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Stiefkind Erdgeschoß

Viele Erdgeschoße in Wien stehen leer. Das müsste nicht sein.Es ist ein ungeschriebenes Gesetz der Branche: Das Erdgeschoß einer Immobilie ist unattraktiv.

»Zu Unrecht«, meint Betül Bretschneider von der TU Wien. Ihre Forschung zeigt, dass sich eine städteplanerische Auseinandersetzung mit dem Erdgeschoß auszahlt. »Der Trend zum Leerstand im Erdgeschoß ist in vielen europäischen Städten zu sehen – auch in Wien«, meint Bretschneider. Immobilienspekulanten hätten oft gar kein Interesse an der Bewirtschaftung der Erdgeschoßräume: »Ein billiger Mietzins senkt den Wiederverkaufswert. Da kann es attraktiver sein, das Erdgeschoß gleich ganz leer stehen zu lassen.« Für Betriebe sind die – speziell im Altbau – oft hohen Investitionskosten für eine zeitgemäße Sanierung eine unüberwindbare Hürde. Dabei ist das Erdgeschoß laut Bretschneider der Bereich, in dem eine Stadt sich entfaltet, in dem Gemeinschaft und öffentlicher Raum entstehen können. »Aber dazu braucht man gemeinsame Konzepte, die für die vielen Beteiligten sinnvoll sind.« Als Vorbild könnte Berlin dienen: Dort gibt es öffentliche Förderungen für Verbesserungsmaßnahmen in Freiräumen wie Höfen und Straßen. Kleine Unternehmen, die sich im Erdgeschoß ansiedeln, werden anfänglich unterstützt. Dabei muss es gar nicht um finanzielle Zuwendungen gehen: »Für Kleinunternehmen kann es schon sehr hilfreich sein, gewisse Auflagen und Vorschriften anfangs zu lockern«, stellt Bretschneider fest.

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