Menu
A+ A A-
Archiv

Archiv (11315)

Ausgaben für Online-Werbung gestiegen

Insgesamt wurden von Januar bis September 174,7 Millionen Euro für Werbung im Internet ausgegeben. Dem Markt- und Medienforscher Nielsen Media Research nach gaben werbetreibende Unternehmen im September sogar um 48 Prozent mehr für Online-Werbung aus alsim September des Vorjahres.

EDV-Dienstleister investieren ein knappes Drittel ihres gesamtenWerbebudgets in Online-Werbung und sind damit Spitzenreiter. Insgesamt ist der Anteil der Online-Werbung am gesamten Werbekuchen aber noch immer mager, nämlich 1,5 Prozent.

Read more...

Das Geschäft mit der Sicherheit

Sie sind in den Medien: die Bedrohungen, die Schwachstellen, die Verletzungen, die Ausbrüche, die Katastrophen in den Netzwerken und an den Arbeitsplätzen der Nutzer. Parallel ist die Botschaft der neuen Arbeitswelt klar: Alles wird IT. Die Konsequenzen sind folglich absehbar: IT sollte verdammt noch einmal gehörig geschützt werden. Dennoch: Als »irrsinnig traurig« schätzen namhafte Experten die Lage der österreichischen Klein- und Mittelbetriebe (KMU) im Umgang mit der IT-Sicherheit ein. Der missionarische Eifer, der die Security-Branche seit den ersten Großangriffen der Virenschreiber zu jährlich fixen Wachstumsschüben verholfen hat, ist also mehr denn je angebracht. Von einem Ins-Trockene-Bringen der Schäfchen ist auch in diesem Jahr nichts zu bemerken. Denn sie werden von Mal zu Mal gieriger - die Wölfe, die mitunter ganze Zombienetzwerke in einem Höllentempo auf bemitleidenswerte Webserver loslassen. Von einer Sättigung des Sicherheitsmarktes kann keine Rede sein, »Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, solange böse Leute Böses tun«, sagt Jörg Schneider, Manager Trend Micro - vom Dachverband der globalen Schäfer (für sichere, grüne Wiesen). Während also die Großgrundbesitzer wenigstens Firewall und Virenscanner zur Verteidigung ihrer Ressourcen im Anschlag haben, agieren kleinere Unternehmen in der Traumwandelskala oft ganz oben. So mancher Produktmanager reibt sich ob dieser Sorglosigkeit die Hände. »Mit der Dummheit der Leute lässt sich ganz ordentlich Geld verdienen«, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Schließlich agiert ein Großteil der KMU alles andere als proaktiv. Virenschutz passiert bei österreichischen KMU vor allem anlassgetrieben. Das heißt: Security-Software wird erst NACH Eintritt der Katastrophe installiert respektive auf den letzten Stand gebracht. »Dass die Awareness bei den KMU sehr gering ist, merken wir stets am Desinteresse an der Teilnahme bei einschlägigen Veranstaltungen«, heißt es bei Siemens Business Services (SBS). Selbst an »speziellen Veranstaltungen« für KMU würde »praktisch niemand« teilnehmen. Diesem enormen Unverständnis wird aber durch Bankkriterien wie Basel II ein Zeithorizont gesetzt. Die Banken werden Unternehmen aufgrund mangelnder IT-Sicherheit in deren Netzwerken schlechter bewerten. Derzeit ist Basel II aber noch ein »zahnloser Tiger«, wie es eine SBS-Expertin formuliert. Den Kreditinstituten fehlen noch die richtigen, effizienten Werkzeuge. Bis es aber so weit ist, darf anhand folgender Trends investiert werden:

Thema Spyware. Auch wenn die Probleme mit Viren und Spam noch lange nicht gelöst sind, sehen Experten wie Aladdin Knowledge Systems das Jahr 2005 vor allem im Zeichen von Spyware. Mittlerweile haben sich mehr als siebzig Prozent der weltweit agierenden Virenprogrammierer auf die Erstellung und Verbreitung von Spyware konzentriert. Analysten gehen davon aus, dass innerhalb der nächsten zwölf Monate mindestens 25 Prozent der gewerblich genutzten Rechner von Spyware befallen sein werden. Bislang waren die Malicious-Code-Programmierer darauf aus, sich technologischen Herausforderungen zu stellen und möglichst großen Schaden anzurichten. Heute ist die Motivation Geld. Es gibt schließlich kein wirksameres Motiv. »Wir haben bislang 30.000 verschiedene Malware-Codes im Spyware-Umfeld entdecken können«, beschreibt Trend-Micro-Experte Schneider die »enormen Zuwachsraten«. Spyware hat viele Gesichter: Dialer, Key-Logger, Adware oder auch Cookies. Allesamt versuchen die Codes, Information über den Nutzer - Persönliches, Surfverhalten, Passwörter, Kredikartennummern - zu bekommen. Unternehmen empfiehlt Schneider eine »mehrschichtige Strategie«, um dem Problem Herr zu werden. Etwa den Einsatz von Download- und .exe-Blockern bereits am Netzwerk-Gateway. Denn Spyware sei vor allem eins: hartnäckig. Codes solcher Art würden sich richtiggehend im Unternehmensnetz »eingraben«.

Thema Phishing. Einer der Trendsetter des Jahres 2004 sorgt auch heuer für Furore: Phishing. Dem Internetnutzer wird dabei die Echtheit einer Website vorgegaukelt. Tatsächlich bewegt sich das Opfer auf fremden Seiten, die etwa als Kopie einer Onlinebank-Applikation nur Böses im Sinn haben. Ein Passwort ist schnell mal eingegeben, die Folgen können fatal sein. »Die werden immer raffinierter«, heißt es aus den Labors der Security-Experten. Besonders ausgeklügelte Websites täuschen eine korrekte Internetadresse (URL) vor. Das Loginfenster wird dann aber von einem fremden Server bereitgestellt. Die bislang höchste Kunst der URL-Täuschmanöver: Mittels »Address Bar Spoofing« wird über die URL-Anzeige des Internetbrowsers eine Bilddatei mit dem Adressfaksimile gelegt. Kurzes Aufatmen ist dennoch gestattet: »Im Moment sind deutschsprachige Unternehmen vom Problem Phishing noch nicht betroffen«, sagt Schneider. Es sind vor allem US-Unternehmen wie Citibank.com, die bereits Angriffe solcher Art verkraften mussten. Der Rat des Experten: »Die Kunden betroffener Unternehmen sollten effizient über den Angriff informiert werden. Am besten gleich auf der Firmenhomepage selbst.«

Thema Risikomanagement. Abseits jener Risikoanalysen, denen sich vor allem größere Unternehmen jährlich unterziehen, gewinnen nun flexible Echtzeitlösungen im Risikomanagement zunehmend an Bedeutung. Dem Vorstand in den Unternehmen ist mittlerweile bewusst, welche Verluste und Schäden Ausfälle der IT bedeuten. »Wöchentlich sollte ein Report erstellt werden, der alle Schwachstellen in den Netzwerken detailliert nach Schadenspotenzial auflistet«, rät McAfee-Chef Alexis Kahr. Nötig dazu sei eine detaillierte Vorgabe, welche Teile der Infrastruktur bei Ausfall welchen Schaden verursachen. In einfacheren Worten: »Die Risiken muss der Kunde selbst mit Dollars oder Euros assoziieren.« Jedes System mit IP-Adresse bekommt eine eigene Wertung verpasst, die mitunter bestimmt, in welcher Reihenfolge Patches installiert werden. In großen Netzwerken ist dies ein virulentes Thema: »Stellen Sie sich vor«, so Kahr, »Sie hätten ein Netzwerk von 5000 bis 10.000 Geräten und es ist Patch-Day bei Microsoft. Und bei Oracle. Und Cisco. Und SAP. « Erster Nebeneffekt der Managementlösung: Der Vorstand bekommt durch die Reports genauestens mit, wie schnell die IT-Mitarbeiter auf neue Szenarien reagieren. »Das hat unheimlichen erzieherischen Wert«, erzählen die Experten. Zweiter Nebeneffekt: Mitunter werden durch Risikomanagementlösungen Netzteilnehmer automatisch erfasst, auf die irgendwann einmal vergessen wurde. »Wir hatten bei einem Kunden in der Küche hinter dem Kühlschrank einen Server entdeckt, der von allen unbemerkt permanent Viren ins Netz schleuderte«, ist eine der Lieblingsanekdoten des McAfee-Managers.

