Abschied vom Prestigeobjekt

Abschied vom Prestigeobjekt Foto: Thinkstock

Emotionalität ist bei der Wahl der Firmenautos fehl am Platz. Nur eine sachliche Kalkulation aller Faktoren liefert eine valide Entscheidungsgrundlage. Auch wenn das vielen Unternehmern nicht gefällt: Die Limousine für den Chef hat als Statussymbol ausgedient.

Gewissenhafte Unternehmer prüfen betriebswirtschaftliche Kennzahlen, wägen Risiken ab und minimieren Kosten. Aber nicht immer: Beim Autokauf werden nämlich viele gestandene Firmenchefs zu kleinen Kindern.
Während sonst jede Betriebsausgabe scharf kalkuliert wird, schaltet sich bei der Fahrzeugwahl offenbar jegliche Vernunft aus. Berechnungen zu Rentabilität und laufenden Kosten fallen unter den Tisch, denn einen SUV will man sich als Chef dann doch gönnen. Liquiditätsprobleme sind in den angespannten Budgets kleiner und mittlerer Betriebe deshalb keine Seltenheit – mit existenzgefährdenden Folgen: Bei jedem zehnten Konkurs von KMU spielen auch Firmenautos eine zentrale Rolle.

Heilige Kuh

Emotionen sollten trotz aller Sympathien für eine bestimmte Marke oder ein neues Modell möglichst beiseite gelassen werden. Dass dem in der Praxis nicht immer so ist, mussten auch die Berater von Kienbaum Management Consulting feststellen, als sie vor zwei Jahren den Firmenwagen-Report erstellten. Statt der erwarteten 100 Unternehmen, nahmen 248 an der gemeinsamen Befragung mit dem ÖPWZ teil – ebenso viele wie in Deutschland, wo man entsprechend der Landesgröße mit der zehnfachen Zahl gerechnet hatte.

Firmenautos sind die »heilige Kuh« der Arbeitnehmer, insbesondere weil in den vergangenen Jahren krisenbedingt bei Gehaltserhöhungen zurückgesteckt wurde. Sachbezüge – und dazu zählt auch der Dienstwagen – kompensierten häufig den Verdienstentgang und sollten Leistungsträger an das Unternehmen binden. Als längerfristiger Motivationstreiber ist ein Auto zwar bekanntlich ungeeignet, aber so manchem Manager soll ein Job in Ost­europa schon mit einer Limousine freier Wahl versüßt worden sein. 93 % der Geschäftsführer in Österreich fah-ren einen Firmenwagen, im Außendienst sind es 80 % und im mittleren Management noch immerhin 37 % der Mitarbeiter.

»Unternehmen nutzen heute Car Policies, die bei der Fahrzeugauswahl neben der Wirtschaftlichkeit auch auf private Bedürfnisse der designierten Fahrzeugnutzer Rücksicht nehmen. Mitunter hat der Dienstwagennutzer auch die Möglichkeit, mittels Kostenbeteiligungsmodell sein Wunschfahrzeug zu realisieren«, sagt Hannes Maurer, CEO der Porsche Bank AG. Eine strenge Car Policy hat dabei auch ihre Tücken. Wird den Sonderwünschen einzelner Mitarbeiter stattgegeben, sorgt dies garantiert für Unmut unter der Belegschaft. Transparente Vergaberegeln sind deshalb empfehlenswert und sollten eingehalten werden – auch von der Geschäftsleitung.

Markenkonzentration

70 % der Fahrzeuge stehen auch privat unbegrenzt zur Verfügung. Als Teil des Vergütungspaketes nimmt das Firmenauto deshalb einen höheren Stellenwert ein, Marke und Ausstattung unterstreichen den Status des Mitarbeiters zusätzlich.  In den meisten Unternehmen ist die Wahl des Fahrzeugs jedoch durch Stammkundenrabatte bei bestimmten Händlern stark eingeschränkt. So erklärt sich auch die Konzentration auf wenige Hersteller. Bei Geschäftsführern hat Audi mit 27 % die Nase vorn, in allen anderen Ebenen wird aber Volkswagen am häufigsten geordert. Im Außendienst beträgt der VW-Anteil 40 %. Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen schreibt VW für sämtliche Hierarchieebenen vor. »Audi, BMW und Mercedes sind nicht nur bei Geschäftsführern in Österreich und Deutschland beliebt. Diese Marken schaffen es auch international immer unter die beliebtesten Chef-Fahrzeuge«, heißt es bei Kienbaum Consulting.

Interessanter Aspekt: Der Anschaffungswert korreliert kaum mit der Firmengröße. Betriebe mit bis zu 25 Mitarbeitern geben für einen Wagen durchschnittlich 37.000 Euro aus, Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern 38.000 Euro. Von Geschäftsführern werden im Schnitt 60.000 Euro hingeblättert. Die Präferenz der CEOs ist klar bei Audi A6 oder 5er-BMW angesiedelt, die obere Führungsebene bevorzugt Audi A4, VW Passat oder 3er-BMW. Darunter muss man sich mit Mittelklassewagen wie dem VW Golf zufrieden geben.

