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Redaktion_Report

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So schafft man Monopole: Die größten Unternehmen der österreichischen Bauindustrie erarbeiten gemeinsam einen Standard zur EDV-unterstützten Erfassung von Lohndaten und entwickeln dazu die passende Computersoftware, die wiederum nur auf einem bestimmten Rechner läuft. Praktischerweise übernimmt die Tochter eines dieser Unternehmen auch gleich den Vertrieb dieser Software.

Gebildet wurde die "Arge Projekt Baulohn" von den Baufirmen Bauholding Strabag, Alpine, (der mittlerweile von ihr übernommenen) Universale, Porr plus Teerag-Asdag sowie Wibeba und Pittel+Brausewetter. Deren Interessenvertretung, die Vereinigung der Industriellen Bauunternehmen österreichs (VIBö), erarbeitete einen Standard für Schnittstellen, über die Lohnverrechnungs- und Personalstammdatensysteme der einzelnen Unternehmen miteinander kommunizieren können. Die Arge beauftragte das Wiener Softwareunternehmen LGSoft mit der Entwicklung eines entsprechenden Programms, das nur auf dem Betriebssystem Palm OS läuft und somit Anbietern anderer, auf Windows-Software basierender Geräte keine Chance bietet. Inzwischen haben auch die Baufirmen Ast und Held+Francke Lizenzen gekauft, die laut Wolfgang Wirsig, Geschäftsführer der Arge Baulohn, zwischen 5000 und 8000 Schilling pro Arbeitsplatz und für ein Unternehmen aus der Bauindustrie "so um die drei- bis vierhunderttausend Schilling" kostet.

Neuer Spieler

"Ich will in die Topliga!" Roger Riewe definiert seine Ziele ohne Umschweife. Als neuer Professor für Hochbau und Entwerfen wird der 42-jährige Architekt sieben Jahre lang am Hochbauinstitut der TU Graz unterrichten. Der Deutsche will seine Studenten dabei auf das neue, veränderte Berufsbild des Architekten vorbereiten. "Die künstlerische Seite kommt zwar nicht zu kurz, ein Künstler wird aber zu schnell aufgerieben", so Riewe über sein Ziel, "spezialisierte Generalisten" heranzubilden, die nicht nur entwerfen können, sondern auch etwas von Projektentwicklung verstehen.

Roger Riewe will aber auch das universitäre Niveau anheben und die heiligen Hallen mit internationalem Flair durchlüften. "Dazu gehört der Austausch von Studenten und Lehrenden", so Riewe. Er werde seine guten Kontakte zu Hochschulen in Barcelona, Los Angeles oder Rotterdam nutzen, um prominente Namen wie Rem Koolhaas zu Vorträgen und Gastkritiken zu holen, verspricht der frischgebackene Professor.

Roger Riewe wurde 1959 in Bielefeld geboren, studierte Architektur in Aachen und gründete 1987 in Graz gemeinsam mit Florian Riegler das Architekturbüro Riegler Riewe. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählen die informationstechnischen Institute an der TU oder der Flughafen in Graz. Zurzeit arbeiten Riegler Riewe am Um- und Neubau des Innsbrucker Bahnhofs. Roger Riewe ist auch Vorstandsmitglied der Architekturstiftung österreich.

Kampf der Baukulturen

Am Tag nach dem Großangriff auf das New Yorker World Trade Center war Feuer am Dach. Hochhäuser wurden voreilig mit Bann belegt, auch in der erst jungen Wiener Hochhausszene machte sich Unsicherheit breit. Manche Bauherren gingen in Deckung: Die Wiener Entwicklungsgesellschaft für den Donauraum (WED) verschob "aus Pietätsgründen" die für Ende September geplante Eröffnung des Ares Towers bis ins nächste Frühjahr. Eine Bedrohung für den 100 Meter hohen Doppelturm sehe man aber nicht. Der Bauherr des Twin Towers, die Wienerberg City Errichtungsgesellschaft, ließ sich von ihren Wiener Statikern Thumberger und Kressmeier attestieren, dass die Stahlbetonbauweise der beiden 138 und 127 Meter hohen Glastürme sicherer sei als der in Amerika übliche Stahlbau, der bei den 411 Meter hohen WTC-Türmen angewandt wurde. Für Mitte Oktober wurde eine Räumungsübung anberaumt, die aber immer schon geplant gewesen sei, wie die Hausverwaltung versichert.

Auch bei den Mietern im 202 Meter hohen Wiener Millennium Tower herrschte Verunsicherung. Schon im Mai habe eine Evakuierungsübung stattgefunden, erzählt Objektleiter Jürgen Haussecker. Mit scheinbar gutem Ergebnis: "Obwohl wir mit 20 Minuten gerechnet haben, waren die Geschoße in acht Minuten evakuiert!" Worauf sich Hausherr Georg Stumpf veranlasst sah, zu behaupten, sein Turm sei sicher und könne in fünf Minuten evakuiert werden. Was so nicht stimmt: Bei der Katastrophenübung nahmen laut Haussecker nämlich nur die Mieter der ersten 20 Geschoße teil.

Dennoch dürfte sich nach der ersten Aufregung in der öffentlichkeit die Einsicht durchgesetzt haben, dass beim Angriff auf das WTC primär nicht ein Gebäude vernichtet, sondern die Vereinigten Staaten und "ihr Symbol für den virtuellen Kapitalismus", wie es der slowenische Kulturphilosoph Slavoj Zizek ausdrückte, ins Herz getroffen werden sollten.

Noble Zurückhaltung

International hat eine breite Diskussion über Sinn und Unsinn eines Wiederaufbaus des World Trade Centers eingesetzt. Einige unserer österreichischen "Stararchitekten" vergaßen ob der vagen Chance, sich einen besseren Startplatz für einen möglichen Megaauftrag zu verschaffen, die sonst gerne zur Schau getragene noble mediale Zurückhaltung und ließen sich von einer Wochenzeitschrift befragen, wie (nicht ob) die Türme am Hudson River neu aufgebaut werden sollten. Erstaunlich: Architekten, die man bislang als Vertreter der Moderne kannte, outeten sich plötzlich als Historisierer.

Mit Ausnahme des himmelblauen Wolf Prix, der ein dekonstruktivistisches Gebilde als "unübersehbares optisches Zeichen" setzen will, plädieren Hans Hollein, Gustav Peichl und Boris Podrecca für den originalgetreuen Wiederaufbau. Verziert werden sollten die Türme wahlweise mit "schwebenden Raumkörpern" oder mit Betonhöhlen, um "das Stigma der Wunde" der Flugzeugeinschläge zu erhalten.

Gustav Peichl, dem wir den Entwurf für den Wiener Millennium Tower verdanken, hält sich mit solchen philosophischen Betrachtungen nicht auf und fordert streng die exakte Rekonstruktion der Türme. Immerhin konzediert er der Bautechnik Fortschritte während der vergangenen drei Jahrzehnte: Konstruktiv und sicherheitstechnisch müssten die Türme "wahrscheinlich" nicht wie damals gebaut werden.

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