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Die Telekomwirtschaft wächst damit in den EU-Beitrittsländern doppelt so schnell wie in der EU, wo heuerein Umsatzwachstum von knapp sieben Prozent erwartet wird.
In Polen werden zwar 40 Prozent aller Telekom-Umsätze Zentral- und Osteuropas erzielt, doch errechnet man den Pro-Kopf-Umsatz pro Einwohner, so wird Slowenien 2002 mit einem diesjährigen Pro-Kopf-Umsatz von etwa 330 Euro die Liste der EU-Beitrittsländer anführen, gefolgt von Ungarn mit 240 Euro und Tschechien mit 220 Euro. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz der Telekoms in der EU wird etwa bei 640 Euro erwartet, jener in Deutschland bei 560 Euro, jener in österreich bei 710 Euro.
Die Umsätze der Mobilfunkbetreiber in den zentral- und osteuropäischen EU-Beitrittsländern werden dieses Jahr voraussichtlich um etwa 20 Prozent auf knapp acht Milliarden Euro wachsen, das ist um 50 Prozent mehr Wachstum als im EU-Durchschnitt. Festnetzanbieter werden ihre Umsätze insgesamt um fünf Prozent auf ebenfalls acht Milliarden Euro steigern können, im EU-Raum wachsen hingegen die Festnetzumsätze um nur 1,5 Prozent.
Für die Zukunft erwartet Arthur D. Little in den EU-Beitrittsländern eine zunehmend dominierende Stellung der Mobilfunkbetreiber: 2003 werden sie mit über neun Milliarden Euro bereits knapp 20 Prozent mehr Umsatz erwirtschaften als die Festnetzanbieter. In der EU hingegen ist es umgekehrt: Dort werden Festnetzanbieter 2003 etwa 15 Prozent mehr Umsatz erwirtschaften als die Mobilfunkbetreiber.
Ohne Mobilfunk ist ein flächendeckender Zugang der Bevölkerung in Zentral- und Osteuropa zu Telekommunikation mittelfristig nicht denkbar: "Da die Festnetzpenetration in den einzelnen Ländern im vergangenen Jahr zwischen null und einem Prozent anstieg, die Mobilfunkpenetration aber zwischen neun und 41 Prozent, wird die Dominanz von Mobilfunk in diesen Ländern immer größer. Die Anzahl der Festnetzanschlüsse steigt kaum, da der Ausbau, aber auch die Modernisierung der Festnetzinfrastruktur, deutlich aufwendiger sind als der Ausbau von Mobilfunknetzen“, so der Arthur D. Little-Verantwortliche für Zentral- und Osteuropa, Georg Serentschy.
Doch die Rolle von Mobilfunk in den einzelnen Ländern ist so unterschiedlich wie deren wirtschaftliche Leistung: “Während in Slowenien bereits 76 Prozent, in Tschechien 71 Prozent und in Ungarn 54 Prozent der Bevölkerung mobil telefonieren, sind es in Bulgarien und Rumänien nur 19 Prozent. Generell lässt sich sagen: Länder mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt Pro-Kopf haben die höhere Handydichte.“
Trotz der eindrucksvollen Wachstumszahlen der Telekomwirtschaft in Osteuropa werden einige der zehn großen westeuropäischen Telekoms ihr Osteuropa-Engagement beenden müssen. Serentschy rechnet mit einer Halbierung der Anzahl der westeuropäischen Telekoms in Osteuropa in den nächsten drei Jahren. Grund dafür sind eine Reihe von strategischen Fehlentscheidungen sowie Fehleinschätzungen über die einzelnen Märkte: “Der größte Fehler war, dass die Telekoms den Osten als homogenen Wirtschaftsraum gesehen haben. In Wirklichkeit aber gleicht kein Land dem anderen.“
Die großen Unterschiede betreffen Technik und Markt, Kultur und Sprache, Gelebte Business-Praxis sowie regulatorische Voraussetzungen.
Neues Geld für neue Investitionen im Telekombereich ist generell schwer zu bekommen: “Von den Eigentümern der Telekoms kommt keines und die Finanzmärkte sind auf Telekomwerte nicht gut zu sprechen. Dabei sind die ehemals staatlichen bzw. noch-staatlichen Telekoms, etwa die tschechische Cesky Telecom, die ungarische Matav oder die Slowenische Telekom, großteils profitabel und der Einstiegspreis ist relativ niedrig. Wir erleben zur Zeit eine paradoxe “Best Buy“- Situation“, die von den Telekoms nicht genutzt werden kann, da sie entweder über keinen finanziellen Spielraum verfügen oder Angst haben, von den Finanzmärkten für neue Akquisitionen bestraft zu werden.
Dort, wo sich westeuropäische Telekoms zurückziehen, erkennen Finanzinvestoren ihre Chance. Serentschy: “Sie kommen mit sehr genauen Vorstellungen und präzise vorgeplanten Exit-Strategien nach Zentral- und Osteuropa. Manchmal holen diese Finanzinvestoren westeuropäische Telekoms mit einer geringen Beteiligung mit an Bord, um sich deren technisches Know-how zu sichern. Man kann aber davon ausgehen, dass viele Telekoms mit den Finanzinvestoren im engen Kontakt bleiben, damit sie nach einer Erholung der eigenen wirtschaftlichen Situation erneut als Mehrheitseigentümer nach Zentral- und Osteuropa zurückkehren können.“
Report: Sie sind als Messepräsident derzeit sozusagen Herr einer Großbaustelle. Ist mit der Fertigstellung der Stadthalle Graz das Ausbauprogramm der Messe abgeschlossen?
Guido Held: Das Ausbauprogramm der neuen Messe Graz hat mit dem Stadthallenbau erst begonnen. Um die Stadthalle herum werden auf dem Messegelände auf einer Fläche von 160.000 Quadratmetern eine Hallenerweiterung und ein Messetagungszentrum errichtet werden. Die Messe war bislang klassischer Aussteller, die Messe der Zukunft wird künftig drei Bereiche abdecken: den Ausstellungsbereich mit 40.000 Quadratmetern, daneben das Tagungszentrum für Seminare und als dritte Schiene den Eventbereich. Komplettiert werden soll die Messe durch zwei dem Messegelände vorgelagerte Großimmobilien, in denen messenahe Betriebe angesiedelt werden sollen. Geplant ist ein Hotel mit 200 Zimmern. Die Vorgänge befinden sich im Stadium der Vorbereitung eines Planerwettbewerbes, der im Juni zur Ausschreibung gelangen wird, dessen Ergebnis dem von der Stadt Graz gesetzten Kostenrahmen entspricht. Bis Ende des Jahres, so hoffe ich, werden die Vergabegrundlagen für einen Totalunternehmer vorliegen. Im Mai nächsten Jahres sollte mit dem Bau der ersten von drei weiteren Hallen begonnen werden.
Wie viel wird letztlich investiert werden?
Die Investition der Baustufe eins im Messegelände wird mit 80 Millionen Euro veranschlagt. Wir müssen alles unternehmen, diesen Rahmen einzuhalten. Wir werden Projekte, die diesen Kostenrahmen nicht halten, ausscheiden. Wenn man die der Messe vorgelagerten Bauten wie das Hotel und ähnliches hinzurechnet, gehe ich von einer Gesamtinvestition in der Höhe von 220 Millionen Euro aus.
Zwei Städte haben in österreich das Zeug dazu, am Stellenwert der Bundeshauptstadt zu knabbern. Hat nicht Linz mit seinem wirtschaftlich potenten Großraum deutlich bessere Karten, sich als Zweitmetropole zu positionieren?
Es geht immer um die Frage, wer das Zeug dazu hat, mit Wien in Konkurrenz zu treten. Linz hat mit all seinen Verkehrsträgern eine Idealposition auf dem Weg zwischen München und Wien. Ich sehe Graz als klassischen Mittelpunkt für die Region südlich der Alpen. Wir haben kulturelle, klimatische und atmosphärische Bindungen zum Süden, eine Nähe zu Italien, Slowenien, Kärnten, Kroatien und Ungarn ist vorgegeben. Genau darin sehe ich auch in ökonomischer Sicht unsere wirklichen Stärken. Die Vernetzung unseres Landes mit unseren Nachbarn erzeugt eine unheimliche Aufbruchsstimmung in Graz, die sich vordergründig in einer Reihe von Großbauvorhaben artikuliert. Man hat erkannt, dass es auf Sicht zu wenig ist, sich in einem wunderschönen Gebiet aufzuhalten, und dass es einfach zum Zug der Zeit gehört, die vorhandenen ökonomischen Potenziale zu nutzen. Diese Aufbruchsstimmung war höchst notwendig und ein Reflex auf eine gewisse Lethargie in der Nachkriegszeit, in der man glaubte, mit der verstaatlichten Industrie hätte man das alleinige Auslangen für ewige Zeiten. Und eines muss man dem hinzufügen: Durch den Niedergang dieser Industrie ist in Graz eine Reihe von neuen Arbeitsplätzen entstanden.
Der Flughafen Graz wurde in den vergangenen Jahren stark ausgebaut, zur deutlichen Verbesserung des internationalen Güterverkehrs wird der Güterterminal Werndorf führen. Eine rasche Verbindung zum Süden ist damit garantiert. Wir Grazer sind nun auch über alle Parteigrenzen hinweg darüber einig, dass die Stadt nicht, wie in früheren Konzepten vorgesehen, zu einer Fußgängerzone wird. Derzeit sind zwei große innerstädtische Tiefgaragenprojekte in Bau, sodass der Besucher zu seinen Interessen ortsnah heranfahren kann. Es ist eine Illusion zu glauben, dass ein Besucher sein Auto am Stadtrand stehen lässt, um dann mit der Straßenbahn zum Ort des Geschehens zu fahren.
Welchen Stellenwert hat für die Grazer Messe die EU-Erweiterung? Gibt es schon jetzt Anzeichen dafür, dass sich Graz als Tor zum Süden hin etablieren kann? Schlägt sich das in Aussteller- und Besucherzahlen nieder?
Nein. Ich muss selbstkritisch zugeben, dass die totale Umstrukturierung der Messe, die übrigens von Roland Berger consultet wurde, einen Tiefpunkt erreicht hatte. Die letzten zwei Messen haben aber gezeigt, dass es massive positive Trends geben wird. Wir müssen weg von der bloßen Masse der Besucher hin zum richtigen Aussteller, gekoppelt mit dem richtigen Besucher. Das wird in absoluten Zahlen zu einer deutlichen Reduktion der Besucherzahlen führen, aber nur Gratiseintritt und Freibier sind keine Zielsetzungen für ein Unternehmen, dessen Aufgabe es ist, die Wirtschaft zu fördern.
