Die Top 12 Themen 2019

Die Top 12 Themen 2019 Foto: iStock

Die Top 12 Themen, die Österreich bewegten.

Brexiten

Das Jugendwort des Jahres 2019 steht für die mehrmalige Ankündigung, gehen zu wollen und dann doch nicht zu gehen. Als niemand mehr damit rechnete, rang sich das britische Parlament Anfang Jänner schließlich zu einer Entscheidung durch. Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union soll am 31. Jänner 2020 stattfinden – das Abkommen muss noch vom Oberhaus verabschiedet werden. Das House of Lords fordert aber neuerliche Änderungen. So könnte es noch ewig weitergehen ... a never ending story.

Blockbuster

Noch vor wenigen Jahren als reiner Streaming-Anbieter belächelt, ist Netflix ein Schwergewicht der Unterhaltungsindustrie geworden. Im Vorjahr butterte das Unternehmen 15 Milliarden Dollar in Eigenproduktionen. Dass Netflix-Filme und -Serien auch für die Oscars zugelassen sind, sorgt für Kritik. Immerhin werden die Filme in erster Linie für den Streaming-Dienst und nicht fürs Kino produziert. Trotzdem dauerte es nicht einmal ein Jahrzehnt, um in der obersten Liga mitzuspielen. 2013 feierte Netflix mit »House of Cards« ein vielbeachtetes Debüt, »Marriage Story« und »The Irishman« sorgen für Prestige. Für die Golden Globes sind heuer 34 Netflix-Produktionen nominiert.

Klima

Der inzwischen 17-jährigen Greta Thunberg gelang innerhalb weniger Monate, woran WissenschafterInnen jahrelang scheiterten: die Welt für Klimaschutz zu sensibilisieren. Dank der durch Thunberg entstandenen »Fridays für Future«-Bewegung wird heute über die Klimabilanz von Flugreisen und eine CO2-Steuer diskutiert. Die Phalanx jener Staaten, die an fossilen Energieträgern festhalten, ist dennoch stark: Bei der UN-Klimakonferenz 2019 in Madrid blockierten die USA, Brasilien und Australien den Beschluss konkreter Maßnahmen. Thunberg, die beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 eine ihrer ersten international beachteten Reden gehalten hatte, warf bei ihrem diesjährigen Auftritt Politik und Wirtschaft Versagen vor: »Euer Nichtstun ist Benzin fürs Feuer.«

Ibiza

Eine Insel, ein Video, ein Exodus. Österreich präsentierte sich als korrupte Bananenrepublik – acht Monate später das Gegenteil: Souverän hatten der Bundespräsident und die Übergangsregierung das Land in ruhigere Fahrwasser geleitet. Die grüne Regierungsbeteiligung stößt im Ausland auf Wohlwollen und Interesse. Ob es unter der türkis-blauen Koalition – wie im Video erwähnt – zu Bestechlichkeit, Untreue und Amtsmissbrauch gekommen ist, soll ein Untersuchungsausschuss klären. Fragwürdige Postenbesetzungen, neben der Casinos Austria AG auch in der ÖBAG, FMA und Nationalbank stehen jedoch nicht zur Debatte.

Grüne Welle

Kreislaufwirtschaft ist das Gebot der Stunde. Produkte und ihre Bestandteile sollten so lange wie möglich erhalten und wiederverwendet werden. Das gilt auch für Energie, insbesondere fossile Energieträger: Solange Kohle und Erdöl verheizt werden, ist keine Verbesserung in Sicht. Auch Recycling ist keine Lösung – damit ist immer ein Energie-, Wasser- und Chemikalienverbrauch verbunden. Europa braucht dringend eine Strategie für eine ressourceneffiziente und wettbewerbsfähige Wirtschaft.

Ausgetrabt

Zu den fragwürdigsten Projekten des türkis-blauen Intermezzos zählt ohne Zweifel die Reiterstaffel des damaligen Innenministers Herbert Kickl. Mehr als 2,3 Millionen Euro kostete sein Prestigeprojekt, obwohl die »berittene Polizei« nie zum Einsatz kam. Die laufenden Fixkosten für die zehn Pferde exklusive Personal hätten monatlich 16.000 Euro betragen. Interims-Minister Wolfgang Peschorn stoppte das Vorhaben. Ein Bild für die Ewigkeit bleibt: Kickl hoch zu Ross, mit blauem Cape und entzücktem Blick.

