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Neuorientierung

Großes Potenzial: In Mittel- und Südamerika wird viel Geld in den Infrastrukturausbau gesteckt.Vom Lieferanten zum Komplettanbieter. Das große Umdenken in der Schalungsbranche.

Der Dienstleistungsgedanke tritt in den Vordergrund. Und selbst bislang ungeliebte Geschäftsmodelle erfreuen sich plötzlich großer Beliebtheit.

Das Jahr 2010 hat bei vielen Unternehmen der Schalungsbranche für Überraschungen gesorgt. Nach dem schlechten Jahr 2009 haben die Experten mit einem noch schlechteren Folgejahr gerechnet. Bei der Firma Ringer, Schalungsspezialist aus Regau, stellte man sich bereits auf ein weiteres Minus ein, Peri rechnete mit einem ähnlich schwierigen Jahr wie 2009, und selbst der heimische Marktführer Doka ließ sich in der Prognose für 2010 zu nicht mehr als einem euphemistischen »herausfordernden Jahr« hinreißen. Und dann das: Obwohl die Bauwirtschaft einen weiteren Einbruch im Wohnungsneubau und auch einen Rückgang im Gewerbebau zu verzeichnen hatte, ist 2010 deutlich besser gelaufen als erwartet. Die Umsätze haben wieder etwas zugelegt, und auch die Perspektiven sind deutlich besser als noch vor einem Jahr. Man ist mit der Entwicklung ganz zufrieden, so der Tenor in einer Branche, der schon mal ein Hang zum Raunzen nachgesagt wird.

Neuorientierung der Branche

Die Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Nach der Schockstarre 2009 hat man begonnen, die neuen Rahmenbedingungen zu akzeptieren, und entsprechend darauf reagiert. Statt die Wunden zu lecken, wurden neue Geschäftsmodelle entwickelt und bestehende adaptiert. Das Mietgeschäft, lange Zeit nur als lästiges Beiwerk und notwendiges Übel betrachtet, hat sich in den letzten beiden Jahren zu einer wichtigen Umsatzsäule entwickelt und wird von den Unternehmen jetzt auch entsprechend behandelt. Längst ist die Miete kein Geschäftsmodell zweiter Klasse mehr, sondern bietet vielmehr die Chance auf langfristige Kundenbindung und nachhaltige Umsatzzuwächse. Außerdem ist die Umwegrentabilität in der Vermietung deutlich höher als bisher angenommen. Verbrauchsteile, Reinigung und Kauf beschädigter Teile ergeben in Summe erhebliche Umsätze. Mit 70 Prozent macht die Vermietung bei Meva schon den bei weitem größten Anteil des Geschäfts aus, immerhin noch 40 Prozent sind es bei Ringer. »Ohne Vermietung kein Verkauf lautet die Devise bei Ringer«, wie Marketingleiter Joachim Strachwitz erklärt. Klingt widersprüchlich, macht aber durchaus Sinn. Bei Ringer werden rund 30 Prozent aller Mietgeschäfte, unter Anrechnung der bereits bezahlten Mieten, ein Verkaufsgeschäft.

Die Krise hat auch zu einem neuen Selbstverständnis in der Branche geführt. Der Dienstleistungsgedanke hat Einzug gehalten. In den Phasen der Hochkonjunktur wurden Schalungen en gros verkauft und Geld gezählt. Das ist vorbei. »Heute suchen die Baufirmen keinen Schalungslieferanten, sondern einen Komplettanbieter«, so Doka-Unternehmenssprecher Stefan Pruckmayr. Der Beratungsaufwand ist deutlich gestiegen. Der enorme Preis- und Kalkulationsdruck zwingt die Baufirmen zu einer deutlichen Effizienzsteigerung. Die Baufirmen kaufen nicht mehr von der Stange. Sie haben klare Vorstellungen davon, was sie brauchen, und erwarten entsprechende Angebote. »Die Ansprüche sind deutlich gestiegen«, erklärt Pruckmayr. Bei der Doka wird versucht, individuelle, auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse abgestimmte Lösungen zu liefern. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Kunden Kosten zu minimieren und Abläufe zu optimieren. Auch das Thema Sonderschalungen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Für die Schalungshersteller bedeutet dies zwar einen deutlich größeren Aufwand in der Kundenbetreuung, die Hinwendung zum Dienstleister bietet der Branche aber die Chance, die in den Keller gerasselten Preise wieder nach oben zu bringen.