Die baulichen Maßnahmen am Messegelände sind nur ein Teil der Aktivitäten in Graz. Sehr viel wird auch in Kulturbauten investiert. Sehen Sie das Verhältnis zwischen diesen beiden Polen als ausgewogen an?
Ich glaube, dass beide Baumaßnahmen notwendig sind. Seit Jahrzehnten ringt Graz um ein repräsentatives Kunsthaus. Kleinliche Politdebatten haben verhindert, dass die zeitgemäße Darstellung von Kunstformen wie Malerei und Installation in Graz erfüllt werden konnte. Wien hatte dieses Defizit übrigens auch sehr lange. Das Problem von Graz in den Achtzigerjahren bestand darin, dass man etwas zu lange wertkonservative Stadtpolitik betrieben hat, indem man der Meinung war, dass das, was vorhanden ist, reicht - und darüber hinaus wird sich die Bevölkerung schon selbst das organisieren, was sie braucht. Man hat auch etwas zu sehr das Auto, den Verkehr dämonisiert. Die Konsequenz waren Betriebsabsiedelungen, eine Entvölkerung der Innenstadt. Man hat aber erkannt, dass dieser Weg nicht zielführend ist, und sehr konstruktiv die entsprechenden Maßnahmen gesetzt.
Wo hat die Stadt ihre größten Probleme? Reichen Ihrer Ansicht nach die Bemühungen, den ausufernden Individualverkehr in den Griff zu bekommen, aus?
Wir können Graz nicht zu München oder Manhattan machen. Klar ist, dass Graz sich eine U-Bahn nicht leisten kann. Es ist aber möglich, mit einer entsprechenden Konzentration der Entscheidungen die Parkraumbewirtschaftung etwa im Sinn der Wienlösungen herbeizuführen. Gelingt es uns, sinnlose Verkehrsbelastung durch Parkraumsuche zu vermeiden, ist schon sehr viel gemacht. Die zweite Maßnahme sehe ich im Ausbau der Straßenbahn, des für uns zugeschnittenen Verkehrsmittels. Der Gemeinderat hat erst kürzlich eine Verlängerung der Linie 4 in Richtung Liebenau beschlossen. Ich bin überzeugt, dass Graz auch ohne
U-Bahn eine regionale Bedeutung für den südlichen Raum zugemessen wird.
Was wünschen Sie Graz in den kommenden fünf Jahren? Womit könnte die Entwicklung der Stadt vorangetrieben werden?
Es fehlt bislang eine Vernetzung der Leistungen der Ausbildungsstätten zur Wirtschaft, zum Handel und den Konsumenten am Standort Graz. Es fällt auf, dass sich steirische Paradeunternehmen mit ihren Produkten und Leistungen zwar international präsentieren, die Messe Graz sich jedoch bislang damit begnügt hat, durch Reduktionen der Eintrittsgebühren Besucherzahlen zu puschen.
Report: Für ein österreichisches Büro ist es nicht selbstverständlich, mit Größen wie Norman Foster und Ben van Berkel zu arbeiten. Sehen Sie sich als Starstatiker?
Erich Handel: Statiker eignen sich nicht zum Star, sie arbeiten im Verborgenen.
Günther Zenkner: Wir sehen uns als Statiker ausgefallener, interessanter Ingenieur- und Architekturbauwerke mit ausgefallenen, leichten Konstruktionen, hohem Innovationsgehalt und den momentan im Trend liegenden Materialien wie Glas, Seil und textilen Membranen.
Sehr viele Ihrer Projekte machen Sie im Ausland. Wie sieht die Umsatzverteilung Ihres Unternehmens aus?
Z.: Unser Schwerpunkt liegt im Ausland, wo wir in etwa 70 Prozent unseres Umsatzes von rund einer Million Euro machen.
Was prägt die Arbeit mit den ausländischen Architekturgrößen?
Z.: Die eigentliche Arbeit passiert nicht mit den jeweiligen Stars - mit denen gibt es irgendwann einen Handshake und eine kurze Vorstellung, der Rest wird mit den betreffenden
Teams gemacht.
H.: Bei internationalen Pro
jekten ist die Projektabwicklung durch die straffe Organisation manchmal einfacher. In ganz gezielten Treffen werden die offenen Probleme wirklich abgehakt; es gelingt besser, die Dinge straffer zu halten. Dazu muss man aber anmerken, dass bei internationalen Projekten in der Regel mehr Vorbereitungsaufwand geleistet wird und dass die Dinge professioneller vorbereitet werden. Damit ist natürlich auch der Schutz vor Nachforderungen viel präziser vorbereitet. Die bekannten überraschungen von Baukostenüberschreitungen von über 50 Prozent sind ein typisch österreichisches Leiden aufgrund mangelnder Vorbereitung. Kurz gesagt: Man spart in der Vorbereitung und gibt es dann im Bereich der Nachforderungen aus.
Z.: Dazu kommt, dass der Begriff des Tragwerkplaners im angelsächsischen Raum viel klarer definiert ist. Dort gibt es die glückliche Aufteilung zwischen Tragwerkplaner, Auftraggeber, ausführender Kontrolle und der immer begleitenden Kostenkontrolle. Es gibt wunderbare Beispiele, wo man ohne Generalunternehmer-Vermischung und durch Trennung der Aufgaben und Planerleistungen das Optimum erreicht hat.
Gibt es in Ihrem Beruf die Kategorie Angst?
z.: Angst haben wir vor dem, an das wir nicht gedacht haben. Die Gefahr liegt also in jenen Gedanken, die man nicht gedacht, nicht ergriffen und verfolgt hat.
Das heißt: Alles, was man bedacht hat, lässt sich wegrechnen?
H.: Ja, da kann man sicher sein, dass es richtig ist. Im Grunde haben alle Unfälle mit Vergessen zu tun.
Sie machen auch einen Teil der Statik beim Projekt Murinsel, einem der Leitprojekte der Inszenierung Kulturhauptstadt Graz. Denken Sie, dass der jetzt stattfindende architektonische Aufbruch über die Zeit nach 2003 hinweg anhält?
z.: Wir glauben und hoffen, dass sich die Entwicklung der letzten fünf bis zehn Jahre, die mit dem generellen Aufschwung im Süden zusammenhängt, fortführen lässt und man nicht nur auf die Autoindustrie setzt.
H.: Ich denke, dass die nun gebauten Dinge bleibende Zeichen in Graz hinterlassen. Wenn sich die Sache Kulturhauptstadt nicht in einem einjährigen Tourismus erschöpft und von der Bevölkerung angenommen und weitergetragen wird und die Bauten bleibend beseelt werden, besteht absolut Hoffnung für eine positive Entwicklung.
Wie stehen die Chancen, dass die Murinsel rechtzeitig fertig wird?
H.: Wir hoffen, dass es sich ausgeht, befürchten aber, dass es sich nicht ausgeht. Wenn alles nach Zeitplan klappt und keine unvorhersehbaren Zwischenfälle passieren und alle am Projekt Beteiligten an einem Strang ziehen und in der Ausführungsphase die wichtigen Entscheidungen richtig getrofffen werden, gibt es die realistische Chance, dass die Insel Ende des Jahres 2002 fertig ist.
Auf welches Projekt sind Sie global betrachtet besonders stolz?
Z.: Ein British Museum London oder ein Sony Center Berlin kann man nicht wiederholen, so etwas bekommt man nur einmal im Leben.
Wie sieht es mit dem technischen Horizont aus? Sind die Grenzen der Materialien Glas und textile Membranen ausgereizt?
Z.: Wir sind sicher nicht am Ende. Eigentlich sind es gesetzliche Hürden, die verhindern, dass man diese Materialien weiter ausreizt. Die Verklebung von Glas etwa darf nur dann erfolgen, wenn zugleich eine mechanische Sicherung vorhanden ist, die Gleiches leistet, womit die Verklebung ad absurdum geführt wird. österreich und Deutschland sind in dieser Hinsicht sehr restriktiv.
LG Electronics, neben Samsung Nonplusultra koreanischer Hightech-Produktion, startete vor 44 Jahren mit der Herstellung von SW-Fernsehern und Radiogeräten. Heute ist LG Weltmarktführer bei optischen Speichermedien, weist ein massives Wachstum bei Handys auf und perfektioniert die Bildschirm-Technologie. Als OEM-Hersteller bastelt LG aber auch ganze Rechner zusammen - etwa »das bekannteste Notebook, das es gibt am Markt«. Die Switching-Division ist auf die eigene Telekom im Hause ausgerichtet und die so genannten Home Appliances wie MP3-Player, DVD-Player, Home-Cinema, Audio-Systeme etc. haben das Modell des vernetzten Entertainment-Haushalt - wie es Sony mit der VAIO-World lautstark vor drei Jahren umzusetzen begann - längst ebenso im Griff. Daneben hat CEO John Koo vorgegeben, bei Kühlschränken, Klimaanlagen, Mikrowellenherden, Waschmaschinen und Staubsaugern ebenso wie in allen anderen Bereichen »in mindestens 80 Ländern Nummer Eins« zu sein.
Report: Die Investmentfreude ist in österreich aktuell eher verhalten. Warum verstärkt LG die österreich-Aktivitäten? Richard Yoon: Es stimmt, es ist zero-business. Aber wir waren hier bis dato nur über Partner vertreten und wollen das nun ändern. Schließlich ist überall in Westeuropa Samsung Nummer Eins, LG Nummer Zwei, Philips Nummer Drei - nur in österreich nicht. Eine eigene GmbH entsteht soeben, ab September werden wir verstärkt im Markt sichtbar sein. An Cosmos und Mediamarkt/Saturn werden schon jetzt eine Reihe an Bildschirmen geliefert. Letztlich gilt immer: Das wichtigste ist das Produkt.
Mit welchen Investments wollen Sie eine verstärkte Marktpräsenz in österreich erreichen? Bisher wurde in österreich rund eine Million Dollar investiert. Das wird sich jetzt innerhalb eines Marketing-Mixes vervielfachen. Bis Ende 2002 wollen wir 20 Mitarbeiter aufnehmen, 2003 soll auf 30 aufgestockt werden. Wir wollen market share like Volkswagen. Das kostet.
