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Die Anergie als Gamechanger – aber leider nicht in Österreich

In Österreich landet viel Energie ungenutzt in der Kanalisation. Dabei schlummert in der sogenannten Anergie ein ungeheures Potenzial. Es muss nur genutzt werden. Aber dafür braucht es Innovation und Mut, zwei Eigenschaften, die der heimischen Politik beim Thema Klimaschutz zu fehlen scheinen. 

Die Anergie – es handelt sich tatsächlich um keinen Schreibfehler! – ist vereinfacht dargestellt jener »Energie-Rest«, der übrig bleibt, wenn man Energie für den jeweiligen Verwendungszweck ausgenutzt hat. Ein Beispiel wäre der ungebrauchte Energieanteil aus dem temperierten Dusch-Abwasser. Dieses landet bekanntlich derzeit im Abwassersystem. Und ja, es wird mit rund 36 Grad Celsius dorthin eingeleitet, nachdem es uns beim Waschvorgang bereits unterstützt hat.

Ja, warum nicht, wird die Mehrheit der Leserschaft sich fragen. Die Antwort darauf kann nur lauten: »Weil es eigentlich außerordentlich schade ist, dass man in Zeiten von Dekarbonisierungszielen und Klimawandel Energie schlichtweg ungenutzt in der Kanalisation entsorgt.« Es wäre jedenfalls intelligenter, zum Beispiel über Wärmetauscher die im Abwasser enthaltenen Energie bzw. Temperatur einzufangen, zu speichern und anschließend zu nutzen. Dies erfordert natürlich Innovation und Mut, um entsprechende Projekte umzusetzen.

Auf dem Holzweg

Hierzulande scheitert man mit derartigen Ideen in der Regel leider. Ob es die Ignoranz, das fehlende Interesse oder schlichtweg die Blockade durch starkes Lobbying ist, muss jeder für sich beantworten. In Österreich, so scheint’s zumindest, gibt’s nur den Holzweg, alles andere passt schlichtweg nicht ins Konzept. Da fördert man lieber den Holzbau in der Meinung, das sei ausreichend ökologisch und grün.

Dass man keinerlei Wert darauf legt, wieviele Kilometer der Rohstoff »am Buckel hat«, bis er hierzulande verarbeitet wird, dass man keinerlei Interesse hat, die Herkunft des Rohstoffs auszuweisen, scheint der Politik und der Branche erst recht nicht wichtig. Das Ökoimage stört dabei nicht mal der Transport bis zu 500km! Selbst die Frage nach dem CO2-Fußabdruck oder der Umweltkompatibilität der Klebstoffe von Brettschichtholzprodukten oder die Rezyklierbarkeit spielt offensichtlich keine Rolle. Greenwashing um jeden Preis scheint das Motto, aber immer schön an der Oberfläche bleiben.

Österreich fällt zurück

Solange wir uns in Österreich ständig damit begnügen, dass die einzige Option im Kampf gegen den Klimawandel ein durch staatliche Eingriffe forcierter Holzbau ist, dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns andere Länder mit ihren Innovationen zum klimaneutralen Gebäude links und recht überholen.

Anergie hat das Potenzial zum Gamechanger, aber dieses muss auch genutzt werden. Solange wir uns allerdings lediglich mit dem Baustoff per se beschäftigen, wird das »more of the same« die dringend benötigte Wende schlichtweg weiterhin blockieren.

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