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Europameister österreich

Der gelernte österreicher mag sich wundern, aber die Innovationskraft der österreichischen Beamtenschaft ist historisch verbürgt. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren unsereStaatsdiener ein Musterbeispiel an geografischer Beweglichkeitund mehrsprachlicher Gewandtheit, jeder Personalist hätte damitauch heute seine Freude. In k&k-Zeiten haben wir der Welt nichtnur die Stempelmarke, sondern auch ein oft kopiertes Strickmuster für eine effiziente Verwaltung beschert. In denletzten Tagen wurden die österreicher von Brüssel gleich zweifach zum »Europameister« gekürt. Die Meinung der Landsleute über die EU hat sich zwar verbessert, die Alpenrepublik hält aber unterden europäischen Staaten nach wie vor den Spitzenplatz als EU-kritischstes Land. Das kann man positiv oder auch negativ sehen. Unzweifelhaft erfreulich ist die zweite »Goldmedaille«. österreichschließt an die glorreichen Zeiten seiner Verwaltung an und erweist sich in einer Benchmark-Studie von Capgemini als führendes Land in Sachen E-Government. Die Studie ist umso aufschlussreicher, als die Europäische Kommission die Daten seit mittlerweile sechs Jahren erhebt, wodurch sich auch Zeitvergleicheund Entwicklungen bereits vernünftig destillieren lassen. Mit der der EU bisweilen eigenen Akribie wurde auch heuer die Qualität von zwanzig öffentlichen Dienstleistungen untersucht und verglichen. Hübsch aufgeschlüsselt nach dem prinzipiellen Umsetzungsgrad von Basis-Internetdiensten oder der »hohenSchule« der Transaktionsfähigkeit. »österreich liegt mit über 95Prozent bei den Online-Services und mit über 83 Prozent in der höchsten Transaktionsstufein beiden Bereichen klar an der Spitze«, sagt Capgemini-Geschäftsführer Peter Laggner.

Analysiert wurden beispielsweise bürgerrelevante Online-Dienstleistungen rund um Arbeitsplatzsuche, polizeiliche Anzeigen, Dokumentenbeschaffung, Anträge für KFZ-Anmeldungen und Baugenehmigungen, Sozialleistungenoder gesundheitsbezogene Services, um hier nur einige der wichtigsten zu nennen. Auf der Unternehmerseite wurdenAngebote wie Steuer- und Zollerklärungen, Gewerbeanmeldungen und Konzessionserteilung, Sozialbeiträge oder öffentliche Beschaffung unter die Lupe genommen. Das knackige Faziteiner Aussendung der EU-Kommission: österreich ist in allen Bereichen führend. Das überschwängliche Lob aus Brüssel ist damit noch nicht erschöpft. Die Alpenrepublik ist nach Meinung derKommission gar ein »Musterbeispiel« dafür, wie man »das Angebot von Government-E-Services optimiert und zu beinahe hundert Prozent transaktionsorientiert gestaltet«. Obwohl bereits bei der letzten Studie auf hohem Niveau, gelang es auch diesmal, den Turbo-Nachbrenner einzuschalten und bei den Einzelwertungennoch einmal kräftig prozentual zuzulegen. Bei Kunst- und Medienstaatssekretär Franz Morak kommt da natürlich Freude auf.»Das ist ein schöner Erfolg der E-Government-Initiative derRegierung und aller Akteure«, so Morak. österreich habe enormesPotential und man werde die Chance der Digitalisierung auch in Zukunft optimal nutzen. Dass sein Name und die Regierungmit dem »schönen Erfolg« verknüpft sind, dürfte angesichtsdes kommenden Wahlkampfes nicht ungelegen kommen. Tatsächlich ist die Performance auch im Zeitvergleich beeindruckend.

Turboschub. Beim ersten E-Government-Benchmark heimste österreich fast noch die rote Laterne ein und landetelediglich auf den hintersten Plätzen. Seither ging es steilnach oben. Der Weg vom Nachzügler bis zum MusterbeispielEuropas wurde mit einem energischen Sturmlauf absolviert.Die gute Stimmung rund um EGovernment macht sich rundumbemerkbar. »Die Regierung scheint es ernst zu nehmen. Anallen Ecken und Enden sind innovative Triebkräfte zu spüren«,bemerkte ACP-Gesellschafter und Prokurist Martin Nemeth.Die Innovationen - und damit der Euro - rollen aber nicht nurim Inland. österreichs Ruf als Vorreiter einer effizienten E-Verwaltung dringt auch jenseits der Grenzen. Best-Practice-Beispiele wie FinanzOnline, der elektronische Akt ELAK oder die Plattform help.gv.at heimsten schon mehrfach internationaleAuszeichnungen ein. Ein Umstand, der auch beim von der Kommission festgestellten Know-how-Transfer in die neuen Mitgliedsstaaten nicht gerade schadet. österreichs Unternehmen wie beispielsweise die SBS haben sich zwischen Bukarest, Pragund Budapest als Lieferanten fest etabliert.

Die neuen »europäischen Tigerstaaten« weisen auch beimE-Government eine äußerst dynamische Entwicklung auf. DerBaltenstaat Estland gilt sowieso als kleines IT- und Internet-Wunderland und ist österreich in der Capgemini-Studiemittlerweile hart auf den Fersen. Aber auch Ungarn oder Slowenienhaben ihr Ranking massiv verbessert. Zugute kommt denöstlichen Nachbarn sicher, dass die Green-field-Investments das Problem von gewachsenen - und teilweise obsoleten - Strukturen gar nicht erst aufkommen lassen. Die IT- und Telekommunikations-Infrastruktur ist in den Oststaaten, zumindest dort, wo sie auf die grüne Wiese gesetzt wurde, vom Feinsten und teilweise moderner als in manchen »alten« EU-Staaten. Viel bewegt sich beimtechnisch-organisatorischen Hintergrund.

Brüssel schreibt auch beim Backoffice-Integration und Interoperabilität auf seine Fahnen. Vor allem hier sind bedeutende Kosten- und Beschleunigungspotenziale zu heben. »Beim übergreifenden und medienbruchfreien Prozessmanagement machen wir große Fortschritte«, sagt Kremsmünsters AmtsleiterReinhard Haider, dessen Gemeinde als Musterbeispiel für erfolgreiches E-Government dient.

Wo es noch hakt. Für das gedeihliche Fortkommen von E-Government hat die Regierung ein ganzes Bündel von Maßnahmen gesetzt. Legistische Rahmenbedingungenrund um Beschaffung oder Signatur, Identifikationssystemewie die Bürgerkarte, eine klar kommunizierte Strategie oder möglichst flächendeckende Umsetzung beim Roll-Out sind nur einige davon. Ein wichtiger Part ist der Wille zur Kooperation. »Für die Topplatzierung ist die erfolgreiche Zusammenarbeit der politischen Institutionen und der Wirtschaftspartner ausschlaggebend«, sagt Capgemini-CEO Peter Laggner. Auch Franz Morak betont die Rolle aller Akteure. Wie die EU-Benchmarkzeigt, dürfte das auch ziemlich gut funktionieren. Und doch gibt es Platz für Verbesserungen. Die Akteure des föderalen österreich kochen manchmal nicht uneigennützig ihr eigenes Süppchen. »Dann fliegen auch Torpedos«, wie ein Insider schmunzelt. Ansatzlos und aus heiterem Himmel setze dann beispielsweise der Städtebund auf die Microsoft-Initiative Egora, was nicht nur beim Gemeindebund Stirnrunzeln auslöst. Kleinere und größere Animositäten soll es auch bei den Bürgermeistern geben. Schwarz/Rot-Kriterien oder schlichter Neidkomplex sollen bei Anschaffungen bisweilen wichtiger sein als das übergeordneteGemeinwohl. Um hier Geldverschwendung zu vermeiden, müsse der Bund die Zügel straffer anziehen, meint ein anderer Insider. Der Bund kann freilich auch nicht stressfrei agieren und befindet sich wiederum im Spannungsfeld der Wirtschaft.