Während der Fußball-WM hat LG das weltweit erste UMTS-Handy präsentiert. Das Mobilfunkgeschäft genießt also Priorität für LG? Absolut. Wir starteten 1998 die CDMA-Produktion, 2001 folgte der Einstieg bei GSM, Anfang 2003 wird ein GPRS-Gerät mit TFT-Schirm auch in österreich erhältlich sein - Gespräche mit Mobilfunkbetreibern laufen. Im Bereich Mobile Handsets erzielten wir im letzten Jahr ein Wachstum von 57 Prozent - das macht schon zuversichtlich. Weltweit waren wir 2001 bereits Nummer Acht bei 10,5 Millionen verkauften Stück. Nachdem der Handy-Markt weltweit ja noch in die CDMA- und die GSM-Welt geteilt ist und wir den GSM-Markt eben erst betreten haben, wird das starke Wachstum auch anhalten.Was macht Sie da so sicher? Der Speed der Entwicklung ist in Korea einfach unheimlich schnell. Ich glaube, dass eine one-finger-SMS-society einfach eher prädestiniert für dieses Geschäft ist. Prinzipiell sind die Funktionen in einem Handy bei allen Marken durchweg ja kaum verschieden. Was wirklich den Unterschied ausmachen wird, ist das Display. Und damit sind wir die Alternative zu Nokia.
Das Outsourcing der Handy-Produktion ist bei den meisten Top-Marken längst vollzogen. Wie viele Manufakturen können überleben auf längere Sicht? Fünf bis sechs sind 2005 realistisch. In Fernost werden sich China, Japan und Korea als dominierende Produktionsstätten behaupten, wobei der technologisch intensive Fight zwischen letzteren stattfindet, aufgrund des sehr niedrigen Lohnniveaus China die arbeitsintensiven Fabriken betreiben wird.
Korea hat von staatlicher Seite den Breitband-Boom massiv mitgefördert. Wie würden Sie die DSL-Aktivitäten in Korea beschreiben? A dynamite market. Very busy, vivid activity. In Korea haben sich eigene Gaming-Profis etabliert - vergleichbar der Fußball-Bundesliga hier. Dafür wurde sogar eigenes Broadcasting installiert. Daneben haben sich so genannte Grey Journals im Netz entwickelt, die wirklich alles aufs Korn nehmen. Alles in allem wirklich agil.
Es wäre wohl nicht LG, würde man nicht auch hier mitnaschen? Wir haben hier eine Reihe an Aktivitäten entwickelt. Alles in allem sind wir der einzige Hardware-Hersteller und Service Provider in einem: Mit LG Telecom sind wir Nummer Zwei in einem 20-Millionen-Mobilfunkkunden-Markt. Am DSL-Geschäft sind wir über eine Mehrheit am Provider Dacom dran. In Sachen E-Commerce laufen Kooperationen mit IBM für Amerika, am Heimatmarkt sorgt LG Homeshopping für Entsprechendes.
Das stark wachsende Konsolen-Business geht mir noch ab? Wir haben es versucht, sind aber gescheitert. Man muss einsehen, dass eine Hardware-Kultur nicht für das Gaming geschaffen ist. Das ist Sache von Sega und Dreamcast.
Brown Goods, White Goods, IT und Telekom. Partnerschaften mit Sun, Compaq, GE, Hitachi, Microsoft, Sony, Oracle, Sharp, Philips und IBM. Ist all das eigentlich auf Dauer noch überschaubar? Es stimmt, das Sortiment ist tatsächlich enorm. Mitunter werden auch Aufzüge hergestellt, Kompressoren für Waschmaschinen produziert, die OEM-Herstellung in Sachen Rechner und DECT-Geräte gedeiht - das reicht hin bis zu Zielfernrohren für Missiles. Vielleicht sollten Sie das aber nicht schreiben. Aber das hat historische Wurzeln: Der Consumer-Markt war in Korea immer schon sehr stark. Die restlichen Elektronik-Sparten haben sich Samsung und LG eben aufgeteilt.
Welches Zielt hat sich LG letztlich für österreich gesteckt? Nummer Drei in allen Sparten. Starke Ansage. Noch ein letztes Wort zu Korea. Was unterscheidet Seoul von Wien, was meinen Sie? Beide Länder haben eine lange Tradition. Korea wurde in den letzen 2000 Jahren 936 Mal in einen Krieg verwickelt. Das prägt. Generell ist Korea aber wirklich crowdy, zum Vergleich kommt einem in österreich dagegen alles sehr langsam und bedächtig vor. Aber ich genieße es…
Eine Reihe von kreativen Unternehmen verwesen in der feuchten Gruft der New Economy, weil sie ihr Geschäftsmodell auf die Einnahmequelle Online-Werbung aufgebaut haben. Trotz der Fehltritte der Vergangenheit orakeln die Institute fleißig weiter. So schätzt Forrester, dass 2007 mehr als sechs Prozent von Europas Werbeausgaben in den Online-Bereich fließen - 6,4 Milliarden Euro wären das in barer Münze. Derzeit glaubt das Institut, dass 844 Millionen Euro Werbegeld das Etikett Internet tragen. AC Nielsen wiederum ortete nach einer Einnahmen-Schlappe im August des Vorjahres einen stetigen Anstieg und weist für Dezember 2001 ein Volumen von knapp 23 Mio. Euro aus - für den deutschen Markt wohl gemerkt. In den USA sind die Spendings für Online-Anzeigen im letzten Jahr drastisch zurückgegangen. Mit einem Minus von 14,7 Prozent erreichten Yahoo!, AOL Time Warner, Excite & Co etwa 2,9 Milliarden Euro, so der Werbeforscher Competitive Media Reporting.
Daumen mal Pi. Wie viel heimische Websites, Banner und Mails an Werbegeld lukrieren, weiß niemand so genau. Der rotweißrote Online-Werbemarkt sei 2002 etwa 13 Millionen Euro schwer, schätzt etwa Franz Renkin, ehemaliger österreich-Chef des Vermarkters adLINK gegenüber dem Branchenblatt Horizont. Rudolf Stonawski, Geschäftsführer des Konkurrenten ActiveAgent, will sich auf solche Schätzungen erst gar nicht einlassen. »Bevor es keine klare Definition von Online-Werbung gibt, wird es auch keine Zahlen geben.« Und Direktmarketing-Experte Norbert Lustig von Lustig Direkt Marketing meint, dass diese Zahl viel zu hoch gegriffen ist. Focus Marketing Research und ACNielsen liefern idente Auskünfte: »Keine Daten.« Ronald Schwärzler, Neue Medien-Direktor beim ORF, dessen ORF ON Network jüngst der Plattform sms.at in Sachen Visits Platz eins abgeluchst hat, gibt die Online-Einnahmen mit einem Prozent des gesamten ORF-Werbeaufkommens an. »Damit können wir die Kosten decken.« Gerlinde Hinterleitner, Macherin von derStandard.at, gibt den Online-Anteil am Werbevolumen des Standard mit fünf Prozent an.
Zu den Top-Web-Vermarktern in österreich gehören neben AdLink und ActiveAgent noch adworx - der Joint, den ORF und Netway/UTA miteinander rauchen - sowie die ProSieben-Tochter SevenOne Media. adworx setzt dabei vor allem auf Reichweitenstärke über die Portale von ORF, der Telekuriergruppe, derstandard.at sowie T-online.at. SevenOne Media geht den umgekehrten Weg, konzentriert sich auf wenige Portale mit punktgenauer Landung, »weil eine anonyme elektronische Masse künftig keinen Sinn macht«, wie österreich-Chef Markus Breitenecker berichtet. Betreut werden ProSieben.at, sport1.at, p2night.tv, schoolbiz.at, zitate.at, hello2day.at und wals.cc. »Werber wollen vor allem wirklich exakte Nutzungsdaten und integrierte Kommunikationslösungen. Eben darauf zielt unsere Vision vom elektronischen Bildschirm-Mix ab.« Das Ad-Management sei dabei durchaus nicht easy, die Top-Portale aber »hochgerüstet«, sodass ein Neueinsteiger als Vermarkter keine Chance haben würde.
adworx-Chefin Martina Zadina meint, dass es bereits Zielgruppen gebe, die nur mehr über das Internet zu erreichen sind und zählt die Vorteile der Online-Werbung auf: »Deutlich günstigerer Tausenderkontaktpreis, smartere Abrechnung, da nur tatsächlich ausgelieferte Sichtkontakte und nicht bloße Kontakt-Chancen verrechnet werden sowie Unabhängikeit von Anzeigenschluß und Erscheinungsdatum.« Zudem würden Online-Werbeformen länger wahrgenommen werden als Print-Anzeigen.
Top oder Flop. Trotz des fehlenden Zahlenmaterials herrscht über das Ausbleiben des angesagten Hypes Einigkeit. Ein Flop ist Online-Werbung deshalb aber noch lange nicht: »Das Internet liegt bereits Kopf-an-Kopf mit der Kinowerbung«, übt sich AdLINK-Marketing-Chef Federico Karpeles in Optimismus. »Online-Werbung ist die einzige Werbeform, die im vergangenen Jahr Zuwächse gehabt hat. Im Vergleich dazu hat der klassische Werbemarkt Einbußen bis zu 30 Prozent zu verzeichnen«, findet Hinterleitner auch etwas Positives an der derzeitigen Situation, räumt aber ein: »Zufrieden kann man nicht sein, da Online-Werbung noch keinen ganzen Prozentpunkt am Gesamtwerbemarkt einnimmt, obwohl schon mehr als die Hälfte der österreicher online ist. Dies hat sich jedoch noch nicht in den Köpfen der werbetreibenden Wirtschaft festgesetzt.« Der Medienexperte von A.T. Kearney Andrej Vizjak sieht neben zu optimistischen Prognosen zwei weitere Gründe, warum es nicht so wie vorhergesagt geklappt hat: »Es zeigte sich schnell, dass das Interesse der Internet-User an Online-Werbung stark abnahm. Dies führte zum Verfall des Tausender-Kontakt-Preises. Zudem herrschte bei Medienplanern große Unsicherheit vor, wie die neuen Werbeformen zu bewerten und zu nutzen seien.« Für Visjak steckt die Online-Werbung noch in den Kinderschuhen. Um erfolgreicher zu sein, müsse für Endkonsumenten ein Mehrwert - wie etwa Interaktivität - erkennbar sein. Werbetreibende würden sich indes ein besseres Usertracking und höhere Reichweiten wünschen.
Wie werden die Mittel eingebracht. Kommt es zu einer Kapitalerhöhung? Das ist noch nicht definiert. Es gibt Darlehen, die von den Gesellschaftern kommen und welche, die von den Banken kommen und mit entsprechenden Gesellschafterhaftungen untermauert sind.
