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Redaktion_Report

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"Telekom macht, was sie will“

Am Zusammenschaltungsmarkt ist etwas Ruhe eingekehrt. Einige Unternehmen sehen darin eine mangelnde Aktivität der Regulierungsbehörde. Geht es nach One-Sprecher Michael Sprinzl, dann könnten Oberregulator Heinrich Otruba und sein Team am IC-Markt durchaus mehr Zähne zeigen. "Der Zusammenschaltungsmarkt ist insgesamt verbesserungswürdig. Es findet nämlich gar kein Markt statt, sondern der Regulator steuert ihn de facto“, begründet Sprinzl seine geringe Freude mit der Behörde. Denn durch die Entscheidungen des Regulators würden die Marktpreise faktisch festgelegt, auch wenn es in vielen Fällen gar keine direkte Entscheidung der rtr dazu gegeben habe. Außerdem werde die Verhandlungspflicht, die der Telekom Austria auferlegt ist, immer mehr zur Farce, da die Telekom überhaupt nicht an ernsthaften Gesprächen interessiert sei, vermutet Sprinzl.

Gleichzeitig sieht er aber auch Verbesserungen, wie im jüngsten Fall bei der Entscheidung über die Zusammenschaltungsentgelte zwischen mobilkom und max.mobil. Sprinzl: "Der Regulator geht offenbar davon ab, im gleichen Netz das Gleiche zu verlangen. Nun werden zu Recht auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der Betreiber beurteilt, und in dem Fall bekommt halt A1 dann weniger Geld.“ Getreu seiner überzeugung, dass der Regulator indirekt die Marktpreise der Mitbewerber regelt, geht Sprinzl davon aus, dass bis Jahresende die Engelte dann für alle Anbieter bei 11 Cent liegen werden (siehe Infobox "mobilkom versus max.“).

"TA schadet sich selbst“. Mit Kritik spart auch nicht Christian Rosner, Geschäftsführer von eTel österreich: "Es ist erschütternd, dass wir Carrier höhere Interconnection-Kosten als die Mobilfunker haben. Aber leider reguliert der Regulator im Moment sehr wenig - und die Telekom macht, was sie will.“

In das gleich Horn stößt Martin Halama, Sprecher der UTA: "Wir rechnen bei den Interconnection-Preisen heuer mit keinen großen Veränderungen. Im Festnetzbereich sind sie ohnehin schon so gering, dass sich Investitionen in diesen Bereich fast nicht mehr rechnen. Und der Marktbeherrscher Telekom Austria drückt die Endkundentarife noch weiter runter, wodurch daraufhin auch die Interconnection-Tarife sinken. Aber damit schaden sie sich ja auch selber.“ Die Aufregung der Alternativen kann rtr-Geschäftsführer Heinrich Otruba nicht ganz nachvollziehen. Geht es nach ihm, dann wird das Thema Interconnection "zusehends aus dem Tagesgeschäft der rtr verschwinden“. Otruba: "Bei der Interconnection geht es im Wesentlichen um Preise. Aber irgendwann hat auch die Preisregulierung ihr Ende.“

Keine Bewegung beim Mobilfunk. Der Kampf gegen die TA verbindet zwar die Alternativen, aber da hört sich auch schon wieder die Gemeinsamkeit auf. Ganz unterschiedliche Meinung herrscht verständlicherweise zwischen Festnetzbetreibern und Mobilfunkanbietern was die hohen IC-Entgelte vom Festnetz ins Handynetz betrifft. Doch hier scheinen die Fronten festgefahren zu sein. Während Martin Halama ohnehin nicht damit rechnet, dass sich in diesem Bereich heuer noch etwas bei den Preisen tun werde, ist Michael Sprinzl verwundert, wie die Festnetzbetreiber überhaupt geringere Entgelte verlangen können. Sprinzl: "Der Ausbau eines Festnetzes kostet einen dreistelligen Millionenbetrag, Mobilfunk hingegen kostet einen zweistelligen Milliardenbetrag.“

Völlig neutral verhält sich in diesem Konflikt verständlicherweise der Verband Alternativer Telekomnetzbetreiber (VAT), der sowohl reine Festnetzanbieter wie auch Mobilfunk- und Festnetzbetreiber vertritt.

UPC droht "Marktbeherrschung“. Mit ganz anderen Problemen hat inzwischen UPC-Telekabel zu kämpfen, denn ihm droht Unbill aus Brüssel. Erkennt nämlich die EU das Unternehmen in zahlreichen Märkten als Marktbeherrscher an, dann könnte UPC beispielsweise dazu verpflichtet werden - und die Folgen daraus wären wirtschaftlich katastrophal. Entsprechend zurückhaltend wird dieses Thema daher auch kommentiert. UPC Telekabel-Sprecherin Inge Schultes-Holenka: "Zur Zeit laufen die Marktanalysen in Brüssel, daher will sich die Konzernzentrale momentan dazu nicht äußern.“

Transparenz in Wien

Transparenz in Architekturfragen: Ein Muss für die Wiener Stadträte Bernhard Görg (öVP) und Werner Faymann (SPö). Zumindest erklärten das beide vor der Gemeinderatswahl. Die Vorgänge rund um den Wiener Kaipalast, der von der Baupolizei vor wenigen Wochen zum Abbruch freigegeben wurde, zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Um das 1911 vom Wiener Architekten Ignaz Reiser geplante Geschäftshaus, eines der ersten Stahlbetonbauwerke Wiens, ranken sich Spekulationen um nicht veröffentlichte Gutachten und Unmut über den mutwilligen Abbruch eines aus architekturhistorischer Sicht wertvollen Gebäudes.