Thema Managed IDS. Datendiebstähle stellen eine immer größere Bedrohung für Unternehmen dar. Ein Sicherheitsdienst für sensible Daten wird daher immer unerlässlicher. üblicherweise schützen Firewall, Virenscanner, Spamfilter sowie gegebenenfalls ein VPN-Gateway die Netzwerke der Unternehmen. »Genau wie Panzertüren und Tresore bei Banken stellen aber Schutzmechanismen nur eine zeitliche Hürde dar, die Eindringlinge überwinden können«, weiß Christian Mock, Technikvorstand des österreichischen Security-Experten CoreTEC. »Banken engagieren deshalb rund um die Uhr zusätzlich einen Sicherheitsdienst, der sofort einschreiten kann, um Einbrechern rechtzeitig das Handwerk zu legen.« Mock rät daher zu professionell betreuten Intrusion-Detection-Systemen (IDS), in denen Netzwerkspezialisten aus Fleisch und Blut rund um die Uhr das Netzwerk überwachen. So könne auf atypisches Verhalten, das noch in keiner Signatursammlung enthalten ist, sofort reagiert werden. »Eine solche Lösung sieht alles. Die Spezialisten sind dann zur Stelle - noch bevor etwas passiert«, heißt es bei CoreTEC.

Thema ASP. In Zusammenhang mit Sicherheitslösungen lässt Joe Pichlmayr, Geschäftsführer Ikarus Software, das Thema Application-Service-Providing wieder aufleben. »Aus Kundensicht verursachen Antivirenlösungen nur Kosten«, weiß er und versucht, mit externem Softwareservice die Kunden zu begeistern. »Ein ASP-gestützter Virenscanner wächst optimal mit dem Unternehmen mit. Der Kunden muss sich nicht mehr mit Software, Hardware, Updates, Lizenzen oder der einschlägigen IT-Mannschaft herumschlagen«, so Pichlmayr, der entsprechende Services auf Netzebene bereitstellt. ASP-Lösungen würden herkömmliche Produkte um rund ein Drittel unterbieten können. Und: Mit der Hilfe von außen werde manch Mühsal bereits im Vorfeld abgestellt. »Es macht einen Riesenunterschied, ob ein Mailserver in einem Unternehmen täglich 100.000 Spam-Mails empfängt, oder diese bereits außerhalb ausgefiltert werden«, so der Ikarus-Manager. Nebenbei ist Pichlmayr auch auf Providerebene aktiv: Nach den ersten großen Attacken des Sobig.F-Wurms im Sommer 2003 hätten die Carrier gelernt, die Viren- und Wurmfilter direkt an den Netzknoten einzusetzen. Der Grund: Die Masse der Endkunden braucht stets mehrere Wochen, um aktuelle Patches auf ihren Rechnern zu installieren. »Firmen agieren da aufgrund der eigenen Infrastruktur wesentlich besser«, ortet Pichlmayr, der mitunter auch dem Landesprovider Telekom Austria Filterlösungen liefert. In der Regel mit eindrucksvollen Ergebnissen: »Sobald die Telekom einen globalen Filter setzt, sieht man die Virennetzwerke zusammenbrechen.«

Fazit, ganzheitlich. »Besonders KMU stehen oft vor der Herausforderung, ihr Unternehmensnetz mit geringeren Budgets gegen die gleichen Bedrohungen wie die Großunternehmen absichern zu müssen«, weiß Symantec-Geschäftsführer Klaus-Jürgen Jandl. Durchgängige Security-Lösungen würden dabei den größten Effekt erzielen. »Sicherheit wird nicht durch Einzellösungen erreicht, sondern nur durch ein umfassendes Sicherheitsmanagement«, so auch SBS-Geschäftsführer Albert Felbauer. Der Tenor: sowohl Mitarbeiter als auch die Unternehmensprozesse müssen in die Sicherheitskonzepte miteinbezogen werden. »Die Technik alleine ist zu wenig.«

Read more...

Im Test: Canon EOS 20D

Das robuste und widerstandsfähige Magnesium-Gehäuse der EOS 20D ist zwar kompakter und leichter als das ihrer Vorgängerin, trotzdem bringt sie ungefähr 800 Gramm auf die Waage. Immerhin ist ihr Untergerüst aus Edelstahl, was ihre Robustheit erklärt. Sie gehört aber bei weitem nicht zu den schwersten Kameras ihrer Klasse. Die Kamera liegt gut in der Hand und macht dank Gummiarmierung am Handgriff auch bei feuchten Händen keine Probleme.

Charakteristisch für die EOS 20D sind vor allem die Verschmelzung von Hauptschalter und Einstellrad-Sperre. Die restlichen Bedienelemente sind übersichtlich und an den gewohnten Stellen platziert. Selbstverständlich lassen sich alle für die Aufnahme wichtigen Einstellungen ganz ohne Ausflug in das Kameramenü vornehmen und werden auf der monochromen Flüssigkristallanzeige auf der Kameraoberseite zusammengefasst. Damit man auch bei Nacht fotografieren kann, ist diese per Knopfdruck beleuchtbar.

Der 1,8 Zoll-Farbbildschirm mit 118.000 Bildpunkten, auf dem die Bilder im Wiedergabemodus und das Menü eingeblendet werden, gehört zwar nicht zu den größten und hochauflösendsten seiner Art, reicht aber aus, um per Lupenfunktion die Bildschärfe nachträglich zu kontrollieren und um die übersicht über die Funktionen bzw. Einstellungen zu behalten.

Der Spiegelreflexsucher ist, neben der Wechselobjektiv-Kompatibilität, wohl der wichtigste Grund, warum man sich eine Spiegelreflexkamera wie die EOS 20D kauft. Sie verfügt über einen echten Prismensucher. Die Umlenkung des vom Objektiv eingefangenen Bildes zum Okular erfolgt also über ein Glasprisma -und nicht über eine Spiegelkonstruktion. Das verhilft der EOS 20D u. a. zu einem helleren Sucherbild.

Auf die inneren Werte kommt es an
Aber auch die inneren Leistungen wurden teilweise neu entwickelt und verbessert. Das wird auch gleich nach dem Einschalten klar: In nur 0,2 Sekunden ist die EOS 20D aufnahmebereit. Die Auslöseverzögerung von 65 Millisekunden liegt auf Profi-Niveau. Verantwortlich für den schnellen Antritt ist in erster Linie der neue DIGIC II Prozessor, der bei immer mehr Kameras zum Einsatz kommt.
Die erweiterte Puffergröße des DIGIC-Prozessors der zweiten Generation macht eine Serienbildgeschwindigkeit von 23 Bildern in Folge bei bis zu 5 Bildern pro Sekunde möglich und übertrifft die EOS 10D um fast das Doppelte.