Woraus ergibt sich der Cashbedarf? Auf der einen Seite aus dem operativen Geschäft und aus den Investitionen, die wir tätigen. Die UTA wird in diesem Jahr EBITDA positiv sein. Das heißt, dass große Teile des heurigen Finanzierungsbedarfs aus den Investitionen kommen. 2003 werden wir einen EBITDA-überschuss haben. 15 bis 20 Mio Euro Finanzierungsbedarf ergeben sich aus der Differenz: 40 Mio Investitionen minus positivem EBITDA.
Sie haben die Investitionskomponente angesprochen. Wieviel wird das heuer sein? Wir investieren rund 50 Mio Euro und im nächsten Jahr voraussichtlich 40 Mio Euro. Und zwar in die Netzinfrastruktur, in die dafür notwendigen Komponenten. Wir schließen heuer die Entbündelung ab und haben dann 125 Standorte. Viele Investitionen sind auch durch das Mengenwachstum bedingt, dazu kommen IT-Investitionen, weil die UTA ja über eine historisch gewachsene IT-Infrastruktur verfügt, die wir jetzt schrittweise anpassen.
Neben den Investitionen von rund 50 Mio Euro ergibt sich ein weiterer Finanzierungsbedarf von - wie Sie vorher erwähnt haben 10 Mio Euro. Dieses Kapital geht in den Zinsendienst? Für den Zinsendienst ist das zuviel. Die Aussage, dass wir 2002 EBITDA-positiv werden, bezieht sich ja nicht zwingend auf das gesamte Jahr. Wir werden den EBITDA-Break-Even Q3 oder Q4 erreichen. Das Gesamtjahr wird noch eine leicht negative Zahl haben.
Wie ist das erste Halbjahr gelaufen? Wir haben auf Gruppenebene mit Ende April einen Bruttoumsatz von 83,6 Mio. Euro erreicht. Ergebnismäßig liegen wir im Bereich des Plans.
Das heißt leicht negativ? Ja, leicht negativ. Wobei wir keine exakten Zahlen darüber kommunizieren. Wir haben uns ja durchaus ambitionierte Ziele gesetzt mit einem prognostizierten Umsatzplus von 18 Prozent. Das haben wir übertroffen. Man muß auch sehen, woher die UTA gekommen ist: Die UTA hatte vor zwei Jahren ein negatives EBITDA, das bei 40 Prozent des Umsatzes lag. Vor einem Jahr waren es 20 Prozent. Heuer werden wir um die Nulllinie sein. Da ist völlig unerheblich, ob das ein Prozent minus ist oder null. Die Tendenz stimmt. Dieses Unternehmen wird operativ positiv sein. Im europäischen Vergleich wird man kaum ein Unternehmen finden, das diese Marktanteile, dieses Wachstum hat und trotzdem operativ positiv agiert.
Steht weiterer Personalabbau an? Es gibt keine Pläne, weitere strukturelle Anpassungen vorzunehmen. Der Personalstand schwankt zwischen 630 und 660. Unsere Kostenstruktur haben wir im 2001 auf gesunde Beine gestellt.
Macht die Hereinnahme eines internationalen Partners momentan Sinn? Die UTA war zum Zeitpunkt, da die Swisscom hereingenommen wurde, in einer anderen Situation - ein sehr junges Unternehmen, hatte weder Marktwissen noch technische Expertise. Die UTA hat sehr von der Swisscom profitiert. Heute sind wir in einer anderen Situation. Wir haben Wissen aufgebaut, stehen gut da, es gibt keinen Bedarf an einem Partner.
Für manche zu spät: Einzige Rettung vor dem Konkurs ist nur noch der geschwinde Verkauf. A. D. Little hat seine sieben Geschäftsbereiche um 96 Millionen Dollar entsorgt. Andersen steht ebenso in Verkaufsverhandlungen, um in anderen Beratungsunternehmen aufzugehen. Der Andersen-Mantel, unter dem sich die für das Enron-Debakel zuständige Wirtschaftsprüfung sowie Steuerberatung und Consulting verbergen, scheint vor allem für die restlichen »Top Five« der Beratungsbranche lukrativ zu sein. Die 20 Köpfe zählende Mannschaft von Arthur Andersen Business Consulting, die zwar nur als Franchisenehmer mit Andersen in den USA verbunden ist, wird mit »eigenem neuem«, dem bisherigen Namen oder vielleicht doch unter die Haube eines der verbliebenen Großen der »Big Five« kommen, wie Geschäftsführer Christoph Feuchtinger bestätigt. »Business as usual«, mit ein wenig Erklärungsbedarf beim Kunden, wie es denn weiter gehe, sei derzeit angesagt. Weltweit wird bei Andersen nun länderweise zerstückelt, was nicht mehr zusammengehören soll. Gustostückerl werden heraus gebrochen und an den Meistbieter verscherbelt. Aus Big Five wird somit »Fat Four« mit Price Waterhouse Coopers, KPMG, Deloitte und Cap Gemini Ernst & Young.
Keine Anzeichen für echten Umschwung. A.D. Little hat seinen Verkauf an fünf neue Eigentümer hinter sich. Die IT- und Telekom-Sparte geht dabei zum französischen Technologiekonzern Altrans und erhält dadurch wertvolles Software- und Implementierungs-Knowhow. »Mitte 2003 wird es in der IT- und Telco-Branche wieder aufwärts gehen«, sagt Georg Serentschy, ADL-Chef in österreich. Noch gebe es keine Anzeichen für einen »echten« Umschwung im heurigen Jahr. Zu bedenken gibt er jedenfalls: »Abgestraft wurde pauschal eine gesamte Branche, auch Firmen, die ordentlich wirtschaften.«
Kosteneinsparung wird groß geschrieben, Investitionen seien vielfach auf Eis gelegt. Den Turnaround wollen die IT-Consulter indes mit probaten, bereits erprobten Patentrezepten schaffen, die bisher immer Wirkung erzielten: Reorganisation, Konsolidierung bestehender Systeme, Integration sowie Outsourcing sind die Themen, die künftig als IT-Dienstleistung den Großteil der Beraterhonorare ausmachen werden. »Nicht nur Consulter, sondern auch Dienstleister sind wir«, hält Wolfgang Gattermayer die Fahne für Accenture in österreich hoch. Das 1989 aus dem Andersen-Konglomerat entstandene und börsenotierte Unternehmen rangiert mit 75.000 Mitarbeitern in 47 Ländern hinter IBM auf dem zweiten Platz. Die Mischkulanz aus Dienstleister mit Rechenzentrum sowie Beratung, das Strategie und Umsetzung am Reißbrett entwirft und implementiert, soll auch weiterhin das große Geschäft bringen. Bedarf an IT-Beratung gibt es immer noch genug, so in der Telekomindustrie, im Gesundheitswesen, bei Gas- und Stromversorgern, in der Biotechnologie sowie in der Goldgrube der Beratung: im öffentlichen Bereich, der permanenten Bedarf an Reorganisation und Erweiterung der IT zu haben scheint. Accenture-Consulter Helmut Byloff sieht in der Telekombranche und dem Medienbusiness großen Beratungsbedarf, nicht zuletzt aufgrund der stärker werdenden Verknüpfung beider Branchen. Speziallösungen, die schnell umgesetzt werden müssen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen, zählen auch künftig zu den Beratungsschwerpunkten bei Mobilfunkanbietern.
Reorganisation alle fünf Jahre. Selbst Unternehmen, die in den vergangnen fünf bis zehn Jahren reorganisiert wurden, sollen bereits wieder reif sein für eine erneute Umstrukturierung. »Fünf Jahre sind nicht viel, weil sich die Marktbedingungen beträchtlich geändert haben«, erklärt Peter Lackner, Geschäftsführer von Cap Gemini Ernst & Young (CGEY). Das Internet habe die Bedingungen so stark verändert, dass gerade Telekoms, Banken und Versicherungen sowie der öffentliche Bereich weitere Marktanpassungen vornehmen müssen. »Profite schützen, Umsätze halten« - so die derzeitige Devise. Nicht mehr das »nice-to-have«, vielmehr Konsolidierung und Optimierung in der Organisation und IT mit dem Ziel der Kostensenkung sollen die Effizienz verbessern, glaubt Peter Sturz, Geschäftsführer bei CSC Ploenzke. Wesentlicher Grund dafür, dass bereits nach wenigen Jahren erneute Reorganisationen anstünden, seien die »Vielzahl an Baustellen«, die mit dem Internethype eröffnet, aber nie zu Ende abgewickelt wurden. Firmen hätten häufig kein Gesamtkonzept in der IT verfolgt. Supply Chain Management und CRM, eingebettet in eine E-Business-Strategie, zählt Sturz zu den derzeitigen Top-IT-Themen. Weiterhin ist auch die Integration von Unternehmenssoftware wie SAP ein Thema, ist zudem Plaut-Sprecher Herbert Brauneis überzeugt. Viele Firmen hätten zwar bereits eine ERP-Software, die Anbindung an Lieferanten oder Kunden sei aber noch nicht vollzogen. Geteiltes Leid, doppeltes Leid. Nicht mehr so ungeschoren wie in den vergangenen Jahren werden Berater künftig davon kommen, wenn Projekte schief laufen, Projektlaufzeiten ausgedehnt werden oder Beratungsfehler unterlaufen. »Beim Reden sind Consulter ja nicht mehr zu stoppen, schon deswegen, weil sie ja nach Stunden abrechnen und knallhart abkassieren«, kritisiert ein Treuhänder eines der Top Five-Unternehmen die Beraterszene. Erst wenn man sie unterbrechen würde, hörten sie auf zu reden. Und dennoch werde »munter« weiterverrechnet. Seriöse Beratung hieße, auch einmal dem Kunden zu sagen, dass bestimmte Vorstellungen nicht umzusetzen sind oder auch keinen Sinn ergeben. Kolportierte Einsparungen von bis zu 30 Prozent hätten sich in vielen Fällen auch als Rohrkrepierer erwiesen und weitere, zusätzliche Kosten generiert.