Diese beäugt bestehende öffentliche Plattformen wie kommunalnet.at oder auch help.gv.at mit Argusaugen, das Geschäft würde man lieber selber machen. Diese Situation führt bisweilen zum Patt. Das Innenministerium hat ursprünglich die Order ausgegeben, dass Zugriffe aus Sicherheitsgründen ab Ende September nur mehr über ein Stammportal abgewickelt werden dürfen - eine Funktion, die bei den öffentlichen Plattformen schon implementiert ist. Die Privaten wollen das zwar auch anbieten, können es aber technisch noch nicht. Worauf das Innenministerium die übergangsfrist erst in den letzten Tagen vorerst einmal verlängert hat. Der Zuzug zu den öffentlichen Portalen soll auf Druck der Wirtschaft schon etwas eingeschlafen sein. Das kommunalnet verharrt beispielsweisebei rund tausend teilnehmenden Gemeinden. Aber kleinere Spannungsfelder hin oder her: österreich ist E-Government-Europameister und muss daher viele Dinge richtig machen oderzumindest besser als die Konkurrenz. Der große Nachbar Deutschland hat sich bei der Fußball-WM zwar Bronze geangelt und ist in heller Euphorie, über das deutsche E-Government wollen aber nicht einmal die gewogensten Kommentatoren ein positives Wort verlieren. Der Unterschied zu österreich? »Bei uns reden die Institutionen und Leute miteinander, ohne gleich die ultimative Keule auszupacken«, vermutet ein Insider. Wie Franz Morak über das Ranking so schön sagt: »Ein Erfolg aller Akteure.«

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Infrastruktur Report

österreich konnte seine Spitzenposition im Bereich Infrastruktur in den vergangenen Jahren halten. In Europa setzt sich das Land, gemeinsam mit Deutschland und Frankreich, weiter vom Durchschnitt ab. Um auch in Zukunft in diesem Spitzenfeld vertreten zu sein, muss kontinuierlich investiert und die österreichische Infrastruktur quantitativ und qualitativ ausgebaut werden. Das sind die zentralen Ergebnisse des ersten \"Future Business Austria Infrastrukturreports 06/07\", der heute in Wien vorgestellt wurde. Die Studie umfasst die Bereiche IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien), Verkehr (Straße, Schiene, Luft- und Schifffahrt), Energie (Strom und Gas) und Post.

\"Der Infrastrukturreport durchleuchtet erstmals den Status der österreichischen Infrastruktur in ihrer Gesamtheit. Wir zeigen Stärken, Schwächen sowie Verbesserungspotenziale der heimischen Infrastruktur auf und stellen deren Position im internationalen Vergleich dar\", erklärt David Ungar-Klein, der die Studie mit Unterstützung des Meinungsforschungsinstituts OGM und der Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants herausgegeben hat.

In der IT top. Vor allem im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien liegt österreich deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Der Vorsprung wird aber kontinuierlich kleiner: \"Die anderen europäischen Länder investieren massiv in den Ausbau ihrer IKT-Infrastruktur, während in österreich das Wachstumspotenzial geringer wird\", erklärt Roland Falb, Managing Partner im Wiener Büro von Roland Berger. Trotz dieses insgesamt guten Ergebnisses sehen aber laut OGM-Umfrage 55 Prozent der heimischen Manager noch große Ausbaupotenziale. \"Vor allem der verstärkte Infrastrukturausbau im ländlichen Raum, steuerliche Anreize zum IKT-Ausbau für Unternehmen und eine stärkere Integration von modernen Informationstechnologien in die Bildungspolitik stehen auf der Wunschliste der Führungskräfte ganz oben\", so OGM-Studienautor Peter Hajek.

Aufholbedarf im Breitbandbereich. Weniger gut sieht die Situation im Breitbandbereich aus: Einige internationale Technologie-Indizes deuten darauf hin, dass österreich hinter andere Länder zurückfällt. So belegt österreich im ICT-Index des Global Competitiveness Report 2005-2006 Rang 18 (2004-05: Rang 19) und hinkt noch immer dem 13. Rang aus dem Jahr 2003/04 hinterher. Deshalb sehen auch 59 Prozent der österreichischen Manager Verbesserungspotenziale auf Grund von unzureichenden Investitionen in Breitband. \"Als Folge befürchten 30 Prozent der Führungskräfte, dass der Wirtschaftsstandort österreich zurückbleibt beziehungsweise unattraktiv wird. Jeweils 16 Prozent der Befragten glauben, dass dadurch der Technologiefortschritt gehemmt wird und aus Kommunikationsproblemen Zeit-, Geld- und Effizienzverluste resultieren\", zitiert Hajek die Ergebnisse seiner Befragung.

Als Verbesserungsvorschlag für den Bereich Breitband wünschen sich 41 Prozent der Manager mehr Preistransparenz, ein gutes Drittel den gezielten Aufbau von Anwenderwissen und 29 Prozent fordern mehr staatliche Förderung für kleine und mittlere Unternehmen bzw. für Haushalte.

Energie über dem internationalen Benchmark. österreich zählt zu den Vorreitern der Energieliberalisierung in Europa. Die öffnung des Strom- und Gasmarktes bringt den heimischen Unternehmen und Endkunden jährlich Einsparungen von insgesamt etwa 1,3 Milliarden Euro. Es wünschen sich jedoch laut OGM-Umfrage 62 Prozent der Topmanager mehr Preistransparenz und damit eine bessere Vergleichbarkeit der Anbieter. Ein weiterer Verbesserungsvorschlag, vorgebracht von 14 Prozent der Befragten, ist die Reduzierung möglicher Energieausfälle. \"Dem gegenüber steht der von uns herangezogene Key Performance Indicator (KPI), der die Ausfallzeit pro Anschluss pro Jahr misst. Hier unterbietet österreich die Werte aller Vergleichsländer und erzielt die volle Punktezahl von 100\", sagt Roland Berger-Partner Falb.

Privatisierung wirkt sich positiv aus. Die Post ist der Infrastrukturbereich, der im Vergleich zum Vorjahr die stärkste Verbesserung aufweist. Sie schaffte in der OGM-Befragung mit zwölf Prozentpunkten Unterschied den Sprung von \"unterdurchschnittlich\" auf \"überdurchschnittlich\". Diese positive Entwicklung zeigen auch der Global Competitiveness Report (GCR) sowie der von Roland Berger herangezogene KPI, hier tritt die Verbesserung jeweils noch klarer zutage. Erklären lässt sich diese Dynamik wohl durch die Tatsache, dass österreichs Postunternehmen unter den ersten in Europa sind, die über die Börse privatisiert wurden.

Imageproblem für österreichs Schiene. Auffallend bei der Verkehrsinfrastruktur ist die Divergenz in der Beurteilung des Bereichs Schiene in österreich: \"Die von uns befragten Manager geben der heimischen Schiene mit einem Negativsaldo von minus 28 Prozent im internationalen Vergleich eine denkbar schlechte Note. Dem gegenüber steht der GCR, der ihr auf Basis von Hard Facts eine überdurchschnittliche Position attestiert. Das lässt auf ein Imageproblem der österreichischen Schiene schließen\", erklärt Studienautor Hajek.

Verbesserungspotenzial von 10 Mrd. Euro. österreichs Infrastruktur zeigt sich also insgesamt relativ wettbewerbsfähig, birgt jedoch erhebliches Verbesserungspotenzial in sich. So gaben heimische Manager in der diesjährigen OGM-Befragung an, die Produktivität ihrer Unternehmen um vier Prozent steigern zu können, wenn die Infrastruktur dem internationalen Benchmark entsprechend ausgebaut wäre. \"Auf rund zehn Milliarden Euro beläuft sich der Verlust - und damit das Verbesserungspotenzial. Initiativen wie Future Business Austria dienen dazu, dieses Potenzial zu diskutieren und die Entwicklung geeigneter Maßnahmen zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes österreich anzustoßen\", meint Ungar-Klein abschließend.

Wirtschaftkammer begrüßt Förderabsichten. \"Faktum ist, dass eine funktionierende Infrastruktur auf allen Ebenen für Wirtschaft eminent wichtig ist\

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Wright, Watt und HP

Bei manch verzwickter Fragestellung kann die Antwort auch mal aus einer ganz anderen Ecke kommen. Etwa wenn es darum geht, 16 Server - zusammengepfercht auf einem halben Quadratmeter Stellfläche - effizient zu kühlen. Es sind Bastler, die mit IT vorrangig nichts am Hut haben, die hierfür das Knowhow liefern. Waren die Gebrüder Wright noch in ganz anderen Dimensionen unterwegs, lassen heute Luftakrobaten en miniature grüßen: \"Im Modellflugbereich geht es darum möglichst viel Luft auf engstem Raum durchzublasen“, hat Wolfgang Egger, Leiter der Geschäftssparte Server bei HP, von den Flugzeugbauern gelernt. In der Informationstechnologie werden nun die Ventilatoren (vulgo Propeller) in den Geräten optimiert, um möglichst viel Prozessorleistung mit möglichst geringem Aufwand kühl zu halten.

