Gebaut wird immer

Die S10 verläuft zu 40 Prozent unter Tag, verfügt aber auch über spektakuläre Brückenbauten (im Bild: die Bogenbrücke über die Feldaist in Freistadt). Die S10 verläuft zu 40 Prozent unter Tag, verfügt aber auch über spektakuläre Brückenbauten (im Bild: die Bogenbrücke über die Feldaist in Freistadt). Foto: ASFINAG

In der heimischen Politik regiert wieder einmal der Rotstift. Wie so oft muss nach einer Wahl noch einmal etwas genauer nachgerechnet werden und dabei stellt sich schnell heraus, dass aus den geplanten Steuererleichterungen doch ein Sparpaket werden muss. In der Vergangenheit zählten Infrastrukturinvestitionen traditionell zu den beliebtesten Streichposten. Das ist dieses Mal anders.

 

Die Politik scheint zu Beginn der neuen Legislaturperiode die Finger von Infrastrukturkürzungen zu lassen. Auch wenn das Budget an allen Ecken und Ende kracht, noch wird an den Investitionen für den Infrastrukturausbau nicht gerüttelt. Im Gegenteil: Die Pleite der Alpine hat die Alarmglocken läuten lassen. Ein Baukonjunkturpaket wurde geschnürt, das neben der Errichtung und Sanierung von Wohnungen auch Investitionen in die Infrastruktur wie etwa den Hochwasserschutz vorsieht. Aber auch die regulären Infrastrukturinvestitionen können sich im europäischen Vergleich durchaus sehen lassen. Die Asfinag investiert bis 2018 jährlich rund eine Milliarde in den Neubau und die Erhaltung bestehender Strecken, die ÖBB lässt im gleichen Zeitraum mehr als zwei Milliarden pro Jahr für die Schienen- und Bahninfrastruktur springen. Und die Bundesimmobiliengesellschaft BIG plant oder realisiert in den kommenden Jahren Projekte mit einem Investitionsvolumen von mehr als 1,5 Milliarden Euro. Ein kurzer Streifzug durch die wichtigsten Baustellen von BIG, ÖBB und Asfinag.

Asfinag: Mühlviertler Schnellstraße S10
Die S10 ist mit einem Investitionsvolumen von 718 Millionen Euro das aktuell größte Projekt der Asfinag. Ab Ende 2015 wird die Mühlviertler Schnellstraße den Großraum Linz mit der Bezirkshauptstadt Freistadt verbinden. Bei einem derartigen Großprojekt durchaus erwähnenswert ist die Tatsache, dass die Bauarbeiten bis dato exakt dem Zeitplan folgen. Anfang Dezember erfolgte jetzt der Durchschlag der zweiten Röhre des über 4,4 Kilometer langen Götschkatunnels, des längsten Tunnelabschnitts der Strecke. Insgesamt verlaufen fast 40 Prozent der gesamten Strecke unter Tage. Dafür müssen rund drei Millionen Kubikmeter Erde bewegt werden. Der Götschkatunnel verläuft von Unterweitersdorf bis in den Süden der Gemeinde Neumarkt und gilt als das Herzstück der neuen S10. Dabei gilt es für die ausführende Baufirma Porr, sich gegen den Mühlviertler Granit durchzusetzen. Für die beiden Röhren ist ein Gesamtausbruch von fast 1,2 Millionen Kubikmetern angefallen, der aus dem Berg gesprengt, aufbereitet und vor Ort als Baustoff verwendet wurde. Das Volumen entspricht etwa 120.000 LKW-Fuhren. 