Consulting auch für KMU. »Einfach Papier abzuliefern und schon vor der Umsetzung zu verschwinden genügt nicht mehr«, schießt Marcel Greutmann, Leiter von IBM Global Services österreich, Richtung Berater. Eine Rundumbetreuung mit Risikoübernahme sei mehr denn je gefragt. Big Blue, das seit 1992 auf die Dienstleistungsschiene setzt, will künftig auch mit IT-Versorgung aus dem Netz in Form von Outsourcing und Outtasking punkten. Bei Letzterem werden nur die Ausgliederung einzelner Teile der IT angeboten, was insbesondere für KMUs angeboten werden soll. Gefertigt in den IBM-Werkstätten sollen künftig auch für KMUs Buchhaltungssoftware, Hosting des Webauftritts oder E-Business-Anwendungen leistbar werden. Dass der Wettbewerb schärfer wird, der Kunde auch seine Ansprüche erhöht, bestätigen die Berater unisono. Zuwachsraten von 30 Prozent und mehr dürften in der klassischen Beratung oder bei der klassischen IT-Beratung vorerst Vergangenheit sein. Die internationale Forschungsgruppe IDC prognostiziert in seiner neuesten Studie von Mai 2002 in den beiden Bereichen ein Wachstum von elf bzw. neun Prozent bis 2006.
Allerdings unter geänderten Rahmenbedingungen. Einerseits zieht es die IT-Hersteller, neben IBM auch die neue Hewlett-Packard oder Dell in Kooperation mit Unisys, ins Beratungsgeschäft, um neben Hardware und EDV-Lösungen auch die klassische Beratung anzubieten, die bisher in erster Linie nur von Consultingfirmen angeboten wurde. Andererseits ist der Ruf der Kunden nach Risikobeteiligung und Erfolgsgarantie unüberhörbar.
Risk-sharing. »Der Kunde verlangt nach Risikobeteiligung«, sagt CGEY-Chef Lackner. Vorbei die Zeit, in der Berater mit schnellen Konzepten glänzen konnten. In Form eines Joint Ventures, einer Risikobeteiligung bei einem Projekt oder auch der Komplettübernahme des Risikos, indem der IT-Dienstleister für den Erfolg eines Projektes haftet, wolle man auch künftig den Anforderungen Rechnung tragen. »Wir können Ergebnisgarantien übernehmen«, sagt Accenture-Chef Gattermayer. Was nicht zur Kernkompetenz gehöre, wie etwa Supply Chain Management, Rechnungswesen oder Human Resources, wollen die Consulter auch als Outsourcer künftig übernehmen. Was allerdings auch seinen Preis haben wird. Mit langfristigen Vertragslaufzeiten sollen diese Zweck-Ehen abgesichert werden.
Eine schrittweise Annäherung der beiden Parteien sei unvermeidlich. »übernehmen wir das Risiko, so wollen wir auch mehr bestimmen können«, sagt Lackner. Mittlere und kleinere Consulter hätten in Zukunft nur noch Chancen im Nischenbereich oder als klassischer Strategieconsulter.
Juniors im Out. Gravierende änderungen wird es künftig auch in der Zusammensetzung der Beratungsteams geben. Vorbei scheint die Zeit, in der Consulterteams etwa mit einem Senior und drei Junior Consultants, die frisch von der Universität Unternehmen auf Vordermann bringen sollten, ausströmten und nach Schema F Beratungskonzepte für teures Geld abspulten. »Mehrjährige Branchenerfahrung ist Voraussetzung, um in der Beratung tätig zu werden«, sagt Josef Matulka, Leiter Financial Services bei CGEY. Junge Leute direkt von der Universität ran zu holen sei schwierig, insbesondere für die Beratung bei Banken. Entwicklung des Expertentums in den Unternehmen selbst lautet die Devise. Zentrale Aufgabe des Beraters sei daher jene geworden, die Mitarbeiter in die Lage zu bringen, interne Projektteams selbst - und somit kostengünstiger - weiter zu schulen.
Der Wanderzirkus. ältere Mitarbeiter werden - weil zu teuer geworden - zu den Opfern der Reorganisationen zählen. Vorruhestand oder Arbeitslosigkeit ist die Folge, meint ein Consulter. Chancen bestünden in »neuen« Branchen wie der Gaswirtschaft oder Biotechnologie, wo es einen Bedarf an IT-Experten gibt. Laut CGEY sollen allein im deutschsprachigen Raum im Bereich der Biotechnologie rund 700 IT-Experten benötigt werden, um in den kommenden zwei Jahren das hohe Wachstum halten zu können. Vor allzu großen Erwartungen warnt IBM-Service-Chef Greutmann, der keinen Mangel mehr an IT-Fachkräften sieht: »Die Nachfrage nach Fachkräften ist noch immer gegeben.« Auf eine Bewerbung kommen derzeit 15 bis 20 Bewerber...
Die erste IC-Entscheidung aus dem Jahre 1998 ist noch immer gerichtsanhängig, so wie viele andere Regulatorentscheidungen auch. Was muss sich hier ändern?
»Hier feiern wir sozusagen unser vierjähriges Jubiläum. Das liegt aber nicht daran, dass der Verfassungsgerichtshof nichts entscheiden will, sondern hier sind die Zuständigkeiten noch nicht geklärt.«
Nun sagt der Verband der Alternativen Telekomnetzbetreiber, die Rolle des Regulators gehört bei den Verfahren gestärkt. Muss Sie das nicht freuen?
(lacht) »Was der VAT sagt und was er dann wirklich damit meint, sind zwei unterschiedliche Dinge. Sicher ist es richtig, dass die Strafen zu zahnlos sind, aber der Entwurf zum TKG, an dem Ministerium und Regulierungsbehörde gerade arbeiten, trägt dem bereits Rechnung. Außerdem ist das meiste von dem, was wir bisher bereits an Möglichkeiten haben, wirklich zufriedenstellend. Es wurden nur leider nicht alle Möglichkeiten vor der RTR-GmbH ausgeschöpft. Die TKK sollte nur über Entgelte und Grundsatzentscheidungen entscheiden, alle vorherigen Punkte sollten schon von den Verhandlungsparteien - gerne unter Mediation der RTR-GmbH - geklärt worden sein. Aber die Praxis ist: sie einigen sich über gar nichts. 80 bis 90 Prozent aller Streitigkeiten sind mit Unterstützung der RTR-GmbH regelbar, nur der Rest würde wirklich in die Zuständigkeit der Kommission fallen.«
Nach mehr als vier Jahren im Amt - was hätten Sie rückblickend anders gemacht?
»Das ist sehr schwierig. Ich glaube, der österreichische Zugang war sehr effektiv. Die teilweise herbe Kritik in dem kürzlich vorgestellten WIFO-Gutachten halte ich für weit überzogen. Da wird behauptet, wir hätten das unternehmerische Risiko zu wenig berücksichtigt, dabei beschäftigt sich ein Drittel der von uns behandelten Verfahren mit diesem Punkt. Und bei ADSL haben wir uns wohlweislich nicht eingemischt, denn da haben wir keine Rechtsgrundlage und es gibt auch ein ausreichendes Großhandelsangebot. Damit ist auch die ISPA zufrieden, sonst hätte sie entsprechende Vereinbarungen ja auch nicht unterzeichnet. Und bei der Entbündelung sehen wir, dass zwei große Unternehmen - UTA und tele.ring - bereits sehr aktiv sind.«
Unternehmen, die keine eigene Infrastruktur errichten, werden von der Telekom Austria als Trittbrettfahrer bezeichnet. Und hinter vorgehaltener Hand sagt auch der VAT, dass sich hier etwas ändern müsse. Was sagen Sie?
»Man muss die Sicht entkrampfen. Es gibt eine lange Wertschöpfungskette. Wer sagt, dass Wettbewerb nur über Hardware funktionieren soll? Die EU will Wettbewerb in allen Bereichen. Die Verbindungsnetzbetreiber haben ein erstklassiges Kundenservice, das zeigt unsere Beschwerdestatistik. Die haben die letzte Stufe der Wertschöpfung voll im Griff. Außerdem sind wir nicht dafür da, durch fragwürdige Entscheidungen Infrastrukturmaßnahmen zu fördern.«
Viele große renommierte Unternehmen sind verschwunden. Welche Businessmodelle haben sich durchgesetzt, welche sind gescheitert?
»Da bewege ich mich auf sehr dünnem Eis. Die befürchteten »One-Switch-Rambos« sind die Ausnahme geblieben oder inzwischen verschwunden. Wer einen ordentlichen USP hatte, konnte auch reüssieren. Egal wo man in der Wertschöpfungskette steht, man muss kompetitiv sein. Hoffnungen, im Fahrwasser der hohen Tarife der Telekom Austria hohe Gewinne zu erreichen, haben sich jedenfalls nicht erfüllt. Da haben sich ein paar verkalkuliert.«
Haben wir bei den Tarifen im Festnetz die Talsohle erreicht?
»Die großen Preissprünge waren 98/99, bei der TA im Jahr 2000. Da sind wir nun am Limit, aber im Großkundenbereich herrscht noch immer ein beinharter Wettbewerb.«
Der VAT kritisiert, dass er zwar für die Regulierungsbehörde zahlen muss, aber keine Kontrollmöglichkeiten über die eingesetzten Mittel hat. Ihre Antwort?
»Dafür ist der VAT nicht da. Die Grundlage jeder Regulierungsbehörde ist, unabhängig von den Betreibern zu agieren. Außerdem werden wir durch den Rechnungshof, durch Wirtschaftsprüfer und den Aufsichtsrat kontrolliert. Und wenn man unsere Zahlen mit denen ausländischer Regulierungsbehörden vergleicht, dann schauen wir sehr sehr schön aus.«
Wenn Sie einen Blick auf die Entwicklung des Festnetzmarktes werfen - was sehen Sie da?
»Bei der Sprachtelefonie wird sich nicht viel tun. Die Betreiber müssen in den Breitbandbereich drängen, um nicht gegenüber den Mobilfunkern mit ihren mobilen Datendiensten ins Hinterfeld zu geraten.«
Ende Oktober läuft Ihr Vertrag aus. Wie geht es weiter?
»Mir hat es bisher sehr viel Spaß gemacht. Ich habe daher bei Minister Reichhold mein Interesse für eine Vertragsverlängerung deponiert.«
Report: Ihr Vorgänger als EURELECTRIC-Präsident, Rolf Bierhoff, sagte, in zwei bis drei Jahren sei der europäische Strombinnenmarkt Realität.
Haider: Ich habe mir für meine Präsidentschaft vorgenommen, innerhalb Europas faire, gleiche Marktbedingungen in ganz Europa zu schaffen. Es gibt eine Binnenmarktrichtlinie, an die sich alle zu halten haben. Einige Länder haben sich entschlossen, darüber hinaus zu gehen und ihre Märkte voll zu öffnen, wie Deutschland, England oder auch österreich. Persönlich bin ich überzeugt, das ist der richtige Weg. Zweitens muss ein gesamteuropäischer Markt entstehen. Für diesen gibt es auch technische Hindernisse. Wir als Verbund würden liebend gern nach Italien Strom liefern, weil dort die Preise viel höher sind. Das geht nicht, weil es nur eine Leitung gibt. Nicht, dass die Italiener keinen Wettbewerb wollten. Enel musste 50 Prozent ihrer Erzeugungskapazitäten trennen. Das Problem ist nur: Eine Leitung ist nichts Schönes, ein Kraftwerk im Allgemeinen auch nicht. In manchen Gegenden sind die Widerstände von Umweltschützern fast unüberwindbar. Wir bemühen uns seit 17, 18 Jahren um die Kainachtalleitung und hoffen, dass wir jetzt endlich einmal substanzielle Fortschritte machen.
