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»Die größte Herausforderung ist es, Geräte zu bekommen«

Foto: AfB-Geschäftsführer Kurt Essler appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmer. Foto: AfB-Geschäftsführer Kurt Essler appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmer.

AfB übernimmt ausgemusterte IT-Hardware von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen und führt diese einer Wiederverwendung zu.

Das gemeinnützige Unternehmen AfB – das Kürzel steht für Arbeit für Menschen mit Behinderung – verbindet am Markt konkurrenzfähige IT-Dienstleistungen mit sozialem und ökologischem Mehrwert. »Wir bieten eine professionelle Entsorgung von Gebrauchtgeräten an: vom Gefahrenguttransport für Notebooks mit Akkus über zertifizierte Datenvernichtung bis zu einem Fuhrpark mit gesicherten Transportbehältern«, beschreibt Kurt Essler. AfB hat sich darauf spezialisiert, ausgemusterte IT-Hardware von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zu übernehmen. Die Hardware wird aufbereitet, die Geräte anschließend mit Garantiezusage wiederverkauft. Defekte oder zu alte Geräte werden zur Ersatzteilgewinnung in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt, die übrigen Rohstoffe gehen an zertifizierte Recyclingbetriebe. »Für die Produktion eines PCs werden massive Ressourcen benötigt, alleine 1.500 Liter Wasser«, weiß er. Mit dem zweiten Leben für IT-Geräte werden auch CO2 und wertvolle Rohstoffe gespart. Es ist ein Thema, das im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft auch in Europa zunehmend wichtig wird.Ein – wenn man so will – »zweites« Erwerbsleben führt Essler auch als AfB-Geschäftsführer. In seiner damaligen Funktion als IT-Manager – Essler war 40 Jahre bei der Erste Bank beschäftigt – wurde der Wiener 2010 von AfB-Gründer Paul Cvilak angesprochen. »Er fragte mich, was wir mit unseren Geräten am Ende ihres Lifecycles tun.« Der Funke sprang über und der Branchenkenner übernahm nach seiner Pensionierung den Aufbau der Österreich-Gesellschaft des gemeinnützigen Unternehmens.

Gegründet 2004 in Deutschland, ist AfB neben Österreich heute auch in der Schweiz und Frankreich tätig. Die Hälfte der Mitarbeiter sind Menschen mit Behinderung, die durch dieses Konzept einer hochwertigen Beschäftigung nachgehen können. Mittlerweile beschäftigt das Integrationsunternehmen rund 300 Mitarbeiter an 18 Standorten, 500 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung sind das langfristige Ziel. Ein Standort in der Ottakringer Straße in Wien wurde im März aufgrund schlechter Lage wieder geschlossen. In Wien-Liesing und Klagenfurt können die Gebrauchtwaren noch in Geschäftslokalen erworben werden, der Vertrieb über den Online-Shop nimmt stark zu. Die Nachfrage nach der kostengünstigen Hardware ist ungebrochen groß.

Schwieriger Markt

Über 100 Unternehmen sind bereits Partner von AfB in Österreich, darunter die Erste Bank und Sparkassen Gruppe, Unicredit Bank Austria, die Österreichische Nationalbank, die Vienna Insurance Group, die, REWE-Group, Strabag, Infineon, T-Systems, T-Mobile, Atos und Bayer Pharma. Im Jahr 2017 wurden in Österreich insgesamt knapp 60.000 IT-Geräte von der AfB behandelt. Aber es könnten noch mehr sein: »Über den regulären Weg der Einkaufsabteilung tun wir

uns bei vielen Unternehmen schwer. Wir matchen uns hier mit Brokern, die aufgrund anderer Kalkulationen oft mehr für Altgeräte bieten können«, berichtet Essler. Für AfB bedeutet dies, direkt den Kontakt zum Management oder Compliance-Verantwortlichen zu suchen. »Bei einer aufgeschlossenen Geschäftsführung und einer Unternehmensphilosophie mit sozialen Komponenten sieht dies schon wieder ganz anders aus.«Das Geschäft des gemeinnützigen Unternehmens ist jedenfalls eigenfinanziert und man ist stolz, den Betrieb mit den Erlösen aus dem Geräteverkauf auch gewinnbringend zu gestalten. In Österreich wurde im vergangenen Jahr ein Umsatz von rund 2,2 Millionen Euro erzielt. Ausrangiertes IT-Equipment sollte auf jeden Fall nicht auf Giftmüll-Halden in der Dritten Welt landen, appelliert der AfB-Geschäftsführer an das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmer.

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