Märkte der Zukunft

Befragt nach den Märkten der Zukunft, herrscht bei den Unternehmen doch etwas Ratlosigkeit. Den ehemaligen Boomregionen in Osteuropa wird 2011 noch kein Comeback zugetraut. Mit Ausnahme von Polen ist mit Stagnation auf bescheidenem Niveau zu rechnen. Viele Regierungen fahren strikte Sparkurse, und die Infrastrukturausgaben sind deutlich rückläufig. Dazu kommt, dass etwa in Rumänien nicht einmal EU-Fördergelder abgeholt werden, weil der Eigenanteil der Co-Finanzierungsprojekte nicht aufzubringen ist. Auch die PPP-Projekte haben nicht die erwartete Dynamik gebracht. »Private Investoren sind im Osten sehr zurückhaltend. Für die Baufirmen ist es schwierig, an Geld zu kommen. Kredite sind kaum zu bekommen. Da werden Sicherheiten verlangt, die nicht leistbar sind«, weiß Pruckmayr.

Für Resteuropa sind die Wachstums­chancen hingegen intakt. »Die meisten Länder entwickeln sich gut, insbesondere in den nördlichen Ländern wird die Nachfrage 2011 steigen«, sagt Christian Sorko, Managing Director Peri Österreich. In Nordamerika scheint die Talsohle zwar durchschritten zu sein, der Markt ist laut Sorko aber noch schwierig. Dennoch rechnet Peri mit Zuwächsen in den USA und Kanada. Wieder halbwegs stabil präsentieren sich die Staaten des Mittleren Osten. »Der Gigantismus ist aber vorbei«, glaubt Sorko. Stark im Kommen ist dafür Südamerika. Speziell Brasilien wurde von der Krise kaum berührt. Mittel- bis langfristig ist auch Afrika ein Hoffnungsmarkt.

 

>> O-Ton:

Josef Lawugger, Geschäftsführer L.Z.B. Bausysteme GmbH.Verlorene Schalung. »Vom Baubeginn bis zur schlüsselfertigen Übergabe ist die Zeit heutzutage auf der Baustelle sehr kapp kalkuliert. Immer aufwändigere, kompliziertere und spezifisch abgestimmte Lösungen werden von den individuell geprägten Bauwerken gefordert. Durch innovative Produkte im Bereich ›verlorene Schalung‹ wird zeitsparendes und effizientes Arbeiten möglich, denn eine ›verlorene Schalung‹ muss nicht wieder demontiert und gereinigt oder teuer entsorgt werden. Die Montage ›verlorener Schalung‹ ist einfacher, schneller und rationalisiert daher die Schalungsarbeiten am Bau. Die LZB Bausysteme hat ein komplettes Programm an ›verlorener Schalung‹ auf den Markt gebracht und entwickelt ständig neue, ausgeklügelte und untereinander kombinierbare Lösungen.«

 

 

>> Erwartungen an 2011:

> Stefan Pruckmayr, Doka: »Wachstumsraten wie 2008 und davor werden für längere Zeit nicht erreichbar sein. 2011 ist mit einer stabilen Marktentwicklung zu rechnen, 2012 mit einer spürbaren Erholung.«