Viele Vorteile beim praktischen Einsatz bringt vor allem auch das neue Autofokus-System, das einen größeren Bildbereich abdeckt als das AF-System der EOS 10D, und vor allem erheblich schneller geworden ist. Die Präzision und Schnelligkeit mit der die EOS 20D die Position des Hauptmotivs im Bild erkennt und auf die entsprechende Stelle scharf stellt, ist sehr gut.

Bildqualität
Der neue 8,2-Megapixel-CMOS-Sensor sorgt für eine hervorragende Bildqualität. Daneben bietet der Sensor einen Empfindlichkeitsbereich von ISO 100-1600, der in der \"H“-Einstellung sogar auf ISO 3200 \"gepusht\" werden kann.

Die EOS 20D besitzt als erste Canon Spiegelreflexkamera einen vielseitigen Monochrom-Modus mit dem Schwarzweißaufnahmen mit ähnlichen Optionen wie bei der analogen Fotografie möglich sind. Besonders erwähnenswert sind dabei Aufnahmefiltersimulationen für die Filterfarben Gelb, Orange, Rot und Grün. Diese können digital in fast der gleichen Weise eingesetzt werden, wie es fortgeschrittene Schwarzweißfotografen mit Schwarzweißfilmen tun. So entstehen mit einer Rotfilterung beispielsweise besonders dramatische Wolkeneffekte, der Grünfilter sorgt bei Schwarzweißportraits für eine angenehmere Hauttonwiedergabe. Weiters stehen verschiedene Effekte für Tönungen in den Farben Sepia, Blau, Violett und Grün zur Verfügung

Datenübertragung zum PC
Die EOS 20D ist als erste digitale Canon Spiegelreflexkamera mit der schnellen USB 2.0 Hi-Speed Schnittstelle ausgestattet, die rund 40mal schneller als USB 1.1. ist. Für ein noch schnelles Herunterladen der Bilder auf einen Computer. Darüber hinaus unterstützt sie PictBridge für den Direktdruck über kompatible Fotodrucker.

Achtung Blitz
Die Kamera ist mit allen Canon Blitzgeräten der EX-Reihe kompatibel. Der integrierte Blitz der EOS 20D klappt höher aus als bei der EOS 10D und reduziert so die Gefahr roter \"Blitzaugen“. Für noch bessere Ergebnisse ist die EOS 20D mit der entfernungsgekoppelten E-TTL II Blitzmessung ausgestattet. E-TTL II bezieht bei der Berechnung der Blitzleistung zusätzliche Faktoren wie die Entfernungseinstellung des Objektivs in die Umgebungslichtmessung ein und verfügt über eine Erkennung für reflektierende Objekte. Auf diese Weise wird die Qualität bei Blitzaufnahmen vor allem in kritischen Situationen verbessert.

Fazit:
Die Canon EOS 20D entpuppt sich als genau das, was sie vorgibt zu sein: eine digitale Spiegelreflexkamera für den semiprofessionellen Anwender. Mit ihrem neu entwickelten 8,2 Megapixel CMOS-Sensor, Verlängerungsfaktor 1,6, mit einer Serienbildgeschwindigkeit von bis zu 5 Bildern pro Sekunde sowie dem neuen 9-Punkt Autofokus und dem entfernungsgekoppelten E-TTL II Blitzsystem etabliert sich die Nachfolgerin der EOS 10D in punkto Leistung, Geschwindigkeit und Flexibilität auf dem Niveau hochwertiger analoger Spiegelreflexkameras.

Plus/Minus:
+ Digic II-Prozessor
+ Autofokus
+ E-TTL II Blitzmessung
- keine Videofunktion
- keine Aufzeichnung von Sprachkommentaren

Read more...

Bekannte Diskussion

Nicht nur in österreich kämpfen die Alternativen Internetprovider für eine Senkung der Mietgebühr (der Report berichtete) für die Last-Mile zum Endkunden: Eine Entscheidung der deutschen Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) zu den neuen Entgelten für die Nutzung der Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) hat heftige Reaktionen hervorgerufen. Nach Auffassung von Branchenverbänden und Unternehmen begünstige die deutsche Regulierungspolitik weiter den ehemaligen Staatsmonopolisten Telekom, anstatt den Wettbewerb zu fördern. Dadurch würden Investitionen verzögert, eine mögliche Wachstumsdynamik und die Etablierung neuer Breitbanddienste gebremst.

Rainer Lüddemann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften (BREKO), kritisiert an der regulatorischen Festlegung des Entgeltes vor allem den immer noch zu hohen Preis von 10,65 Euro und prognostiziert eine Rücknahme oder den Aufschub von Investitionsvorhaben seiner Mitgliedsfirmen. \"Dieses im europäischen Vergleich deutlich zu hohe TAL-Entgelt nimmt unseren Mitgliedern den ökonomischen Anreiz, den Ausbau von Breitbandanschlüssen besonders in der Fläche voranzutreiben, da sich die geplanten Investitionen in Höhe von 500 Mio. Euro so nicht rentieren.\" Dies sei besonders ärgerlich, da Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ohnehin eine geringe DSL-Durchdringung aufweise. \"Deutschland droht die digitale Spaltung zwischen breitbandigen Ballungsräumen und schlecht angebundenen ländlichen Gebieten. Für den ländlichen Raum entstehen daraus klare Standortnachteile: die Ansiedlung von Unternehmen wird erschwert, Aus- und Weiterbildungsangebote aus dem Netz können nicht wahr genommen werden und die Möglichkeit von Behördengängen per Mausklick oder günstiger Online-Einkäufe bleiben verbaut\", so Branchenvertreter Lüddemann.

Ein niedriger TAL-Preis ist das wesentliche Kriterium für Infrastrukturinvestitionen und den Flächenausbau. Denn die TAL verbindet die Netze der Wettbewerber mit den Endkunden, die zumeist an die Infrastruktur der Telekom angeschlossen sind. Das für die Nutzung dieser Infrastruktur anfallende Entgelt ist somit ein Kostenfaktor, der über die Wettbewerbsfähigkeit der darüber zur Verfügung gestellten Dienste entscheidet. In anderen europäischen Ländern liegen die Preise zum Teil deutlich niedriger als in Deutschland: Laut dem 10. Umsetzungsbericht der Europäischen Kommission zahlen in Italien Wettbewerber lediglich 8,30 Euro für die Nutzung der letzten Meile, in Dänemark liegt der Preis bei 8,60 Euro und in den Niederlanden bei 9,60 Euro. Im europäischen Durchschnitt liegt man mit 9,74 Euro deutlich unter dem Niveau von Deutschland. Entsprechend den Preisen entwickelt sich auch die Wettbewerbsdynamik. Auch Sandro Bazzanella, Regulatory Affairs Director der European Competitive Telecommunications Association (ECTA), vertritt die Auffassung, dass durch die hohen TAL-Entgelte in Deutschland die Wettbewerbs- und Investitionsdynamik leidet. Er verweist auf Frankreich, wo die Entbündelung der Endkundenzugänge drei Jahre später begann und jetzt schon mehr TALs vermietet würden als in Deutschland. Er widerspricht damit einem Bericht der FAZ, in dem es heißt: \"Obwohl der Preis in anderen EU-Staaten zum Teil deutlich niedriger ist, verkaufen sich die Leitungen dort längst nicht so gut wie in Deutschland, wo die Telekom jeden Monat rund 100.000 neue Leitungen vermietet.\"

\"Die Entscheidung der Regulierungsbehörde passt in das gewohnte Bild: Regulierung wird hier zum Schutze der Telekom betrieben, an der der Staat nach wie vor 30 Prozent der Anteile hält. Volkswirtschaftlich wirkt sich das verheerend aus und ist mitverantwortlich für die Krise der deutschen TK-Branche in den vergangenen Jahren\", kritisiert Omar Khorshed, Vorstandschef der Düsseldorfer acoreus AG. Breitbandanschlüsse seien eine zwingende Vorraussetzung für eine Vielzahl von Diensten wie etwa den webbasierten Zugang zu Behörden, E-Learning und E-Health. \"Erst wenn Diensteanbieter unter verschiedenen Wettbewerbern die günstigste und leistungsfähigste Infrastruktur auswählen können, ist ein echter Wettbewerb der Netze sichergestellt\", so Khorshed, dessen Unternehmen auf Abrechnungsprozesse in der ITK-Branche spezialisiert ist.

