Warenwirtschaft im Wandel

IT-Experte Robert Kaup, Tieto: »Heute können Geschäfts-entscheidungen mit IT-Hilfe schneller getroffen werden.« IT-Experte Robert Kaup, Tieto: »Heute können Geschäfts-entscheidungen mit IT-Hilfe schneller getroffen werden.«

Die Werkzeuge für Enterprise-Ressource-Planning befinden sich in ständiger Veränderung, ebenso wie viele Geschäftsprozesse in Unternehmen. Die Wahl des richtigen ERP-Partners fällt dadurch nicht leichter.

»Kompliziert und langweilig war gestern« – so beginnt eine Einladung für eine Informationsveranstaltung des IT-Dienstleisters NAVAX. Das Thema: Software für die Warenwirtschaft, Enterprise-Ressource-Planning-Lösungen für unterschiedlichste Anforderungen. Der IT-Dienstleister, der sein Hauptquartier unweit von Microsoft am Wienerberg hat, ist im ERP-Bereich ein Partner Microsofts der ersten Stunde. Es sind Produkte wie Dynamics AX für mittlere und große Unternehmen oder Dynamics NAV für Kleinere, die neben der mächtigen Palette des Branchenprimus SAP den Markt dominieren. Doch: Die Anforderungen von Unternehmen und Fachabteilungen an ERP- und Controlling-Software ändern sich immer rascher. »Software muss heute einfach bedienbar sein und gleichzeitig mehr schaffen. Die richtige Lösung macht den Unterschied zwischen Effizienz und Ineffizienz, Wettbewerbsfähigkeit und Hinterherlaufen, Erfolg und Misserfolg aus«, heißt es bei den Wienern. Klar ist: Für welche Software sich Unternehmen entscheiden, hat langfristige Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg.

Waren Warenwirtschaftssysteme früher von einer öden, starren Patina umgeben, hat in den letzten Jahren der Terminus Nutzerfreundlichkeit auch in Business-Software Einzug gehalten. In der Microsoft-Dynamics-Palette werden an Microsoft Office angelehnte Benutzeroberflächen und Shortcuts, rollenbasierte Clients, visualisierte Reports und mehr integriert. Das Ziel der Experten rund um NAVAX-CEO Oliver Krizek sind stets Prozessoptimierung und Produktivitätssteigerung bei den Kunden. »Die Einführung eines neuen ERP-Systems sollte immer von einer genauen Analyse und Verbesserung der Prozesse und Workflows ihren Ausgangspunkt nehmen«, so Krizek.

Wer aber ist der beste ERP-Hersteller oder ein geeigneter Dienstleister für die Herausforderungen in meinem Unternehmen? Diese Frage ist kaum zu beantworten. Kommt es bei der Zusammenarbeit mit einem Partner doch auf mehr, als auf die Summe aller Teile an. Letztlich müssen vor allem auch lokale Verbundenheit, eine tiefgehende Kenntnis des Marktes und einzelner Branchen, und die Chemie zwischen Anbieter und Kunde stimmen. »Wichtig ist zu erkennen, dass bei Problemen in der Umsetzung immer beide Seiten schuld sind«, formuliert es ein Vertreter der ERP-Szene vorsichtig. In der Erstellung von Pflichtenheften und dem Ausrollen der Lösungen ist deshalb ständig Kommunikation nötig. Dass es immer noch gut 200 ERP-Anbieter in Österreich gibt, hilft nicht gerade bei der Wahl des idealen Systems. Eine Marktkonsolidierung ist bislang ausgeblieben. Gerade im Mittelstand begegnen viele Anbieter ihre Kunden auf Augenhöhe. Sie sind seit Jahren in ihrer Region respektive bei ihren Zielgruppen stark verwurzelt.