Baubeginn: 2009
Bauende: 4. Quartal 2015
Gesamtlänge: 22 km
Erdbewegung: 3 Mio. m³
Investitionskosten: 718 Mio. Euro

Asfinag: Tunnelsicherheit
Neben dem stetigen Aus- und Neubau des hochrangigen Straßennetzes investiert die Asfinag auch viel Geld in die Verbesserung der Verkehrssicherheit in den österreichischen Tunneln. Knapp vier Milliarden waren es seit 2001, bis 2018/19 sollen jetzt weitere 1,5 Milliarden Euro fließen, um zusätzlich 81 Tunnelanlagen auf den höchsten Stand der Sicherheitstechnik zu bringen. Die Sicherheitsoffensive umfasst zahlreiche Neubauten, aber auch umfangreiche Sanierungen und Modernisierungen bestehender Tunnelanlagen. Dabei kommen auch regelmäßig Innovationen wie etwa der Thermoscanner oder ein akustisches Tunnelmonitoring zum Einsatz. Mit dem Thermoscanner, der sich im Karawankentunnel auch schon in der Praxis bewährt hat, können überhitzte Schwerfahrzeuge  vor Tunneleintritt erkannt und zum Abkühlen aussortiert werden. Bereits im ersten jahr nach dem Start im Februar 2012 konnten so mehr als 300 überhitzte Schwerfahrzeuge zum Abkühlen ausgeleitet werden. Beim intelligenten Akustiksystem AKUT nehmen Spezialmikrofone sämtliche Geräusche im Tunnel auf. Bei untypischen Geräuschen wie quietschenden Reifen, zuschlagenden Autotüren oder menschlichen Stimmen wird in der Überwachungszentrale Alarm geschlagen. Gleich mehrere Tunnelprojekte werden in den nächsten Jahren entlang der A9  realisiert. Der Bosrucktunnel wird für 282 Millionen Euro um eine zweite Röhre ergänzt und im Zuge einer Generalsanierung mit AKUT ausgerüstet. Ebenfalls generalsaniert und um eine zweite Röhre ergänzt wird der Gleinalmtunnel. Dafür sind bis 2019 rund 300 Millionen Euro vorgesehen. Und schließlich wird bis 2019 die aus vier Tunneln bestehende Tunnelkette Klaus fertig ausgebaut und im Bestand saniert. Dafür sind Kosten von rund 200 Millionen Euro veranschlagt.

Projektbeginn: 2001
Projektende: 2019
Investitionskosten: 5,5 Mrd. Euro

BIG: Neubau Justizanstalt Salzburg
Der Anfang war etwas holprig: Aufgrund des Einspruchs eines Anrainers gegen den Baubescheid musste die BIG mit einer mehrwöchigen Verzögerung vorliebnehmen. Im September war es dann schließlich so weit und  in Puch wurde der Grundstein für die neue Justizanstalt Salzburg gelegt. Für rund 36 Millionen Euro errichtet die BIG auf einem 20.000 m² großen Grundstück einen Gebäudekomplex in Niedrigenergiebauweise mit rund 14.300 m² Nutzfläche. Ausgelegt ist die Justizanstalt für rund 210 Insassen und 60 Bedienstete. Vorgesehen sind Vollzugsabteilungen für männliche Strafgefangene in Normalvollzug und in Untersuchungshaft sowie für Frauen und Jugendliche, eine Krankenabteilung und Familienbesuchszimmer. Der Hafttrakt umfasst vier Geschoße. Hier sind die Vollzugsabteilungen mit zugehörigen Gemeinschafts- und Freizeiträumen mit Teeküchen zusammengefasst. Im Erdgeschoß befinden sich die Einrichtungen für Insassen, wie Mehrzwecksaal, Bibliothek und Verkaufsraum.Geplant wird die Justizanstalt von den Architekten BDA Poos Isensee aus Hannover. Die BIG finanziert das Projekt und refinanziert diese Investitionen über künftige Miet­erlöse. Läuft alles nach Plan, wird die neue Justizanstalt Mitte 2015 fertiggestellt sein.