Sparmeister

Das Sparbuch war den Österreicherinnen und Österreichern stets heilig. So hielten sie auch noch lange daran fest, als die Zinsen kaum noch über die Null-Marke stiegen. Nun macht sich langsam eine gewisse Unentschlossenheit breit: Laut einer aktuellen Integral-Studie wollen 34 % ihr Geld verstärkt ausgeben, nur 33 % wollen weiterhin sparen. Die begehrtesten Optionen, Sparbuch (57 %) und Bausparvertrag (42 %), verzeichneten jedoch signifikante Rückgänge, während die Veranlagung in Wertpapiere an Beliebtheit gewann.

Digitale Ethik

Bei der Digitalisierung sollten Menschen und die sozialen Auswirkungen der Technologien im Mittelpunkt stehen, meint die Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann. Sie wirkt an der Erstellung einer internationalen Werteagenda mit. Freiheit und Sicherheit würden dabei einander nicht ausschließen. Einer ihrer Vorschläge klingt für viele geradezu unvorstellbar: Handyfreie Zonen.

Sicherheitsrisiko Mensch

Das beliebteste Passwort ist weiterhin »123456«. Da die meisten Cyber-Attacken über die Schwachstelle Mensch erfolgen, müssen Unternehmen nicht nur in IT-Security-Lösungen investieren, sondern auch ihre MitarbeiterInnen verstärkt schulen. Phishing und Ransomware dominieren derzeit wieder, diese greifen auch bereits Messenger-Programme an. Lösegeldforderungen werden künftig höher ausfallen, da Unternehmen immer stärker von Daten abhängig sind.

Tourismus 4.0

Österreich erfreut sich unter Urlaubern ungebrochen großer Beliebtheit. Das ist gut, hat aber auch Schattenseiten. Unter busweise angekarrten Touristenmassen stöhnen nicht nur Wien und Salzburg, sondern auch ehemals idyllische Orte wie Hallstatt und Bad Ischl. Nicht das obligatorische Nächtigungsplus ist deshalb künftig das erklärte Ziel, sondern mehr Qualität. Mit digitalen Tools bemühen sich indessen Hotels und lokale Fremdenverkehrsbüros, das Urlaubserlebnis ihrer Gäste zu bereichern.

Green IT

Das Umweltbewusstsein erreicht den IT-Bereich und muss künftig mitgedacht werden. Als negative Folge der digitalen Transformation ist der Energieverbrauch in den letzten Jahren massiv angestiegen. IT soll über den gesamten Lebenszyklus umwelt- und ressourcenschonend gestaltet werden – von langlebigen Materialien bei der Herstellung zum Stromverbrauch während der Nutzung bis zur nachhaltigen Entsorgung. Innovative Energiekonzepte verwenden beispielsweise die Abwärme von Datenzentren für die Heizung der Gebäude. Auch der vorkonfigurierte Standby-Modus und das konsequente Herunterfahren von Rechnern nach Dienstschluss sind wichtige Bausteine, um im Arbeitsalltag Energie zu sparen.

Aufräumen

Die japanische Autorin Marie Kondo ist »Ordnungsberaterin«. Ja, damit lässt sich Geld verdienen, viel Geld. Ihre Bücher wurden in 27 Sprachen übersetzt und 7 Millionen Mal verkauft. Im Englischen wurde ihr Nachname sogar zum Verb – »to kondo« bedeutet »einen Schrank aufräumen«. Das Konzept erwies sich als Goldgrube. Weltweit misteten Menschen ihre Wohnungen aus. Nebeneffekt des Hypes: Second-Hand-Läden sowie Spendenlager, wie etwa das der Wiener Caritas am Mittersteig, quellen über. In den USA bietet Kondo auch Seminare an, die zertifizierte Berater ausbilden. 2019 startete sie eine eigene Netflix-Serie. Seit kurzem bietet die Aufräum-Expertin in ihrem Online-Shop jede Menge Deko-Kleinkram. Platz dafür haben ihre Fans ja nun.

 

 

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