Ein intensiver Ausbau der Infrastruktur für Breitband-Kommunikation führt nach den Erfahrungen von BREKO-Geschäftsführer Lüddemann unmittelbar zu mehr Wettbewerb: \"Immer wenn unsere Mitglieder in Regionen, die bisher nicht erschlossen waren, Breitbandanschlüsse bereitstellen, zieht die Telekom nach - es entsteht unmittelbarer Wettbewerb, der im Interesse der Endverbraucher liegt. Bei TAL-Kosten von über zehn Euro ist es für unsere Mitglieder jedoch nicht rentabel, abseits liegende Gebiete zu erschließen und so den Wettbewerb einzuleiten.\" Zudem behindere der hohe TAL-Preis auch die Marktentwicklung der Internettelefonie (Voice over IP/VoIP), die in Deutschland im Vergleich zu den USA noch keine nennenswerten Marktanteile erobern konnte.

Read more...

»Dringender Evaluierungs bedarf«

Report: Herr Hennrich, der Infrastrukturbau floriert und die Rettung der Wohnbauförderung ist gelungen. 2004 erzielten die Unternehmen der Stein- und keramischen Industrie einen Umsatzzuwachs von mehr als sechs Prozent. Zudem sind viele Firmen erfolgreich auf Expansionskurs in Ost- und Südosteu-ropa. Sind das nicht erfreuliche Zeiten?
Carl Hennrich: Vordergründig sieht es so aus, als ob alles im Lot wäre. Die 6,5 Prozent Wachstum sind die höchste Rate seit etwa zehn Jahren. Aber die Ergebnisse sind etwas verzerrt. Erstens macht sich beim Export, der recht gut floriert, die Euro-Dollar-Relation bemerkbar. Zweitens konnten offenbar jene Kosten, wie Road Pricing, Energiepreis und der Stahlpreis, die wir auch im vergangenen Jahr hatten, in Umsatzzuwächse verwandelt werden. Drittens, und das ist das, was viele übersehen, dass das Jahr 2004 drei Arbeitstage mehr hatte wie 2003. Allein Letzteres macht 1,2 Prozent der 6,5 Prozent aus.

Bleibt immer noch ein ordentliches Wachstum übrig, oder?
Wir liegen mit diesen 6,5 Prozent immer noch einiges unter der Industrieproduktion, die nach den vorläufigen Ergebnissen der Statistik Austria um 9,4 Prozent gestiegen ist. Unser Anteil an der gesamten Industrieproduktion ist damit kleiner geworden. Aber insgesamt gesehen läuft das Geschäft ganz gut, wenn man von den ersten drei Monaten dieses Jahres absieht.

Ist der Finanzfluss abgeebbt?
Nein, nach meinen Informationen fließen heuer 1,4 Milliarden in die Straße und 1,2 Milliarden in die Schiene. Das sind schöne Aufträge für den Tiefbau. Ursache für das zögerliche Anlaufen ist der lange Winter. Allein die Zementindustrie liegt in den ersten vier Monaten 3,5 Prozent gegenüber dem Jahr 2004 zurück. Der Hochbau ist insgesamt verhaltener zu beurteilen. Im Vorjahr wurden mit Sicherheit nicht mehr wie 40.000 Wohneinheiten gebaut. Das sind doch rund 5000 weniger, wie wir vertragen könnten, um eine ausgewogene Relation zwischen Angebot und Nachfrage zu erhalten. Unterm Strich ist die Auftragslage gut. Wir brauchen aber jetzt sicher bis Jahresmitte, um den witterungsbedingten Rückstand aufzuholen.

Der Verband hat sich für 2005 vorgenommen, die Harmonisierung der Bauordnungen zu finalisieren. Wie steht es darum?
Das ist über die Bühne. Die sechs Richtlinien, die den Kern der Vereinheitlichung der Bauordnungen darstellen, sind fertiggestellt und befinden sich derzeit im Stadium der Umsetzung bzw. wir warten darauf, dass die Richtlinien von OIB ins Begutachtungsverfahren geschickt werden. Wir rechnen damit, dass die neuen Richtlinien im Lauf des Jahres 2006 von den Ländern in ihren Landesgesetzblättern kundgemacht werden.

Wie entwickelt sich Ihrer Ansicht die Causa mit der Zulassung von Baustoffen und deren überwachung? Da gibt es ja immer wieder Klagen gegen Einzelfälle, die wenig bringen.
Das Problem ist ungelöst. Was die Baustoffzulassung auf österreichischer Ebene betrifft, gibt es einen weitreichenden Kompromiss zwischen den Ländern, vertreten durch das OIB einerseits und das Normungsinstitut andererseits. Die Länder sind jetzt bereit, auch Nichtvertragsparteien für die Baustoffzulassung zu akzeptieren. Umgesetzt ist das noch nicht, wir warten darauf, dass dieser Akt umgesetzt wird. Weit schwieriger ist das Thema Marktüberwachung. Hier gibt es kaum Lösungsansätze, die wirklich greifen. Fest steht aber: Je mehr Normen europaweit harmonisiert werden, desto mehr Fälle gibt es. Mit 1. Juni 2004 sind die harmonisierten Normen für Gesteinskörnungen in Kraft getreten. Seither hat sich die Zahl der Beanstandungen stark erhöht. In diesem Segment sind hunderte Firmen tätig, die sich zum Teil wenig scheren. Daher verlangen wir auch eine Marktüberwachung, weil wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass das Prüfungs- und überwachungssystem unheimlich teuer ist und jene, die sich an das System halten, geschützt werden müssen. Letztlich gehen wir davon aus, dass die geprüften Baustoffe eine bessere Qualität aufweisen. Dass wir Qualitätsprobleme auf dem Bau haben, wissen wir. Dass es sich dabei nicht immer um Ausführungsprobleme handelt, wissen wir auch.

Sie meinen inländische Unternehmen?
Ja, da sind inländische Unternehmen, also eigene Mitglieder gemeint. Natürlich gibt es im Import auch Verkrampfungen, weil sich die heimischen Verarbeiter ja nach billigem Material umsehen.

Wie steht es um die Verhandlungen zum Rohstoffplan?
Da wird viel im Hintergrund gearbeitet. Tatsache ist, dass die Montanauniversität einen Auftrag vom Wirtschaftsministerium hat, der erst kürzlich wieder verlängert wurde. Die Causa verursacht aber einen erheblichen Aufwand, da ja hunderte Raumordnungs- und Flächenwidmungspläne in den Rohstoffplan einfließen müssen.

