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»Innovationen für den Wohnbau«

Bei intelligenter Planung können Betonelemente in hervorragender Weise zum Heizen und Kühlen eingesetzt werden.Kommentar von Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie.

Welche Innovationen bringt die Industrie, um den Wohnbau leistbar zu halten? Eine Frage, die sich Bauherren, Mieter, Geldgeber, Verwaltung und Politik täglich stellen. Eine Frage, auf die von der Industrie zu Recht eine Antwort erwartet wird.

Die Kosten für das Wohnen lassen sich in drei große Gruppen einteilen: die Baukosten, die Kosten für Erhaltung und Betrieb und die Finanzierungskosten. Die Baukosten und die Kosten für die Finanzierung werden unmittelbar vom Markt beeinflusst und unterliegen dem Wettbewerb. Anders schaut es bei den Kosten für die Erhaltung und für den Betrieb aus. Diese Kosten werden nach wie vor eher stiefmütterlich behandelt. Und das, obwohl sie etwa 80 Prozent der Gesamtkosten eines Bauwerks über dessen Lebensdauer ausmachen.

Die österreichische Zementindustrie befasst sich seit vielen Jahren mit der Nutzung von Bauteilen aus Beton für energetische Zwecke. War es anfangs die Gewinnung oder die Einlagerung von Wärme in den Untergrund, ist in den letzten zwei Jahren der Fokus unserer Bemühungen in das Bauwerk verlagert worden. Die Logik hinter unseren Bemühungen ist leicht erklärt. Bauteile aus Beton erfüllen nicht nur ihre Tragfunktion. Bei intelligenter Planung eines Gebäudes können sie in hervorragender Weise als Elemente zum Heizen und Kühlen eingesetzt werden. Flächenhafte Bauteile wie Decken oder Wände gleichen ihre Temperatur ständig an die Umgebung an. Der gleiche Ablauf gilt umgekehrt auch für Räume. Auch sie gleichen ihre Temperatur ständig an die der angrenzenden Bauteile an. Diesen automatisch und ständig ablaufenden Vorgang kann man durch die Zufuhr von Wärme in die Bauteile oder durch Abfuhr von Wärme aus den Bauteilen gezielt steuern.

Was diese Technologie besonders auszeichnet, ist das Temperaturniveau des benötigten Transportmediums. Die Vorlauftemperaturen für die Heizung liegen im Bereich von 20 Grad bis etwa 25 Grad, die Vorlauftemperaturen für die Kühlung liegen im Bereich von 18 Grad bis etwa 23 Grad. Die Temperatur des Bauwerks selbst pendelt um einen Wert von etwa 20 Grad bis 22 Grad. Daraus kann man ableiten, dass diese Technologie in hervorragender Weise für den Einsatz von alternativen Energieformen wie Solarwärme, Erdwärme, Abwärme oder auch Fernwärme geeignet ist. In Anbetracht der immer besser gedämmten Gebäudehüllen eröffnen sich mit dieser Technologie vielversprechende  Möglichkeiten hinsichtlich der Klimatisierung von Gebäuden.

Das Bauwerk der Zukunft wird eine so hochwertige Außenhülle haben, dass weder Energieverluste noch Energieeinträge einen großen Einfluss auf die Innentemperatur haben. Weiters ist zu erwarten, dass die Energieeinträge aus Beleuchtung und EDV-Systemen stark reduziert und dadurch für den größten Teil der Flächen geglättet werden können. Gleiches lässt sich für die Bereiche mit Standardbelegung von Büros sagen. Die Schwankung der inneren Lasten wird sich auf einzelne Räume durch die Belegung mit stark wechselnden Personenzahlen reduzieren. Diese Herausforderung gilt es in Folge noch zu lösen.

So weit ein Ausflug in die Zukunft – wo stehen wir aber heute?

So einfach sich das Prinzip erklärt, so komplex ist es in der Umsetzung. Eine unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen sind bestens ausgebildete Planer. Ohne das frühzeitige Zusammenwirken von Architekten, Bauphysikern, Haustechnikplanern, Tragwerksplanern und Bauausführenden ist das Ziel eines quasi energieautarken Hauses nicht erreichbar. Weiters muss es gelingen, die Funktionsweise dieser Technologie auch für komplexe Gebäude berechenbar zu machen. Dies ist notwendig, um die haustechnischen Einrichtungen richtig steuern und auf ein sinnvolles Minimum reduzieren zu können.

Es besteht noch eine Menge Forschungsbedarf, dessen Finanzierung wir nach Kräften unterstützen. Weiters unternehmen wir große Anstrengungen, um die Ausbildung vom Lehrling bis zum Baumeister bestmöglich zu fördern. Dieser Parallellauf zwischen Forschung und Ausbildung ist kein Widerspruch. Wir sind optimistisch, dass sich Ausbildung und Forschung gegenseitig stimulieren und wir dem Ziel der energieeffizienten und wirtschaftlichen Schaffung von Wohn- und Bürogebäuden rasch näher kommen.

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