»Ein Dienstwagen ist nach wie vor in vielen Branchen und Berufsgruppen ein wichtiger Motivationsfaktor. So werden wir von unseren Kunden auch immer wieder nach konkreten Empfehlungen und Benchmarks gefragt, welche Dienstfahrzeuge für ihre Branche angemessen sind«, bestätigt Renato Eggner, Geschäftsführer der Raiffeisen-Leasing Fuhrparkmanagement. »Im Flottenbereich hält der Trend zum Downsizing nach wie vor an. Bei Neuanschaffungen wird so in der Regel zwar nicht die Fahrzeugklasse gewechselt, aber aus Kostengründen beispielsweise eine schwächere Motorisierung gewählt.«

Grüner Anstrich

Ökologische Überlegungen spielten vor zwei Jahren, als Kienbaum die Umfrage durchführte, noch eine untergeordnete Rolle. Wenn überhaupt, wurden CO2-Ausstoß, Kraftstoffverbrauch oder Hubraumgröße berücksichtigt. Alternative Antriebe, Fahrtrainings, Carsharing-Modelle und Kilometerkontingente interessierten die Unternehmen kaum.

Inzwischen ist das Thema Emissionen in aller Munde. Die Umstellung auf umweltfreundliche Flotten wird von den Landesregierungen gefördert. Auch die lange verschmähten Elektroautos rücken somit in den Fokus. Um 20.000 Euro ist man bereits dabei, in einigen Städten, wie etwa Graz, spart man zusätzlich auch Parkgebühren. Der Signalwirkung nach außen bewusst, will sich so manches Unternehmen auf diese Weise einen grünen Anstrich geben. »Elektro- und Hybridfahrzeuge sind mittlerweile technisch ausgereift und am Markt etabliert«, sagt Raiffeisen-Leasing-Geschäftsführer Eggner, »Fuhrparks werden aber auch weiterhin einen Mix an Antriebstechnologien benötigen.« Über das »Ökoflottenmanagement« analysieren die Fachleute von Raiffeisen-Leasing, welche Fahrzeuge etwa durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden können.

Den wirksamsten Kick wird vermutlich die Steuerreform bringen, die ab Jänner 2016 eine Steuererhöhung für privat genutzte Dienstwagen vorsieht, sofern diese die Schadstoffgrenze von 120 Gramm CO2 überschreiten. Elektrofahrzeuge sind zudem vorsteuerabzugsberechtigt, Firmenwagenlenker müssen bei der privaten Nutzung von Firmenautos keinen Hinzurechnungsbetrag bezahlen. »Elektromobilität entwickelt sich somit auch für Fuhrparkbetreiber zu einem spannenden Thema. Wir stellen in letzter Zeit bereits vermehrt Anfragen von Fuhrparkleitern zu Elektrofahrzeugen fest, welche vor allem als Poolfahrzeuge, aber auch als zugewiesene Dienstfahrzeuge eingesetzt werden sollen«, berichtet  Hannes Maurer, CEO der Porsche Bank AG. »Es ist zu erwarten, dass die technische Entwicklung im Bereich der alternativen und umweltfreundlichen Antriebstechnik weiterhin forciert wird und in nur wenigen Jahren noch effektivere Energienutzungsformen in Fahrzeugen auf den Markt kommen werden.«

Ob emissionsarm, Hybrid oder Elektro – wofür man sich letztlich entscheidet, hängt vom Einsatzzweck, dem Fahrverhalten und der Streckenlänge ab. Ein sichtbares Bekenntnis zu Nachhaltigkeit könnte jedenfalls schon bald das egomanische Statusdenken ablösen. Führungskräfte, die glauben, sich in ihrer Position durch ein möglichst dickes Auto von der übrigen Belegschaft abheben zu müssen, haben ohnehin ausgedient. Kostenbewusstsein lässt sich zudem auch leichter argumentieren, wenn es ausnahmslos für alle gilt. Für Raiffeisen-Leasing-Chef Eggner bekommt das Thema Prestige generell eine neue Bedeutung: »Was man angesichts der Pionierleistung von Tesla und Co nicht vergessen darf: Auch ein Elektroauto kann nicht nur ein Statement, sondern ein Statussymbol sein.«


 

Tipp: E-Fuhrpark

Die Firmenflotte nachhaltig umzurüsten, ist eine vorausschauende Investition, aber auch mit unternehmerischen Risiken verbunden. Folgende Punkte sollte man beachten:

1. Auswahl: Ausgehend von den Anforderungen im Betrieb, dem Einsatzgebiet und der Verfügbarkeit von Ladestationen sollte ein passendes Fahrzeugmodell gewählt werden. Zu bedenken ist zudem, dass sich z.B. die Kundenstruktur oder der Aktionsradius ändern könnten. Müssen häufig auch längere Strecken absolviert werden, empfehlen sich Hybrid-Fahrzeuge.

2. Mitsprache: Die geplante Umrüstung sollte vorab mit den Mitarbeitern besprochen werden. Auch eine entsprechende Schulung und die Anpassung firmeninterner Regeln für die Nutzung der Fahrzeuge sind erforderlich. Fahrsicherheitstrainings tragen zusätzlich zu einem effizienten und umweltschonenden Fahrstil bei.

3. Dienstwagen: Da viele Arbeitnehmer das Firmenauto auch privat nutzen, ist eine Änderung der »Car Policy« meist ein heikles Thema. Bei Elek-troautos, die zu Hause nicht über Nacht aufgeladen werden können, könnte das zu Unmut in der Belegschaft führen.

4. Förderung: Bis sich die Anschaffung von E-Fahrzeugen rechnet, kann es einige Zeit dauern. Die Bundesländer federn die Investition mit teilweise großzügigen Förderungen ab, zudem gibt es steuerliche Vorteile.

5. Rentabilität: Langfristig ist man mit Elektroautos günstiger unterwegs, einige Marken warten aber mit recht stolzen Preisen auf. Ein Vergleich mit den Erhaltungskosten lohnt sich – das billigste ist nicht immer das günstigste.

Last modified onDonnerstag, 13 April 2017 17:02
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