> Christian Sorko, Peri: »Ich glaube, dass es jetzt eine längerfristige Periode guter wirtschaftlicher Entwicklungen geben kann. Mit einer wirklich sehr positiven Entwicklung für unsere Branche rechne ich aber erst ab etwa 2012, dennoch bin ich auch für 2011 eher optimistisch gestimmt.«

> Joachim Strachwitz, Ringer: »Die Erwartungen an 2011 sind ziemlich hoch. Verkauf und Miete sind jetzt schon erheblich über den Vorjahreswerten. Als problematisch sehe ich den harten Preiskampf. Es wird verdammt hart werden, nach dieser Phase wieder auf ein vernünftiges Preisniveau zu kommen.«

> Frank Gerigk, Paschal: »Wir erwarten in Österreich 2011 eine leichte Umsatzsteigerung, weil unsere Produkte hauptsächlich in Projekten eingesetzt werden, die nicht konjunkturabhängig sind.«


>> Best Practice:


> National:

Doka: Innerhalb der Grenzen Österreichs steht bei Doka alles im Schatten der Megabaustelle Hauptbahnhof Wien. Bei den umfangreichen Ortbetonarbeiten sind ausschließlich Doka-Schalungen im Einsatz. Gemeinsam mit der Bauleitung wurde ein detailliertes Schalungskonzept erarbeitet, das auf einen materialoptimierten Schalungseinsatz mit Just-in-time-Lieferungen ausgerichtet ist. Damit soll nicht nur die Baustellenlogistik mit ihren begrenzten Lagermöglichkeiten massiv entlastet, sondern vor allem auch eine kostenintensive »Materialschlacht« vermieden werden.

Peri: Ein tolles Vorzeigeprojekt ist für Peri der DC Tower 1 in Wien, der mit 220 m Höhe das höchste Gebäude Österreichs wird. Für dieses Hochhaus konnte Peri Ende 2010 den Auftrag gewinnen. Ausschlaggebend für den Zuschlag war am Ende das sowohl technisch als auch wirtschaftlich beste Gesamtkonzept. Ein weiteres wichtiges Projekt in Österreich ist der Neubau der WU Wien.

Ringer: Zu den nationalen Vorzeigeprojekten von Ringer zählt das neue Stadion in Melk, das mithilfe der Alu-Leichtschalung und mit Ringer-Deckenschalung errichtet wurde.

> International:

Doka: Ein internationales Vorzeigeprojekt der Amstettner steht im Emirat Katar. Dort wird für 165 Millionen US-Dollar der Hotel- und Bürokomplex Shemouk Twin Towers hochgezogen. Für die beiden Ortbetonkerne stehen insgesamt 96 Einheiten der Selbstkletterschalung SKE50 sowie rund 700 m² Trägerschalung Top 50 im Dauereinsatz. Die Unterstellung der zum Teil überhohen Geschoßdecken erfolgt mit dem neu entwickelten und auf die Anforderungen des Hochbaus ausgelegten Traggerüst Staxo 40.

Paschal: Paschal ist federführend an einer der aktuell größten Baustellen im gesamten arabischen Raum beteiligt: an der riesigen neuen Erzverarbeitungsanlage, die im Moment im Wüstensand von Oman entsteht. Paschal liefert dabei die radienverstellbare Trapezträger-Rundschalung, die als Kletterschalung eingesetzt wird. Weitere Betonarbeiten werden mit der Raster-Universalschalung durchgeführt. Aufgrund der hohen Temperaturen tagsüber wird ausschließlich nachts betoniert.

Peri: Bei Peri freut man sich, beim größten Infrastrukturprojekt Mexikos mit an Bord zu sein. Die 1.124 m lange Puente Baluarte wird eine Schlucht mit fast 400 m Tiefe überbrücken und damit die dritthöchste Brücke der Welt sein. Peri plant und liefert das Schalungs- und Gerüstkonzept für die Herstellung der unterschiedlichen Brückenpfeiler.

Last modified onFreitag, 11 März 2011 14:36
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