, in Pipelines und in die Förderung von neuem öl - kurzum, um die Versorgung zu sichern. Was den ölpreis der Zukunft betrifft, ist Ruttensdorfer zuversichtlich. Derzeit seien 360 große Entwicklungsprojekte im Laufen. Die Förderung werde von 85 Millionen Fass pro Tag auf hundert Millionen gesteigert. »In vier Jahren haben wir deutliche Reservekapazität, da der Verbrauch nicht so drastisch steigt«, glaubt er. »Reiner Zweckoptimismus, weil sie Angst haben vor einem Nachfragerückgang«, kontert Mitterlehner launisch.

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Definitive Option

Einen »stadtplanerischen Wahnsinn« nennt es der Planungssprecher der Wiener öVP Alfred Hoch, ein »absurdes Projekt« der grüne Gemeinderat Christoph Chorherr: Das geplante Stadion in Rothneusiedl im Süden Wiens bewegt die Gemüter. Dass in den letzten Wochen wieder Bewegung in die Diskussion rund um die neue Heimstatt des Wiener Fußballklubs Austria gekommen ist, hängt mit der ultimativen Forderung von Frank Stronach, dem Hauptsponsor der Violetten, zusammen, nur dann an Bord bleiben zu wollen, wenn er auf dem 105 Hektar großen Gebiet zwei Stadien samt Einkaufszentrum, Freizeitpark mit Golfplatz und Rehazentrum bauen darf. Damit ist Wiens Bürgermeister Michael Häupl in einer doppelten Zwickmühle: Als Stadtoberhaupt muss er Stronach als Großinvestor und Arbeitsplatzbeschaffer bei Laune halten, ebenso wie er ihn als Vorsitzender des Kuratoriums der Austria als Sponsor behalten will.
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Sieger im Burgenland gekürt

Eisenstadt - Die Sieger des \"ebiz egovernment award 2006 Burgenland“ stehen fest. Am 27. September wurden in Anwesenheit von Landesrat Helmut Bieler und zahlreichen prominenten Vertretern aus Wirtschaft und Politik die besten E-Business- und E-Government-Projekte im östlichsten Bundesland gekürt. Den ersten Platz errang Comm-Unity EDV GmbH mit der Entwicklung und Installation einer Verwaltungslösung im Bereich des Meldewesens. Das \"Lokale Melderegister (LMR)“ ermöglicht in Städten und Gemeinden die gemeinsame Datenerfassung mit dem zentralen Melderegisters des Bundes in einem Arbeitsschritt. Neben dem Wegfall von Datenredundanzen und einer verbesserten Datenqualität dient dieses Projekt zudem als Basis für zukünftige E-Government-Projekte. Platz zwei erreichte der Vorjahressieger aus dem Burgenland: master design web solutions. Die Webspezialisten aus Neutal reüssierten mit einer barrierefreien und benutzerfreundlichen Internetseite für den Burgenländischen Müllverband. Der dritte Stockerlplatz ging an extrawebdesign mit der Website kernoel.cc.

Landesrat Helmut Bieler weiß um das Burgenland als besonders innovativen Platz für Unternehmen in österreich. \"Die flächendeckend errichtete Breitbandinfrastruktur ist mittlerweile ein wirksamer Hebel für die örtliche Wirtschaft, Geschäftsideen gewinnbringend auch über elektronische Wege zu nutzen“, so Bieler. ebiz egovernment award-Initiator Alfons Flatscher, Herausgeber Report Verlag, gratulierte allen nominierten Unternehmen zu den hervorragenden Projekten, die am Galaabend im Schloss Esterházy ein wahres Innovationsfeuerwerk darboten.

Die Nominees für den \"ebiz egovernment award Burgenland\" mit insgesamt 11 Projekten:

87er Tascherl www.87er.com
Comm-Unity EDV GmbH www.comm-unity.at
Creative Card www.creativecard.eu
EDVG - Elektronische Datenverarbeitung GmbH u. CoKG www.edvg.at
Extrawebdesign www.kernoel.cc
FILZIS JONGLERIE - Filzi \" Partner KEG shop.filzi.at
JT-Computer Soft- u. Hardware Handelsgesellschaft mbH www.jt-computer.at
master design web solutions Heinrich und Renner OEG www.masterdesign.at
Regionalmanagement Burgenland GmbH www.burgenland.at/naturparke
rmDATA österreich www.rmdata.at
telefon \" co - Telefon \" Telekommunikation Handel GmbH www.telefon.co.at