Ein Schlagwort Ihres Verbandes ist die Standortsicherung. Was hat das mit der Stein- und keramischen Industrie zu tun?
Wir haben nicht das Problem der Textilindustrie. Wir erzeugen Baustoffe, deren Transportradius begrenzt ist. Das ist ein natürlicher Schutz gegen die Globalisierung. Das heißt aber nicht, dass wir nicht in Teilbereichen gefährdet sind. Seit dem Fall der Grenzen können sich die Radien für Zement und Ziegel voll entfalten. Daher müssen wir danach trachten, annähernd gleiche Standortbedingungen zu bekommen wie etwa in der Slowakei, wo die Löhne deutlich niedriger sind und die Arbeitszeiten flexibler.

So viel können Sie da aber nicht zu tun haben, das sind ja großteils die eigenen Mitglieder, die dort aktiv sind?
(Lacht.) Es gibt wenig Troubles. Den österreichischen Investoren im Baustoffbereich muss man zweifellos ein großes Kompliment machen. Sie haben die Chancen erkannt und genutzt.

Nur der Baustoffhandel hadert, oder?
Das stimmt. Der Handel war offenbar mit seinen internen Positionskämpfen so sehr beschäftigt, dass für einen Blick über den Zaun keine Zeit war. Ein weiteres Problem sind vermutlich auch die fehlenden Kapazitäten im mittleren Management. Wir würden unsere Baustoffe gerne mit den vertrauten Partnern an den Mann bringen, das geht uns im Osten sicher ab.

Sie fordern eine Erhöhung des Gewichtslimits für Baustofftransporte. Der Geschäftsführer des Verbandes der Zementwerke, Felix Friembichler, hat kürzlich erklärt, dass ein 38-Tonnen-Lkw die Fahrbahn 120.000-mal stärker belastet wie ein Pkw. Wie passt das zusammen?
Ach so. Das ändert freilich nichts daran, dass es unsere Kosten senken würde, wenn wir bei Baustofftransporten das Gewichtslimit auf 44 Tonnen erhöhen könnten, wie es bei Rundholztransporten teilweise möglich ist. Unsere Hauptsorgen sind aber derzeit andere.

Das Thema Emissionszertifikate etwa?
Emissionshandel, Bergbauabfall und das Imissionsschutzgesetz Luft sind sicher wichtige Bereiche auf der Passivseite. Auf der aktiven Seiten Wohnbau und Generalverkehrsplan, der unserer Ansicht nach jährlich evaluiert werden sollte. Es wäre angesichts der Kostenexplosion dringend notwendig, sich mit dem Generalverkehrsplan auseinander zu setzen.

Kann das noch unter Minister Gorbach passieren?
Offenbar fehlt der politische Wille, im Jahr oder Monate vor der Nationalratswahl das zu machen. Die nächsten Monate sind ja finanziert. Wenn es stimmt, dass die Kosten von 7,5 auf zwölf Milliarden hinaufgeschnellt sind, muss man sich dringend fragen, wie es weitergehen soll. Eines ist sicher: Zu einer Erhöhung der Lkw-Maut sollte es aus unserer Sicht nicht kommen, weil wir glauben, dass die jetzigen Tarife die Obergrenze der möglichen Belastungen erreicht haben.

Ohne Mehrerlöse wird die Infrastruktur auf hohem Niveau aber schwierig finanzierbar sein?
Wir haben ja das warnende Beispiel Deutschland, wo die Infrastruktur vernachlässigt wurde, und sich die Situation erst durch die Einführung der Lkw-Maut deutlich bessert.

Höre ich da ein sanftes Plädoyer für die Pkw-Maut?
Die Leute müssen wissen, was sie wollen. Ob sie in Zukunft frei fahren wollen und damit auch mehr bezahlen müssen.

Ist der Verband in der Sache der Emissionszertifikate gespalten? Unternehmen der Ziegelindustrie haben ja den Rechtsweg zur Anfechtung der Verteilung der Zertifikate gewählt, die Zementindustrie setzt auf Konsens?
Das ist nicht schwierig für uns. Wir waren bei den Verhandlungen dabei. Es ist ein Unterscheid zwischen diesen beiden Zweigen. Die Zementindustrie sagt, wir wurden schlecht bedient, und wir setzen unsere Kraft für die Verhandlungen in der zweiten Runde ein. Die Ziegelindustrie hat einen verschwindend geringen Anteil an den Gesamtemissionen und die einzelnen Ziegelunternehmen wurden noch schlechter bedient wie die Zementindustrie. Wir wissen, dass auch die Beamten im Umweltministerium wissen, dass die Ziegelindustrie schlecht behandelt wurde. Die Erfolgsaussichten für ein kleines Ziegelunternehmen oder auch Wienerberger sind größer als die der Zementindustrie. Wir haben aber kein Problem, dass die einen sich wehren und die anderen stillhalten.

Welche Ideen hat ihr Verband zur Gebäuderichtlinie?
Die Geschichte mit dem Energieausweis ist positiv und gehört gemäß den EU-Richtlinien umgesetzt. Wir sollten aber nicht den Fehler machen, gleich zu Beginn übers Ziel zu schießen, wie es der derzeitige Entwurf vorsieht. Ein Energieausweis für alle Gebäude wäre nicht machbar, weil es nicht genug geprüfte Zivilingenieure gibt, die diesen Ausweis ausstellen können. Prinzipiell sehen wir den Energieausweis aber positiv, weil wir im Sektor Raumwärme dringendsten Handlungsbedarf im Hinblick auf das Kioto-Ziel haben.

Kriegen die massiven Baustoffe damit ein Problem?
Tatsache ist, dass die monolithische Bauweise die größten Probleme kriegen wird. Es setzt sich aber ohnedies immer stärker die Systembauweise durch. Es gibt ja seit zwei Jahren die Kooperation zwischen der Ziegelindustrie und der Qualitätsgruppe Vollwärmeschutz. Die Ziegelindustrie hat ja realisiert, dass die hohen Anforderungen beim Wärmeschutz nur mehr in Kombination mit anderen Materialien machbar sind.

Braucht es die vielen Verbände noch, wenn die Realität ohnehin zur Kooperation zwingt?
Ich bin froh, dass es viele Verbände gibt, weil die sich um die Technik, das Marketing und die Normen kümmern.

Also keine Notwendigkeit, Verbände zu reduzieren? Besteht nicht die Gefahr, dass durch viele Verbände das große Gesamte aus dem Auge verloren wird?
Vielleicht. Was ich kritisiere, ist, dass es kein geschlossenes Auftreten der Bauwirtschaft zugunsten des Bauens gibt. Die Mobilfunkbetreiber haben ein gemeinsames Forum. Die Papierindustrie schaut auch, dass ihr Absatz stimmt. Im Bau gibt es so viele Partikularinteressen. Dass man sagt, wir haben enormen Baubedarf in den einzelnen Segmenten, machen wir es gemeinsam und starten wir eine Imagekampagne für das Bauen, das fehlt sicher. Wir in der Baustoffindustrie versuchen aber, die Firmen bei der Stange zu halten, und ich glaube, das gelingt uns nicht so schlecht. Viele Fäden laufen bei uns zusammen.

Read more...

Die Verbrauchs Ausgaben 2001

Laut einer RegioPlan-Studie wurde in österreich vergangenes Jahr beinahe jeder fünfte Euro für Verkehr und Telekommunikation ausgegeben.

Diese Ausgaben - 17,4 % - übersteigen damit bereits die Ausgaben für Wohnen (17,1 %), Bildung/Erholung (13,3 %) sowie Einrichtung/Hausrat (10,5 %).Das größte Stück am Kuchen der Verbrauchsausgaben gehört dem Bereich Ernährung. Für Urlaube wird durchschnittlich doppelt so viel ausgegeben wie für Erziehung und Bildung. Für Glücksspiele geht viermal soviel über den Ladentisch wie für Bücher.