Aus dem Kainachtal heißt es, der Verbund kann jederzeit bauen, wenn er die Leitung verkabelt.
Vergessen Sie"s. Das kostet acht bis zehn Mal so viel wie die Freileitung. Wir sind sicher nicht in der Lage, dafür eine Milliarde Euro auszugeben.
Frankreich wird kritisiert, weil der Markt dort angeblich nicht geöffnet ist. Die EdF könne auf Einkaufstour gehen, weil sie zu Hause Monopolrenditen kassiert.
Ich teile diese Kritik nicht. Der französische Markt ist entsprechend den Mindestanforderungen geöffnet. Wir machen in Frankreich gute Geschäfte. Und vergessen wir nicht: Die Franzosen produzieren zehn Mal so viel Strom wie wir, haben aber nur fünf Mal so viel Personal. Ob wir es uns unbedingt wünschen sollten, dass die EdF auf uns losgelassen wird, wage ich zu bezweifeln. Wir haben 200 Gesellschaften, die haben eine. Das Management der EdF sagte immer, wir wollen, dass der Markt geöffnet und unser Unternehmen privatisiert wird. Die wollen eine AG, die an die Börse geht. Und wenn das passiert, werden die auch alle ihre Trümpfe ausspielen. Machen wir einander nichts vor: Da bleibt kein Stein mehr auf dem anderen.
Was wird in den kommenden Jahren die Agenda der europäischen Energiepolitik bestimmen?
Das erste ist die volle Marktöffnung, die ja für alle gewerblichen Abnehmer ab 2004 kommen soll. EURELECTRIC unterstützt hier die EU-Kommission voll. Wir wollen die volle Marktöffnung. Das zweite ist die EU-Osterweiterung. Energieversorger aus allen Ländern, die beitreten wollen, sind schon jetzt Vollmitglieder bei uns. Für die ist Europa Realität. Drittens geht es um die Nachhaltigkeit. Da geht es nicht nur um die Kiotoziele und den Umweltschutz. Da gehört die Wirtschaftlichkeit dazu und, bitte nicht zu vergessen, die sozialen Standards. Zu einem einheitlichen europäischen Markt gehören nicht nur die gleichen Umweltstandards, sondern auch die gleichen sozialen Standards und ein gleichmäßiges Wachstum. Wir wollen nicht, dass es in einer Gegend wahnsinnig boomt und in der anderen verarmen uns die Leute. Wir haben daher auch ein eigenes Committee, das sich eigens mit diesem Thema "Environment and Sustainable Development" befasst.
Job für drei Tage
Ein Wort noch zur EU-Osterweiterung. Wie hoch ist der Investitionsbedarf dort, was die Infrastruktur für die E-Wirtschaft betrifft?
Ich weiß es nicht. Aber viele der Beitrittsländer haben Teile ihrer E-Wirtschaft schon verkauft. Da wurde auch bereits Etliches modernisiert. So viel wird da nicht mehr an Geld in die Hand genommen werden.
Wie viel Ihrer Zeit nimmt die Präsidentschaft bei EURELECTRIC in Anspruch? Werden Sie nur mehr als eine Art Ehrenvorsitzender agieren?
Sicher nicht. Eine der Voraussetzungen für den Job ist ja, eine Topposition in einem Energieversorgungsunternehmen zu haben. Wir wollen nicht irgendwelche Leute, die sich ein bisschen auskennen, sondern die, die wirklich wissen, wie das Geschäft läuft. Zweitens: Der Zeitaufwand wird überschätzt. Der Job als Vizepräsident der EURELECTRIC hat mich gut einen Tag im Monat gekostet, der Präsidentenjob kommt auf ungefähr drei Tage. Was man nicht machen könnte, wäre, gleichzeitig VEö-Präsident und EURELECTRIC-Präsident sein.
Wie werden Sie die Interessen der österreichischen E-Wirtschaft in Brüssel stärker zur Geltung bringen?
Das ist nicht meine Aufgabe. Ich kann nur generell raten, bei der Entstehung der Richtlinien auf dem Posten zu sein und Gehör für seine Anliegen zu suchen.
Report: Sie sind seit einem Jahr Chef von EnBW Austria. Wie sieht Ihre Bilanz aus?
Regter: Wir erreichen unsere Ziele, unsere Aktionäre sind zufrieden. Also bin ich es auch.
Was waren Ihre Ziele im abgelaufenen Jahr?
Wir haben unsere neue Strategie erfolgreich umgesetzt, uns auf den Großkundenmarkt zu konzentrieren. Im Bereich der Großkunden über etwa drei Gigawattstunden haben wir einen Marktanteil von rund fünf Prozent. Wir beliefern etwa 80 Unternehmen. Einige Verträge haben wir noch vor unserer Fokussierung abgeschlossen. Daher ist deren Verbrauch etwas niedriger.
Sie sagten vor einem Jahr, Ihr Auftrag sei, dafür zu sorgen, dass EnBW Austria nach fünf Jahren Gewinne macht. Wie weit sind Sie?
Wir sind ein Jahr weiter. Aber im Ernst: Wir sind im Businessplan, die Zahlen stimmen, das Geschäft entwickelt sich gut.
Es ist immer wieder die Rede von einem tendenziellen Anziehen der Strompreise.
Die Zeit der Wahnsinnspreise ist vorbei. Es geht in Richtung eines Niveaus, auf dem der Stromverkauf wieder kostendeckend ist. Andererseits haben natürlich etliche unserer Mitbewerber Möglichkeiten zur Quersubventionierung.
Wieso steigen die Preise, wenn die Produktivität nicht steigt?
Ich sagte schon: Die Preise waren nicht kostendeckend. Die Korrektur nach oben war fällig. Das ist eine normale Entwicklung bei jeder Liberalisierung. Zuerst gehen die Preise stark nach unten, dann kommt die Konsolidierung.
Wie beurteilen Sie den österreichischen Markt?
Es ist ein sehr interessanter Markt. österreich entwickelt sich immer mehr zu einer Stromdrehscheibe in Zentraleuropa. Für uns als EnBW ist österreich ein erweiterter Heimatmarkt, und wir betrachten die hiesigen Entwicklungen mit großem Interesse, etwa die österreichische Stromlösung.
Wie reagieren Sie auf diese?
Ich hätte eine gemeinsame Netzgesellschaft für sinnvoll gehalten. Derzeit gibt es in österreich rund 150 Netzbetreiber. Eine gewisse Strukturbereinigung würde die Kosten senken. Was die Vertriebsebene betrifft, warten wir erst einmal ab, wie die Lösung tatsächlich aussieht.
Fürchten Sie um den Wettbewerb?
Das müssen Sie unsere Kunden fragen. Wir haben ein ganz anderes Problem: Dass einige Netzbetreiber nicht in der Lage sind, uns ihre Rechnungen zu schicken. Wienstrom beispielsweise bringt das nicht zu Stande. Damit können wir unseren Kunden natürlich auch keine Rechnungen stellen. Im Allgemeinen hat österreich aber gute Voraussetzungen für einen funktionierenden Markt. Aber es gibt hier zu Lande eben gewisse Spezifika, mit den Spielregeln umzugehen. Da war ich anfangs vielleicht etwas naiv.
Was ist zu tun, damit der Markt wirklich funktioniert?
Das wichtigste wäre ein verpflichtendes gesellschaftsrechtliches Unbundling. Nur so können Wettbewerbsverzerrungen durch Quersubventionierung abgeschafft werden. Derzeit funktioniert das Unbundling noch überhaupt nicht. Es gibt Netzbetreiber, die es nicht schaffen, uns die Fahrplandaten zu übermitteln. Damit können wir unsere Fahrpläne nicht anpassen und müssen teure Ausgleichsenergie zukaufen.
Welche Netzbetreiber machen Ihnen derartige Probleme?
Die Wienstrom etwa. Die ist nicht die einzige, aber mit ihr haben wir im Moment die meisten Schwierigkeiten.
Die EU forciert die Ausschreibung öffentlicher Leistungen, um den Wettbewerb zu sichern. Bewerben Sie sich um Aufträge der öffentlichen Hand? Wäre es für Sie beispielsweise interessant, die Wiener Verkehrsbetriebe mit Strom zu beliefern?
Interessant wäre es, aber das ist nicht unsere Primärzielgruppe.
Würde es Ihnen helfen, wenn die Wiener Verkehrsbetriebe ihren Strombedarf ausschreiben müssten?
Theoretisch müssen sie das ohnehin. Aber es wird nicht der gesamte Strombedarf auf einmal ausgeschrieben. Das sind tausende kleine Abnahmestellen mit eigenen Zählern, die Stationen, die Remisen und so weiter. Es gibt nicht einen Stromzähler für die ganzen Wiener Linien, und das wird auch nicht gemeinsam ausgeschrieben.
Kommt die österreichische Stromlösung ohne internationalen Partner aus?
Ich würde lieber von einer ostösterreichischen Lösung reden. Ob diese allein bestehen kann, ist schwer zu sagen. Sehr viel hängt davon ab, wie sich der europäische Markt entwickelt. Es gibt ja unterschiedliche Modelle in den verschiedenen Ländern. In Deutschland haben wir den verhandelten Netzzugang und keinen Regulator, in österreich haben wir einen regulierten Netzzugang und einen Regulator. Andererseits ist eine Konstruktion wie die so genannte österreichische Stromlösung im Entstehen. Frankreich etwa hat die Minimalanforderungen der EU für die erste Stufe der Liberalisierung erfüllt, auch wenn manchmal Gegenteiliges unterstellt wird.
EnBW ist an mehreren österreichischen EVU beteiligt. Sind weitere Beteiligungen geplant?
Das sind überlegungen, die auf Konzernebene laufen. Natürlich werden wir auch um unsere Meinung gefragt. Aber die Entscheidungen fallen in der Zentrale in Karlsruhe.
In welche Richtung gehen Ihre Empfehlungen?
