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Good News

Wieder ein Jahr rum! 2008 wird uns allen in Erinnerung bleiben, aber mal ehrlich: Gut, dass es ­vorbei ist. Ein kurzer Rückblick, mit einem kleinen Fokus auf die guten Nachrichten des Jahres, von Rainer Sigl.

Januar. Von wegen, in der alten Koalition wurde nix gearbeitet: Am 1. Januar tritt in der Alpenrepublik die Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes in Kraft, die die bedauernswert überarbeitete Justiz entlastet, indem die längst fällige Beschneidung der wie Unkraut üppig wuchernden Privatsphären von acht Millionen tatverdächtigen Österreichern zeitsparend gleich dem gütigen Augenmaß der wackeren Polizeibeamtenschaft übergeben wird. Auch in der tiefsten Gletscherspalte in den unwirtlichen Eisgrotten der Arschtaler Alpen sollen so künftig verirrte Snowboarder per Handyortung gefunden und rechtzeitig wieder aufgetaut werden können – wenn das kein Sicherheitsgewinn für alle ist! Gute Nachricht für Einsame: Mit dem fortan demokratisch-gütig auf jeden Einzelnen starrenden Blick des Staates können all jene aufatmen, die sich bisher öfter allein fühlten.

Februar. Deutschlands Neidgesellschaft brüskiert im großen Stil besserverdienende Leistungsträger wie Deutsche-Post-Boss Klaus Zumwinkel mit an den Haaren aus Liechtenstein herbeigezogenen Steuerhinterziehungsvorwürfen. Dass just jene weitblickenden Wirtschaftssteuermänner gestraft werden, die in gutgläubiger kaufmännischer Berechnung ihr hart verdientes Geld in besonders gewinnbringende Anlagen im europäischen Ausland investieren wollten, demonstriert mit bitterem Beigeschmack, dass Geld auch dann nicht unbedingt glücklich macht, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man’s hat, wenn man’s braucht. Ausgleichende Gerechtigkeit und die gute Nachricht für alle anderen: Wer kein Geld hat, braucht auch keines hinterziehen.

März. Ein Terrorprozess in Österreich – derfen de des? Der in Wien zu vier Jahren Haft verurteilte Kinderzimmerislamist Mohamed M. führt gemeinsam mit seiner Freundin mit Gesichtsvorhang der fassungslosen Öffentlichkeit vor Augen, wie weit die islamische Welt der aufgeklärten österreichischen Gegenwart hinterherhinkt. Mal ehrlich: Keinen Schweinsbraten essen, kein Bier trinken, fünfmal am Tag Richtung Neusiedler See beten, die Frauen hinter Geschirrtüchern und sich selbst hinter exzessiver Gesichtsbehaarung verstecken – so nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass auch noch zum Heiligen Krieg gegen Österreich aufgerufen wurde, womit gerüchteweise nicht die bunte Tagespostille gemeint war, sondern die Republik. Die gute Nachricht: Schweinsbratlessen und Biertrinken lassen sich ab sofort als politische Statements und kulturerhaltende Maßnahmen rechtfertigen.

April. Inflationsschock im ganzen Land! So teuer war alles noch nie, selbst schwarz per Schlepper illegal über die grüne Grenze eingeschmuggelte Kleidungsstücke von ansonsten günstigen chinesischen Kinderarbeitsplätzen schnellen unverschämt nahe an die 3-Euro-Grenze heran, von Lebensmitteln und Benzin ganz zu schweigen. So mancher deprimierende Bericht von stundenlangen Autofahrten, um zu Tankstellen mit marginal günstigeren Treibstoffpreisen für den hungrigen SUV zu gelangen, treibt Autofreunden – und sind wir das nicht alle? – die Zornestränen in die Augen. Die gute Nachricht: Champagnervollbäder bei Rohstoffspekulanten sorgen für kurzfristige Gewinnerhöhungen im Delikatessenhandel. Können wir uns nicht alle gemeinsam freuen?

Mai. Der Fall Amstetten schockiert die Welt. Die gute Nachricht: Österreichs Zeitungslandschaft kann durch den subtilen, respektvollen und zartfühlenden Umgang mit der Thematik endlich zu großen Qualitätsvorbildern wie The Sun (GB), Bild Zeitung (D) und SHOCKER!!! (USA) aufschließen. Endlich macht sich die Abschaffung des österreichischen Presserates bezahlt!