Das Feilschen um Watt-Größen in Hochleistungsgeräten wie Server mag auf den ersten Blick kleinlich klingen, ist für weitläufige Geräteparks mitunter aber geschäftskritisch. Mit seinen engagierten Kollegen vom Verkauf hat HP-Mann Egger nun den Weg zum \"Rechenzentrum der Zukunft“ in Angriff genommen. Die Reduktion des Stromverbrauchs der Boxen ist dabei eine der Themensäulen, um den Unternehmen künftig mehr als die üblich vorhandenen zehn Prozent ihrer IT-Budgets für Neuerungen freischaufeln zu können. Kundenuntersuchungen hätten gezeigt: Ein wesentlicher Schmerzpunkt in Rechenzentren ist die Verzehnfachung der Stromleistung pro Quadratmeter innerhalb der letzten drei Jahre (die Rechenleistung hat sich im selben Zeitraum verhundertfacht). Und das bei Geräten, die bereits vor dem explosionsartigen Wachstum des Strombedarfs getrost als \"Heizkörper“ bezeichnet werden konnten. Neue Produktlaunches im Blade-Server-Bereich sollen dem neuen Umweltgedanken Tribut zollen. Der Propeller wird dabei intelligent - und passt ebenso wie die Stromversorgung sein Verhalten dynamisch den Anforderungen des Systems an.

\"Den Unternehmen stellt sich stets die Frage, welch großer Anteil am IT-Budget in der Maintenance stecken bleibt“, ortet Egger weit reichende Möglichkeiten, die Betriebskosten der Großunternehmen in den Rechenzentren zu senken. Eggers umfangreicher Maßnahmenkatalog, neben dem intelligenten Watt-Management: Konsolidierungen im Software und Hardwarebereich mittels Automatisierung und Virtualisierung sowie flexiblere Kostenrechnungen - etwa mittels Pay-per-use-Modellen.

Aufgestellt wurde hierfür ein Fünf-Punkte-Programm zum Rechenzentrum der Zukunft:
1. Mitwachsen der Infrastruktur. Konzepte wie Pay-per-use ermöglichen eine Kostensenkung. Wenn Rechenleistung nur einmal pro Monat - etwa der Lohnabrechnung im Unternehmen - benötigt wird, werden die Ressourcen auch nur in diesem Zeitraum verrechnet. Mit diesem Ansatz gäbe es für die Hersteller und Systemintegratoren noch einiges in österreich abzuholen, meint Wolfgang Egger, \"Von den Top-500-Unternehmen haben nur fünf Prozent ein solch flexibles System.“

2. Umfassendes Gerätemanagement. Gemeint sind nicht viele unterschiedliche Tools für die Inventarisierung und überwachung von Druckern, Servern und Netzwerk, sondern ein einziges Werkzeug für das gesamte System. Nur mit einer zentralen, homogenen Plattform ist der überblick über die inhomogene IT-Welt im Unternehmen effizient möglich. Dann ist auch das Auslesen von Gerätedaten, Softwareversionen und damit ein sinnvolles Lizenzmanagement - ergo die Lizenzkonsolidierung - machbar.

3. Bedachte Konsolidierung. Die Zusammenführung von Soft- und Hardware aus verteilten Systemen auf wenige, einheitliche Punkte birgt auch Gefahren. Kosten können nämlich dann entstehen, wenn die Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen der finalen Lösung ins Bodenlose gehen. Zum Vergleich: Würden 100 Geräte (dem Sinnbild 100 Personenkraftwagen entsprechend) auf eine Maschine (1 LKW) konsolidiert werden, würde dies zwar ein optimiertes Lastenmanagement ermöglichen, aber ein hohes Lieferrisiko in den Netzwerkarchitekturen bringen. Der PKW in der IT ist flexibel, wendig und ersetzbar. Ein LKW dagegen steckt garantiert irgendwo fest - besonders dann, wenn ein billiges Modell eingekauft wurde.

4. Verlängerte Lebensdauer. Ein Trend, der eigentlich schon gar keiner mehr ist: Virtualisierung. Bei den Großunternehmen schon lange praktiziert, dringt nun dieses Einsparungspotenzial auch in kleinere Firmen vor. Mittels Virtualisierungsengines kann jede lieb gewonnene, noch so archaische Applikation auf den aktuellen Plattformen benutzt werden. Der programmierte Zelltod wird dank leistungsfähigen Krücken überlistet.

5. Automatisierung. Jener Bereich, in dem am ehesten noch Zukunftsmusik zu hören ist. Die Vision: Applikationen reagieren von selbst, proaktiv auf Anforderungen, Service Level Objectives (SLOs) legen etwa fest, welche Prozesse wie lange dauern dürfen. Ein Beispiel: Schafft es das System nicht, 98 Prozent aller Transaktionen in weniger als sechs Sekunden abzuwickeln, werden automatisch Ressourcen aus dem Rechenzentrum zugeschaltet. Diese können Rechenleistung, Speicher oder Bandbreite sein. Ein wesentlicher Fortschritt, so das Konzept einmal implementiert ist - denn heute muss in einem reaktiven Ansatz noch zum Hörer gegriffen werden um den Help-Desk zu kontaktieren. \"Innerhalb der nächsten sechs Monate werden Produkte auf den Markt kommen, die diesen Automatisierungsansatz unterstützen“, prognostiziert HP-Mann Egger.

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Virtualisierte Welten

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass die Graphiken von M.C.Escher unter IT-Gurus Kultstatus besitzen. Der Niederländer stellte phantastische Welten dar, die vor Rückbezüglichkeiten, Verschachtelungen ins Unendliche und unmöglichen Perspektiven nur so wimmeln. Und doch wirken Eschers Werke seltsam real. ähnlich verhält es sich mit der Virtualisierung, die in vielem den Bildwelten Eschers gleicht. Da laufen CPUs, die eigentlich gar nicht da sind und verwalten Speicher, der zwar da ist, von dem man aber nicht weiß wo er physikalisch ist. Es laufen Betriebssysteme auf Rechnern, für die sie nie geschrieben wurden - und diese Rechner müssen nicht einmal tatsächlich existieren. Solche irrealen Rechner können über Netzwerke kommunizieren, die ihrerseits virtuell sind und keinen Meter Kupferkabel brauchen. Und über all das legt sich noch die Applikationsschicht, die wie SAP Netweaver ihrerseits auf einer höheren Ebene Prozesse virtualisiert. Bei solchen Seltsamkeiten werden auch nüchterne IT-Manager philosophisch. \"Wo fängt Virtualisierung eigentlich an. Wo hört sie wirklich auf“, grübelt SAP-Chef Wolfgang Schuckert. Auch Lexikonautoren haben es damit nicht leicht. Eine eindeutige Definition des Begriffs sei schwer, stellen die Wikipedianer gleich als Einleitung in ihrem Fachartikel fest. Immerhin ringen sie sich eine allgemeine Definition ab. Virtualisierung seien Methoden, mit denen die Ressourcen eines Rechners aufgeteilt werden und mit denen der Benutzer von der eigentlichen Hardware entkoppelt wird.

Als Buzzword hat Virtualisierung gerade Hochkonjunktur, doch die Technologie ist ein alter Hut und stammt aus dem IT-Pleistozän. Die IBM datiert die Geburtsstunde mit dem Erscheinen der altehrwürdigen S360 - der Prototyp des modernen Servers der schon vor rund 45 Jahren gelauncht wurde. Dass die Technik abseits der breiteren Wahrnehmung auf Mainframes zur ersten Blüte gebracht wurde, hat praktische Auswirkungen. Die junge Webgeneration der Programmierer, Systemmanager und CTOs tut sich mit dem Zugang bisweilen etwas schwer. \"Bei Symposien oder Präsentationen haben vor allem Senioren, die kurz vor der Pensionierung stehen, das beste Verständnis“, erzählt Martin Balaz von der IBM-Servergroup aus der Praxis. Wird also nur alter Wein in neuen Schläuchen verkauft, hübsch garniert als neuer Hype?

