Cloud-Services: Stärkung des europäischen Marktes

Foto: Pearse O’Donohue: »Europäische Cloud-Betreiber müssen ihre Ressourcen bündeln, um einen Industriestandard zu erarbeiten – dann gibt es auch keinen unfairen Wettbewerb.« Foto: Pearse O’Donohue: »Europäische Cloud-Betreiber müssen ihre Ressourcen bündeln, um einen Industriestandard zu erarbeiten – dann gibt es auch keinen unfairen Wettbewerb.« Foto: Schedl

Auf Initiative des Cloud-Service-Anbieters Fabasoft luden die beiden EU-Arbeitsgruppen CSPCert und ­SWIPO zu einer hochkarätig besetzten Konferenz in Wien zum Thema »Cybersecurity und Cloud Computing: So ­erreicht Europa den ultimativen Wettbewerbsvorteil am digitalen Weltmarkt«.

Im Rahmen der großen Konferenz »DSM (Digital Single Market) Cloud Stakeholder« wurde am 6. Dezember in der Wiener Aula der Wissenschaften über die Bedeutung von Cloud Computing für den europäischen Binnenmarkt und den Arbeitsfortschritt der beiden »Cloud Working Groups« berichtet. Der Direktor von Future Networks bei der DG Connect in der Europäischen Kommission, Pearse O’Donohue, sprach über die aktuellen Weichenstellungen zur Stärkung des digitalen Binnenmarkts und die Entwicklung hochwertiger Cloud- und Datendienste. In Bezug auf die jüngsten Regulierungsinitiativen, die den freien Fluss nicht personenbezogener Daten in Europa sowie den »EU Cybersecurity Act« betreffen, betonte O’Donohue die Rolle aktueller Selbstregulierungsinitiativen zur Schaffung einer besseren, sichereren und offenen Cloud-Umgebung.

Bild oben: Gastgeber Helmut Fallmann, Fabasoft: »Wir brauchen dringend einheitliche Cloud-Service-Standards für den ­Binnenmarkt. Den Fleckerlteppich unterschiedlicher Zertifizierungen in den Ländern ­können sich vor allem die KMU nicht leisten.«

Die Cloud-Industrie hat jetzt die einzigartige Möglichkeit, eine vertrauenswürdige und hochwertige Cloud-Umgebung aufzubauen, indem Verhaltensregeln in den Bereichen Anbieterwechsel, Sicherheitszertifizierung und Datenschutz entwickelt werden. Dieser »Code of Conduct« soll einen Wettbewerbsvorteil für den europäischen Cloud-Markt schaffen und vermeiden, dass weitere regulatorische Eingriffe erforderlich sind. Eine ausgewogene Vertretung der Player bei der Entwicklung von Verhaltenskodizes ist in dieser Hinsicht von zentraler Bedeutung. Verhaltenskodizes sollten auf der Zusammenarbeit zwischen Nutzern und Cloud-Anbietern basieren.

»Natürlich stehen Cloud-Unternehmen miteinander im Wettbewerb, aber sie haben aktuell die Wahl, entweder zusammenzuarbeiten, um Voraussetzungen zu schaffen, die sowohl für sie als auch die User passend sind. Die Alternative besteht in einer starren Regulierung ohne Mitspracherecht«, warnt Pearse O’Donohue. Da alle Unternehmen über dasselbe technische Know-how verfügen, hätten sie auch die gleichen Probleme betreffend Datensicherheit oder der Anforderung, dass Kunden bei einem Anbieterwechsel problemlos ihre Daten überspielen können. Die europäischen Cloud-Betreiber sollen der EU-Kommission zufolge nun ihre Ressourcen bündeln, um eine branchenweit funktionierende Lösung zu erarbeiten und zu einem Industriestandard zu gestalten. »Dann gibt es auch keinen unfairen Wettbewerb.«

Cloud-Ausschreibung

Der Programm-Manager Cloud Sector in der DG Digit der Europäischen Kommission, Javier Cáceres, gab in Wien einen Ausblick auf die kommende »Cloud II Phase II«-Ausschreibung zur Beschaffung von Cloud-Diensten für die EU-Institutionen. Ab dem nächsten Jahr werden unterschiedliche Cloud-Dienste-Kategorien zur Ausschreibung gelangen: SaaS Services (Software as a Service), IaaS und PaaS Services für Infrastruktur und Plattformen, sowie Cloud Professional Services. Das Ausschreibungsvolumen wird wohl über den 35 Millionen Euro der Erstausschreibung von 2014 liegen, konnte aber auch bei der Konferenz noch nicht für den gesamten nächsten Budgetrahmen beziffert werden. Dieser wird sich über den Zeitraum von 2021 bis 2027 erstrecken.

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