Der Bereich Telekommunikation und Telefon-/Online-Gebühren ist mit durchschnittlich 652 Euro annähernd den Ausgaben für Tabakwaren (659 Euro) gleichzusetzen. Die Ausgaben für Mobilnetzgebühren machen bereits die Hälfte der Festnetzgebühren aus.

Read more...

Auf der Flucht

In gewisser Weise erinnert die Diskussion über den Brain Drain, der \"Austrocknung\" eines Landes infolge einer konzentrierten Abwanderung der \"klugen\" Köpfe, an eine pseudo-religiöse Auseinandersetzung. Während die eine Seite fest von seiner Existenz überzeugt ist, gibt sich die Gegenseite atheistisch, leugnet sein Vorhandensein und spricht von einer - medial aufgeheizten - Massenhysterie. Das altbekannte Problem: Es fehlen die Beweise. Das spärlich vorhandene Zahlenmaterial besteht aus Schätzungen und Hochrechnungen, die auf eben jenen Schätzungen basieren. Und dennoch, wie es sich für eine Religion gehört, bewegt das Thema die Menschen - die Gläubigen wie die Ungläubigen.
Zu ersteren zählt sich Forschungsstaatssekretär Eduard Mainoni, der Kraft seines Amtes eng mit der Thematik verbunden ist: \"Einen Brain Drain gibt es sicher. Die Abwanderung von Forschern, speziell im naturwissenschaftlichen Bereich, ist für mich ein Faktum.\" Aus eigener Erfahrung kennt Peter Skalicky, Rektor der TU Wien, das Phänomen Brain Drain: \"Aufgrund schlechter Rahmenbedingungen verlieren wir immer wieder herausragende Studenten und Professoren ans Ausland.\"
überraschenderweise im Lager der Ungläubigen angesiedelt sind zahlreiche Vertreter der Wirtschaft. Harald Kaszonits von der Wirtschaftskammer sieht \"im Brain Drain momentan kein Problem für die Wirtschaft\". Unterstützung erhält Kaszonits von Firmen wie Siemens, Fronius, Böhler-Uddeholm und Berndorf, die sich vom Brain Drain nicht betroffen fühlen.

Eine Bestandsaufnahme
Derzeit leben rund 355.000 registrierte und 500.000 geschätzte österreicher im Ausland, davon etwa 180.000 in Deutschland, 25.000 in der Schweiz, 15.000 in Australien und überraschenderweise nur knapp 10.000 in den USA. Wie bereits erwähnt gibt es kein statistisches Zahlenmaterial zu im Ausland tätigen österreichischen Forschern, ebenso wenig existieren Daten zu Universitätsabsolventen, die österreich nach Beendigung ihres Studium verlassen. Seriöse Rückschlüsse lassen derzeit nur die Daten der Ascina (Austrian Scientists and Scholars in North America) zu. Man geht davon aus, dass ein Großteil der Forscher, die österreich verlassen haben, in Nordamerika ihre neue berufliche Heimat gefunden haben. In den letzten Jahren machte immer wieder die Zahl 1.500 Forschern in Nordamerika die Runde. Diese Zahl stellt aber vermutlich eine deutliche Unterschätzung dar: Alleine der Verein Ascina umfasst etwa 600 Mitglieder, wobei ein Großteil von ihnen in den gebieten Life Sciences, Mathematik und IT tätig ist. Geht man von einer deutlich besseren Verteilung auf die unterschiedlicheren Forschungsgebieten aus, ist die Zahl 1.500 nicht lange haltbar. Zudem gibt es zahlreiche Forscher, die im industriellen und damit viel schlechter vernetzten Umfeld tätig sind und wahrscheinlich nie statistisch erfasst wurden. Diese Zahlen an sich sind wenig beunruhigend, man muss sich allerdings die Frage stellen, ob der F&E-Standort österreich diese Abwanderung verkraften kann.

Die Wirtschaft
Wie bereits eingangs erwähnt, spielt der Brain Drain bei großen, weltweit etablierten Unternehmen eine eher untergeordnete Rolle. Siemens, Magna, Fronius oder Infineon verfügen über einen Bekanntheitsgrad und ein Arbeitsumfeld, das jungen Forschern interessante und herausfordernde Perspektiven bietet. Deutlich schwieriger wird es für Firmen aus der zweiten Reihe. \"Hochspezialisierte Unternehmen von Weltruf wie AVL List werden immer bestens qualifizierte Leute bekommen\", ist Walter Hanus, CEO beim Technologie-Dienstleister IVM, überzeugt. \"Jeder TU-Absolvent bewirbt sich mit einer Blindbewerbung bei der Firma Siemens, aber nicht bei uns. Wenn die Absolventen dann keinen Job bei den leuchtenden Flaggschiffen der österreichischen Wirtschaft bekommen, gehen sie oft Ausland.\" Das Problem sei aber nicht, dass die Absolventen nicht für Firmen aus der zweiten Reihe arbeiten wollen, sondern vielmehr, dass diese Firmen einfach zu wenig bekannt seien. \"Die Universitäten halten die Daten ihrer Absolventen unter Verschluss. Dadurch ist es auch für uns sehr schwierig, an sie heranzutreten.\" Hanus ist fest davon überzeugt, dass österreich auf große Probleme zusteuert, wenn das Problem Brain Drain nicht rasch angegangen wird. Dafür müssen die Rahmenbedingungen an die veränderte globale Wettbewerbssituation angepasst werden. Ein erster Schritt wurde vom Finanzministerium mit der Novellierung des Paragraph 103 des Einkommenssteuergesetzes vollzogen. Demnach zahlen ausländische Forscher in österreich künftig den gleichen Steuersatz, den sie auch im Herkunftsland entrichten mussten. Neben dem Steuergesetz gibt es aber auch noch Probleme mit dem Pensionsrecht. Jemand der im Alter von 45 nach österreich kommt bzw. zurückkommt, würde aufgrund der geringen Anzahl an Beitragsmonaten eine dementsprechende niedrige Pension erhalten. \"An diesem Problem arbeiten wir im Moment\", erklärt Mainoni und hofft auf die Möglichkeit, die im Herkunftsland verfallende Pension nach österreich transferieren zu können. Ob die Ursprungsländer bei diesem Plan mitspielen, darf bezweifelt werden.

Eine weitere wichtige Säule im Kampf um bessere Rahmenbedingungen ist die Höhe der nationalen Forschungsquote. Drei Prozent des BIP soll sie im Jahr 2010 betragen, sagt die Lissabon Strategie. 2004 lag die Forschungsquote bei 2,27 Prozent. Für 2005 waren 2,35 Prozent prognostiziert, 2006 sollen es 2,5 Prozent sein. Eine Politik der kleinen Schritte, dennoch sieht Staatssekretär Mainoni Grund zur Freude: \"Berechnungen des Instituts für Höhere Studien haben ergeben, dass durch die Forschungsoffensive 2005, bei der 100 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt werden, die Forschungsquote von prognostizierten 2,35 Prozent des BIP auf 2,39 Prozent des BIP ansteigen wird. Somit ergibt sich nach dieser Berechnung für das Jahr 2006 eine Forschungsquote von über 2,5 Prozent.\" Das Institut für Höhere Studien weist aber auch darauf hin, dass zur weiteren Erhöhung der F&E-Quote ein entsprechendes Arbeitskräfteangebot zur Verfügung stehen müsse. Die oftmals kolportierte Forschungslücke von 1.000 Forschern pro Jahr sei zwar zu hoch gegriffen, dennoch sei der Arbeitsmarkt für qualifiziertes Forschungspersonal schon jetzt weitestgehend ausgetrocknet. Um den Forscherbedarf auch in Zukunft stillen zu können, müssen jetzt in der Ausbildung die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. \"Investitionen in Humankapital müssen einen längeren Horizont haben, bis es zur Pay-off-Periode kommt, in der ausgebildete Menschen auch tatsächlich forschen können\", so Bernhard Felderer vom Institut für Höhere Studien.