Vom Hype zur Realität. Der Hype rollt an, aber er hat handfeste Ursachen. \"Wir reden von keinem Buzzword. Wir reden davon, wie man vorhandene IT-Ressourcen effizienter nutzt“, sagt IBM-Mann Balaz. Was zähle sei weniger die mirakulöse Technologie, sondern deren handfeste Kostenvorteile Die Botschaft ist auch bei den Finanzern schon angekommen. \"Virtualisierung ist für unsere Kunden ein ziemlich heißes Thema. Wir werden oft aktiv darauf angesprochen“, so Balaz. In dieselbe Kerbe schlägt Martin Lauer: \"Man macht Virtualisierung sicher nicht, weil es schick ist. Es geht schlicht um das Accounting und die Kosten“, so der DACH-Vize der Softwarefirma Computer Associates (CA). Dass sich CA in diesem Markt tummelt, ist kein Zufall. Die Wurzeln des Infrastrukturmanagement-Spezialisten liegen ebenso wie die von IBM in der Mainframe-Welt. Hinter Big Blue besetzen der Serverspezialist Sun und Hewlett Packard den Hardwaremarkt, das deutsch-japanische Joint Venture Fujitsu-Siemens will diese Führungstroika durcheinanderwirbeln. \"Wir wollen die Strukturen aufbrechen und werden uns in österreich stärker im Enterprise-Bereich positionieren“, kündigt Wolfgang Mayer, Vertriebsdirektor bei Fujitsu-Siemens, an. Auch hier besinnt man sich alter Wurzeln. Fujitsu-Siemens ist beileibe nicht nur Kistenschieber im Volume-Bereich, wie hierzulande oft fälschlicherweise geglaubt wird. Fujitsu glänzt auch mit Mainframe-Erfahrung und ist in den weltweiten Performance-Wertungslisten gut platziert. Auch der Siemens-Part liefert Know-how und vor allem Image mit: Die legendäre BS2000 ist zwar schon ziemlich antiquiert, in den Ohren vieler IT-Verantwortlichen hat das System immer noch einen guten Klang. Auch neben seiner Kampfansage an die Marktleader lässt Wolfgang Mayer aufhorchen. \"Zukünftig werden wir die Hardware-Entwicklung für die Mittleren und High-end-Systeme von Sun übernehmen“, so der Fujitsu-Siemens Vertriebschef. Details über die Vereinbarung werden erst in den kommenden Wochen veröffentlicht. Als sicher darf jedoch gelten, dass die Solaris-Entwicklung von der Vereinbarung nicht betroffen ist und auch weiterhin in den Händen von Sun liegt. Mit diesem Schachzug wird Fujitsu-Siemens seine Position im Rechenzentrumsgeschäft stärken. Aber von Rechenzentren zu reden, ist fast schon altbacken.

Fujitsu-Siemens definiert das \"Dynamic Data Center“, das sich um moderne Virtualisierungs- und Automatisierungstechniken rankt, schlichtweg als Zukunft der IT. Mit der positiven Einschätzung ist Wolfgang Mayer nicht alleine. \"The next big thing“, fällt beispielsweise IBM-Servermann Balaz spontan zur Virtualisierung ein. Hardcore-Anwender sind in österreich allerdings noch selber so etwas wie eine virtuelle oder zumindest seltene Spezies. Während die Industrie ansonsten gerne Anwenderberichte veröffentlicht, herrscht hier eher Ebbe. Verwiesen wird auf Case studies in Deutschland oder der Schweiz. Die Zurückhaltung hat mehrere Gründe. Einerseits ist die klassische Anwenderschar im Bereich Großunternehmen oder Behörden hierzulande überschaubar. Andererseits sind Kunden, die technologisch vor preschen, aus Wettbewerbsgründen um Diskretion bemüht. So wird nur nur unter der Hand kolportiert, dass eine große österreichische Bank deutlich über 100 Rechner der obersten Mainframe- und Serverleistungsklassen auf gut ein dutzend physische Maschinen reduziert hat. Die Datenbankapplikationen oder auch die Personalsoftware laufen jetzt statt auf konkreten Rechnern zumeist in virtuellen IT-Welten. Bei einem deutschen Automobilbauer ist wiederum die Virtualisierung von Diensten und deren Zuordnung im Gang. Heftig evaluiert wird auch im industriellen Umfeld - vor allem dort, wo große SAP-Installationen anzutreffen sind. Als potentieller Virtualisierungskandidat gilt auch das Bundesrechenzentrum, das ebenfalls Evaluierungsprojekte laufen haben soll.

Am Weg zum Massenmarkt. Die Vorteile die die Virtualisierung zu bieten hat, sind aber beileibe nicht nur für Großunternehmen interessant. \"Ich bin neugierig, wie lange die Unternehmen für herkömmliche Lösungen noch Geld ausgeben“, sagt Novell-Chef Peter Latzenhofer. Novell setzt mit seinem auf Suse Linux basierenden Enterprise Server auf die Virtualisierungslösung XEN, die im Unix-Umfeld zu einer der Schlüsseltechnologien zählt. Welche Kosten Unternehmen bei Einsatz von Virtualisierungslösungen tatsächlich einsparen können., lässt sich jedoch auf keinen einfachen Nenner bringen. Dazu ist das Thema zu komplex. \"Ich habe ein dutzend Studien, die alle nur einen Teilbereich der Wirklichkeit abbilden“, sagt IBM-Mann Martin Balaz. Oder zu heikel: \"Natürlich haben wir interne Durchschnittswerte, aber die können wir nicht veröffentlichen“, sagt CA-Vize Georg Lauer. Die Vorteile sind trotzdem handfest (siehe Kasten). Breite übereinkunft besteht darin, dass die Virtualisierung die Auslastung bestehender Hardware drastisch verbessert. Die Firmenangaben dazu weichen leicht voneinander ab, zeigen aber alle in eine Richtung. IBM sieht in der mittleren EDV einen erstaunlich niedrigen Auslastungsgrad. Unix-Server werden demnach vielleicht zu 30 bis 40 Prozent tatsächlich genutzt. Windows Server schieben eine noch ruhigere Kugel und dümpeln laut IBM mit nur zu 5 bis 15 Prozent Auslastung beinahe schon im teuren Leerlauf vor sich hin. Fujitsu Siemens differenziert nicht nach Betriebssystemen und nennt eine durchschnittliche Auslastung von 20 bis 40 Prozent. Genau an dieser Stellschraube drehen die Hersteller. Rechenleistung oder andere Ressourcen werden nicht mehr statisch für kaum auftretende Spitzenlasten dimensioniert, sondern genau dann vergeben, wenn sie tatsächlich benötigt werden. Was sich so einfach anhört, ist hoch komplex. Die Ressourcenverteilung wird bei IBM bereits auf Betriebssystemebene in Zeitscheiben von lediglich 10 Millisekunden gesteuert und heißt dort \"Power Hypervisor“. Fujitsu Siemens hat - wie es sich für einen Hype gehört - für ähnliches wieder andere Namen. \"FlexFrame“ konsolidiert mySAP-Welten, die beliebten Blade-Server werden bei Fujitsu Siemens mit \"BladeFrames“ unter einen virtualisierten Hut gebracht. Zum BladeFrame gibt es auch konkrete TCO-Einschätzungen. Die britisch-asiatische Standard Chartered Bank hat jüngst ihre 1.200 Standorte in weltweit 50 Ländern darauf umgestellt und berichtet von einer im Vergleich zu herkömmlichen x86-Lösungen um 50 Prozent reduzierten TCO.

Mit einer gesteigerten Auslastung der CPUs alleine lassen sich solche Zahlen nicht erklären. Dazu kommen Faktoren wie kleinere Stellflächen, reduzierte Stromkosten und Wärmeabgabe oder vereinfachtes Systemmanagement. Ein wichtiger Punkt, wo die Virtualisierung schon in kleinsten Umgebungen ihre Vorteile ausspielt ist das Risikomanagement. Bei minimalen Server/Client-Konfigurationen werden ausfallende Komponenten zwar nicht dynamisch sondern manuell ersetzt. Die Wiederherstellung des Systems erfolgt jedoch faktisch auf Mausklick. Dazu kommt, dass sich virtuelle Maschinen einfacher gegen Viren oder Würmer abschotten lassen. Alles Vorteile, die auch Microsoft nicht entgangen sind. Der Softwareriese verteilt seinen \"Virtual Server 2005 R2“, der auch Bestandteil der kommenden Serverprodukte sein wird, als kostenfreien Download. Im Virtual Server arbeitet der \"Hypervisor“, eine kleine Zwischenschicht die ähnlich wie auf IBMs Mainframe bereits auf Betriebssystemebene die Ressourcenaufteilung steuert. \"Es gibt derzeit einige Mitbewerber, die das besser machen. Wir sind in österreich einer Spielphase“, gibt sich Hans Berndl, Server-Spezialist bei Microsoft, bescheiden. Noch, muss man wohl ergänzen. Denn wenn der Softwareriese einen Markt ins Visier genommen hat, darf sich der Mitbewerb warm anziehen. Die Zielrichtuntung ist auch schon abgesteckt. \"Wir bringen die Virtualisierung auf Commodity-Hardware“, sagt Berndl. Die Zeit dafür ist günstig. Die CPU-Hersteller Intel und AMD rüsten ihre neuesten Prozessoren bereits mit Virtualisierungs-Erweiterungen aus. Ein lohnender Massenmark zeichnet sich daher schon ab. Am Support wird es auch nicht scheitern. Microsoft unterstützt virtuelle Software genauso wie \"echte“ und steht damit nicht alleine. Auch Fujitsu Siemens sieht die Zukunft des \"Dynamic Data Centers“ nicht nur im Rechenzentrum. \"Die Technologie wird als Digital Home beim Endanwender die Unterhaltungssysteme steuern“, prophezeit Vertriebschef Wolfgang Mayer. Es ist also höchste Zeit, sich schon heute damit auseinander zu setzen.

