Spitzengehälter und Boni explodieren, der Durchschnitt darbt vergleichsweise. Aber wie viel sollten Top-Manager tatsächlich verdienen – und sollten Leistungsträger gar durch »Reichensteuern« geschröpft werden? Was wirtschaftlich sinnvoll und gerecht ist und was Manager dazu meinen.Manchmal dauert es ein bisschen, bis internationale Trends oder Diskussionen auch im kleinen Österreich landen. »Tax the Rich« geistert etwa schon seit Jahren durch die Welt und bringt es bei Google auf gut sieben Millionen Treffer. Unter dem höchst unklaren Sammelbegriff »Reichensteuer« bricht eine breitere Diskussion jetzt auch in der Alpenrepublik aus. Die ersten Anfänge dürften in der parlamentarischen Sommerpause zu verzeichnen gewesen sein. Die SPÖ, bislang bei diesem Thema eher handzahm, entdeckte den knackigen Begriff für sich und startete erste mediale Versuchsballons. Und löste damit im politischen Klima, trotz Sommer, einen Temperatursturz aus. Natürlich stellte sich die ÖVP wie ein Mann vor die »Leistungsträger«, die der heiligen Gral der Partei sind. In den letzten Wochen intensivierte sich die Debatte. Selbst bei den herbstlichen Lohnverhandlungsrunden dürfte die Reichensteuer – je nach Standpunkt als Kampfruf oder Schreckgespenst – im Hintergrund präsent gewesen sein. Natürlich hat die diffuse Steueridee vordergründig nichts mit Lohnabschlüssen zu tun.Die Metaller begründeten ihre für österreichische Verhältnisse fast schon unerhörte Forderung von 5,5 Prozent mit Argumenten, wie sie eins zu eins auch von Fans einer Reichensteuer stammen könnten. Die Unternehmensgewinne steigen und steigen wie die Produktivität, bei den Belegschaften komme aber nur wenig davon an. Die Metaller zeigten derart Zähne, dass die Industrievertreter nach einer Schrecksekunden einem Kompromiss zustimmten. Für den Fall dass die Kampfmaßnahmen tatsächlich eskalieren, dürfte die Gewerkschaft auf die Zustimmung breiterer Bevölkerungskreise spekuliert haben. Diese sind in Österreich wie in Europa nämlich schon etwas zermürbt. Seit der Finanzkrise 1 fliegen den Bürgern nur so die Billionen, Milliarden und Millionen um die Ohren. Einmal sind es Bankenrettungspakete, dann wieder Unternehmensgewinne oder exzessive Managerboni. In der Finanzkrise 2 werden überhaupt gleich ganze Staaten geschreddert, um ein aus dem Ruder gelaufenes Casino-System am Laufen zu halten.>> Verkehrte Welt und wankende Dogmen Mahnende Worte Kritik an diffusen Steuerideen Wie viel ist genug? Glückliches Österreich:Egal, ob Einkommen oder Vermögen, die Kluft zwischen arm und reich wird weltweit breiter. Die Reichen werden nicht nur immer reicher, gleichzeitig werden die Armen immer mehr. Das ist der Tenor zahlloser Studien. Dass aktuell rund 46 Millionen Amerikaner von Essensmarken leben, überrascht weniger als mangelernährte Kinder beim potenten Nachbarn Deutschland. Im Vergleich ist Österreich immer noch eine Insel der Seligen. Aber auch in der Alpenrepublik gehen Lohnschere und Vermögen auseinander. Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforums Führungskräfte zeigt die Entwicklung der Managergehälter seit den 80er-Jahren (siehe Grafik). Aber der Durchschnitt sagt nicht alles. In den Konzernen wird richtig Geld gescheffelt, in den KMU überwiegen freilich »Hungerleider«. Ein Schlaglicht auf heimische Vermögen liefert das WiFo. Sei den 60ern stiegen die Besitzeinkommen um rund das 50-Fache an. Aber nicht bei allen kommt der Segen an: Knapp eine Million Österreicher ist latent armutsgefährdet.>> Einkommensentwicklung seit 1982 (inflationsbereinigt)