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Großer Teileverkauf

\"Es ist nichts fix, in vierzehn Tagen wissen wir es konkret. Derzeit gibt es einen Vorvertrag, jetzt werden die Bücher genau geprüft“. So kommentiert Helmut Oberndorfer den derzeitigen Stand der Verhandlungen mit Cemex über die drei Betonfertigteile in Wöllersdorf (Nö), Villach und Völkermarkt (K). Dass sich an der geplanten übernahme noch etwas ändert ist dennoch unwahrscheinlich. Dem Vernehmen nach kauft Oberndorfer die Werke zu einem Preis, der unter jenem liegt den er dem Vorbesitzer, der Firma Febau-Röhrs, vor Jahren geboten hätte. \"Der Kaufpreis wird nicht kommentiert“, sagt dazu Oberndorfer und fügt jedoch hinzu, dass sich die Situation seither grundlegend geändert habe. Gemeint ist damit wohl auch die eigene Produktion, die Oberndorfer in Großwilfersdorf (Steiermark) neu errichten ließ. \"Die hat viel Geld gekostet“, gibt der Mercedes-Liebhaber offen zu. Was mit den drei Cemex-Werken in Zukunft passiert ist ungewiss. Villach ist modern und wird vom Kärntner Markt auch gebraucht. Insider glauben, dass Oberndorfer die Produktionsstätten Wöllersdorf und Völkermarkt stillegen wird. \"Das ist möglich, aber bislang noch nicht entschieden“, kommentiert Oberndorfer und fügt hinzu: \"Villach bleibt auf jeden Fall“.
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Für alle etwas

Als »ausgewogen und positiv« bezeichnet Thomas Malloth, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer österreich (WKö) die ab 1. Oktober geltende Wohnrechtsnovelle 2006. »Im Großen und Ganzen ist sowohl für Mieter als auch Vermieter etwas dabei«, so Malloth. Die Novelle des Mietrechtsgesetzes bringt einiges Neues für Vermieter. So müssen die Häuser beispielsweise im »ortsüblichen Standard« erhalten und Gefahren für die Gesundheit der Bewohner beseitigt werden. Dieser Ausdehnung der zwingenden Erhaltungspflicht des Vermieters steht der Fachverbandsobmann skeptisch gegenüber. »Ungeklärt bleibt die große Frage, wer etwaige Folgeschäden zu bezahlen hat«, so Malloth. Oft würden nämlich weder die laufenden Einnahmen noch die Hauptmietzinsreserven für die erforderlichen Maßnahmen ausreichen. »Ein zumindest kleiner Kostenersatz durch den Mieter hätte wenigstens andiskutiert werden sollen«, meint Malloth. Keine Sanierung muss der Vermieter vornehmen, wenn sich die Gefährdung »durch andere, den Bewohnern des Hauses zumutbare Maßnahmen abwenden lässt«. Dachaufbauten, deren Baugenehmigung nach dem 31.12.2001 erteilt wurde, fallen in den Teilanwendungsbereich des MRG. Erweitert wurde die Teilanwendung des MRG nun auch auf Zubauten, die nach dem 30. September 2006 baulich genehmigt wurden. Neu ist auch ein Investitionskostenersatzanspruch des Mieters. Tauscht er auf seine Kosten eine vorhandene schadhafte Heiztherme aus, hat er abzüglich einer Abschreibung in Höhe eines jährlichen Zehntels des Anschaffungswertes Anspruch auf Ersatz der Kosten beim Auszug aus der Wohnung.
Auch im Wohnungseigentumsgesetz gibt es allerhand Neues. Beispielsweise kann an einem Garagenplatz Eigentum begründet werden und dieser unabhängig von der Wohnung verkauft werden.
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Babylonisches Sprachgewirr

Günther Gall, Bereichsleiter für Transaktionsservices der Raiffeisen Zentralbank, werkt üblicherweise im Hintergrund. Dennoch steht der Datenjongleur immer wieder im Rampenlicht der öffentlichkeit - etwa zum Thema SEPA (siehe Kasten). Mit dem Report sprach Gall über neue Standards im Zahlungsverkehr, das Produktverständnis der Banken und neue Geschäftsveränderungen.