Virtualisierung auf dem Prüfstand
Wie in der wirklichen Welt ist auch bei der Virtualisierung nicht alles schwarz oder weiß. So steigt beispielsweise der Komplexitätsgrad für das Systemmanagement enorm an. Ist die Implementierung jedoch erst geschafft, wird das Handling zum \"Kinderspiel“. Die Bestandsaufnahme ist nicht in Stein gemeißelt. Microsoft und die Linux-Distributoren wollen die Virtualisierung auf dem Desktop etablieren, wovon auch Kleinbetriebe und selbst Endbenutzer davon profitieren werden. Die wesentlichen Vor- und Nachteile der Vitrualisierung:

Plus: Entkoppelt die Betriebssysteme von der darunter liegenden Hardware
Plus: Ressourcen können beliebig zugeteilt und dynamisch vergeben werden
Plus: Das Risikomanagement erlebt bei Ausfallssicherheit oder Viren einen Quantensprung
Plus: Auslastungsgrad und somit auch Kosteneffizienz der Server steigt
Plus: Das Speichermanagement wird entlastet
Plus: Minimierung von Platz/Strom-Bedarf und Wärmeabfuhr
Minus: Virtualisierung ist oft noch ein \"Minderheitenprogramm“ für Großunternehmen
Minus: Der Aufwand für die Installation steigt deutlich an
Minus: Die Komplexität der Systeme nimmt dramatisch zu

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Faszination Zukunft

Report: Was ist ein Trend?
Matthias Horx: Ein Trend ist nichts anderes als eine Veränderungsbewegung oder ein Wandlungsprozess. Man findet Trends in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens, von der ökonomie über die Politik bis zur Konsumwelt und in den unterschiedlichsten Durchdringungstiefen. Es kann sich um reine Oberflächenphänomene oder um tiefe, nachhaltige Strömungen handeln.

Woher kommt der Begriff \"Trend“ und wofür steht er?
Der Begriff \"Trend“ tauchte zum ersten Mal Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit Aktien und Börsenkursen auf, wurde dann von den Mathematikern aufgegriffen und führte bis etwa in die 90er Jahre ein relatives Schattendasein. Heute ist \"Trend“ für viele Menschen synonym mit einer \"kurzfristigen Mode im Bereich von Jugendmarketing“. Mit dieser Art von Modetrends hat die moderne Trend- und Zukunftsforschung allerdings nur am Rande zu tun. Wir arbeiten mit einem gestaffelten System, in dem es die unterschiedlichsten Arten von Trends gibt (siehe Glossar). Die Kunst der wissenschaftlichen Trendforschung besteht nun darin, die einzelnen Veränderungs-Phänomene richtig zu diagnostizieren und in dieses Rastersystem sinnvoll einzuordnen.

Kann man Trends machen?
Man kann natürlich ein Produkt in den Markt drücken, in dem man sehr viel Geld für die Kommunikation ausgibt und behauptet, das Produkt sei \"hip“ oder \"angesagt“. Aber das geht eben nur im Bereich von Moden und Produkten. Und es ist auch nicht sonderlich Ziel führend. Denn wenn man den Werbedruck wieder wegnimmt, bricht dieser Markt sofort in sich zusammen. Richtige soziokulturelle Trends und Megatrends kann man nicht herstellen, sie entstehen in den Tiefen der sozialen Wandlungsprozesse und haben ökonomische oder andere fundamentale Wurzeln und Ursachen.

Ist es überhaupt möglich, die Zukunft zu prognostizieren?
Zukunft ist zunächst einmal nicht deterministisch, jedenfalls nicht, wenn es um komplexe Systeme wie ökonomien, Märkte und Gesellschaftssysteme geht. Märkte können zusammenbrechen oder blühen, Gesellschaften scheitern oder sich weiterentwickeln, ökonomien ins Schlingern geraten oder neue Wertschöpfungsketten generieren. All dies hat jedoch gewisse Wahrscheinlichkeiten und Bedingungen, in denen eben nicht nur Zufall regiert. Und diese wiederum kann man messen und bewerten.

Worum geht es also in der Zukunftsforschung konkret?
In der Zukunftsforschung, wie wir sie betreiben, geht es weniger um die exakte Vorhersage, sondern um evolutionäre Wahrscheinlichkeiten. Wer die inneren Gesetze komplexer Trends kennt, kann zumindest gute Szenarien bauen. Szenarien sind Was-Wäre-Wenn-Annahmen, die ein bestimmtes Zukunfts-Thema unter verschiedenen Bedingungen durchspielt. Dabei geht es darum, die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Faktoren besser verstehen zu lernen. Zukunftsforschung ist in diesem Kontext also eine Art Spiegelung. Durch den Blick in das mögliche Morgen verstehen wir das Heute besser. Wir werden handlungs- und entscheidungsfähiger, wir lernen, uns auf Herausforderungen einzustellen. Das ist Ziel und Ethos der Zukunftsforschung: Die Future Fitness von Unternehmen, Individuen und Gesellschaften zu erhöhen.

Sehen Sie in der Trend- und Zukunftsforschung eine Wissenschaft oder eher eine Kunstform?
Grundsätzlich basiert jede wissenschaftliche Methodik auf der Wiederholbarkeit von Experimenten. In diesem Sinn ist Zukunftsforschung durchaus verifizierbar, weil die Realität ja zeigt, ob die Annahme, also die Prognose, richtig war. Und weil die praktische Anwendung von bestimmten Trend-Thesen in Marketing- und Innovationsprozessen zeigt, ob diese Thesen richtig oder falsch waren. Die neuere Trend- und Zukunftsforschung ist überdies aber der Versuch der ständigen Weiterentwicklung einer neuen Universalwissenschaft. Dabei beziehen wir uns auf neuere, symbiotische Wissenschafts-Disziplinen wie Evolutionsbiologie, Kultur-Anthropologie, Systemische Anthropologie, Neurowissenschaften, Evolutionäre Kognitionswissenschaften, Konsum-Anthropologie, ja sogar \"Ethno-Philosophie“ und \"Neuro-ökonomie“. Diese Disziplinen, die in den Schnittstellen der alten Wissenschaften entstehen, versuchen wir, in eine ganzheitliche Betrachtungsweise hochkomplexer dynamischer Prozesse zu integrieren. Dass dieser Prozess ehrgeizig ist und nie enden wird, liegt auf der Hand. Aber das ist es ja gerade, was uns daran so fasziniert, wie an der Zukunft selbst!

Mehr Infos: www.zukunftsinstitut.at

Glossar: Vier Arten von Trends

Metatrend: Die langfristigen Veränderungswellen finden wir in der Natur. Sie finden sich überall in lebenden Systemen, auch in Gesellschaften. In der Natur gelten die Evolutionsgesetze. Viele dieser Gesetze lassen sich auch vermittelt auf Wandlungsbewegungen in modernen Gesellschaften anwenden. Zivilisationsformen bieten die nächst höhere Welle des Wandels.
Beispiele: Der übergang von agrarischen Gesellschaften in Industriegesellschaften; Der Wandel zur Wissensökonomie

Megatrend: Megatrends sind Blockbuster der Veränderungen und des Wandels. Um einen Megatrend diagnostizieren zu können, müssen drei Voraussetzungen gegeben sein. Der Trend muss eine Halbwertszeit von mindestens 25 bis 30 Jahren haben. Der Trend muss in allen möglichen Lebensbereichen auftauchen und dort Auswirkungen zeigen und Megatrends haben prinzipiell einen globalen Charakter.
Beispiele: Globalisierung; Individualisierung; Mobilität; Alterung der Gesellschaft;

Konsumtrend: Dies sind mittelfristige Veränderungen, die von den Lebensgefühlen der Menschen im sozialen Wandel geprägt werden, sich aber auch stark in den Konsum- und Produktwelten bemerkbar machen. Die größeren von ihnen haben eine Halbwertszeit von 5-8 Jahren.
Beispiel: \"Geiz ist Geil“-Trend; Wellness-Welle; Handy-Boom

Produkttrend: Dies sind flüchtige, oberflächliche und marketinggesteuerte Phänomene, die eher im Bereich einer Saison bzw. eines halben Jahres stattfinden.
Beispiele: Tamagotchi, Mini-Scooter, Plastikarmbänder