Die Universitäten
Die Situation an den heimischen Universitäten, allen voran den technischen Unis, erscheint aber - gelinde gesagt - äußerst trist. Nicht nur die amerikanischen Eliteuniversitäten, die immer wieder als leuchtendes Beispiel herangezogen werden, lassen die heimischen Universitäten relativ alt aussehen. Auch Zürich, München und Stockholm verfügen mittlerweile über bessere Rahmenbedingungen als Wien und Graz. \"Die TU-Wien hat immer wieder hochkarätige Bewerbungen für Professuren, die Infrastruktur ist aber derartig mangelhaft, dass viele Bewerber Engagements im Ausland vorziehen\", erklärt Rektor Skalicky. Um die weltweit renommierte Physikerin Ulrike Diebold nach Wien zu lotsen, war die TU Wien bereit, die laut Skalicky enorme Summe von einer Million Euro zu investieren. Im Gegenzug wurden von ihrer amerikanischen Stammuniversität, der Tulane University in New Orleans, 30 Millionen Euro für Forschung und Infrastruktur zugesagt. \"Da können wir einfach nicht mit\", erklärt Skalicky resignierend. Aus dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur hört man zu der prekären Situation lediglich, dass \"die Universitäten, wenn sie bessere Leute haben wollen, halt weniger Computer kaufen sollen\". Eine Aussage, die nicht nur Skalicky verärgert. Er sieht darin ein weiteres Indiz für das \"Unverständnis im Ministerium\". Viel wichtiger als die Gehälter der Professoren sei die Ausstattung, vor allem im technischen Bereich. \"Wenn jemand von einer ausländischen Uni nach Wien kommen soll, dann erwartet er sich zumindest eine gleichwertige Ausstattung. Die können wir aufgrund budgetärer Engpässe aber oft nicht bieten. Wenn es nach dem Ministerium geht, sollten wir bei immer kleiner werdenden Budgets eine immer bessere Ausstattung liefern. Tut mir leid, aber das geht einfach nicht.\" Auf der letzten Rektorenkonferenz sei festgestellt worden, dass für alle österreichischen Universitäten ein Nachholbedarf von rund 200 Millionen Euro bestünde. Unterstützung erhält Skalicky vom sozialdemokratischen Wissenschaftssprecher Josef Broukal: \"Im Jahr 1999 standen den Unis 1,22 Prozent des BIP zur Verfügung, im Budget 2006 bekommen sie nur mehr 0,98 Prozent, also um ein Fünftel weniger.\" Alleine um den bestehenden Betrieb aufrechterhalten zu können, wäre aber laut Broukal eine Erhöhung von 3,5 Prozent pro Jahr erforderlich. Neben mangelhaften Rahmenbedingungen fehlen in österreich oftmals aber auch die beruflichen Perspektiven, erklärt Christoph Badelt, Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien. Verkrustete Personalstrukturen würden dafür sorgen, dass hervorragende junge Mitarbeiter auf Jahre hinaus keine Chance auf eine Stelle an einer heimischen Universität hätten. Zwar wäre es durch die Autonomie der Universitäten möglich, neue Professuren zu schaffen, aber dafür fehle schlicht und einfach das Geld. Dem Problem der fehlenden Perspektive junger Absolventen hat sich Staatssekretär Mainoni angenommen und gemeinsam mit österreichs Paradephysiker Anton Zeilinger das AIST, Austrian Institute for Science and Technology, zu seinem Lieblingsthema erhoben. Diese \"University of Excellence\", landläufig und etwas irreführend als Elite-Universität ein Begriff, soll, so Mainoni, postgradual besonders begabten Menschen die Möglichkeit geben, nach dem Abschluss ihres Studiums, an einer Spitzenuniversität ihre Forschung weiterzuführen. Um die Auswanderung von Wissenschaftern zu verhindern und um die Forscherquote zu erhöhen, hat sich selbst die SPö - trotz der ideologischen Problematik des Elitebegriffs - dafür ausgesprochen, eine Elite-Uni in österreich zu etablieren. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die öffentlichen Universitäten nicht (weiter) ausgehungert werden. \"Die bestehenden Unis sind seit Jahren unterfinanziert. Um für Lehrende und Studierende erträgliche Verhältnisse zu schaffen, muss die Finanzierung dieser Unis absolute Priorität haben\", so Broukal.

Rückholaktion
Im Frühjahr 2004 wurden im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie die Zeichen der Zeit erkannt und groß angelegte Rückholaktionen angekündigt. Zwar mehren sich die Vorwürfe, dass bislang noch nicht wirklich viel passiert ist, erste Ansätze sind aber erkennbar. Mit \"brainpower austria\" soll österreichischen Forschern gezielt die Möglichkeit geboten werden, in die Heimat zurückzukehren. über die Internetplattform www.brainpower-austria.at werden Jobangebote und Jobnachfragen koordiniert. Interessierten Forschern werden finanzielle Unterstützung für anstehende Bewerbungsgespräche (Flug- und Nächtigungskosten) sowie organisatorische Hilfe etwa für die Wohnungssuche angeboten. Derzeit sind 171 aktive Jobsucher und 173 Jobangebote registriert. Die Vermittlung gestaltet sich aber mitunter als schwierig. \"Der Austausch findet auf einem sehr hohen Level statt\", weiß Staatssekretär Mainoni, \"nicht jeder Bewerber kommt für die angebotenen Jobs in Frage.\" Dennoch sieht er die Initiative als (kursiv)eine(kursiv) wichtige Gegenmaßnahme zum Brain Drain. Ein weiterer Punkt ist die Headquarter-Strategie: \"Wenn wir es schaffen, die Headquarter großer Konzerne nach österreich zu bringen, kommt die F&E-Abteilung zwangsläufig mit. Bei Infineon waren wir bereits erfolgreich. Der Umzug von München nach Wien war ein wichtiges Signal. Mit weiteren Konzernen sind wir im Gespräch.\" Das Paradebeispiel für eine geglückte Rückholaktion ist Josef Penninger, Forscher von Weltrang und als künftiger Nobelpreisträger gehandelt. Nach Jahren in Kanada ist er nach österreich zurückgekehrt, wo er als Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Molekulare Biotechnologie seine Forschungsarbeit fortsetzt. Wollen wir hoffen, dass es nicht bei dem einen Aushängeschild bleibt.

Read more...

Hubert tut was!