Die Zürich Kosmos Versicherung, seit 1930 Eigentümer, hatte 1997 laut eigenen Angaben sechs Millionen Schilling in eine Sanierung des Hauses investiert, diese Arbeiten aber eingestellt, nachdem schwere Schäden an der Tragkonstruktion infolge eines Brandes zutage getreten waren. Der Statiker Peter Kramer wurde mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt, das der vom Bundesdenkmalamt beigestellte Gutachter Alfred Pauser bestätigte: Sanierungsmaßnahmen an den Decken würden keinen im heutigen Sinn konsensfähigen Bauzustand sicherstellen, so die Schlussfolgerung. Als Konsequenz entschloss sich die Versicherung 1999, den Abbruch zu beantragen und einen Architektenwettbewerb für den Neubau eines Büro- und Geschäftshauses auszuschreiben, den das österreichische Architektenduo Marta Schreieck und Dieter Henke gewann.

Unterschriftslos

Die Porr AG hat Probleme mit ihren Bürohausprojekten. Der Florido Plaza im Wien-Floridsdorf, von der Porr-Tochter UBM entwickelt, soll Ende September übergeben werden, noch gibt es aber keinen einzigen unterschriebenen Mietvertrag für die 36.000 m2 Bürofläche. Dass es mit der Verwertung Probleme gibt, zeigt der Umstand, dass die deutsche Real IS, deren Bayernfonds den Florido mit der UBM vermarktet, nicht nur die Wiener Mannschaft, sondern auch das Raum- und Verwertungskonzept des Towers total umgekrempelt hat.

Für Real-Geschäftsführer Jürgen Schmid war das Konzept Shopping-Entertainment, wie es gerade in der Millennium City am Handelskai durchgezogen wird, abschreckendes Beispiel: "Diese Mischform hat keine Zukunft. Wir sind mit der Verwertung mit Absicht nicht frühzeitig auf den Markt gegangen, weil wir uns die Mieter aussuchen wollen", behauptet Schmid.

Auch die Porr selbst hat ihre lieben Sorgen. Der "Office Provider", direkt neben der Konzernzentrale am Laaerberg gelegen, wird Ende das Jahres fertig. Auch dort kann man sich über keine fixen Mieter für 16. 000 m2 freuen. "Es könnte schneller gehen", gibt man in der Verwertungsabteilung zu.

Dass es für das Bürohaus auf der überplattung der Südost-Tangente lediglich unterschriftsreife Verträge gibt, sieht der Wiener Immobiliensachverständige Alfons Metzger nicht dramatisch: "Es gibt so genannte Ankermieter, die warten, bis ein oder zwei unterschrieben haben und ziehen dann nach. Außerdem geht heute der Trend dahin, dass Developer dem Käufer Mietgarantien geben. Gekauft wird nur, wenn das Haus zu 80 Prozent ausgemietet ist."

Planspiele

Georg Stonawski hat sich viel vorgenommen: "Unser Ziel ist es, bautechnische Daten so miteinander zu verknüpfen, dass das Aufstellen eines Krans mitsamt der dafür notwendigen Logistik nicht nur dreidimensional, sondern auch im zeitlichen Ablauf darstellbar wird." Stonawski ist Leiter des Zentrums für Virtual Reality VRVis, das sich seit Mitte vergangenen Jahres mit der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet von Virtual Reality und den Möglichkeiten der Visualisierungstechnik beschäftigt. Nun hat sich das Kompetenzzentrum mit der 3D-Grafikschmiede Imagination und der Mischek Ziviltechniker GmbH zusammengetan, um alle für ein Bauvorhaben relevanten Informationen zu sammeln und den Bauprozess vom Entwurf bis zum Betrieb grafisch nachvollziehbar machen zu können.

"Es gibt ja viele CAD-Systeme", so Stonawski. "Wir wollen aber alle Ablaufdetails einer Baustelle in einem 3D-Modell digital simulieren, um darzustellen, wie die Planung ineinander greifen muss." Das Forschungsprojekt für dieses Controlling Tool befindet sich noch ein der Spezifikationsphase, mit ersten Ergebnissen rechnet Stonawski in einem halben Jahr.

Kompetenzzentren sind der letzte Schrei. In diesen Pools arbeiten Forschung und Wirtschaft zum beiderseitigen Gewinn zusammen. Und das beste daran ist, dass sie von Bund und Ländern gefördert werden. VRVis wird zu 60 Prozent gefördert, der Rest kommt aus der Wirtschaft. In einigen Wochen will man sich auch entsprechend präsentieren: mit einem Standort im neu eröffneten Tech Gate Vienna in der Donaucity.

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