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Die Schiene boomt

Im Jahr 1996 startete die InnoTrans mit 172 Ausstellern und einer Bruttofläche von 10.000 Quadratmetern. Zehn Jahre später bevölkern über 1.600 Aussteller eine Fläche von mehr als 120.000 Quadratmeter und locken 66.000 Besucher aus 109 Ländern nach Berlin.
Der internationale Besucheransturm lässt sich auch mit einer Studie der SCI Verkehr GmbH erklären. Der Weltmarkt für Bahntechnik ist knapp 100 Milliarden Euro schwer - Tendenz steigend. Das jährliche Wachstum liegt bei zwei bis drei Prozent. Die zumindest temporär schwächere Entwicklung in Westeuropa wird kompensiert durch die expandierenden asiatischen Märkte und Impulse aus Südafrika, dem Nahen Osten und Südamerika. Schon die Anreise zum Messegelände zeigt, dass hier nicht irgendeine Messe stattfindet, sondern eine Messe, die sich im Laufe der Jahre zu einer internationalen Leitmesse entwickelt hat. Die Geräuschkulisse in den Berliner S- und U-Bahnen, die die InnoTrans ansteuern, ist ein kunterbuntes Sprachen-Potpourri, das selbst für eine internationale Stadt wie Berlin nicht alltäglich ist. So vielfältig der Sprachenmix, so einheitlich ist das äußere Erscheinungsbild. Ernst dreinblickende Geschäftsleute, vornehmlich mit dunklen Anzüge und Krawatte und fast ausschließlich männlichen Geschlechts. Den Weg vom Bahnhof zur Messe geht man nicht, man schwimmt mit der Masse. Ein erstes Durchatmen gibt es erst nach dem Passieren der Eingangskontrollen.
Doch schon die schiere Größe des Messegeländes hat zur Folge, dass man sich im ersten Moment etwas verloren vorkommt. Es gilt die Herausforderung zu meistern, sich in den insgesamt 16 Hallen auf zwei Etagen, komplettiert mit 20.000 Quadratmetern Freigelände, zurecht zu finden - was deutlich besser gelingt als auf der eben in Wien zu Ende gegangenen Viennatec. Selbst wenig einschlägig vorbelasteten Messebesuchern geht der überblick nie restlos verloren. Dafür sorgen zahlreiche Informationsstände, ein gut ausgeschildertes Wegenetz und vor allem die thematische Gliederung.

Die Themen
Sieben große Bereiche prägen die InnoTrans: \"Railway Technology\", \"Railway Infrastructure\", \"Interiors\", \"Public Transport\", \"Transport IT\", \"Services\" und 2006 erstmals mit an Bord, die \"Tunnel Construction\".
Star der Veranstaltung ist aber wie bei jeder Auflage der InnoTrans das Freigelände: Das direkt an das Messegelände angebundene Schienennetz ist Präsentationsfläche für ganze Zuggarnituren, Straßenbahnen, Regionalbahnen und Lok-Innovationen. Zu sehen gibt es unter anderem den Hochgeschwindigkeitszug Velaro E von Siemens Transportation Systems, die Dreisystemlok Rh1216 für die öBB und der Asiarunner AR 15 für Vietnam. Alstom Transport zeigt und anderem die Regio Citadis für Kassel - die weltweit erste Regionalstadtbahn in Hybridvariante auf Normalspur, die auf dem städtischen Netz als Straßenbahn und im Umland auf dem Eisenbahnnetz als Dieseltriebzug fahren kann. Von Vossloh Transportation gibts die europaweit stärkste dieselelektronische Lokomotive, die Euro 4000, zu sehen und Bombardier ist mit der neuesten Generation moderner Niederflur-Reisezugwagen angereist.

Innovationstrends
Im Rahmenprogramm der Fachmesse gibt das Dialog Forum einen Einblick in aktuelle Entwicklungen der Bahntechnik im Bereich Fahrzeuge und deren Subsysteme. Seitens der Unternehmen, Forschungseinrichtungen, der Verbände und Behörden soll das Hauptaugenmerk auf die Interoperabilität und Kompatibilität gerichtet werden, um europaweit bestehende Netze besser miteinander verknüpfen zu können. Einheitliche Standards sollen Kosten senken, die Akzeptanz der Systeme verbessern, Risiken verringern und globale Wettbewerbsfähigkeit garantieren. Im Hochgeschwindigkeitsbereich sollen Doppeldeck-Züge die Kapazitäten erweitern und im Stadtverkehr die \"Wireless Tram\", eine Straßenbahn ohne Oberleitung, Einzug halten. Zudem soll durch eine modulare Bauweise auch das \"Gesicht\" der Züge individuell an die Wünsche der Kunden angepasst werden.

Der Erfolg
Zwar hat die Messe laut Aussagen zahlreicher Aussteller etwas behäbig begonnen, am zweiten Tag hat sie aber so richtig Fahrt aufgenommen. 50.000 Besucher wurden erwartet, 66.000 sind es schließlich geworden. Zwar sollten die nackten Zahlen nicht überbewertet werden, schließlich ist Quantität nicht gleich Qualität, die Kommentare der Entscheidungsträger zeigen aber, dass die InnoTrans auch in Sachen Qualitäöt ihre Hausaufgaben gemacht hat. André Navarri, Präsident Bombardier Transportation, spricht von einem \"einzigartigen Großereignis für die Bahnindustrie\". John Dineen, CEO von General Electric Transportation, bezeichnet die InnoTrans \"globales Schaufenster der Branche\" und für Philippe Mellier, Präsident Alstom Transport, ist die Messe \"der Platz, wo man alle Entscheidungsträger der Branche trifft\". Auf den Punkt bringt es Owen McConn, Chairman Unilokomotive Limited: \"Wir hatten an einem Tag auf der InnoTrans mehr gute Kontakte als in fünf Jahren Direktmarketing.\"
Der internationale Besucheransturm lässt sich auch mit einer Studie der SCI Verkehr GmbH erklären. Der Weltmarkt für Bahntechnik ist knapp 100 Milliarden Euro schwer - Tendenz steigend. Das jährliche Wachstum liegt bei zwei bis drei Prozent. Die zumindest temporär schwächere Entwicklung in Westeuropa wird kompensiert durch die expandierenden asiatischen Märkte und Impulse aus Südafrika, dem Nahen Osten und Südamerika.

Großer Bahnhof
Den Abschluss bilden traditionell die Publikumstage. Nach Abschluss der Fachmesse öffnen sich die Tore des Freigeländes für junge und jung gebliebene Eisenbahnfans. Mehr als 25.000 Besucher nutzen die Gelegenheit, um die schnellsten und stärksten Loks der Welt sowie hochmoderne Züge verschiedener Hersteller zu besichtigen. Aber auch Eisenbahnnostalgiker kommen nicht zu kurz, ihrer Leidenschaft wird mit einer Fahrt im Führerstand einer Dampflokomotive aus dem Jahre 1944 entsprochen.

Hier einige (subjektive) Highlights der InnoTrans:

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RFID im Gesundheitswesen

Von Claudia Bräuer

Wenn über den Nutzen von RFID-Systemen gesprochen wird, denken viele in erster Linie an die Logistik-Branche. Radio Frequency Identification (RFID) bietet diesen Unternehmen eine große Auswahl an Möglichkeiten, den Transport beziehungsweise die Warenübergabe zwischen den Herstellern und den Empfängern erheblich zu vereinfachen. Nun werden auch im Gesundheitswesen zunehmend RFID-Lösungen eingesetzt: Erste Pilotprojekte in der Patientenversorgung oder im Bettenmanagement zeigen eine deutliche Vereinfachung vieler Prozesse, die auch den Alltag von Privatpersonen erleichtern sollen.

Kleiner Chip als Lebensretter. Zusammen mit MedicAlert erprobt Siemens Business Services (SBS) derzeit den Einsatz von RFID in der Notfallversorgung. MedicAlert ist eine der weltweit größten gemeinnützigen Organisationen im Bereich der Notfallmedizin. Die ersten 3500 Teilnehmer werden in Kürze mit einer Plastikkarte (im Kreditkartenformat) mit RFID-Chip ausgestattet, auf der ihre medizinischen Informationen, wie zum Beispiel etwaige Allergien oder der allgemeine gesundheitliche Zustand, gespeichert sind. Sanitäter können diese Daten im Notfall mit einem PDA, auch durch die Kleidung oder die Geldbörse, in Sekunden erfassen, was eine sichere Erstversorgung gewährleisten soll.

Wird der Patient später ins Spital eingeliefert, passiert er am Eingang der Notaufnahme nochmals installierte Lesegeräte. Erkennen sie seine RFID-Karte, stellen sie automatisch eine Verbindung zu Datenbank von MedicAlert her. Das behandelnde Personal hat so blitzschnell die detaillierte medizinische Vorgeschichte des Patienten im Behandlungsraum zur Verfügung. \"MedicAlert RFID ist der Schlüssel zur Patientenakte. Im Ernstfall können diese Informationen Leben retten\", betont Paul Kortschak, Vorsitzender und CEO MedicAlert.

