Digitale Transformation in Österreich: Hürden und Chancen

Fehlende Visionen und knappe Budgets sind die größten Hürden. Fehlende Visionen und knappe Budgets sind die größten Hürden.

Die zunehmende Vernetzung von Personen, Daten und Dingen verändert ganze Branchen, doch die Digitalisierung schreitet nicht auf allen Märkten gleichmäßig voran. Wo stehen Österreichs Unternehmen in Sachen digitale Transformation? IT-Spezialist Dell ist dieser Frage zusammen mit der Plattform Digitales Österreich im Rahmen einer Studie nachgegangen. Rund 100 Entscheidungsträger aus österreichischen Betrieben wurden dazu befragt.

Der Grundtenor der Studienergebnisse: Österreichs Unternehmer sind verunsichert bezüglich der Aufgaben und Herausforderungen, welche die Digitalisierung für ihr Unternehmen mit sich bringt. Dennoch sind sie grundsätzlich bereit, die sich bietenden Chancen der Digitalisierungswelle zu nutzen.

Für viele Führungskräfte ist dieser Begriff schwer zu fassen, es ist für sie unklar, was die technologischen Möglichkeiten und Veränderungen konkret für ihr Unternehmen bedeuten können. Hier gibt es aber auch kein Patentrezept. Es braucht Know-how von außen, um den passenden Weg zu finden, steigenden Kundenansprüchen gerecht zu werden. Features wie Kompatibilität mit verschiedenen Devices oder Always-on-Service stehen oben auf der Liste der Konsumentenwünsche an ein Unternehmen. Immerhin drei Viertel der Befragten gaben an, diese Ansprüche zumindest teilweise erfüllen zu können, knapp über die Hälfte inves­tiert laut eigenen Angaben zwischen 10 und 30 Prozent ihres Abteilungsbudgets in diese Richtung. Ein Viertel der Befragten gab allerdings an, nicht einmal zu wissen, wie viel Budget in ihrem Unternehmen aktuell in die Digitalisierung fließt.

Stolpersteine
Die größte Hürde für Veränderung ist offensichtlich ein Mangel an Budget und Ressourcen, ebenfalls ein Hindernis stellt das Fehlen einer schlüssigen Strategie und Vision für die digitale Zukunft des eigenen Betriebes dar. Die Hälfte der Befragten sieht auch ein Problem in traditionellen Prozessen, welche das Fortschreiten der Digitalisierung zurückhalten, dabei möchten sie aber durchaus mithilfe der Digitalisierung neue Geschäftsmodelle erschließen.

Für Verunsicherung sorgen bei den befragten Unternehmern aber auch Datenschutzfragen sowie die Informationsflut durch die sich schnell entwickelnden Technologien – beides Grund genug für viele Führungskräfte, sich nicht mit Digitalisierung zu beschäftigen. Insgesamt fehlt es an Kooperation und Harmonisierung innerhalb des Unternehmens, wenn digitale Transformation nicht richtig funktioniert. Derzeit investieren nur zehn Prozent in die Einbindung oder Entwicklung innovativer Technologien wie etwa Artificial Intelligence und multisensorische Technologien.

Verspätete Digitalisierungswelle
Im Vergleich dazu ist man in Deutschland schon einen Schritt weiter. Deutlich zeichnet sich die treibende Kraft hinter erfolgreichen Veränderungen in Richtung digitale Revolution ab: das Top-Management. In deutschen Unternehmen ist die Digitalisierung etablierter, da die Führungskräfte bereits eine vergleichsweise höhere Awareness haben und entsprechend investieren. In Österreich sind es meist noch Fachabteilungen und IT-Mitarbeiter, die digitale Strategien umsetzen wollen – dabei fehlt ihnen aber oft der Rückhalt durch das Management. Österreichs Unternehmer sind in Sachen Digitalisierungspläne für ihren Betrieb laut Umfrage generell noch relativ entspannt: Es fehlt derzeit noch das Bewusstsein für die Möglichkeiten digitaler Transformation und daher der Wettbewerb als treibende Kraft zur Weiterentwicklung. Es braucht in der Regel einfach länger, bis digitale Trends zu uns nach Europa und in diesem Fall nach Österreich herüberschwappen.



Foto: »Zwischen dem Silicon Valley und Wien liegt ein weiter Weg. Innovationen wie die Digitalisierungswelle erreichen uns daher oft mit Verzögerung«, erläutert Christian Rupp, Sprecher der Plattform Digitales Österreich.

»In der starken Veränderung sehen Öster­reichs Top-Unternehmer allerdings nicht nur eine durch Kundenwünsche angetriebene Notwendigkeit. Entstandene Konzepte werden als Chance für neue Businessmöglichkeiten gesehen. Treibende Kräfte dafür sind neben den Kundenwünschen auch die Mitarbeiter der Unternehmen selbst, die bereit für den Schritt in ein neues System sind.«

Notwendigkeiten und Chancen
Die sich bietenden Möglichkeiten  werden durchaus wahrgenommen: Zwei Drittel der befragten Entscheidungsträger haben bereits erkannt,  dass ihre Branche rapide Veränderung durchmacht und sehen auch, dass Digitalisierung eine wichtigere Rolle in ihrem Unternehmen spielen sollte. Sie sind sich auch der Tatsache bewusst, dass es für die Umsetzung an konkretem Know-how und entsprechenden Strategien fehlt.

Doch nicht die Strategie allein ist ein Faktor. Österreichs Führungskräfte sind sich einig, dass es einige wesentliche Merkmale für eine erfolgreiche Digitalisierung gibt, allen voran ein Betrieb in Echtzeit. Neue Geschäftsmöglichkeiten müssen ausgelotet und vorhergesehen werden, um zeitgerecht auf Kundenwünsche reagieren zu können, denn auch das Anbieten einer einzigartigen und personalisierten Kundenerfahrung wird als wichtiger Erfolgsfaktor gesehen. Darüber hinaus sollte das Unternehmen Vertrauen und Transparenz demonstrieren und sich an Veränderungen und Innovationen möglichst schnell anpassen können.

Wichtig dafür ist eine adäquate Beratung von außen und auch der Vergleich mit der Konkurrenz, um herauszufinden, was überhaupt möglich ist, beziehungsweise was nötig ist, um den Betrieb fit für digitale Transformation zu machen oder bereits eingeleitete Initiativen zu verbessern.

Fazit
Die digitale Transformation ist noch nicht wirklich in Österreich angekommen. Grund dafür ist unter anderem der fehlende Wettbewerbsdruck. Auch rasche technologische Entwicklungen sorgen oft für Überforderung und Unsicherheiten, wenn es um Fragen der Umsetzung geht.

Die größte Hürde für die Umsetzung der digitalen Transformation stellt für die österreichischen Unternehmen neben der fehlenden Vision aber das Budget dar. Gefragt ist das Top-Management, um die Ressourcen entsprechend umzuverteilen. Der erste notwendige Schritt in Richtung Trendwende ist dann die Erschließung bzw. Entwicklung schlüssiger Strategien für die Einbindung von Digitalisierungsprozessen, darüber hinaus muss in moderne IT-Struktur, IT-Security und moderne Arbeitsplätze investiert werden. Innovation ist gefragt: Veraltete Strukturen werden weichen müssen, wenn die Unternehmen in naher Zukunft wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Last modified onMittwoch, 07 Juni 2017 12:23
back to top