(+) plus: Herr Gall, der von der EU forcierte Transaktionsstandard SEPA hat einen vereinfachten internationalen Zahlungsverkehr als Vision. Welche Rolle spielen darin die Banken in österreich?
Günther Gall: Auf Landesebene ist die Sachlage klar und oftmals bereits durchgehend geregelt. In österreich etwa hat die Finanzbranche mit »Edifact« bereits einen offenen Standard. Doch in anderen Ländern sind andere Formate und Gegebenheiten zu berücksichtigen. Dies auf europäischer Ebene, den EU-25, den Erweiterungskandidaten und den EFTA-Staaten Schweiz, Norwegen und Island zu vereinheitlichen, ist dagegen sehr komplex und wird nicht über Nacht durchführbar sein. So gibt es etwa in Frankreich oder England völlig andere Prozessgewichtungen: Dort wird das Zahlungsformat Scheck noch stark genutzt. Hierzulande spielen wieder Lastschriften eine größere Rolle als bei unserem Nachbarn Deutschland.

Welche Umsetzungen werden dazu überhaupt nötig sein?
Bei diesem babylonischen Sprachgewirr müssen nicht nur eine einheitliche Sprache, sondern auch gleiche Regelwerke, Prozessabläufe und Produkte gefunden werden. Zwar hat die notwendige Vereinheitlichung auf Produktebene mit den zugehörigen Strukturveränderungen Schockreaktionen in der Bankenwelt ausgelöst. Doch ist hier sicherlich Räson angebracht: Heute hat jedes einzelne Land ein eigenes Clearinghouse für Transaktionen, jeder Staat hat andere Gebühren und Transaktionsverfahren. Doch handelt es sich stets um das Gleiche: Zahlungen von A nach B.

Dies klingt ein wenig nach unattraktiver Gleichfärbung der Bankendienste auf internationaler Ebene.
Das technische Ziel bei SEPA ist die Harmonisierung eines sehr konkurrenzintensiven Produkts und einer Infrastruktur, die für die Banken bislang als Differenzierungsmerkmal im Mitbewerb gegolten hat. Diese Vereinheitlichung auf politischer Ebene bietet nun aber völlig neue Chancen im Produkt- und Serviceumfeld. Mit einem gleichen Regelwerk ist dort neue Differenzierung möglich. Gleiche Geschäftsprozesse und Basisprodukte bilden dann einen standardisierten Unterbau für mehr Kreativität im Servicebereich. Irgendwann werden die Banken dann sagen: Unser Kerngeschäft sind die Produkte - und nicht Transaktionen!

Wann werden von den Unternehmen die Auswirkungen zu spüren sein?
2008 sollen bereits erste Basisprodukte auf SEPA-Basis realisiert sein. 2010 soll das neue Regelwerk dann unwiderruflich auch auf nationaler Ebene migriert sein. Bis 2012 werden laut Plan sämtliche Bereiche umgestellt sein. Noch gibt es dazu aber auch einige »moving targets«. Etwa wann das Konzept der »Payment Systems Directive« umsetzbar sein wird. Damit soll die Effizienz der Zahlungsströme in den Ländern gesteigert werden: beispielsweise indem im Bankenverkehr der Buchungstag - der Zeitpunkt einer Kontogutschrift - mit dem Valutatag - der tatsächlichen Verfügbarkeit am Konto - gleichgesetzt wird. Dies stellt die Banken heute vor eine Riesenherausforderung, da noch kein Rechenzentrum die zu diesem Zweck nötige Kapazität erbringen kann.
Die positiven Auswirkungen durch SEPA werden anfangs sicherlich die großen Konzerne spüren, die in den in Europa stark fragmentierten Märkten agieren. Nach und nach werden die positiven Effekte der Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs auch kleinere Unternehmen unterstützen. Auch dem sprichwörtlichen Waldviertler Tischler, der in Tschechien Geschäft macht, erwachsen durch SEPA Vorteile. Dies wurde lange Zeit nicht erkannt.

Wie sieht die Zukunft global operierender Banken aus? Wird es zu weiteren Konsolidierungen kommen müssen?
Das Problem der großen Banken und ihrer wachsenden globalen Rolle ist sicherlich der daraus zwangsweise resultierende Verlust an Bodenhaftung. Gut aufgestellt sind jene Institute, die auch gleichzeitig einen »local reach« für sich beanspruchen können, die in allen Destinationen auch ein regionales Schwergewicht als Partner haben. Ich führe immer wieder die RZB hier als Beispiel an: Wir sind bereits im Osten breit vertreten, also bestens für neue Expansionen aufgestellt. Die RZB Gruppe ist selbst ja einem großen Wandel unterworfen. Hatten wir vor fünf Jahren noch keinen einzigen Privatkunden, sind es heute bereits zwölf Millionen.