Patiententracking mit RFID. RFID-Chips werden aber nicht nur bei der Notfallversorgung eingesetzt. Patientenarmbänder von Siemens werden derzeit im Klinikum Saarbrücken und im New Yorker Jacobi Medical Center verwendet. Dort informieren Funkarmbänder die ärzte schon beim Händeschütteln mit dem Patienten über die Krankengeschichte ihres Gegenübers. Der RFID-Chip hat Daten des Trägers gespeichert, die ein Arzt mit einem Handheld-Computer oder Laptop auslesen kann. Die Technik soll die Behandlung und Verwaltungsvorgänge transparenter, wirtschaftlicher und die Identifikation der Patienten sicherer machen. \"Wir erhalten nicht nur eine hundertprozentige Fehlerfreiheit bei der Patientenidentifizierung, sondern sparen auch Zeit bei der Behandlung, da die ärzte und Schwestern die notwendigen Patienteninformationen direkt am Bett bekommen\", zeigt sich Daniel Morreale, CIO im Jacobi Medical Center, zufrieden.

Intelligente Bettenpflege. Krankenhäuser geben jährlich Unsummen für die Reinigung von Betten und Matratzen aus. In Zeiten knapper Gesundheitskassen sind hier Wege zur Kostenein-sparung gefragt. In Deutschland läuft in den Städtischen Kliniken Bielefeld ein Pilot-Projekt von SBS, bei dem RFID-Chips die Reinigungsprozesse bei Klinikbetten optimieren und dadurch deren Auslastung verbessern sollen. Bisher wurden sämtliche Betten der Städtischen Kliniken in der zentralen Aufbereitung des Krankenhauses einer aufwändigen Komplettreinigung unterzogen - egal, ob der Patient wenige Stunden oder mehrere Tage darin gelegen hat, ob er eine hoch infektiöse Krankheit oder nur einen verstauchten Fuß hatte. Das Krankenhaus konnte auch nicht erkennen, wie lange ein Bett in der Aufbereitung stand, bevor es wieder auf eine Station ausgeliefert wurde. Da schaffen die Funk-Chips jetzt Klarheit. \"Im Rahmen des Pilot-Projektes brachte Siemens auf einer ausgewählten Station, an jedem Bett und an jeder Matratze einen RFID-Chip an, um das Geschehen ständig per Funk zu begleiten\", erklärt Thomas Jell, Direktor RFID bei Siemens Business Services. Die Chips funken ihre Daten an den Ein- und Ausgängen der Station und der zentralen Bettenaufbereitung an entsprechende RFID-Lesegeräte - von dort fließen die Daten in eine Datenbank, wo sie gespeichert werden.

RFID-Einsatz in österreich. Das interaktive \"St. Anna Fernsehen\" wiederum verfolgt das Ziel, den schwierigen Spitalsalltag von jungen Patienten im Wiener Kinderspital zu erleichtern. Angeboten werden altersgerechte Informationsfilme über die Erkrankungen und den menschlichen Körper, Zeichentrickfilme, Spiele oder Universum-Dokumentationen. Erstmals wird beim St. Anna Fernsehen ein RFID-Chip zur Personalisierung der Inhalte verwendet. Die Kinder bekommen ein Stofftier, in dem der Chip eingenäht ist und der berührungslos per Funk die Daten des Kindes an ein Lesegerät sendet. Wird das Stofftier auf den RFID-Reader gesetzt, so übermittelt dieser den Zugangscode an den Server. Die Medienplattform erkennt nun automatisch Alter, Sprache und Krankheitsbild des Kindes und liefert via Breitband-Internet die passende Programmauswahl an die Set-Top-Box, die diese wiederum am Fernsehgerät darstellt. Mit der Fernbedienung kann das Kind nun auswählen, was es gerne sehen möchte. Die Besonderheit des St. Anna Fernsehens besteht darin, dass den jungen Patientn ein jeweils altersgerechtes Programm in ihrer Muttersprache angeboten wird: Derzeit gibt es Beiträge in Deutsch, Türkisch und Serbisch bzw. Kroatisch. \"Für uns bringt es vor allem den unschätzbaren Vorteil, dass die altersgerechten Filme über Krebs und die Behandlungsmethoden die Therapie unterstützen, indem sie zu einem besseren Verständnis der Erkrankung beitragen\", erklärt Dr. Reinhard Topf, Leiter der Psychosozialen Gruppe des St. Anna Kinderspitals und Projektleiter.

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»Man muss sich ehrgeizige Ziele setzen«

Von Angela Heissenberger

Die 50-jährige Siemens-Chefin macht aus ihrer Präferenz für eine große Koalition keinen Hehl, wenn sie sich eine Regierung wünscht, »die auf breiten Beinen steht, diese aber auch zum Gehen benützt«. Schließlich gehörte sie unter Bundeskanzler Vranitzky als Europastaatssekretärin ebenfalls einer rot-schwarzen Regierung an.
Ihr Interesse am politischen Geschehen ist ungebrochen, fad wird Ederer aber auch im neuen Job nicht. Kaum hatte sie - überraschend glatt - den Kauf der VA Tech über die Bühne gebracht, standen bei der früheren Elin, heute Siemens Gebäudetechnik, Kündigungen ins Haus. Nun gibt es bei der Umstrukturierung des Telefonanlagenbereichs Brösel mit Mitarbeitern und Gewerkschaft.

(+) plus: Wenn Sie die Koalitionsverhandlungen mitverfolgen, sind Sie froh, aus der Politik ausgestiegen zu sein?
Brigitte Ederer:Koalitionsverhandlungen sind mit Sicherheit spannend, da hier die Schienen für die nächsten vier Jahre gelegt werden.

(+) plus: Wären Sie noch gerne mit dabei?
Ederer: Die Frage stellt sich für mich nicht. Aber es ist nicht so, dass ich mir denke: Gott sei Dank bin ich weg.

(+) plus: In einem Interview haben Sie einmal Politik als »die undankbarste, kränkendste, aber auch faszinierendste Tätigkeit der Welt« bezeichnet.
Ederer: Das ist ein weiser Ausspruch, finde ich. Das würde ich noch immer hundertprozentig unterstreichen.

(+) plus: Ist der Job als Generaldirektorin wirklich dankbarer?
Ederer: Ja, dankbarer, planbarer und in der Regel weniger mit öffentlichen Kränkungen versehen.

(+) plus:Auch wenn Sie Mitarbeiter entlassen müssen?
Ederer: Das ist der Teil, der am stärksten belastend ist. Für mich jedenfalls.

(+) plus:Im Softwarehaus PSE rüstet sich die Belegschaft bereits mit Kampfmaßnahmen gegen geplante Entlassungen.
Ederer: Es wird keine Entlassungen geben. Das Unternehmen hat entschieden, weltweit die Telekommunikationsaktivitäten herauszunehmen. Ein Teil wird mit Nokia-Siemens zu einem zukunftsträchtigen Neuen verschränkt, für den anderen Teil mit 200 Mitarbeitern in der Forschung und Entwicklung sucht man noch einen Käufer. Es geht nur um das Herausnehmen dieser 200 von der PSE in eine andere Gesellschaft. Es wird keine Lohnkürzungen geben, der Kollektivvertrag wird nicht geändert und es wird zu keinen Kündigungen kommen.

(+) plus: Die Belegschaft bezeichnet das als »Filetierung des Unternehmens«. Haben Sie als Sozialdemokratin Verständnis für diese Proteste?
Ederer: Da geht es nicht um mein Verständnis als Sozialdemokratin, sondern der Konzern hat entschieden, sich weltweit von der Telefonie zu trennen.

(+) plus: Weil das der Bereich ist, der am wenigsten einbringt.
Ederer: Der Bereich hat international - bei uns ja nicht - die größten Schwierigkeiten. Ich sehe hier aber keine weltbewegenden, grausamen Maßnahmen. Da gibt’s viele Kolleginnen und Kollegen, die haben andere Sorgen. Wir haben bei der Gebäudetechnik 250 entlassen müssen. Das ist wirklich ein Problem, und auch schwer für mich selbst. Aber ob die jetzt in der PSE oder in der COM-E arbeiten - dafür fehlt mir, ehrlich gesagt, das Verständnis. Die IT-Strukturen bleiben gebündelt erhalten. Weitere Teilungen sind nicht geplant.

(+) plus: Wie geht es Ihnen, wenn Sie Kündigungen aussprechen müssen?
Ederer: Ich bin für das Unternehmen verantwortlich und muss Maßnahmen setzen, damit langfristig Gewinne erwirtschaftet werden, denn nur so bleibt ein Unternehmen im heutigen Wirtschaftssystem erhalten. Manchmal macht das einen Riesenspaß, wenn man neue Entwicklungen durchführen kann, und manchmal belastet es, wenn es um den Abbau von Mitarbeitern geht. Aber beides ist notwendig für den weiteren Erhalt.