Konkret möchte ich dazu nichts sagen. Andere ausländische EVU behaupten ja, ihnen würden die Kunden die Türen einrennen. Offen gestanden, halte ich das aus eigener Erfahrung für nicht sehr realistisch. Daher stellen wir natürlich schon überlegungen an, wie wir unsere Marktposition verstärken können. Wir haben Ziele und Zwischenziele, und wir haben Alternativszenarien, für den Fall, dass wir ein Ziel oder Zwischenziel verfehlen. Und bisher hat mir noch niemand aus Karlsruhe gesagt: Herr Regter, das geht nicht gut. Wir haben natürlich die Beteiligungen am Verbund und an der EVN. Und wir sehen uns auch unter diesem Aspekt an, wie sich die österreichische Stromlösung entwickelt.
Wie stark ist Ihre Vertriebsmannschaft?
Wir haben derzeit rund 30 Mitarbeiter.
Werden Sie auch auf dem Gasmarkt tätig?
Grundsätzlich ist das sicher ein Thema. Wir bieten ja auch andere Dienstleistungen an, bis zu Contracting und Leasingfinanzierungen von Energiedienstleistungen.
Sie bieten Großkunden im Rahmen des Trafocontractings an, auf deren Grund Trafos zu installieren und sie direkt über das Höchstspannungsnetz zu versorgen. Der Regulator nennt das Netzebenenflucht.
Tatsache ist, die Netzpreise in österreich sind zu hoch. Das sagt auch der Regulator selbst. Deshalb haben wir uns überlegt, wie wir unseren Kunden helfen können. Wenn der Kunde in der Lage ist, sich einen Teil der Netzleistung selbst kostengünstiger zu organisieren, warum sollte er das dann nicht tun dürfen? Außerdem arbeiten wir beim Trafocontracting immer mit dem jeweils zuständigen EVU zusammen. Die Preise für den Betrieb, die Wartung und Instandhaltung des Trafos, die uns dabei angeboten werden, liegen weit unter den üblichen Netztarifen. Da kann etwas nicht ganz stimmen.
Europa, unkt etwa der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman, werde am Thema Arbeitslosigkeit zerbrechen. Der überbürokratisierte, wenig flexible alte Kontinent werde nicht die Kraft haben, die eingefahrenen Bahnen zu verlassen - und letztlich kläglich scheitern. Dass der Ideologe des freien Marktes den Mut zum Tabubruch, der da und dort aufkeimt, möglicherweise unterschätzt hat, zeigt jetzt der deutsche Wahlkampf. Ausgerechnet die Sozialdemokraten unter einem Kandidaten, der sich als »Genosse der Bosse« einen Namen gemacht hat, schickten den VW-Vorstand Peter Hartz aus, um das Unsagbare zu Papier zu bringen. Die Hartz-Kommission präsentierte Vorschläge zur Reform des Arbeitsmarktes, die reihenweise ideologische Positionen über Bord gehen ließen und trotzdem heftig von Partei und Gewerkschaft akklamiert wurden. Im Papier ist von Minijobs, Ich-AGs und Zeitarbeit die Rede, und es baut auf dem Eingeständnis auf, dass regulär, abgesichert, mit Kollektivverträgen gesegnet das Heer der Arbeitslosen nicht zu verkleinern ist.
Peter Hartz hat vollmundig angekündigt, dass er mit seinen Maßnahmen die Arbeitslosigkeit bis 2005 glatt halbieren könne, und sein Rezept heißt: eine neue Klasse der Arbeitenden schaffen, die McJob-Kategorie einführen.
Der sanfte Revolutionär. Hartz hat sich Anfang der Neunzigerjahre einen Namen gemacht, als ihn Ferdinand Piëch, damals VW-Vorstandsvorsitzender in Wolfsburg, mit einer heiklen Aufgabe betraute. 30.000 Stellen sollten bei den Autobauern, die am Rande des Zusammenbruchs standen, gestrichen werden. Hartz, der über gute Kontakte zur Gewerkschaft verfügte, fand kreativere Wege. Statt Massenentlassungen gabs die Viertagewoche. Freiwillig arbeiteten die Wolfsburger kürzer und verdienten weniger. Hartz brachte das unverblümt auf den Punkt: »Wir müssen schlicht schneller arbeiten.«
Dabei gilt Hartz als sanfter Revolutionär, der Unkonventionelles und schwer Verdauliches so serviert, dass es von den Betroffenen mit getragen wird. Selbst als er die Auto5000 GmbH gründete, die deutlich unter VW-Tarifschema Leistungen erbrachte, blieb der Aufschrei der Gewerkschafter aus. Gar Beifall erntete er, als er die explodierenden Kosten für überstunden kappte, indem er ein Zeit-Wert-Papier einführte. überstunden in jungen Jahren werden schlicht fürs Alter gutgeschrieben - und ermöglichen dann den sanften übergang in die Pension.
Das Hartz-Papier, das Mitte August im französischen Dom in Berlin präsentiert wurde, stellt eine ideologische Trendumkehr dar; das zeigt sich an zwei zentralen Sätzen. Erstens, so Hartz, sollen die Arbeitslosen in Zukunft zwar gefördert, aber mehr gefordert werden. Zweitens, und das hängt unmittelbar damit zusammen, soll die aktive Arbeitsmarktpolitik ersetzt werden durch eine aktivierende. Die Hauptrolle spielt der Arbeitslose, der zwingend seinen Beitrag leisten muss, um den Weg zurück in die Welt der Wirtschaft zu finden. Die Arbeitsämter definieren ihre Rolle neu und verstehen sich als Servicecenter, die stark mit privaten Vermittlern zusammenarbeiten. Sie geben Hilfe, aber sie machen auch Druck, wenn sich herausstellt, dass die Bereitschaft, seinen Beitrag zu leisten, allzu unterentwickelt ist. Die Unzumutbarkeitsbestimmungen werden neu gefasst, und die deutsche Hartz-Kommission will, dass derjenige, der einen Job nicht annimmt, weil er sich für überqualifiziert hält, erst beweisen muss, dass eine Unzumutbarkeit tatsächlich vorliegt.
Ich-AG. Das Kernstück der Hartz-Vorschläge hat einen Namen: die Ich-AG. Gedanklich schaffen die Erfinder damit eine Vorstufe zur Selbstständigkeit - oder, wie Kritiker meinen, ein Ausgedinge für Arbeitslose. Der Vorschlag lautet: Wer eine Ich-AG anmeldet, soll drei Jahre lang Zuschüsse kassieren dürfen - dieser Betrag errechnet sich aus der Höhe des Arbeitslosengeldes, den einbezahlten Sozialversicherungsbeiträgen und dem Einkommen der Ich-AG, die maximal 25.000 Euro verdienen darf. Zu bezahlen sind allerdings: zehn Prozent Einkommenssteuer. Außerdem ist die Ich-AG voll versicherungspflichtig.
Ein besonderes Zuckerl für Unternehmen: Sie können Ich-AGs als Subunternehmer beschäftigen und damit ihren Personalstand flexibel an die aktuelle Auftragslage anpassen. Auf jeden Angestellten darf eine Ich-AG kommen.
Gerade dieser Vorschlag erweist sich unter heimischen Interessenvertretern und Politikern als besonderer Zankapfel: »Arbeitslose würden damit für eine bestimmte Zeit in die Selbstständigkeit gedrängt, um danach wieder arbeitslos zu werden.« So formuliert Bernhard Achitz, Leiter des sozialpolitischen Referates im öGB, seine Vorbehalte. Der Sozialsprecher der Grünen, Karl öllinger, befürchtet eine Verschärfung der Klassenunterschiede. »Ich halte die angedachte Schaffung eines Niedriglohnsektors für keine positive Entwicklung. Das spaltet den Arbeitsmarkt noch mehr und ist der Weg in die Dienstbotengesellschaft.«
Applaus hingegen kommt von unerwarteter Seite: »Die Ich-AG ist eine goldrichtige Forderung«, meint Hubert Gorbach, stellvertretender Parteiobmann (FPö). »Wir brauchen die Rute im Fenster«, so Gorbach und fügt hinzu: »Ich würde Arbeitslose nach vier bis acht Monaten für Arbeiten im öffentlichen Interesse einteilen.«
Reinhold Mitterlehner (öVP), Generalsekretär der Wirtschaftskammer, hält die Ich-AG für eine interessante Idee zur Bekämpfung der Schwarzarbeit, schränkt jedoch ein: »Mir schweben eher Steuerfreibeträge als ein niedrigerer Steuersatz vor, um nicht zwei unterschiedlich begünstigte Gruppen zu schaffen.«
Auch die Industriellenvereinigung steht den Vorschlägen sehr positiv gegenüber. »Wir bräuchten genau die von der Hartz-Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen,« sagt Lorenz Fritz, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (öVP). Ein Teil der Arbeitslosen leide zwar sehr, etwa 40 Prozent hätten sich jedoch arrangiert und wollten gar nicht raus aus dieser Situation. »Da braucht man Zuckerbrot und Peitsche«, so Fritz. Zuckerbrot wäre die Zeitarbeitsgesellschaft, Peitsche eine Pauschalierung des Arbeitslosengelds.
McJOBS. Die Kluft zwischen denen, die den vollen Schutz des Rechts und damit die Privilegien der Arbeitenden für sich in Anspruch nehmen können, und den anderen, die im Vorhof der Arbeitswelt deutlich schlechter gestellt sind, tritt klar zutage.
Minijobs nennt die Hartz-Kommission, was in österreich unter die Rubrik »geringfügig Beschäftigte« fällt. Die Geringfügigkeitsgrenze liegt hierzulande bei 301,54 Euro, in Deutschland bei 325 Euro. Der Hartz-Plan sieht eine Erhöhung für steuer- und sozialabgabenbegünstigte Minijobs im Haushaltsbereich von 325 auf 500 Euro monatlich vor. Das Ziel ist es, alle »haushaltsnahen« Dienstleistungen aus der Schwarzarbeit herauszuführen. Putzfrauen und Babysitter werden großteils schwarz bezahlt, weil sich das gute Gewissen, das eine Anmeldung mit sich bringen würde, sonst kaum jemand leisten kann.
»Wir haben uns dazu noch keine endgültige Meinung gebildet«, erklärt der Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer, Martin Gleitsmann. Was wenig wundert, gibt es doch Wirtschaftszweige, die lautstark nach möglichst vielen Geringfügigen verlangen.