Baubeginn: September 2013
Bauende: Mitte 2015
Architektur: BDA Poos Isensee
Gesamtfläche: 14.300 m²
Investitionskosten: 36 Mio. Euro

BIG: Med Campus Graz
Nach dem erfolgreich fertiggestellten Megaprojekt WU Campus in Wien startet die BIG im Herbst ihr nächstes Campus-Projekt. In Graz entsteht bis 2017 ein neuer Medizin-Campus, der die bislang auf die Stadt Graz verteilten universitärmedizinischen Einrichtungen unter einem Dach vereint. Momentan sind nahezu alle nicht-klinischen Institute und administrativen Einrichtungen in großteils sanierungsbedürftigen Gebäuden über mehrere Stadtbezirke verstreut. Der neue Campus, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum LKH-Universitätsklinikum Graz errichtet wird, wird zwölf Instituten in vier Forschungszentren, Lehreinrichtungen, einem Administrationsgebäude sowie Infrastruktureinrichtungen wie Mensa und Aula Platz bieten. Auf einem 2,7 Hektar großen Bauplatz wird Modul 1 mit einer Bruttogeschoßfläche von 40.000 m² errichtet. Die Investitionskosten liegen bei rund 180 Millionen Euro. Der Campus soll neben einem niedrigen Energieverbrauch auch mit einer alternativen Energiegewinnung punkten. Heizung und Kühlung werden durch eine Geothermieanlage unterstützt, dazu ein System zur Wärmerückgewinnung der Abluft installiert. 

Baubeginn: Herbst 2013
Bauende: 2017
Generalplaner: Riegler-Riewe Architekten ZT GmbH
Bruttogeschoßfläche: 40.000 m²
Investitionskosten: 180 Mio. Euro

BIG: Erweiterung & Sanierung Bundesschulzentrum Feldbach
In Feldbach saniert und erweitert die BIG das aus BORG, HAK/HAS und HLW bestehende Bundesschulzentrum. Dabei wird das rund 15.000 m² große Bestandsgebäude um insgesamt 1.700 m² erweitert. Um die Räume neu aufteilen und an neue Lehrmethoden anpassen zu können, wurde im August mit einer kompletten Entkernung des Bestandsgebäudes angefangen. Um zusätzlichen Raum für insgesamt rund 1.200 Schüler und 124 Lehrer zu gewinnen, werden in Folge einzelne Gebäudeteile aufgestockt. Nach Fertigstellung des Bauvorhabens sollen neue Fenster und eine sanierte Gebäudehülle zu erheblich reduziertem Energiebedarf beitragen. Im Zuge des Projektes werden darüber hinaus brandschutztechnische Einrichtungen adaptiert und die Klassenräume mit einer kontrollierten mechanischen Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Die Lüftungsgeräte sind mit Temperatur- und CO2-Raumfühlern ausgestattet und regulieren entsprechend die Raumluftqualität.

Sanierungsbeginn: Sommer 2013
Sanierungsende: Sommer 2015
Architektur: Thomas Zinterl
Flächengewinn: 1.700 m²
Investitionskosten: 21,8 Mio. Euro

ÖBB: Umbau Salzburg Hauptbahnhof
Bis Herbst 2014 entsteht in  Salzburg der neue Durchgangsbahnhof, der als regionale und internationale Verkehrsdrehscheibe den Anforderungen eines modernen Bahnzeitalters voll gerecht werden soll. Mit einem hohen Kundenkomfort, kurzen Wegen, barrierefreiem Umsteigen, einer optimalen Fahrgastinformation und einem markanten architektonischen Konzept mit der Integration von denkmalgeschützten historischen Bauteilen in modernste Bahninfrastruktur will die ÖBB der Festspielstadt ein unverwechselbares neues Entree verschaffen. Seit der Teileröffnung des Bahnhofs im Juli 2012 sind die neuen Bahnsteige 1 bis 5 sowie der erste Teil der Passage bereits ohne bauliche Einschränkung zugänglich. Bis Ende 2013 folgte die Inbetriebnahme der Inselbahnsteige 6/7 und 8/9 sowie die Vollinbetriebnahme des Kundenbereichs in der Passage. Nun wird an der Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes und des -vordaches auf der Schallmooser Seite gearbeitet, damit der Bahnhof mit Herbst 2014 in vollem Umfang den täglich rund 25.000 Bahnkundinnen und -kunden zur Verfügung stehen kann.