(+) plus: Wie sieht Ihre persönliche Bilanz des ers-ten Jahres als Generaldirektorin aus?
Ederer: Es gab mehr Veränderungen im Portfolio des Unternehmens, als ich eigentlich erwartet hatte: die Telefonie, die Integration der VA Tech. Das waren schon Riesenbrocken. Das haben wir aber ganz gut geschafft. Nur bei der Gebäudetechnik, der ehemaligen Elin, mussten wir Mitarbeiter abbauen. Aber in der Industrie läuft es sehr gut, wir haben kaum Kunden aufgrund des Zusammengehens verloren. Natürlich ermöglicht auch die Konjunktur eine bessere Integration.

(+) plus: Nach langem Zögern hat der Siemens-Konzern doch für die Errichtung des Mautkompetenzzentrums in österreich entschieden. Welche überlegungen waren für die Standortwahl letztlich ausschlaggebend?
Ederer: Unser Know-how. Was die elektronische Mauterhebung mit Satellitenkompetenz betrifft, befindet sich das gesamte Know-how in österreich.

(+) plus: Warum hat sich die Entscheidung dann über ein Jahr hingezogen?
Ederer: Weil der Konzern insgesamt überlegt hat, ob er in diesem Bereich weiter einsteigt oder nicht. Die deutsche und die österreichische Maut waren vergeben, und da gab es natürlich die Diskussion, ob wir uns glaubwürdig positionieren können, wenn wir am Heimmarkt nicht mit dem satellitengestützten System gewonnen haben. Es hätte dem Kompetenzzentrum und dem ganzen Land geholfen, wäre die österreichische Maut anders vergeben worden. Das war eine einmalige Chance, in österreich mit einer Zukunftstechnologie ganz weit vorn zu sein. Das wollte man nicht. Man hat sich auf die sichere Seite der »Mikrowelle« geschlagen, die natürlich eine erprobte, aber »alte« Technologie ist.

(+) plus: Vielleicht auch kostengünstiger?
Ederer: Wir haben vielleicht ein bisschen zu konservativ kalkuliert, weil wir die Risken der neuen Technologie höher eingeschätzt hatten. Heute sehe ich das nicht mehr so riskant, damals haben uns noch Erfahrungswerte gefehlt. Aber es war am Ende des Tages nicht der Preis.

(+) plus: Siemens österreich verzeichnete im Vorjahr ein hervorragendes Ergebnis - nicht zuletzt aufgrund des großen Wachstums in Osteuropa. Werden Sie diesen Erfolgskurs fortsetzen können?
Ederer: Wir verlieren auch im Osten die Telefonie, die dort ein starkes Standbein war. In den nächsten Jahren müssen wir deshalb die Infrastruktur, Energieversorgung etc. weiter vorantreiben. Da bin ich eigentlich zuversichtlich, weil all diese Länder einen großen Nachholbedarf haben. Wir haben uns intern vorgenommen, den Umsatzrückgang durch den Wegfall der Telefonie in den nächsten drei bis vier Jahren aufzuholen. Das ist ehrgeizig, da haben Sie Recht, aber man muss sich ehrgeizige Ziele setzen. Es kommt auf die Entwicklung der Länder an. Wenn diese stark in die Infrastruktur investieren, wird es leichter möglich sein.

(+) plus: Derzeit ist Siemens in sieben Oststaaten vertreten. Planen Sie weitere Niederlassungen?
Ederer: Im Moment müssen wir wieder den ganzen Schwerpunkt auf die Absicherung dieser Standorte legen. Wir hatten diese sieben Länder schon relativ gut positioniert. Jetzt geht’s wieder um zwei, drei Felder zurück. Zur Zeit ist das deshalb kein Thema, aber das kann in ein paar Jahren schon wieder anders sein.

(+) plus: Vor kurzem haben Sie in Kooperation mit der Stadt Wien ein Trinkwasserkraftwerk eröffnet. Inwieweit haben Sie Ihre politischen Kontakte für diesen Auftrag spielen lassen?
Ederer: überhaupt nicht. Lange vor mir waren unsere Leute schon in der elektrischen Installation der Wasserversorgung tätig. Gemeinsam mit den Wasserleuten hatten sie die Idee, den Druck, mit dem das Wasser vor der Verteilung in die Wiener Haushalte - sehr vereinfacht gesagt - »abgebremst« wird, für ein Kraftwerk zu nützen. Für die ökologisierung ist es ein kleiner, aber sehr beeindruckender Mosaikstein. Die Idee kam von den Mitarbeitern. Ich hatte mit dem Projekt erst zu tun, als wir den Vorschlag im Vorstand beschlossen haben.

(+) plus: Haben Sie im Unternehmen ein eigenes System, um solche Ideen zu fördern?
Ederer: Wir haben ein sehr strukturiertes Vorschlagswesen, einen Innovationstopf und ein ziemlich ausgeprägtes Patentwesen - da gibt’s eine gute Struktur, um auf das intellektuelle Wissen zurückzugreifen.

(+) plus: Und da können sich alle Mitarbeiter einbringen?
Ederer: Jeder. Die Section Control war zum Beispiel die Idee von einer Reinigungsfrau. Deren Bruder hatte einen Unfall in einem Tunnel und sie hat gesagt: »Ihr seids doch eh so gscheit, warum kann man nicht messen, wie schnell einer hinein- und hinausfährt?« Das war die Grundüberlegung.

(+) plus: Zurzeit regnet es Auszeichnungen für Sie - Wiener Frauenpreis, WU-Managerin des Jahres. Was bedeuten Ihnen diese Preise?
Ederer: Das ist eine Alterserscheinung. Ich kämpfe mit der Frage, warum man so etwas bekommt. Es hat mit dem Alter und der Position an sich zu tun, und schon auch mit einem Lebenslauf, der halt nicht oft so ist wie meiner. Aber ich weiß genau, dass in fünf Jahren der »Manager des Jahres« in der Bewertung der Menschen nichts zählt.

(+) plus: Möglicherweise weiß schon nächstes Jahr niemand mehr, wer eigentlich heuer die Auszeichnung bekommen hat.
Ederer: Stimmt. Und das muss man sich immer vor Augen halten. Es freut mich, es ist eine Anerkennung. Allein wie viele Menschen das registrieren, beeindruckt mich mittlerweile. Aber es ist etwas, das nächstes Jahr vergessen ist.

(+) plus: Was sehr stark im kollektiven Gedächtnis der österreicher verhaftet ist, ist der berühmte »Ederer-Tausender«. Werden Sie noch manchmal darauf angesprochen?
Ederer: Ja, klar. Und das Mock-Busserl! Am Samstag war ich einkaufen, da steht einer bei der Busstation und sagt: »Ederer, wo is’n jetzt der Tausender?« Wenn es einen Nachruf nach meinem Ableben geben wird, kann ich Ihnen schon jetzt sagen, was drinnen stehen wird, egal was ich noch mache: das Mock-Busserl und der Ederer-Tausender. Das war’s. Alles andere wird in Vergessenheit geraten.

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Routenplanung auf Touren

Der Informationslogistik-Anbieter Transflow vertreibt ab sofort als Solution-Partner den \"map\"guide iNETServer\", eine Serveranwendung für automatisierte Routen- und Maut-Ermittlung. Das Tool wurde von dem deutschen Routingspezialisten Map\"Guide erstellt und erweitert das von Transflow entwickelte Transport- und Warehouse-Management-System \"LBASE\" um geografische Funktionen.

Der map\"guide-Server wird über eine TCP/IP-Schnittstelle als Zusatzprodukt in LBASE eingebaut und liefert vernetzten Nutzergruppen vielschichtige raumbezogene Informationen, visualisiert in digitalisierten Karten. Transflow dann automatisierte, europaweite Tourenplanung - inklusive der Routenoptimierung nach Luftlinie, Straßenkilometern und Zeitfenstern, die Entfernungsberechnung und die Ausweisung von Mautgebühren für Deutschland und österreich sowie für Sondermauten in Italien oder etwa Frankreich.

Als integraler Bestandteil von LBASE stellt der iNETServer die ermittelten Daten automatisch zur Weiterverarbeitung im System zur Verfügung, etwa für die Transportkosten-Abrechnung. \"iNETServer ist eine logische Erweiterung von LBASE und bereits bei mehr als 350 Unternehmen erfolgreich erprobt. Logistikunternehmen automatisieren damit die Entfernungsermittlung und sparen administrativen Aufwand - gerade beim Thema Mautgebühren“, so Roland Böhme vom Transflow-Vertrieb.

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