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Archiv (11315)

Frisches Raumverständnis

Tölpel raus, Hauptmänner rein. Unter diesem Motto will die Industriellenvereinigung den Bürgermeistern die Bau- und Widmungskompetenz abjagen und die erstinstanzlichen Entscheidungen für Bauangelegenheiten in den Bezirkshauptmannschaften ansiedeln. Weil das Träumen im Sommer erlaubt ist, wünscht sich der stellvertretende Generalsekretär der IV, Peter Koren, so genannte Infrastrukturkorridore. Gemeint sind damit Flächen, die vom Bund festgelegt ausschließlich für Bahn, Straßen, Gas- und Stromleitungen reserviert sein sollen. Damit soll vermieden werden, dass Liegenschaften, die für Infrastruktur nötig sind, von Gemeinden zu Bauland gemacht werden. Sollte die vorgeschlagene Lösung den Landeshäuptlingen zu sauer aufstoßen, könnte sich Koren auch mit von den Ländern festgelegten Korridoren abfinden. Wichtig sei bloß das Ziel: übergeordnete Raumpolitik abseits von Wählerstimmen, weil viele Bürgermeister mit den ihnen anvertrauten Agenden schlichtweg überfordert seien. Das sei nicht nur beim Infrastrukturausbau hinderlich, sondern belaste auch Be-triebe, die bei Erweiterungswünschen schwer behindert werden. Das stimmt schon, dumm ist nur, dass Korens Vorschlag um mindestens dreißig Jahre zu spät kommt. österreich ist ja bereits in weiten Teilen zersiedelt. Profitiert davon hat nicht unwesentlich die Industrie. Man denke nur an jene Leitungen, die Hunderte Streusiedlungen mit Wasser, Strom, Gas und Abwasser versorgen - geliefert von der Industrie. Oder an die vielen asphaltierten Güterwege und Gemeindestraßen, die ganze Zweige so groß gemacht haben, dass sie heute in fernen Ländern dickes Business machen. All das ist leicht verdrängt, wenn man zukunftsorientiert denkt, wie es sich die IV gerne auf die Fahnen heftet.
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Schlanker Tower

Seit kurzem beobachten am Flughafen Wien-Schwechat die Fluglotsen der Austro Control die Flieger vom neuen Tower aus. Offiziell eröffnet wird die neue Kommandozentrale der heimischen Fliegerei dann im September. Wegen der Promis, die im Sommer ausgeflogen sind, wie es heißt. Der Turm hat schon einiges hinter sich. Gerüchte um Setzungen und Schwingungen des Bauwerks erwiesen sich als Unsinn. Die vorgenommenen Messungen erbrachten lediglich, dass der Turm über eine außergewöhnliche Steifigkeit verfügt.
Gehörig ins Wanken brachten das Bauwerk hingegen zwei Insolvenzen von ausführenden Firmen, die den Bauablauf auf den Kopf stellten. Der Fassadenbauer Mandl+Eckl sowie eine deutsche Haustechnikfirma haben beim Tower das Handtuch geworfen und ziemlichen Wirbel im straffen Zeitplan verursacht. Ursprünglich war vorgesehen, das Gebäude ab März 2004 in den Probebetrieb zu übergeben und im November den Vollbetrieb anzugehen. So steht es zumindest in einer Pressemitteilung des Flughafens vom Juli 2002. Darin sind die Errichtungskosten mit zwanzig Millionen Euro beziffert. »Das waren die Vorprojektkosten, damals waren Teile noch nicht ausgeschrieben«, erklärt der Sprecher des Flughafens, Hans Mayer. Tatsächlich sei man im Plan: »um die 32 Millionen«. Die Angaben aus dem Jahr 2002 sind tatsächlich ziemlich überholt. Was wundert, denn bereits im Juli 2001, nach Abschluss des Vorprojektes, gingen mit der Materie befasste Experten von Kosten in der Höhe von 30,4 Millionen aus. Warum der Flughafen ein Jahr später zehn Millionen Euro unter den Tisch fallen ließ, bleibt wohl ein Fliegergeheimnis.

Der Kategorie Wunsch sind wiederum die aktuell vom Flughafen genannten Kosten zuzuordnen. Die 32 Millionen werden nicht reichen, Mehrkosten von rund vier Millionen gelten als fix. »Allein die Insolvenz des Fassadenbauers hat Mehrkosten von rund sechs Millionen Euro verursacht«, erklärt dazu das Büro des Ziviltechnikers Hans Lechner, das für die Projektsteuerung zuständig ist. Aufgrund des straffen Zeitplans liege es in der Natur der Sache, dass eine Verzögerung weitere Kostenerhöhungen nach sich ziehe. Insider beziffern die aktuellen Errichtungskosten mittlerweile mit 36 Millionen. Zum Teil sei die Erhöhung der Kosten aber auch durch eine Erweiterung des Projektumfanges entstanden, wird betont. So habe es bei der Flugsicherheitstechnik einen Innovationsschub gegeben, der auch veränderte Funktionen am Gebäude selbst erforderte, heißt es. Wäre für den Turm eine Bauzeit von fünf Jahren vorgesehen gewesen, könnte man dieser Sichtweise durchaus etwas abgewinnen. Die Bauzeit des Towers war aber ursprünglich mit 14 Monaten veranschlagt. Um damit fertig zu werden, hat der Bauherr vorsorglich namhafte Kapazitäten der Wiener Ingenieurszunft engagiert. Eben das Büro Lechner für die Projektsteuerung, Vasko + Partner ist für die begleitende Kontrolle verantwortlich. Warum also hat sich der Bau trotzdem um fast ein Jahr verzögert und erheblich verteuert? »Fragen Sie den Bauherrn«, rät dazu der in der Generalplaner-ARGE Zechner-Lorenz vertretene Christian Lorenz. Er sei nicht berechtigt, Auskunft zu erteilen. »Die Konkurse haben die Kosten leider beeinflusst«, erklärt Wolfgang Vasko. Mehr gäbe es dazu nicht zu sagen, erklärt sein Projektleiter Thomas Wetzstein, da man gegenüber dem Auftraggeber eine Vertraulichkeitserklärung abgegeben habe. Ob die Honorare der Kontrollbüros mit den erhöhten Errichtungskosten ebenfalls steigen, ist übrigens nicht überliefert.