Baubeginn: 2008
Gesamtinbetriebnahme: Herbst 2014
Investition: 251 Mio. Euro

ÖBB: Neubau Koralmbahn
Auf rund 130 Kilometern entsteht seit 1999 mit der Koralmbahn eine zweigleisige Hochleistungsstrecke, die zukünftig zwischen Graz und Klagenfurt eine Fahrzeitverkürzung von derzeit knapp drei auf rund eine Stunde ermöglichen soll. Herzstück ist der 32,9 Kilometer lange Koralmtunnel, eine der derzeit größten Tunnelbaustellen Europas, an dessen Portalen auch zwei völlig neue Intercity-Bahnhöfe errichtet werden. Rund 90 Kilometer der Kor­almbahn sind bereits fertiggestellt oder in Bau. Während die ersten beiden Tunnelbaulose von der Steiermark in Richtung Kärnten bereits auf Hochtouren voranschreiten und teilweise fertiggestellt sind, begann im Jänner 2014 auch der Vortrieb von Kärnten aus in Richtung Steiermark. Die ersten Züge sollen im jahr 2023 auf der Koralmbahn fahren.

Baubeginn (in Phasen): 1999
Gesamtinbetriebnahme: 2023
Gesamtlänge: 130 km
Investition: 5,4 Mrd. Euro

ÖBB: Neubau Hauptbahnhof Wien
Im Herbst 2014 ist es so weit: Dann wird der größte Bahnhof des Landes, der neue Wiener Hauptbahnhof, eröffnet. Ein Jahr später, im Dezember 2015 soll die gesamte Schieneninfrastruktur rund um das Bahnhofsgebäude als internationale Verkehrsdrehscheibe dann voll funktionstüchtig sein. Das Gesamtprojekt mit einer Größe von 109 Hektar ist derzeit die bedeutendste Infrastrukturmaßnahme der Stadt. Nur 2,5 Kilometer Luftlinie vom Stephansplatz entfernt entsteht hier ein neues Stadtviertel. Der moderne Durchgangsbahnhof mit zehn Bahnsteigkanten soll nicht nur Bahnverbindungen in alle vier Himmelsrichtung ermöglichen, sondern auch die Lücke zwischen den drei wichtigen Korridoren im transeuropäischen Schienennetz schließen. 145.000 Menschen werden laut ÖBB in Zukunft die Verkehrsdrehscheibe nutzen, beim Ankommen und Abfahren sowie auch zum Einkaufen in den über 100 Geschäften im 20.000 m2 großen Einkaufszentrum direkt im Bahnhof.

Baubeginn:  2009
Gesamtinbetriebnahme: 2015
Gesamtfläche: 109 ha (50 ha Bahninfrastruktur + 59 ha Stadtentwicklung)
Investition: 1 Mrd. Euro (für Bahninfrastruktur) 

ÖBB: Neubau Semmering-Basistunnel
Der 27,3 km lange Semmering-Basistunnel ist eines der wichtigsten Infrastruktur-Großprojekte Europas. Wenn das Gesamtprojekt Ende 2024 fertiggestellt ist, soll sich für den Güterverkehr eine erhebliche Effizienzsteigerung ergeben, da dann auch schwere Güterzüge mit nur einer Lok den Semmering queren können. Zudem bedeutet der Bau des Semmering-Basistunnels neu eine Verkehrsentlastung und Ergänzung der Weltkulturerbe-Bergstrecke über den Semmering. Seit dem Spatenstich im Frühjahr 2012 laufen in Niederösterreich und in der Steiermark intensive Vorarbeiten: In Gloggnitz wurden neben umfangreichen Erdbauarbeiten zwei Eisenbahnbrücken errichtet, eine Landesstraße verlegt und in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Stadtgemeinde weitreichende Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt. Heuer werden zudem die Arbeiten beim Hochwasserschutz und Straßenbau vervollständigt. Im Jänner 2014 hat auch der Bau des ersten von drei Tunnelbaulosen begonnen.

Baubeginn: 2012
Gesamtinbetriebnahme: 2024
Gesamtlänge: 27,3 km
Investition: 3,1 Mrd. EUR

Last modified onMontag, 02 Juni 2014 13:24
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