Gleitsmann hält die Stärkung des Niedriglohnsegmentes (zumindest offiziell) für nicht wirklich wichtig. »Wir müssen mehr Wert auf Qualität und Weiterbildung legen, denn mit an österreich angrenzenden Niedriglohnländern werden wir nicht konkurrieren können«, meint er. Ein Standpunkt, der von Gewerkschaft und Arbeiterkammer geteilt wird. Bernhard Achitz, Leiter des sozialpolitischen Referates im öGB, steht nicht an, die »vernünftige Gesprächsebene auf Expertenebene« zu loben. Er will jedenfalls alle atypischen Beschäftigungsverhältnisse mit einer Sozialversicherungspflicht gekoppelt wissen. Eine Erhöhung der Geringfügigkeitsgrenze lehnt Achitz definitiv ab. Er pocht darauf, dass alle Beschäftigten, die Bagatellgrenzen überschreiten, abgesichert sein sollen.
Jobcenter statt Amt. »Ich kann mit allen Vorschlägen der Kommission leben«, meint AMS-Chef Herbert Buchinger, »weil die ohnehin nicht über das hinausgehen, was in österreich gang und gäbe ist.« Tatsächlich ist mit der Ausgliederung des AMS im Jahr 1994 einiges passiert.
Die Entwicklung am Arbeitsmarkt, erklärt Buchinger des Weiteren, gehe in Richtung »Just-in-time-Jobs«, also in Richtung Tages- oder Stundenlohn. »Das ist eine Tatsache. Wer sich darüber beschwert, kann genauso gut darüber jammern, dass es regnet.«
Auf die Frage, ob die beiden konkurrierenden Plattformen nicht lieber gemeinsame Sache machen wollen, antwortet EBPP-Chef Christian Wagner ausweichend: "Es gibt Ansätze dazu, aber im Moment steht eine Fusion nicht zur Diskussion." Angeblich können sich die beiden Erzrivalen über die finanzielle Beteiligungsstruktur nicht einig werden, ausschließen will jedoch keiner von beiden eine künftige Zusammenarbeit.
Auf die Frage, ob die beiden konkurrierenden Plattformen nicht lieber gemeinsame Sache machen wollen, antwortet EBPP-Chef Christian Wagner ausweichend: "Es gibt Ansätze dazu, aber im Moment steht eine Fusion nicht zur Diskussion." Angeblich können sich die beiden Erzrivalen über die finanzielle Beteiligungsstruktur nicht einig werden, ausschließen will jedoch keiner von beiden eine künftige Zusammenarbeit.
B2B: Legistische Voraussetzungen fehlen.
Bei EBPP habe man im übrigen weit mehr vor, als nur bloße Bezahltransaktionen anzubieten. Zielgruppe ist nicht nur der Endkonsument, sondern auch der B2B-Markt, also etwa die Paymentbeziehung zwischen Lieferanten und Hersteller. Dafür fehlt derzeit jedoch noch eine wichtige legistische Voraussetzung. Die EU-Verordnung über die Anerkennung elektronischer Rechnungen für Vorsteueranerkenntnis müsse noch umgesetzt werden. Doch schon im nächsten Jahr will Wagner den B2B-Sektor forciert bearbeiten. Interesse an der elektronischen Rechnungslegung im Web hätten vor allem traditionelle Branchen angemeldet, etwa der Baustoffhändler Baumax. Den Businesskunden will man jedoch noch mehr Services bieten. Jede Information, die in Papierform vorliegt, könne man abbilden, und die bleibt 14 Monate lang gespeichert. über ein neutrales Portal sollen auch Nichtkunden der drei Geldinstitute ihre Rechnungen online sehen und bezahlen können.
Online bezahlen im E-Government.
Die Stoßrichtung der Konkurrenz weist hingegen klar in Richtung E-Government. "Wir wollen das E-Government mit elektronischen und finalen Zahlungsmitteln ausstatten", kündigt Bawag-Manager Robert Krickl an. Die elektronische Bezahlplattform sei hierfür besonders geeignet, weil sie das Geld sofort vom Bankkonto abbucht.
Derzeit läuft ein Pilotbetrieb in ausgewählten Gemeinden: Anträge für Melde- und Personenauskünfte, Grabverlängerungen und Hundeanmeldungen können via Internet erledigt und die erforderlichen Gebühren über bezahlen.at abgewickelt werden. Die Liste der angebundenen Gemeinden und Serviceleistungen soll laufend erweitert werden.
Heiner Hierzegger: Es stimmt, die Raumplaner arbeiten eher im Stillen, weil sie etwas verhindern. Das, was nicht entsteht, wird nicht gesehen.
Welche Auswirkungen auf die Raumplanung wird das jüngste Hochwasser in österreich haben?
Wo Gefahrenzonen durch besiedelte Gebiete gehen, wird man Maßnahmen künftig sehr streng handhaben. Den großen Gewässern muss man am Oberlauf Flächen geben, wo sie sich ausdehnen können, damit die überflutung von besiedelten oder landwirtschaftlich wertvollen Bereichen verhindert wird.
Absiedelungen werden auch notwendig werden?
Intakte Siedlungen in voll erschlossenen Gebieten wird man sicher nicht absiedeln. Wenn zerstörte Gebäude in großer Zahl konzentriert sind, wird man sich das schon überlegen.
Welche Rolle müssen Raumplaner bei der Umsetzung von Raumordnungsprogrammen spielen?
Wahrscheinlich wird man eine europäische Zusammenarbeit haben müssen. Flüsse machen ja nicht vor Gemeindegrenzen halt. Das ist ein internationales Problem. Von einem Flussmanagement höre ich aber sehr wenig. Es gibt eine Zersplitterung der Kompetenzen. In österreich ist Raumplanung Ländersache, was uns neun unterschiedliche Regelungen beschert. Schutzwasserbau und Gefahrenzonenplanung sind Bundessache. Teile unserer Gewässer sind unter der Verwaltung der Wildbachverbauung, Teile unter der des Wasserbaus. Die haben unterschiedliche Maßstäbe. Da gehört eine Vereinheitlichung her.
Stehen die Bürgermeister unter Druck der Gemeinden, Baulandwidmungen in gefährdeten Gebieten zuzulassen?
Der Druck ist sicher da. Sehr oft sind es die Landespolitiker, die intervenieren. Je kleiner das Land, umso stärker der politische Einfluss auf Raumplaner und Gemeinden, gewisse Flächen freizugeben. In einer Zeit, wo die Konkurrenz groß ist, sind Raumplaner, die ein Auge zudrücken und helfen, dass jemand wo bauen kann, wo er eigentlich nicht soll, erfolgreicher. Dem Druck zu entkommen ist nicht leicht, das geht hinauf bis zum Landeshauptmann.
Was kann man dagegen tun?
Man muss die öffentliche Meinung kultivieren. Die Bürger müssen wissen, dass Gefahren ernst zu nehmen sind. Zweitens müssen Kontrollinstanzen besser funktionieren. Ich sehe immer, dass dieses Eingreifen nicht passiert, da liegt es bei uns ganz im Argen. Wenn die Frau Landeshauptmann Klasnic Bürgermeistern, die dort bauen lassen, wo sie nicht dürfen, sagt, sie zahlt die Strafe, dann untergräbt das die Moral. Wenn die Wirtschaftsförderung Zusagen für eine Betriebsgründung gibt und der Bürgermeister sagt, da kann man nicht bauen, dann wird er das nächste Mal nicht mehr gewählt.
Die österreichische Raumordnungskonferenz meint, die Länder sollten den Gemeinden bei Flächenwidmungen wieder mehr auf die Finger schauen. Ist das sinnvoll?
In der Planung gibt es die Tendenz, dass alles erleichtert werden soll. Für den Wirtschaftsstandort ist das einerseits günstig, andererseits gibt es das Problem, dass manches übersehen wird.
Sollten Raumordnungskonzepte verbindlich werden?
Für gefährdete Bereiche würde es nicht schaden. Gefahrenzonenpläne kommen von Bundesseite. Die einzige Entscheidung des Landes ist zu kontrollieren, ob die in Flächenwidmungsplänen berücksichtigt werden. Diese Kontrolle wird in manchen Fällen zu lax gehandhabt. Da gibt es sicher einen Mangel. Die Gemeinden werden in ihren Einzelentscheidungen nicht so überprüft.
Muss man nach dem Hochwasser die Gefährdungszonen ändern?
Das passiert ja laufend. Die Raumplanung ist noch nicht so alt, sie ist noch nicht am Ende ihres Wissens. Im Siedlungswasserbau war man sicher sehr nachlässig.
Sind die Instrumente der örtlichen Raumplanung - Flächenwidmungs- und Bebauungsplan - noch zeitgemäß?
Es hat lange gedauert, aber inzwischen hat jedes Bundesland die Gemeinden verpflichtet, nicht nur einen Flächenwidmungsplan, sondern davor ein Entwicklungskonzept zu machen, das weit über die reine Bestimmung der Nutzung von Flächen hinausgeht. Es müsste aber parallel dazu eine regionale Konzeption geben, die das Zusammenspiel sichert. Wir könnten die Bausubstanz im ländlichen Bereich verdreifachen, ohne die Flächenwidmungspläne zu ändern. Alle Gemeinden bauen sich da Reserven auf, die sind in ihrer Summe viel zu groß. Eine Bewältigung des Problems wird nur durch eine übergeordnete Planung möglich sein, die die Gemeinden in die richtige Position rückt. Das ist eine Forderung an die Raumplanung. Sie ist eine vernetzende, über die Verwaltungsgrenzen hinausgehende Tätigkeit. Es muss eine über den Gemeinden liegende Planung auf Bezirksebene geben, ohne den Gemeinden Rechte zu nehmen oder die Bürgermeister als Baubehörde abzuschaffen.
Die öROK kritisiert auch, dass es kaum mehr Abstimmung zwischen Siedlungs- und Verkehrsplanung gibt, was sich auch im Generalverkehrsplan niederschlägt.
Es stimmt, das Zusammenwirken zwischen Verkehrs- und Raumplanern ist gering. Ich habe immer schon festgestellt, dass die Straßenplaner nie viel Rücksicht genommen haben, ob ihre Straßen Siedlungsgebiete erreichen. Meistens fordert die Raumplanung über Initiative der Gemeinden gewisse Verkehrsmaßnahmen, aber die großen Trassen kommen von den Verkehrsabteilungen des Landes über Straßenplaner und stoßen dann plötzlich auf das Problem Raumplanung. Viele an der TU Wien ausgebildete Raumplaner sind heute Verkehrsplaner. Vielleicht erinnern sie sich daran, dass Raumplanung über die Grenzen von Spezialwissenschaften hinausgeht. Raumplanung hat die Aufgabe, das vernetzte System unseres Lebens zu erkennen.