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Langfinger am Arbeitsplatz

Schrauben aus dem Lager oder ein gelegentlicher Griff in die Kassa - alles nur Kavaliersdelikte? Obwohl sich auch diese Kleindiebstähle in großen Unternehmen zu beachtlichen Beträgen summieren können, fallen sie doch meist unter »Schwund«. Haarig wird es, wenn im großen Stil Bilanzen gefälscht oder Waren an Großhändler verschoben werden. Für Aufsehen sorgte etwa der zur Jahreswende aufgedeckte Diebstahlsring im Grazer Magna-Steyr-Werk, wo 25 Mitarbeiter - vom Meister über den Portier bis zum Lkw-Fahrer - systematisch Ersatzteile für den Puch G entwendeten. Anfangs für den Eigenbedarf, Freunde und Verwandte, später wurden für andere Auftraggeber sogar ganze Karosserierahmen abtransportiert.

Kein Einzelfall. Laut Schätzung der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft KPMG fügen betrügerische Mitarbeiter österreichischen Unternehmen jährlich Schäden in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro zu. Der volkswirtschaftliche Schaden ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. 65 Prozent aller Straftaten mit Schäden über 10.000 Euro werden von Beschäftigten der Firma begangen - für Peter Humer, Experte für Wirtschaftskriminalität der KPMG Linz, ein Indiz dafür, »dass die internen Kontrollsysteme in den heimischen Betrieben noch nicht ausreichend sind«.

Zwar gaben achtzig Prozent der befragten Unternehmen an, bereits Maßnahmen zur verbesserten Kontrolle gesetzt zu haben, diese dürften jedoch eher halbherzig ausgefallen sein. Denn gleichzeitig schätzen kurioserweise nur fünf Prozent die Gefahr für den eigenen Betrieb als hoch ein. Wirtschaftskriminalität, das betrifft doch nur die anderen - eine typisch österreichische Sichtweise.

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Violence at work

Von Angela Heissenberger

Thomas Müller studierte in Innsbruck Psychologie und absolvierte die FBI-Akademie sowie Spezialkurse beim CIA. In der öffentlichkeit wurde er durch Profilanalysen des Serienkillers Jack Unterweger und des Briefbombenattentäters Franz Fuchs bekannt. Sein Sachbuch »Bestie Mensch« eroberte die Bestsellerlisten. Im Jänner 2004 wechselte er vom Kriminalpsychologischen Dienst des Bundeskriminalamts zur Sicherheitsakademie, um sich verstärkt der Forschung und Lehre widmen zu können.

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Frauenpower ungebremst

Der frühere Außenminister Alois Mock küsste sie einst dankbar auf die Wange, der scheidende Siemens-Boss Albert Hochleitner macht sie zur mächtigsten Managerin österreichs.So recht glauben konnte es Brigitte Ederer bis zuletzt selbst nicht. Und dann passierte es doch: Sie wird die Nachfolgerin von Albert Hochleitner als Chefin von Siemens österreich. Ein Megajob, steuert Siemens von Wien aus doch auch noch die Aktivitäten in Osteuropa und so zur größten Auslandstochter des globalen Riesen mit Hauptsitz in München heranwuchs. Ederer trägt ab Dezember Verantwortung für etwa 30.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von mehr als sieben Milliarden Euro. Darin inkludiert ist auch die übernahme der VA Tech, für deren Gelingen Ederer hart gearbeitet hat. Sie allein hatte es in der Hand, die Verhandlungen mit der VA-Tech-Führungselite und dem politischen Establishment so zu führen, dass der Deal am Ende gelang. Trotz erbitterter Widerstände von früheren Weggefährten aus der SPö, mit denen die Volkswirtin konfronitert war, zog Ederer das Geschäft am Ende erfolgreich durch. Ein Beweis dafür, dass sie ihre parteipolitische Vergangenheit hinter sich gelassen hat und ihre ganze Kraft für die Interessen des Konzerns einsetzt. Dass sie nun auch die Lorbeeren dafür ernten darf, ist fair, wäre aber vermutlich keine Selbstverständlichkeit, wenn nicht Hochleitner das Pensionsalter erreicht hätte. Sie war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und vermittelt das, was Topmanagerinnen neben fachlicher Sattelfestigkeit ausmacht: Authentizität, Einfühlungsvermögen und Ehrlichkeit.

Wie bei jeder Großfusion beginnt die eigentliche Arbeit erst nach der übernahme. Zwei Riesen so ineinander zu verflechten, dass am Ende Mehrerlös herauskommt, ist keine einfache Sache. Ideen und Visionen dafür sind bislang nicht überliefert. Führende Wirtschaftskapitäne zweifeln aber nicht daran, dass Ederer das Flaggschiff Siemens auf Kurs halten wird.

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