Juni. Fußball-EM vor der Haustür! Die besten Spieler Europas spielen in österreichischen Stadien – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Nach dem Finalspiel Österreich-Deutschland, das mit einem moralischen 0:1-Sieg der Rot-Weiß-Roten endet, wird schnell noch ein paar Wochen weitergespielt, um den Europameister zu ermitteln. Die gute Nachricht: Deutschland wird Zweiter.

Juli. Wilhelm Molterer hat genug: Der ÖVP reicht’s mit der Legislaturperiode. Dummerweise ist die Wahlkampfabteilung zufällig gerade auf Urlaub, weshalb wochenlang für die ÖVP-Plakate kein Foto des schwarzen Spitzenkandidaten bereitsteht und man einfach die SMS der Verantwortlichen aus dem All-Inclusive-Club auf Fuerteventura abdrucken lässt – ein peinliches Gurkerl zum Eigentor am Wahlkampfbeginn. Die SPÖ setzt der Partei mit Faymann die Krone auf. Die gute Nachricht: Der journalistisch ungeliebte Begriff »Sommerloch« bekommt durch die bundesweite Plakatierung zu wählender Hoffnungsträger gleich mehrere menschliche Gesichter.

August. Olympia in Peking, Krieg in Georgien, Wahlkampf in Österreich. Wer nichts von der Verderbtheit der Welt wissen will, kann im Urlaub ja mal auf die Zeitung verzichten und nur die Börsenkurse studieren. Die gute Nachricht: Mit der internationalen Notrufnummer 112 bekommt man inzwischen fast weltweit sofort Kontakt zu Herz-Kreislauf-Notambulanzen.

September. Die Krise kommt, die Himmel stürzen, Verzweiflung, Ungläubigkeit, Zorn: Der seit etwa zwei Jahren vom Horizont heranbrausende Güterzug »Immobilienkrise« verlässt wider festes Erwarten das Gleis überraschenderweise nicht und rast ungebremst in die Wall Street. In einem ambitionierten Versuch, angesichts der katastrophalen Zukunftsprognosen die gute alte Zeit wiederherzustellen, wählt ein Drittel der Österreicher das Ewiggestrige, doch es nutzt nichts. Die gute Nachricht: Beständiges Wetter, ideal zum Wandern.

Oktober. Die USA zeigen, wie Demokratie funktioniert: Ein alter Mann und eine resolute Mutti aus Alaska fallen durch, während mit Barack Obama endlich etwas Farbe ins Weiße Haus einziehen wird. Davon unbeeindruckt rasen die Kurse an den Börsen ebenso tödlich an die Wand wie der Dienstwagen des Kärntner Landeshauptmanns. Die gute Nachricht: So schlimm, wie die Kassandren der Wirtschaft die Zukunft vorhersagen, kann sie gar nicht werden. Übrigens, haben Sie diese neuen Antidepressiva versucht? Fa-bel-haft! Zwar nicht auf Krankenschein, aber dafür ohne Mehrwertsteuer.

November. Österreich hat eine neue Regierung: Die Neuen Werner Faymann und Josef Pröll werden als absolut dynamische neue Newcomer an der Macht die hoffnungsfrohen und frischen Jungparteien ÖVP und SPÖ in einem atemberaubenden, nagelneuen Hoffnungsprojekt mit dem noch ungewohnten neuen Namen »Große Koalition neu« in ein fantastisches neues Regieren führen. Die Wirtschaftskrise ist weltweit, eh, aber wer sagt, dass Österreich so ganz von dieser Welt ist? Eben. Die gute Nachricht: Im Großpack gibt’s für die Antidepressiva sogar Ermäßigung! Und den Appetit zügeln sie auch! Es ist alles so … neu hier!

Dezember. George Bush wird mit Schuhen beworfen, die Märkte wanken im zweiten Kelleruntergeschoß wie untote bleiche Ahnen ihrer selbst und Schneemassen in ganz Europa lassen uns die warme Gasheizung neu lieben lernen. Die gute Nachricht zum Schluss: Parkettböden brennen zur Not auch. 2009 kann kommen.

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