Was tut sich bei SAP?
Robert Kaup beschäftigt sich mit einem international besetzten Team bei dem IT-Dienstleister Tieto mit allen Themen, die von SAP neu in den Markt gebracht werden. »Wir sehen, dass es bei SAP sehr stark in Richtung Real-Time-Business geht. Früher mussten die Anwender vor ihren Bildschirmen warten, bis die angeforderten Daten geladen waren. Heute passieren Transaktionen in Sekundenschnelle. Dadurch können Geschäftsentscheidungen schneller getroffen werden.« Kern der neuen Echtzeitanalyse, in der auch Milliarden von Datensätzen ohne Verzögerung durchforstet werden, ist SAP HANA. Die In-Memory-Datenbank ähnelt ein wenig dem Onlinehändler Amazon, nur eben auf Businessebene, vergleicht Kaup, Head of SAP Innovation & SAP Offering Management bei Tieto. »Bei Amazon bekommen Sie bereits während Sie einkaufen Vorschläge zu passenden Produkten, die für andere interessant waren. SAP HANA bringt diese Real-Time-Geschäftsprozesse auch zu allen SAP-Kunden.«

Das Geschäft ändert sich
Für die IT-Dienstleister bedeutet die Plattform auch eine Änderung des ERP-Geschäfts. Nun wird es noch kritischer, das Kerngeschäft der Kunden in allen Details zu kennen, um Businessprozesse gestalten zu können – mit Real-Time-Möglichkeiten, an die vorher nicht zu  denken war. Bei einem Handelsunternehmen könnte dies beispielsweise die ständige Analyse von Kundendaten sein, um die nächste, ideale Verkaufsmöglichkeit vorzuschlagen und Kundenverhalten zu prognostizieren. Wie aber steht es mit anderem Gewerbe, wie produzierenden Betrieben? »Es gibt Maschinenhersteller in Österreich, die ihre Maschinen mit Sensoren ausstatten, um regelmäßig Rückmeldungen zum Gerätezustand und zur Benutzung zu bekommen. Aufgrund der Daten werden dann Wartungstermine vorgeschlagen, Reparaturen und der Tausch von Verschleißteilen proaktiv angestrengt – noch bevor etwas kaputtgeht«, beschreibt Kaup. Der Experte sieht im Manufacturingsegment viele Möglichkeiten, die sich aufgrund der neueren ERP-Generationen der Hersteller auftun. Auch Produktionsvorgänge innerhalb der Betriebe lassen sich mit entsprechender Sensorik und Vernetzung besser in ERP-Lösungen einbetten. So können Prozessleitsysteme etwa bei Real-Time-Entscheidungen zu Materialqualität helfen.

Es ist ein Paradigmenwechsel vor allem in der Basis, im IT-Background der Lösungen. Bislang hatten die Unternehmen zwei Datenbanken getrennt laufen: zuerst die klassische ERP-Lösung, der in Folge ein eigenständiges Reportingsystem mit eigenem Datawarehouse angeschlossen war. Vor der Ära der Echtzeitdaten wurde das Datawarehouse einmal täglich oder bestenfalls alle paar Stunden neu geladen. Mit Real-Time-Analysen fällt dieser Bedarf des Datawarehouses weg. Alle Auswertungen werden zum jeweils gewünschten Zeitpunkt möglich. Es gibt keine Verzögerungen mehr oder gar Analysen, die sich lediglich auf Informationen vom Vortag beziehen. »Nicht über unterschiedliche Maschinen, über mehrere Datenbanken verteilt, sondern eine Datenbasis, alle Daten zentral in einem System – das ist die Zukunft«, ist Kaup zuversichtlich.

Derartig performant öffnet sich ERP nun auch für den wachsenden Bereich der Machine-to-Machine-Kommunikation. Geräte, die miteinander sprechen, und für vielfach neue Datenströme sorgen, die natürlich ausgewertet werden müssen, gibt es in den unterschiedlichsten Industrien. Es sind Technologien in Bereichen wie Smart Metering, Automatisierung oder Verkehrstelematik, die künftig in Produkt- und Serviceanalysen der Unternehmen einbezogen werden.

Mobile Verlängerung allerorts
Ein weiterer Trend, der längst Tagesgeschäft der IT-Branche geworden ist: ERP-Lösungen ohne mobile Endgeräte gibt es heute kaum noch. Die berüchtigte Leistungserfassung am Ende des Tages in Excel ist mit den geeigneten Systemen passé: ob beim Reinigungsdienst, der an den servicierten Standorten seine Arbeit direkt mit Tablets dokumentiert, oder Störungsmeldungen von Wartungstrupps entlang von Leitungsinfrastruktur im Feld. Beispielsweise hat Tieto gemeinsam mit dem Kunden Gas Connect Austria ein Meldesystem namens H!T entwickelt. Eine Microsoft-SharePoint-Anwendung wurde mit eine iPhone-Applikation verbunden. Diese ermöglicht Außendienstmitarbeitern das Erfassen von Zwischenfällen inklusive Dokumentationen und Bilder des Incidents und das automatische Verwalten in nachgelagerten Systemen. Nach der Dokumentation am iPhone werden die Inhalte sofort weitergeleitet, und augenblicklich Reaktionen ausgelöst – es können rasch Maßnahmen gesetzt werden. Ein Reporting erlaubt jederzeit auch Statistiken abzurufen, um besser auf wiederkehrende Ereignisse reagieren zu können. »Darüber hinaus werden Real-Time-Geschäftsprozesse auch auf mobilen Endgeräten künftig das Geschäft der Kunden stark beeinflussen«, schließt Kaup.