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Zukunftsmarkt Asien

Von Angela Heissenberger

Die Verhandlungen zogen sich über Monate hin. Jede Einzelheit wurde endlos diskutiert. Mehrere Reisen nach Shanghai, bei denen die chinesischen Gastgeber mit großzügigen Geschenken bedacht wurden und man unzählige Stunden bei üppigem Essen verbrachte, machten eine Gegeneinladung nach österreich unumgänglich. Die Chinesen reisten mit einer 25-köpfigen Delegation an. Der auf zehn Tage anberaumte Aufenthalt mit Werksbesichtigungen bei anderen Kunden und mehrstündigen Restaurantbesuchen zweimal täglich geriet zum logistisch durchgeplanten Staatsakt und brachte den österreichischen Holztechnikspezialisten, der den Auftrag wie einen Bissen Brot brauchte, an den Rand des Ruins.
Als man schließlich auf Abschluss des Joint Ventures zur Errichtung einer Möbelfabrik in Shanghai drängte, zogen sich die chinesischen Verhandlungspartner merklich verstimmt zurück: So vorschnell würden sie keinesfalls zustimmen und überhaupt wäre doch noch nicht alles besprochen. »Wir hatten jahrelang erfolgreich in Russland Geschäfte gemacht. Chinesen seien ähnlich zu packen, dachten wir«, erzählt der technische Leiter der damaligen Verhandlungsgruppe. Stutzig machte ihn die Beharrlichkeit, mit der kleinste Details über jede einzelne Maschine gefordert wurden. »Später sahen wir dann unsere Maschinen, ­exakt nachgebaut, nur mit anderer Lackierung, in chinesischen Prospekten.«

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High Noon für Hightech

Das Fenster aufgebrochen, die Wohnung durchwühlt, Schmuck, Wertsachen und persönliche Erinnerungsgegenstände fehlen. 2005 war in österreich ein echtes Rekordjahr, was die Zahl der Wohnungseinbrüche betrifft: Insgesamt rund 20.000 Einbruchsdiebstähle verzeichnete die polizeiliche Anzeigenstatistik. Und auch heuer gilt es, sich vor unliebsamen Eindringlingen zu fürchten: Eine Tatsache, die sich bereits bei der Nachfrage nach potenten Sicherheitsvorkehrungen bemerkbar gemacht hat, bestätigen die einschlägigen Anbieter. Doch auch auf dem Markt der Sorgen - und scheinbar wirksamen Absicherungen dagegen - heißt es nun, enger zusammenzurücken. Eine neue Branche hat den Konsum mit der Angst vorm Schwarzen Mann entdeckt: der Technologiemarkt. Ob nun der amerikanische Festplattenhersteller Seagate eigens gestrickte Speicherplatten für überwachungssysteme anpreist, der Wr. Neustädter Spezialist Sorex Module zur Funkalarmierung an beweglichen Gegenständen anbringt, oder das Tiroler Startup-Unternehmen Tirolux elektronische Wegfahrsperren für Ski ankündigt - dank Hightech soll jetzt den Langfingern das Leben schwer gemacht werden. Auch die staatstragende Telekommunikationsinstitution Telekom Austria erfreut sich ob diesen Themas regen Zuspruchs. Anfang Sommer ersannen die Produktstrategen Alarmanlagen in Haushaltsgrößen - samt Internetanbindung ans TA-eigene Securitycenter und die Weiterleitung von Alarmen an Polizeidienststellen. Die Botschaft ist klar: Die erweiterte Produktpalette soll die fallenden Umsätze des stagnierenden Telefoniemarktes kompensieren. Im Basispaket: Basisstation, Bewegungsmelder, Magnetkontakt zur drahtlosen überwachung von Türen und Fenstern sowie ein flotter Funkhandsender. Und die Sicherheitslösung ist erweiterbar: Das Sortiment reicht von Außensirene über Glasbruchmelder bis hin zu einem Notruftaster. Ende Juli hatten bereits mehr als tausend Kunden in das Basispaket investiert - die meisten sogar zusätzlich in weitere Module wie etwa Magnetkontakte oder Zusatzkameras. Der laufende Paketverkauf wird den Vertriebserwartungen gerecht, heißt es aus der TA-Zentrale. Allein von den Folgeinvestitionen der Kunden, die bis zu tausend Euro in die TA-Alarmanlage stecken, sei man überrascht. Grund genug für die Telekom, nun auch im Businessbereich das klassische IT-Securitygeschäft durch die physischen Komponenten zu erweitern. Man wirbt mit flotten Foldern zur neuen Sicherheitsschiene. So auch dort, wo die heile Welt groß geschrieben wird ­- beispielsweise im Ikea-Katalog.
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