Leicht Bauen ist schwer

Mit dem Projekt »com« am Wiener Nordbahnhof hat Kallco das »Slim Building Concept«erstmals umgesetzt. Foto: Kallco Mit dem Projekt »com« am Wiener Nordbahnhof hat Kallco das »Slim Building Concept«erstmals umgesetzt. Foto: Kallco

Der Wohnbau kämpft in der Schwergewichtsklasse – das macht ihn nicht gerade flexibel. Ein Kommentar von Bauträger Winfried Kallinger.

Wer als gestandener Wohnbauer heute die Wiener Großbaustellen am Hauptbahnhof besichtigt und mit Neid auf die schlanken Tischkonstruktionen der in den Himmel schießenden Bürogebäude blickt, hat´s nicht leicht, wenn er von seinen Bauleuten verlangen will, dieselbe konstruktive Leichtigkeit auch im Wohnbau durchzusetzen. Schließlich ist ja Flexibilität das Gebot der Stunde, zumindest auf dem geduldigen Papier der Architektenpläne.

Das wichtigste Totschlagargument gegen leichte Konstruktionen im Wohnbau sind die Baukosten: Die Massivbaulobby mit ihren schweren Wandscheibenelementen aus Beton nützt selbstverständlich die technische Primitivität und die von den Bauträgern vermutete Kostengünstigkeit der Scheibenbauweise zu einer fast monopolartigen Marktdominanz, zumindest im Osten Österreichs, wo alternative Konstruktionsformen noch eine vergleichsweise geringe Rolle spielen. Man kann es der Fertigteilindustrie nicht verdenken und die Bauträger im kostenlimitierten geförderten Wohnbau müssen mitspielen oder glauben, mitspielen zu müssen. Der Holzbau ist aufgrund der städtischen Bauformen, seiner unattraktiven Konstruktionsstärken und diverser Baubestimmungen sowieso ein Minderheitenprogramm und nutzungsoffene Rahmenkonstruktionen, mehrschalige Wandaufbauten, konstruktive Raummodule und dergleichen sind halt exotisch und den zumindest bautechnisch ziemlich innovationsresistenten Bauträgern suspekt oder zumindest fremd.

Dabei geht es auch anders: Kallco hat mit seinem Slim Building Concept vorgeführt, dass auch im großvolumigen Wohnbau moderne flexible Konstruktionsprinzipien mit aus dem Bürobau abgeleiteten variablen Grundrissmöglichkeiten zu gleichen Kosten wie im herkömmlichen Massivbau möglich sind. Konstruktionsstärken von 12 cm für Gebäude bis zu 20 Geschoßen sind keine Utopie mehr. Rund 400 Wohnungen sind nach dem Slim Building Concept bereits in Bau und teilweise schon fertig.

Die Investition in Forschung und Entwicklung der schlanken Konstruktion von Slim Building Concept und die damit verbundene technische Innovation der neuen Wandaufbauten, die in diesem Fall nicht von der Bauwirtschaft, sondern vom Bauträger Kallco ausgegangen ist, hat sich bezahlt gemacht: Trotz hoher Qualität sind die Baukosten nicht höher als im herkömmlichen Massivbau und die Kundenzufriedenheit ist beeindruckend.

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