Lokale Größe als Alternative
Schauplatzwechsel zu einem mittelständischen ERP-Hersteller. Sage war bislang hauptsächlich für Produkte wie Office Line und Classic Line für kleine bis mittlere Unternehmen bekannt. Seit Anfang des Jahres will Sage auch im Mittelstandssegment wachsen, um international tätigen Unternehmen in über 60 Ländern nahezu weltweit das richtige ERP-Werkzeug zu bieten. Der Name des Tools, das der SAP-Palette Konkurrenz machen soll, ist Sage ERP X3. »Wir setzen auf eine globale Lösung mit lokalem Touch«, erklärt Sage-Geschäftsführer Karl Zimmermann. Eine Standard-Edition bietet bereits über 150 vordefinierte, anwendungsbereite Abläufe und 16 Rollen für Kerngeschäftsprozesse. Sage stellt sich dazu auch in der eigenen Organisation fürs grenzüberschreitende Geschäft neu auf. Eine internationale Mannschaft unterstützt die Kunden beim Rollout in den Ländern und bietet übergeordnetes Know-how – wie etwa zu lokalen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Ein wesentliches Element der Sage-Lösung ist die Web-Technologie, die die Gesamtlösung über den Browser leicht von unterwegs oder in Außenstellen ohne Installationsaufwand ortsunabhängig nutzbar macht.

Ein Anwendungsbeispiel aus der Praxis ist Tilly Holzindustrie, ein Unternehmen mit ca. 200 Beschäftigten. Der Kunde rollte selbst die ERP-Lösung für ein Werk mit 12.600 m² Produktionsfläche aus. Lediglich zwei Manntage Consulting waren als Unterstützung für die Implementierung durch Sage nötig. Den Rest konnte die IT-Mannschaft von Tilly selbst umsetzen.

Generell sei am ERP-Markt eine Entwicklung in Richtung beschleunigter Geschäftsprozesse zu beobachten, meint Zimmermann, der seit 18 Jahren bei Sage beschäftigt ist, und seit Juni an der Spitze des Geschäftsbereichs ERP-Mittelstand in Österreich steht. »Vom Angebot bis zur Rechnungslegung werden Prozesse in Unternehmen immer schneller. Unsere Lösungen sind am Ende des Tages günstiger und weniger kompliziert als große Konzernsoftware.« Dabei spielen weniger die Lizenzkosten eine Rolle, sondern vor allem die Kosten für Implementierung und Support. Er warnt vor scheinbar günstigen Verträgen, die sich durch später anfallende Change Requests massiv verteuern können. Zimmermann selbst ist von Fixpreisen völlig abgekommen. »Darunter leidet die Qualität der Umsetzung.« Als »österreichische Lösung« bietet er Einschleifregelungen, die Projektkosten im vereinbarten Rahmen halten. Sage sieht sich jedenfalls gut mit seinen Branchenlösungen Sage ERP b7 für Produktion und Handel, Sage Wincarat für Kunststoffverarbeiter und Sage ERP X3 für internationale Unternehmen und Dienstleister aufgestellt. Mobilität gehört auch hier überall zum Programm – und wenn es nur mobile Scanner in der Lagerlogistik sind, die direkt mit dem ERP vernetzt für den Datenstrom sorgen.

