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Naturwerkstein made in Austria - ein ungewolltes Auslaufmodell

Die österreichische Naturwerksteinindustrie kann im Wettbewerb mit Importen aus billig produzierenden Ländern nicht mehr mithalten. Daran tragen auch öffentliche Auftraggeber Mitschuld, die oft auf die verpflichtende Leistungserklärung verzichten.

Seit immerhin mehr als zehn Jahren besteht für Gesteinsmaterialien eine CE-Kennzeichnungspflicht. Die CE-Kennzeichnungspflicht bedingt eine Leistungserklärung, in der der Produzent die Einhaltung der geforderten Standards garantiert – eine Art Zulassungsschein für Baustoffe mit wichtigen Basisdaten. Was falsche oder unvollständige Angaben bedeuten, kann man derzeit am Beispiel eines großen Automobilproduzenten verfolgen. Auch wenn der Vergleich weit hergeholt ist, so sind Parallelen derzeit bei Ausschreibungen in den Kommunen feststellbar.

Umdenken gefordert

In den Planungsabteilungen vieler Gemeinden wird nämlich nach mehr als zehn Jahren immer noch die Einforderung der korrekten Leistungserklärungen negiert und falsche oder unzureichende Angaben werden nicht hinterfragt. Klingt grundsätzlich nach einem Problem für eine auserwählte Gruppe, nämlich die österreichische Naturwerksteinindustrie. Diese kann im Wettbewerb mit Importen aus billig produzierenden Ländern nicht mehr mithalten. Erst recht nicht, wenn die österreichischen Auftraggeber die minimalen formalen Anforderungen nicht überprüfen.

"Der Standort Österreich wird langfristig unter diesen Umständen nicht zu halten sein."

Wer nun denkt, dies sei ein Einzelproblem der Naturwerksteinindustrie, der irrt. Ähnliche Beispiele gibt es viele – leider! Denn solange nicht einmal die öffentlichen Auftraggeber verstehen, dass die heimische Ausbildung – von der Grundqualifikation bis hin zum Arbeitnehmerschutz – ihren Preis hat und die Lohnkosten daher nicht mit jenen in Indien oder China vergleichbar sind, wird es weiter zu einer Dezimierung der österreichischen Baustoffbranche kommen.

Wenn darüber hinaus die Verpflichtung zur Überprüfung der korrekten Unterlagen ausbleibt und unvollständig Begleitdokumente von günstiger Importware akzeptiert werden, grenzt das bereits an Vorsatz. So wird man den heimischen Produktionsstandort auf Dauer sicher nicht absichern. Aber das werden viele erst merken, wenn die öffentliche Verwaltung aufgrund fehlender Steuereinnahmen aus industrieller Produktion nicht mehr finanzierbar ist.

Noch ist es nicht zu spät, einen Umdenkprozess einzuleiten. Die Lebensmittelindustrie bzw. der Lebensmittelhandel zeigen bereits vor, wie es geht, kaum ein Händler oder Produzent der nicht seine »heimischen Produkte« anpreist. Ganz offensichtlich mit Erfolg, denn anders ist der Boom von Lederhose und Dirndl in diesem Segment wohl nicht zu verstehen.

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