Infrastrukturminister Hubert Gorbach, Vizekanzler mit Ablaufdatum, ist mit seiner Freizügigkeit in Bedrängnis geraten. Zuerst bestätigte er den Medien, dass er seine Zeit als Minister nutzt, um für die Zeit danach vorzusorgen. Wenige Tage danach forderte er eine Volksabstimmung zum Thema Neutralität, und nebenbei stellte er gleich auch noch die Sinnfrage zum Thema Heer. Kurzum, Gorbach spielte einen Sonntag lang starker Vizekanzler. Am Mittwoch danach las er an der Seite von Kanzler Wolfgang Schüssel seine Richtigstellung zur Neutralität vor. Am Donnerstag lud Gorbach wieder zu einem Infrastrukturgipfel. Um jene Projekte zu erläutern, die schon anlässlich des Jobgipfels am 1. Mai verkündet wurden. »300 Millionen Euro für dreißig kleinere Sanierungs- und Erweiterungsprojekte für die Straße und die Schiene in den Bundesländern«, lautet der Slogan. Und es sind tatsächlich viele kleine Vorhaben. Genaugenommen 76 Stück. Addiert man die veranschlagten Kosten für die Projekte, ergibt sich eine Summe von 272,9 Millionen.
Man hat sich in ministerieller Penibilität sichtlich bemüht, genug Projekte zu finden. Ein Infopoint am Westbahnhof, der als »Reinvestition Hochbau« definiert ist, wiegt gerade einmal 100.000 Euro. Die Nachrüstung eines Blindenleitsystems am Bahnsteig in Kufstein ist mit 200.000 Euro veranschlagt. Aber es sind auch dicke Brummer unter den Projekten, die zweite Röhre des Roppener Tunnels in Tirol ist mit 23 Millionen veranschlagt. Von so was kann die SP-Domäne Wien bloß träumen. In der Bundeshauptstadt sind die Projekte mit einem Gesamtvolumen von 4,4 Millionen schnell addiert. Niederösterreichs Schienenprojekte werden mit 49,7 Millionen beziffert. Dazu kommen noch die sieben Millionen für die Generalerneuerung der A 22 in Stockerau. Die Steiermark wird mit 12,7 Millionen Schienengeld und knapp 22 Millionen für Straße und Lärmschutz bedient. Größtes Projekt ist die Erneuerung der Betondecke und Brücken Laßnitzhöhe - Graz Ost um zehn Millionen. Vorarlberg erhält in Summe 17 Millionen, wobei die Vorziehung der zweiten Röhre des Pfändertunnels mit zwölf Millionen veranschlagt ist. Das Burgenland darf um neun Millionen den Knoten Wulkaprodersdorf an der S 31 voll ausbauen. In Oberösterreich werden Schienenprojekte um 28,2 Millionen realisiert. Das größte Projekt ist die Gleiserneuerung zwischen Schärding und Taufkirchen um knapp 13 Millionen. Weitere 34,5 Millionen fließen in Straßenprojekte. Größter Brocken: Tunnelsicherheit für die A 9-Tunnelkette zwischen Klaus und St. Pankratz mit zwanzig Millionen. In Tirol wird sich die zweite Röhre des Roppener Tunnels mit 23 Millionen zu Buche schlagen. In die Bahn fließen 5,7 Millionen. Kärnten kriegt knapp vier Millionen für die Schiene und 15 Millionen für die »Forcierung der Umweltentlastungsmaßnahmen« an der A 10.
Eines muss man dem Vizekanzler schon lassen: Bei aller Zeit, die er für Bewerbungen und Neutralitätsgedanken vertandelt, ist er dennoch supereffizient. Er weiß immerhin, was die öBB tun wird. Die Bahncompany selbst, die immerhin demnächst die Hälfte der 273 Ministermillionen verbauen soll, weiß von alldem nichts. »Die Liste der Projekte wird bis Ende Juni erarbeitet«, erklärt der Sprecher von öBB-Chef Martin Huber. Dass die vom Minister vorgelegten Schieneninfrastrukturprojekte also tatsächlich realisiert werden, bleibt bis dahin wohl offen. »Wenn zwei das Gleiche wollen, dann hat einer nicht nachgedacht«, kommentierte Gorbach kürzlich aufgetretene politische Widersprüche.
Ob die genannten Infrastrukturprojekte realisiert werden, ist auch gar nicht wirklich wichtig. Relevant ist, ob fragwürdige Großvorhaben, wie etwa der Koralmtunnel, gebaut werden. Das wird aber erst gar nicht diskutiert, weil scheinbar ohnehin alle Beteiligten davon ausgehen, dass die Koralmfans nach der nächsten Wahl sich im schwarzen Loch auflösen. Dann ist der Weg frei und das Geld vorhanden für den von Niederösterreich so heiß ersehnten neuen Semmering-Tunnel.
Martin Huber, Chef der öBB-Holding, hat unterdessen ganz andere Sorgen. Bis vor seinem Wechsel zur Bahn saß er hoch oben im Büroturm der Porr. Vergleichsweise kläglich ist sein Dasein dagegen in den verstaubten, wenig repräsentativen Büros im 1. Bezirk. Wie sollte damit bei der Bahn was weitergehen? Kurzum, eine neue Zentrale muss her. Geduld ist Hubers Tugend nicht, weshalb die schnelle Lösung kommen soll. Warum auch nicht, Leerstand gibt es zur Genüge, die Preise sind inflationär. Rund 500 Mitarbeiter will Huber in seiner Nähe haben, logischerweise jene der Holding, der Dienstleistungs GmbH und jene der Immobilien GmbH. Infrage kommen mehrere Objekte, die sich nach Mietern sehnen. Gut schwitzen lässt es sich dem Vernehmen nach in den Twin Towers, wo bekanntlich bei der Haustechnik gespart wurde. Gute Partys steigen im IZD-Tower in der Wagramer Straße, wo laufend mittels Events um Alt- und Neumieter gebuhlt wird. Die Dresdner Straße lockt das Big Biz. Weiters steht das ehemalige Universale-Bürohaus am Hietzinger Kai auf Hubers Shortlist. Egal wohin Huber geht, er kann sich’s nur verbessern. An Argumenten für einen Standortwechsel fehlt es nicht. Derzeit sei die öBB allein in Wien auf zwanzig Standorte verteilt, heißt es. Es spricht für den Immobilienprofi Huber, dass er die Ineffizienz prompt erkannt hat. Geht die öBB-Holding in die Twin Towers, hat der öBB-Aufsichtsratschef Wolfgang Reithofer zumindest einen guten Riecher gehabt. Wienerberger stieg erst Ende 2004 aus der Twin-Tower-Projektgesellschaft aus. Einer möglichen Unvereinbarkeit hat der Wienerberger-Chef somit schon vorab den Wind aus den Segeln genommen. Dazu kommt, dass es sich beim Umzug der öBB-Holding ja eher um eine temporäre Sache handeln dürfte, da gerüchteweise parallel zum Umzugsmanagement bereits Neubaupläne ausgeheckt werden. Dem Vernehmen nach sollte die öBB-Chefetage spätestens 2008 in ein Bürogebäude am Wiener Westbahnhof übersiedeln. »Es gibt keinen Auftrag für die Planung einer neuen Unternehmenszentrale«, erklärt Hubers Sprecher Gary Pippan. Dass übersiedelungen mit Reibungsverlusten verbunden sind, ist kein Geheimnis. Symptomatisch ist die zentrale Rufnummer der öBB. Wählen Sie 93000, bekommen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zu hören, dass im Augenblick alle Leitungen besetzt sind. Eine Bahn ist sozusagen außer Haus.
Fix ist unterdessen, dass kein zweiter Geschäftsführer für die öBB Immobilien GmbH bestellt wird. »Sollte kein geeigneter Kandidat dabei sein, werden wir den Posten nicht nachbesetzen«, gab öBB-Chef Huber kürzlich der APA zu Protokoll. Was erstens ein Beweis dafür ist, dass Hubers Vertrauen in Personalberater nicht besonders ausgeprägt ist. Und zweitens doch deutliche Zweifel ausdrückt, dass der zweite Chefsitz in der Immobiliengesellschaft wirklich benötigt wird.
Read more...
Subscribe to this RSS feed