Unaufhörliche Datenflut
55 Prozent aller Befragten, davon zwei Drittel der Produktionsleiter, im industriellen Mittelstand sehen in der permanent steigenden Informationsflut eine sehr große IT-Herausforderung. Das geht aus einem »IT Innovation Readiness Index« des Marktforschungs- und Beratungsinstituts Pierre Audoin Consultants (PAC) hervor. »Das rasante Datenwachstum wird insbesondere in der Produktion zunehmend als drängendes Problem erkannt«, sagt Analyst Karsten Leclerque, Studienverantwortlicher bei PAC. Es sind vor allem die Bereiche Lager- und Transportlogistik, fertigungsnahe Prüfdaten und Qualitätskennzahlen, Service und Support sowie Personaldisposition, in denen große Datenmengen anfallen. Diese gilt es mit geeigneten IT-Lösungen zu managen und auszuwerten. »Insbesondere die Erfassung und Weiterverarbeitung von Daten aus der Fertigung wird für das Thema Industrie 4.0 von zentraler Bedeutung sein. So stellt bereits heute für fast zwei Drittel der befragten Produktionsleiter die steigende Datenflut eine sehr große Herausforderung dar.« Was hier nur noch hilft sind moderne ERP- und Datenanalyse-Lösungen.


Kommentar: ERP für die Cloud muss anders werden

»Mit Cloud-Computing stehen den Unternehmen jederzeit skalierbare Dienstleistungen mit kalkulierbaren Kosten zur Verfügung. Gerade KMU können damit auf teure Anfangsinvestitionen verzichten und erhalten trotzdem aktuelle und hochwertige Lösungen. Aber nicht jede Software ist für die Cloud gleich gut geeignet, ERP-Systeme haben sich beispielsweise noch nicht so durchgesetzt. Der Grund ist ganz einfach: ERP wurde bis heute nicht für die Cloud entwickelt. Technologisch basiert ein Großteil der ERP-Software auf jahrealten Konzepten und bildet komplexe Unternehmensprozess ab. Diese ERP-Systeme eins zu eins in die Cloud zu bringen, wäre nicht viel mehr als eine moderne Form von Serverhosting. Das bedeutet, dass die Hersteller gefragt sind, ERP-Konzepte für die Cloud zu entwickeln, welche die Vorteile nutzen können: Skalierbarkeit, Integration in andere Cloud-Lösungen, Flexibilität, Kostentransparenz, Ressourcenoptimierung, Mobilität und Plattformunabhängigkeit. Ein entscheidender Punkt ist, wie man mit dem hohen Individualisierungsgrad umgeht: Kaum eine installierte ERP-Lösung entspricht dem Standard; bei manchen ist der Standard nur noch zu erahnen. Cloud-Computing braucht aber Standardisierung, nicht Individualisierung. In vielen Bereichen ist Cloud bereits zu einem fixen Bestandteil geworden: Mail-Dienste, Office-Anwendungen, Enterprise-Content-Management oder CRM-Lösungen lassen sich sehr gut in der Cloud abbilden. Im Bereich ERP ist allerdings noch vieles offen.« Oliver Krizek, CEO NAVAX


Firmenpräsentation ERP:

Infor
Infor ist einer der führenden Anbieter von Geschäftssoftware und Services. Mehr als 12.700 Mitarbeiter betreuen zusammen mit 1.745 Partnern über 70.000 Kunden weltweit. Infor hat die Trends zu Social Collaboration, mobilen Applikationen, Cloud Computing und integrierten Analysen in seinem Lösungsportfolio umgesetzt und orientiert das Nutzererlebnis von Geschäftssoftware an Consumersoftware.
www.infor.at

NAVAX Unternehmensgruppe
NAVAX verändert das Business seiner Kunden zum Besseren: durch Softwarelösungen, die ihre Geschäftsprozesse abbilden, optimieren und unterstützen. Das beginnt bei der Spezifikation und Konzeption, geht über die Implementierung bis zum Go Live und zur Weiterentwicklung und Modernisierung. Über 750 zufriedene Kunden können nicht irren.
www.navax.com

proALPHA Austria
Die proALPHA Austria GesmbH ist die österreichische Tochtergesellschaft der proALPHA Software AG, einem international agierenden Business-Service-Provider mit Stammsitz in Deutschland. proALPHA ist eine mehrschichtige, modular aufgebaute, integrierte Komplettlösung, die speziell auf die Anforderungen mittelständischer Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen zugeschnitten ist. Die Einzigartigkeit unserer Lösung liegt darin, dass alle Module aus eigener Entwicklung und auf einer einheitlichen Technologieplattform entstanden sind.
www.proalpha.at

Last modified onFreitag, 22 November 2013 14:59
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