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Die Energie der Sonne

Gamechanger Fusionsenergie. Ab 2025 soll der kommerzielle Rollout der Industrie beginnen. (Bild: iStock) Gamechanger Fusionsenergie. Ab 2025 soll der kommerzielle Rollout der Industrie beginnen. (Bild: iStock)

Die Nutzung von Kernfusion zur Energiegewinnung ist seit Jahrzehnten ein Traum der Wissenschaft. Ein US-Startup forscht aussichtsreich an der Realisierung.

Kohle, Öl und Gas verbrennen, Wasser-, Wind- und Sonnenenergie nutzen – die Menschheit braucht Energie, auf die eine oder andere Weise. Dabei leuchtet täglich die Lösung dieses Problems auf uns herab: Im Inneren der Sonne wie anderer Sterne sorgt Kernfusion für die Lösung dieses Problems. Dabei verschmelzen je zwei Atomkerne zu einem neuen Kern und setzen dabei Energie frei – und zwar ziemlich viel. Ein Glas Wasser hätte so als Fusionsmaterial das energetische Potenzial, den Energiebedarf eines gesamten Menschenlebens abzudecken. Kein Wunder, dass der Traum von dieser sicheren, sauberen und de facto endlosen Energiequelle seit Jahrzehnten herumgeistert.

Seine Realisierung könnte näher sein, als man denkt. Und das nicht unbedingt, weil im diesbezüglichen Prestigeprojekt Iter größere Revolutionen angesagt wären: Das seit Projektbeginn 1985 von 35 Nationen finanzierte und mit 20 Milliarden Euro Kosten teuerste wissenschaftliche Experiment der Geschichte forscht im Süden Frankreichs behäbig an der Aufgabe, Kernfusion als Energiequelle nutzbar zu machen. Dass von dort schon in näherer Zukunft Resultate kommen, bezweifelt nicht nur Brandon Sorbom. Der 35-jährige MIT-Absolvent ist der Gründer und Chef-Wissenschafter des US-Startups Commonwealth Fusion Systems. Seine Firma will schon bedeutend früher eine Fusionslösung an den Start bringen, die im Kampf gegen den Klimawandel große Bedeutung erlangen könnte.

Durch Kernfusion sollen seiner Vision zufolge schon in wenigen Jahren Strom und Wärme produziert werden, und das ohne die Notwendigkeit, bestehende Versorgungsinfrastrukturen groß abzuändern – im Gegenteil: Weil die Technologie im Gegensatz zur Kernspaltung sicher ist, könnten Kraftwerke zentral in Abnehmernähe realisiert werden und die Notwendigkeit großer Transportdistanzen sogar verschwinden.

Bessere Technik
Der Grund für Sorboms Optimismus liegt in neu designter Technik, die die herkömmliche Fusionskraftwerksarchitektur verbessert. Neuartige, stärkere Magneten erlauben höhere Temperaturen im Inneren der »Tokamak« genannten Plasmakammern. Auf 100 Millionen Grad Celsius bringt das die Geräte von Commonwealth Fusion Systems. Schon heuer soll der Nachweis der profitablen Energieerzeugung demonstriert werden, ab 2025 soll der kommerzielle Rollout der Industrie beginnen. Schon in den frühen 2030er-Jahren könne Fusionsenergie aus Reaktoren des Unternehmens ins globale Stromnetz eingespeist werden.

Der Plan klingt fast zu ambitioniert, um wahr zu sein, doch dass es hier nicht nur um sehr heiße Luft geht, beweisen die Investitionen namhafter Unterstützer. Jeff Bezos, Bill Gates, Richard Branson sowie andere große institutionelle Geldgeber haben Sorboms Vision mit Kapital unterstützt. Über 215 Millionen Dollar konnte das Start-up für seine Technologie bislang aufstellen – eine Wette auf eine Zukunftstechnologie, die das Zeug zum Gamechanger hat.

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